Discovery New
Discovery / Electric Light Orchestra
aus dem Jahr 1979
Wenn man über die großen Alben des Electric Light Orchestra spricht, fällt meist zuerst „Out of the Blue“. Doch das im Sommer 1979 veröffentlichte Nachfolgealbum „Discovery“ verdient mindestens genauso viel Liebe – und liefert einen der glanzvollsten Momente in der Bandgeschichte.
Ein mutiger Neuanfang
Nach dem sinfonischen Mammutwerk „Out of the Blue“ hätte man erwarten können, dass Jeff Lynne den eingeschlagenen Weg einfach weiterverfolgt. Stattdessen wagte er etwas Neues: Discovery entstand in den Musicland Studios in München und öffnete sich hörbar den Klängen der Discowelle, die Ende der Siebziger die Charts eroberte. Bandmitglied Richard Tandy gab dem Album deshalb liebevoll den Spitznamen „Disco Very“ – ein Wortspiel, das bis heute gerne zitiert wird.
Besonders spannend: Erstmals verzichtete die Band im Studio auf die klassischen Streicher, die ELO sonst so unverkennbar machten. Synthesizer und elektronische Texturen rückten stärker in den Vordergrund. Statt die Identität der Band zu verwässern, bewies dieser Schritt vor allem eines: wie flexibel und zukunftsoffen Jeff Lynne als Songwriter und Produzent war.
Ein Album voller Hits
Was „Discovery“ so besonders macht, ist die schiere Dichte an eingängigen, sofort mitsingbaren Songs. Gleich fünf Singles aus dem Album wurden zu Hits:
- „Shine a Little Love“ eröffnet das Album mit funkelndem Disco-Groove und sofort guter Laune.
- „Confusion“ überzeugt mit gezupfter 12-saitiger Akustikgitarre und Vocoder-Effekten – eine clevere Mischung aus Wärme und Zukunftssound.
- „The Diary of Horace Wimp“ knüpft mit seinem beatlesken Charme fast an „Mr. Blue Sky“ an und zeigt, dass ELO auch im Discojahr 1979 ihr Gespür für große Popmelodien nicht verloren hatte.
- „Last Train to London“ ist pure Tanzflächen-Energie mit einem Refrain, der sich sofort einprägt.
- „Don’t Bring Me Down“ wurde zum größten US-Hit der Bandgeschichte und ist bis heute eine der energiegeladensten ELO-Nummern überhaupt – ein mitreißender Ohrwurm mit unwiderstehlichem Refrain.
Dazwischen finden sich mit „Need Her Love“, „Midnight Blue“, „On the Run“ und „Wishing“ weitere Songs, die zeigen, wie ausgewogen das Album zwischen Tanzbarkeit und melodischem Songwriting balanciert.
Der Erfolg gibt der Band recht
Der Mut zur Veränderung wurde belohnt: „Discovery“ wurde ELOs allererstes Nummer-eins-Album in den britischen Charts und hielt sich dort ganze fünf Wochen an der Spitze. Auch in den USA erreichte das Album Top-Platzierungen. Für eine Band, die bereits mehrere erfolgreiche Alben veröffentlicht hatte, war das ein weiterer eindrucksvoller Höhepunkt.
Warum es sich lohnt, heute wieder reinzuhören
„Discovery“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine Band ihren Sound weiterentwickeln kann, ohne ihre musikalische DNA zu verlieren. Die glitzernden Synthesizer-Texturen, die tanzbaren Grooves und die makellosen Popmelodien machen das Album zu einem echten Zeitdokument der Disco-Ära – und gleichzeitig zu einem zeitlosen Vergnügen. Wer ELO bisher nur über „Mr. Blue Sky“ oder „Livin‘ Thing“ kennt, sollte sich unbedingt eine Stunde Zeit nehmen und sich von „Discovery“ mitreißen lassen. Von der ersten bis zur letzten Sekunde steckt dieses Album voller Energie, Kreativität und purer Spielfreude.
Ein Album, das seinen Spitznamen zu Recht trägt: Disco? Very!
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