La Passione New

La Passione / Chris Rea

aus dem Jahr 1996

Wie Chris Rea seine große Liebe in Musik goss

Es gibt Alben, die einfach nur gute Songs aneinanderreihen – und es gibt Alben, die ein ganzes Herzensprojekt sind. „La Passione“ von Chris Rea, veröffentlicht 1996, gehört ganz klar in die zweite Kategorie. Wer Rea bislang nur von seinen rauchig-bluesigen Rockballaden kannte, erlebt hier einen Künstler, der sich mit Haut und Haaren einem einzigen Thema verschreibt: seiner lebenslangen Leidenschaft für Italien und den Motorsport.

Ein Film als Ausgangspunkt

„La Passione“ ist der Soundtrack zu einem gleichnamigen Kinofilm, den Rea selbst geschrieben und produziert hat, Regie führte John B. Hobbs. Die Geschichte ist unverkennbar von Reas eigener Kindheit inspiriert: Er wuchs in Middlesbrough als Sohn einer italienischen Einwandererfamilie auf, die dort ein Eiscafé betrieb – im Film wird daraus die Geschichte eines zehnjährigen Jungen, der sich in die Welt des Motorsports verliebt und zum glühenden Verehrer des Ferrari-Rennfahrers Wolfgang von Trips wird. Rea hat einmal sinngemäß beschrieben, dass wohl jeder irgendwann diesen einen Moment kennt, in dem ein kindliches Gemüt plötzlich von einer Leidenschaft ergriffen wird – bei ihm war es eben der Rennsport. Genau dieses Gefühl von jugendlicher Begeisterung zieht sich als roter Faden durch das gesamte Album.

Ein mutiger musikalischer Ausbruch

Das Spannende an „La Passione“ ist, wie sehr sich Rea hier von seinem gewohnten Sound löst. Natürlich gibt es mit Stücken wie „When The Grey Skies Turn To Blue“ auch die typische, warme Rea-Ballade, und „Only To Fly“ liefert den vertrauten rockigen Drive. Doch der Großteil des Albums bewegt sich in völlig neuem Terrain: Das Eröffnungsstück, das Titelthema „La Passione“, ist ein großer, filmisch-orchestraler Score, der an die legendären Italowestern-Klänge eines Ennio Morricone erinnert – große Emotion, weite Klangflächen, viel Raum zum Träumen.

Der emotionale Höhepunkt des Albums ist zweifellos das Duett „Shirley Do You Own A Ferrari?“, bei dem Rea die große Shirley Bassey ans Mikrofon holt. Wenn das Orchester zum Einsatz einsetzt, sobald Bassey ihre Antwort besingt, bekommt man Gänsehaut – ein echter Moment von Kino-Größe, mitten auf einem Popalbum. Auch die Tanzflächen-Variante „‚Disco‘ La Passione“, die Rea gemeinsam mit Bassey aufnahm, wurde ein eigenständiger Hit und schaffte es in mehreren europäischen Ländern in die Top 40.

Handwerk mit Herzblut

Was „La Passione“ so besonders macht, ist die Ernsthaftigkeit, mit der Rea dieses Projekt angegangen ist. Er hat hier nicht einfach nebenbei eine Filmmusik abgeliefert, sondern ein Werk geschaffen, das seinen künstlerischen Ehrgeiz und seine Detailverliebtheit widerspiegelt. Die Mischung aus orchestralen Score-Stücken, klassischem Rea-Songwriting und großen Duett-Momenten macht das Album zu einer echten Entdeckungsreise – jeder Song erzählt ein kleines Stück der Geschichte weiter.

Kommerziell erreichte das Album in Großbritannien Platz 43 der Charts und wurde später mit Silber ausgezeichnet – ein solides Ergebnis, das vor allem von Reas treuer Fangemeinde getragen wurde. Wer es also verpasst hat: Es lohnt sich, dieses Kapitel in Reas Diskografie zu entdecken.

Bis heute ein Liebhaberstück

2015 bekam „La Passione“ sogar noch eine zweite Chance: Eine aufwendige Deluxe-Neuauflage brachte neue, bis dahin unveröffentlichte Orchesterstücke, remasterte Originalaufnahmen und dazu zwei DVDs – mit neu geschnittenen Kurzfilmen und einer Dokumentation über Wolfgang von Trips. Das zeigt, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt und wie sehr es Chris Rea bis heute am Herzen liegt.

Für alle, die Motorsport-Nostalgie, italienisches Lebensgefühl und große orchestrale Klangbilder mögen, ist „La Passione“ eine echte Empfehlung. Es ist ein Album, das man nicht einfach nebenbei hört, sondern das man sich bewusst Zeit nimmt zu erleben – am besten mit geschlossenen Augen und der Vorstellung von kurvigen Alpenstraßen, brummenden Ferrari-Motoren und dem Glanz vergangener Rennsport-Ära.

Fazit: „La Passione“ ist der Beweis dafür, dass Chris Rea weit mehr kann als eingängige Radiohits – hier zeigt er sich als Geschichtenerzähler, Filmemacher und Orchesterkomponist in einem, angetrieben von einer ganz persönlichen Leidenschaft.


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