Willich – mein Seelenort am Niederrhein
Es gibt Städte, in denen man wohnt. Und es gibt Orte, die einen irgendwann von innen heraus geformt haben, ohne dass man es gemerkt hat. Willich ist für mich Letzteres...

I know that there′s a reason why I need to be alone
Lord Is It Mine, Supertramp, 1979
You show me there’s a silent place that I can call my own
Is it mine
Oh Lord is it mine
Es gibt Orte, die man in keinem Reiseführer findet. Kein Wahrzeichen, keine besondere Aussicht, kein Grund, warum jemand extra dorthin fahren würde. Und doch zieht es einen immer wieder genau dahin.
Bei meiner besseren Hälfte und mir kann es eine schlichte Bank am Rand eines kleinen Parks sein, halb verdeckt von einem alten Ahornbaum. Nichts Besonderes: ein Stück Grün, ein Weg, ein paar Enten auf dem angrenzenden Teich. Oder ein kleines Restaurant oder gar ein Imbiss, in dem man jedoch immer herzlich willkommen ist. Touristen verirren sich selten hierher, und das ist genau der Punkt.
Ein Seelenort braucht keine Kulisse. Er muss nicht beeindrucken, nicht fotogen sein und schon gar nicht auf einer Bucket List stehen. Seine Aufgabe ist eine andere: er nimmt einen so an, wie man gerade ist. Nach einem anstrengenden Tag reicht es, sich hinzusetzen, den Wind zu spüren, einfach etwas zu trinken, oder ein Eis oder eine Pizza zu essen und den eigenen Gedanken für ein paar Minuten nichts entgegenzusetzen.
Vielleicht liegt genau darin die Magie des Unspektakulären. Ein berühmter Ort verlangt Aufmerksamkeit – man soll ihn bewundern, sich an ihm erinnern, ihn festhalten. Ein Seelenort verlangt gar nichts. Er ist einfach da, verlässlich und unaufgeregt, Woche für Woche derselbe. Genau diese Beständigkeit schafft eine Art von Ruhe, die spektakuläre Orte selten bieten können.
Vielleicht ist es also gar nicht die Schönheit eines Ortes, die ihn zum Seelenort macht, sondern die Ruhe, die man dort in sich selbst findet.
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