Massive XL: Der Buchstabe, der 49 Euro kostet

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Native Instruments hat nach langem Ringen ein neues Produkt vorgestellt. Es heißt Massive XL, und der Name verrät schon alles über die Innovationsabteilung: Man hat den Massive X aus dem Jahr 2019 genommen und ein L drangehängt. Das Entwicklungsbudget ging offenbar komplett für die Typografie drauf.

Nach der Wiederbelebung des fast ein Vierteljahrhundert alten (immer noch grandiosen) Absynth Ende des Jahres 2025, dessen augenscheinliche Neuerungen ein Ladder-Filter, ein unbrauchbarer Preset-Browser und die Fähigkeit, ihn nach sage und schreibe 5 Jahren auf einem Apple-Rechner mit Silicon-Prozessoren zu nutzen sind, dürfen wir gespannt sein, was uns nun erwartet.

Die „Neuerungen”:

  • Preset Generator: Du fütterst ihn mit einer Audio-Referenz, und er baut daraus einen Patch. Laut Bedroom Producers Blog klappt das mit einfachen Referenzen besser als mit stark modulierten Sounds. Das Feature ist also am besten bei Sounds, die du auch mit zwei Reglern selbst hinbekommen hättest. Ein Assistent, der dir bei Aufgaben hilft, die du nicht brauchst.
  • Mutator und Randomizer: Das Ganze borgt sich kräftig bei Absynth 6. Wenn man schon nichts Neues baut, kann man wenigstens das Archiv plündern. Absolutes Highlight des Mutators: eine Undo-Funktion!
  • 100+ Wavetables: Darunter ist Material vom Original-Massive und klassische PPG-Wavetables. Du kaufst also zum zweiten Mal Wavetables, die du vielleicht schon 2006 mit dem Erscheinen von Massive hattest.
  • Effekte: Raum, Replika Shimmer und Tape Wobble, die in anderen NI-Produkten längst zu finden sind. Das ist das Sonderangebot aus dem eigenen Lager, nur teurer verpackt.
  • Animator-Locking: Das kam schon in Massive X 1.7.0 kostenlos, und Morpher und Animator liefen bereits im kostenlosen Massive X Player. Neu ist daran vor allem, dass man es jetzt als Kaufargument verkauft.
  • Wavetables-Erstellung aus Samples: Ein Knaller. Wären da nicht Instrumente von Arturia (Pigments) und Xfer (Serum), die das nicht längst können. Ganz zu schweigen von dem kostenlosen Synthesizer Vital.

Dazu gibt es eine überarbeitete Oberfläche, gar in zwei Farben! Ob das ein Upgrade ist oder die Reparatur dessen, was bei Massive X verbockt wurde, darf jeder selbst entscheiden. Es wäre auch äußerst ambitioniert, wenn es eine Demo-Version gäbe. Statt dessen darfst Du den kostenlosen Massive XL-Player herunterladen, der lediglich Sounds abspielt und dessen einzige Editiermöglichkeiten darin liegen, den Mutator und der Randomizer zu benutzen.

Die Rechnung

Regulär kostet Massive XL 199 €, bis zum 31. Dezember gibt es einen Einführungspreis von 99 €. Massive-X-Besitzer zahlen im Einführungszeitraum 49 €, danach 69 €. Für den Gegenwert eines ordentlichen Abendessens bekommst du also einen Preset-Würfel, Recycling-Wavetables und ein Facelift. Guten Appetit.

Das Drama im Hintergrund

NI ging im Januar in die vorläufige Insolvenz und wurde dann von inMusic übernommen. Massive XL gilt als die bedeutendste Instrumenten-Veröffentlichung seit dieser Übernahme. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die große Zukunftsvision nach der Rettung ist ein Sequel eines Synthesizers von 2006. Neu entwickelte Software-Synths? Fehlanzeige. Die Pipeline heißt Namenssuffix: X, XL, und wenn die Kasse wieder klingelt, kommt XXL.

Fazit

Massive war mal eine Ansage. Massive X gab es dann nicht einmal mehr als Standalone-Software – man war immer auf eine Host-Umgebung angewiesen! Massive XL ist eine Pressemitteilung mit angeschlossenem Warenkorb. Wer Massive X besitzt, behält sein Geld, die Nerven und vermutlich auch den besseren Workflow. Und wer noch nichts besitzt, kauft am besten gar nichts, sondern wartet, bis NI wieder etwas Neues baut. Vermutlich dauert das noch ein bis zwei Buchstaben.

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Da wird dann via Granularsynthese das Geräusch einer Waschmaschine zu einem gurgelnden Aboriginie, der 6-Stack Analog-Oszillator bildet das Fundament im Keller, der Additiv-Oszillator bringt die schimmernden Mega-Perls für eine gründliche Reinigung mit und die FM-Synthese liefert das Schleifen der Antriebswelle. Der euklidische Sequenzer liefert das perfekte Chaos und zig Filter, Phaser, Hall, Delay und anderes Gedöns schicken das Ganze in eine ferne Galaxie.
Alles in einem Patch!

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