Avalon New

Avalon / Roxy Music

aus dem Jahr 1982

Es gibt Alben, die man hört – und Alben, in die man eintaucht. „Avalon“ von Roxy Music, veröffentlicht im Mai 1982, gehört ohne Zweifel in die zweite Kategorie. Als achtes und letztes Studioalbum der britischen Band markiert es nicht nur den Abschluss einer außergewöhnlichen Karriere, sondern auch einen ihrer absoluten kreativen Höhepunkte.

Ein Klang wie Samt

Was „Avalon“ so besonders macht, ist seine unvergleichliche Atmosphäre. Wo frühere Roxy-Music-Alben noch von Art-Rock-Experimenten und kantigem Glam geprägt waren, präsentiert sich die Band hier von einer völlig neuen, geschliffenen Seite. Bryan Ferrys Gesang wirkt hier so entspannt und samtig wie nie zuvor, getragen von schimmernden Synthesizer-Flächen, sanften Saxofon-Linien und einem Gitarrenspiel, das mehr Textur als Riff ist. Das Ergebnis ist ein Sound, der elegant, nächtlich und fast schwerelos klingt – Musik wie ein langsamer Sonnenuntergang über dem Meer.

Die Songs

Der Titeltrack „Avalon“ ist pure Klangmalerei: mystisch, schwebend, mit dem unverwechselbaren Gesang von Yanick Étienne, der dem Stück eine geradezu spirituelle Tiefe verleiht. „More Than This“ wurde zur zeitlosen Hymne und öffnet das Album mit einer Melancholie, die zugleich tröstlich wirkt. „Take a Chance with Me“ zeigt die tanzbarere, funkigere Seite der Band, während „While My Heart Is Still Beating“ und „The Main Thing“ beweisen, wie meisterhaft Roxy Music Spannung und Zurückhaltung in Balance halten konnten.

Kein Song auf diesem Album wirkt wie Füllmaterial. Jedes Stück fügt sich nahtlos in eine größere Klanglandschaft ein – ein echtes Konzeptalbum im besten Sinne, das man am liebsten in einem Rutsch von Anfang bis Ende hört.

Ein Sound seiner Zeit – und weit darüber hinaus

„Avalon“ gilt heute als eines der prägendsten Werke dessen, was später als „Sophisti-Pop“ bezeichnet wurde: erwachsener, produktionsverliebter Pop, der die Clubkultur der frühen Achtziger mit jazzigen und ambienten Einflüssen verschmolz. Der Einfluss des Albums lässt sich bis heute in unzähligen Künstlern nachhören, von Sade bis hin zu modernen Dream-Pop- und Ambient-Produktionen. Es ist ein Album, das seiner Zeit voraus war und gleichzeitig zeitlos geblieben ist.

Warum es sich lohnt, wieder reinzuhören

Was „Avalon“ so besonders macht, ist seine Fähigkeit, gleichzeitig Hintergrundmusik und Kunstwerk zu sein. Man kann es leise im Hintergrund laufen lassen und sich von seiner Wärme einhüllen lassen – oder man setzt sich hin, hört bewusst hin und entdeckt die feinen Details in Produktion und Arrangement, die selbst über 40 Jahre nach Veröffentlichung frisch und modern klingen.

Roxy Music hätte sich kein schöneres Finale wünschen können. „Avalon“ ist der Klang einer Band, die genau wusste, wann und wie sie ihre Reise abschließen wollte: nicht mit einem lauten Knall, sondern mit einem eleganten, unvergesslichen Ausklang. Ein Album, das man immer wieder neu entdecken kann – und das jedes Mal ein kleines bisschen mehr preisgibt.


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