Klaus Schulze

Die Grafiken/Bilder in diesem Beitrag wurden mittels KI generiert.

Im Strom der endlosen Klänge

Aktiv seit: 1968-2022

Violinen wachsen nicht auf Bäumen. Ein Synthesizer ist eine Maschine und deshalb kein menschliches Instrument? Das ist Unsinn.

Klaus Schulze

Es gibt Musik, die beginnt nicht einfach. Sie steigt auf. Sie atmet, wächst, dehnt sich aus und verwandelt den Raum, in dem man sie hört. Bei Klaus Schulze war Klang nie bloß Klang. Er war Landschaft, Zeitreise, Sternenlicht, Erinnerung.

Geboren wurde Klaus Schulze am 4. August 1947 in Berlin. Bevor sein Name untrennbar mit elektronischer Musik verbunden wurde, spielte er in den 1960er-Jahren in verschiedenen Rockbands und war 1968 bis 1969 Schlagzeuger beim Trio Psy Free. 1969 gehörte er zu Tangerine Dream, 1970 war er an der Gründung von Ash Ra Tempel beteiligt, bevor er 1971 seinen Weg als Solokünstler der elektronischen Musik begann.

Was danach entstand, war mehr als eine Diskografie. Es war ein Kosmos.

Mit Alben wie Irrlicht, Cyborg, Timewind, Moondawn, Mirage, X und Dune schuf Schulze Musik, die sich der üblichen Pop-Dramaturgie entzog. Keine schnellen Refrains, keine einfachen Höhepunkte, kein Bedürfnis, sich anzubiedern. Stattdessen: lange Bögen, pulsierende Sequenzen, schwebende Flächen, eine Geduld, die beinahe spirituell wirkt. Sein offizieller biografischer Überblick nennt unter anderem Irrlicht als erstes Soloalbum, Cyborg als zweites Soloalbum und Timewind als fünftes Soloalbum, für das er 1975 den „Grand Prix International“ erhielt.

Klaus Schulze war einer jener Künstler, die nicht nur Musik machten, sondern das Hören selbst veränderten. Wer sich auf seine Stücke einlässt, merkt schnell: Hier geht es nicht darum, einen Song zu konsumieren. Hier geht es darum, einzutreten. In einen Raum ohne Wände. In einen Rhythmus, der nicht treibt, sondern trägt. In eine Zeit, die nicht vergeht, sondern sich ausbreitet.

Seine Bedeutung für die elektronische Musik ist kaum zu überschätzen. In einem Nachruf wurde er als einer der bedeutendsten Pioniere der elektronischen Musik, als Mitbegründer der Berliner Schule und als Vertreter des Kraut-Rock beschrieben. Dort heißt es auch, viele internationale DJs hätten ihn respektvoll den „Godfather of Techno“ genannt.

Und doch wirkt diese Bezeichnung fast zu eng. Schulze war nicht nur Vorläufer. Er war nicht nur Einfluss. Er war ein eigener Kontinent. Seine Musik hatte etwas Architektonisches und zugleich etwas Flüssiges. Sie bestand aus Maschinen, aber sie klang nie kalt. Sie war technisch, aber nicht steril. Sie war groß, manchmal überwältigend groß, aber nie leer.

Vielleicht liegt genau darin seine Magie: Klaus Schulze zeigte, dass elektronische Musik nicht weniger menschlich sein muss, nur weil sie aus Synthesizern, Sequencern und Studioapparaturen entsteht. Im Gegenteil. Bei ihm wurden diese Geräte zu Instrumenten der Innerlichkeit. Sie konnten Sehnsucht ausdrücken, Weite, Unruhe, Melancholie und Staunen.

Über mehr als 50 Jahre hinweg habe Schulze, wie es in einem Nachruf formuliert wurde, seine „gewaltigen Klangteppiche“ ausgerollt, Sequenzen gespielt und jene besondere „Schulze-Atmosphäre“ geschaffen, die in Frankreich als „Musique Planante“ bezeichnet wurde.

Das ist ein schönes Wort: schwebende Musik. Musik, die nicht marschiert, nicht rennt, nicht drängt. Musik, die gleitet. Die einen mitnimmt, ohne zu ziehen. Die sich nicht erklären muss, weil sie etwas öffnet, das vor der Sprache liegt.

Klaus Schulze starb am 26. April 2022 im Alter von 74 Jahren. In der Meldung zu seinem Tod wurde er als deutscher Komponist, Musiker und Produzent gewürdigt. Doch solche Worte bleiben zu klein für das, was bleibt. Denn Schulzes Werk endet nicht an einem Datum. Es lebt weiter in dunklen Zimmern, in Kopfhörern, auf nächtlichen Autofahrten, in Studios, in Clubs, in den langen Atemzügen der elektronischen Musik.

Wer heute Ambient hört, Techno, Trance, elektronische Filmmusik oder experimentelle Klangkunst, hört irgendwo auch ein Echo von Klaus Schulze. Nicht immer direkt, nicht immer bewusst, aber spürbar. In der Geduld. In der Fläche. In der Vorstellung, dass ein einziger Ton ein Universum öffnen kann.

Klaus Schulze hat der Zukunft einen Klang gegeben. Und dieser Klang schwebt weiter.


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