"No hay nada ya, en ese lugar, todo es ficticio, nada de realidad"

Quer durch Kalifornien

Los Angeles, Santa Monica, Hollywood, Ventura, San Francisco, San Diego, Palm Desert, Palm Springs

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You can check out any time you like, But you can never leaveEagles, 1976

Diese Zeile aus dem weltberühmten Hotel California der Eagles aus dem Jahr 1976 spiegelt am besten die Reise durch Kalifornien wieder. Die Eltern meiner damaligen Lebensgefährtin feierten in Ventura ihre Goldhochzeit; in der selben Kirche, in der sie sich 50 Jahre zuvor das Ja-Wort gegeben hatten, im Kreise der großen Familie, die in Kalifornien verstreut lebt.

Regel Nummer Eins:
Fliege nie von Frankfurt aus ab!
Wir wollten uns mit den Eltern meiner damaligen Lebensgefährtin am Airport treffen, weil wir mit der gleichen Maschine nach Los Angeles fliegen wollten. Auf Grund des frühen Zubringerfluges von Düsseldorf hatten wir knapp 6 1/2 Stunden Aufenthalt in Frankfurt.
Günstigster Anbieter für einen Flug nach L.A. war Air India. Diese Airline fliegt jedoch nur einmal täglich von Frankfurt nach Los Angeles.
Nirgendwo war der Check-In von Air India ausgeschildert, man konnte auch sämtliche Leute am Flughafen fragen, es kam immer das gleiche, grenzdebile Kopfschütteln. Nach gut zwei Stunden Umherirren half uns dann ein sehr freundlicher Mitarbeiter der Iran Air weiter. Die schließen nämlich einen ihrer gefühlt 3 Dutzend Schalter und dieser wird dann von Air India benutzt. Soweit so gut, nur unser Jubelpaar, mit einem Zubringerflug von München unterwegs, kam und kam nicht. Wir sind wirklich als Letzte in die Maschine gegangen – ohne Eltern. Hatte ich erwähnt, dass uns nicht ein einziger Mitarbeiter am Flughafen Auskunft geben konnte?
Ein bedrückender, elfstündiger Flug begann, insbesondere, wenn man unmittelbar vor der Leinwand sitzt, auf der durchgehend irgendwelche Bollywood-Schinken liefen …
Gott sei Dank hat sich nach der Ankunft in Los Angeles alles geklärt. Der Flieger aus München hatte eine veritable Verspätung. Natürlich war in Frankfurt niemand in der Lage, den zwei älteren Herrschaften ein Gefährt zu besorgen, dass sie schnell zu ihrem Anschlussflug brachte. Ein Tag Zwischenstopp in Frankfurt, nach L.A. ging es am nächsten Tag weiter

Die ganze Familie reiste an und wir wohnten alle im kommoden Clocktower Inn an der East Santa Clara Street in Ventura. So muß das sagenumwobene Hotel California der Eagles ausgesehen haben; ein wenig erinnerte es mich an das Foto auf der Innenseite dieses grandiosen Albums, auf dem die Band in einer Hotellobby steht.

Natürlich wollten wir “nebenbei” Kalifornien erkunden. Erstes Ziel war San Francisco, welches sich knapp 500 km nördlich von Ventura befindet. Mit einem Leihwagen machten wir uns auf den Weg – ich kann mich an keine Autofahrt erinnern, die gechillter war als diese. Kein Stress, keine Hektik, keine Verkehrscowboys wie in Deutschland.

San Francisco im Dezember ist im ein Risiko bezüglich des Wetters. Es war kühl und vor allen Dingen sehr nebelig. Auf einer kleinen Kreuzfahrt durch die San Francisco Bay erahnten wir die Golden Gate Bridge lediglich durch das Nebelhorn, das dort zuweilen trötet. Wenigstens haben wir Alcatraz ganz aus der Nähe gesehen.
Sehenswert ist natürlich auch die Lombard Street, die sich in (wirklich) steilen Kurven Richtung Hafenviertel herunterschlingert.
Empfehlenswert ist auch eine Fahrt mit der nostalgischen Cable Car, wenngleich es in San Francisco ein ganz normales Verkehrsmittel ist.
Der Heimweg über den berühmten Highway 1, vorbei an Monterrey und Big Sur war leider auch mehr Hören als Sehen, auf Grund des launigen kalifornischen Dezemberwetters. Überall konnte man selbst durch das geschlossene Autofenster den Pazifik rauschen hören, ohne ihn zu sehen. Teilweise war es unheimlich; in der einbrechenden Dämmerung sind wir fast 70 Meilen gefahren, ohne einem Auto zu begegnen. Die Rast an einem kleinen Laden, der genau so aussah wie Ike Godey’s Gemischtwarenladen bei den Waltons war eine kleine Entschädigung.

Beeindruckend war auch unser Trip nach Santa Monica und Hollywood.
Zunächst fuhren wir mit dem Auto bis Venice Beach, einer der “angesagtesten” Strände der USA. Neben dem wunderschönen, riesigen Strand mit Blick auf Malibu und die Hollywood Hills gibt es dort eigentlich nichts, was es nicht gibt. Teure Luxushäuser am Strand, skateboardfahrende Hippies, edel angezogene Yuppies in hippen Restaurants, kleine Strandcafés, teure Boutiquen und Ramschläden mit Souvenirs made in China.
Weiter ging es über den Rodeo Drive des luxusüberströmten Beverly Hills nach Hollywood.
Einmal über den Walk of Fame an Sid Grauman’s Chinese Theatre zu gehen – das war mein Traum. Bis der in Erfüllung gehen sollte, dauerte es ein Weile und es galt einige Hürden zu nehmen. Bedauerlicherweise hatten wir kein wirklich gutes Kartenmaterial dabei. Also fragt man die Einheimischen.
“Wo bitte geht’s zum Hollywood Boulevard?”.
Man hätte genau so gut in München fragen können, wo es zur Reeperbahn geht. Man schaute einfach nur in fassungslose Augen.
Vor einem kosheren, jüdischen Burgerrestauran stand ein Mann mit Einkaufswagen, der uns für einen Kaffee endlich den Weg erklären konnte. Geschafft!
Wirklich sehenswert am Hollywood Boulevard ist wirklich nur das Chinese Theatre und das benachbarte Kodak Theatre, in dem die alljährliche Oscar-Verleihung stattfindet. Der Rest ist einfach nur schmuddelig. lediglich unterbrochen von einem riesigen halbwegs gut gepflegtem Gebäude mit einem riesigen Portrait von L.Ron Hubbard. Es war die Zentrale von Scientology.
Natürlich wollte ich auch zum Griffith Observatory, wo 1955 … denn sie wissen nicht, was sie tun mit dem legendären James Dean gedreht wurde. Natürlich mussten wir wieder nach dem Weg fragen. Hier endete es jedoch in einer Pleite, selbst ein zwei Sheriffs mussten passen. Aus Zeitgründen kurvten wir dann nur etwas durch die Hollywood Hills, um dann den Heimweg in unser Hotel California nach Ventura anzutreten.

Die Goldhochzeitsfeier war eine riesige, internationale Fiesta, die bis in den frühen Morgen ging. Am Tag darauf begann der nächste Höhepunkt unserer Reise – ein einwöchiger Trip mit dem Wohnmobil durch Südkalifornien.

Das Wohnmobil mieteten wir bei El Monte in Los Angeles. Auf einem riesigen Video-Screen wurden die Funktionen des Wohnmobils, hier RV (Recreation Vehicle genannt), erklärt. Sogar Ronald und Nancy Reagan grüßten als treue El Monte-Kunden aus dem Video. Da kann eigentlich nichts schief gehen. Ging es auch nicht. Beim Starten des Motors kam zunächst eine Überraschung. Jeder normale Mensch europäischer Herkunft erwartet, dass hier ein Diesel losrattert. Weit gefehlt, es war ein waschechter 5,7 Liter-Motor, der nach echtem Benzin verlangte. Die Eingewöhnungszeit war recht kurz und so ging es auf einen ca. 30 Meilen entfernten Campingplatz in der Nähe des Disney Land Park in Anaheim.
Das war den mitreisenden Kids geschuldet.

Wir Erwachene machten uns tags drauf nochmals nach Los Angeles auf. Ich kam auf die Schnapsidee, mit dem Pacific Surfliner, einem Zug, in die Stadt der Engel zu fahren. Das Teil war langsamer als jeder Milchkannenexpress in Deutschland, war unpünktlich, überfüllt und brauchte eine gefühlte Ewigkeit zur Union Station nach Los Angeles.
In Downtown Los Angeles gibt es im Grunde wenig sehenswertes. Wir schauten uns die “Altstadt”, El pueblo de nuestra señora la Reina de Los Angeles an. Aus dieser kleinen Siedlung rund um die Missionskirche entstand die Millionen-Metropole Los Angels.
Es wimmelt dort von Souvenir-Läden, jedoch gab es ein Restaurant mit ausgezeichnetem mexikanischem Essen.
Sehr sehenswert ist jedoch die ein paar hundert Meter entfernte Walt Disney Concert Hall, erbaut von dem berühmten Architekten Frank Gehry. Das Gebäude ist aus rostfreiem Stahl gefertigt und hat die Form eines großen Segelschiffes mit gebogenen und gewellten Umrissen. Gehen die Geschmäcker beim Design auseinander, ist die Meinung bei der Akustik ungeteilt positiv. Am Ende des Tages brachte uns der Pacific Surfliner wieder sich zu unserem Wohnmobil nach Anaheim. Die Strecke vom Bahnhof zum Wohnmobil legten wir mit dem Taxi zurück, wobei wir uns nach knapp 24 Stunden dort besser auskannten als der Taxifahrer – wir mussten im den Weg erklären!

Am Folgentag, Silvester 2005, ging es weiter nach San Diego. Etwas oberhalb der Stadt an der Mission Bay befand sich unser Campingplatz. Überall hingen Plakate – mit großem Bohei wurde um Punkt 0.00 Uhr ein sagenhaftes Höhenfeuerwerk angekündigt. So verbrachten wir die Zeit zum Jahreswechsel in fieberhafter Vorfreude. Zuvor gab es jedoch noch ein standesgemäßes Silvester-Dinner im Denny’s am Point Loma. Dort gibt es alles, was im entferntesten mit Burgen zu tun hat. Ich liebe diesen Laden. Absolutes Highlight dort war jedoch der Nachtisch: Hot Fudge Brownies – Brownie mit heißer Schokoladensauße. Zum Niederknien.
Doch was ist jetzt mit dem Höhenfeuerwerk. Da in den USA, insbesondere in Kalifornien alles big and fat ist war die Erwartungshaltung natürlich hoch!
Es kam jedoch wie es kommen mußte – es war ein glatter Reinfall. Ich schätze, das selbst im kleinsten 50-Seelen-Dorf in Mecklenburg-Vormpommern ein opulenteres Feuerwerk geboten wurde als an der Mission Bay. Es machte dreimal plöpp, es gingen 3 kleine Tischfeuerwerke hoch und dann war Ende im Gelände. Ein paar mutige Einheimische ließen dann noch ein paar Kanonenschläge los, was zur Folge hatte, dass sie eine Freifahrt im Bullenauto gewonnen haben. Die Typen sind tatsächlich von zwei Sheriffs verhaftet worden,  hier im Land of the free, the home of the brave. Exterm amüsant.

Tags drauf ging es in die City von San Diego. Die Kids ins Disneyland und die großen auf den Flugzeugträger USS Midway, der als Museum dient. DAS war wirklich Big an Fat – Größenordnungen, von denen man in Old Europe nur träumen kann. Es gab sogar einen Flugsimulator, auf denen man Ziele im Irak bombardieren konnte. Das war zu der Zeit ziemlich en vogue in den Staaten.
Nachmittags ging es dann nach Coronado Island, einer Halbinsel in der San Diego Bay. Dort befindet sich das sagenumwobene Hotel del Coronado, in dem Billy Wilder Some Like It Hot – Manche mögen’s heiß drehte. Ein standesgemäßer Sonnenuntergang am Pazifik war natürlich Pflicht.

Am nächsten Tag ging es in die Wüste, und zwar in den Anza Borrego State Desert Park.
Mitten in der Wüste lag ein beschaulicher, sandiger Campingplatz, der, man glaubt es kaum, morgens von einer Kehrmaschine gereinigt wurde! Abends machten wir ein Lagerfeuer, für die Kids gab’s Marsh Mellows und die Erwachsenen hörten die Eagles.

You know I’ve always been a dreamer, Spent my life runnin’ ’roundTake It To The Limit, Eagles, 1975
So muss es sein!

Am nächsten Tag erklommen wir einen Hügel hinter dem Campingplatz, der sich nacht mühevollem Aufstieg als richtiger Berg entpuppte. Der weite Ausblick auf die Wüste und der Sonnenaufgang ließen uns über die Mühe wenig nachdenken.
Nach dem Frühstück ging es dann weiter in den Joshua Tree National Park.

Selbst über Weihnachten sind auf Grund des milden kalifornischen Klimas sämtliche Campingplätze so gut wie ausgebucht. Sehr stolz waren wir, dass wir mitten im Nationalpark noch Platz für unsere drei RV’s ergattern konnten. Nach Besichtigung einiger Sehenswürdigkeiten im Park trafen wir dann auf unserem Campingplatz ein. Der war wirklich nur ganz spärlich gefüllt. Das hatte jedoch einen recht einfachen Grund: Es gab weder Strom, noch konnte man das Wohnmobil an sanitäre Anlagen anschließen. So saßen wir abends komplett im dunklen. Marsh Mellows, ein Lagerfeuer und die Eagles haben jedoch wie tags zuvor das Leben erträglich gemacht. Geht doch.

Am nächsten Morgen ging es nach The Living Desert Zoo and Gardens in Palm Desert südlich von Palm Springs, einem außergewöhnlichen Tierpark, der natürlich auch Big and Fat war. Wir durften sogar das Tierhospital von innen besichtigen. Was sich hier an Möglichkeiten bot hat meiner Meinung sogar die Charité in Berlin in den Schatten gestellt. Big and Fat! Besonders beeindruckend in Palm Desert als auch in Palm Springs ist die Verkehrsinfrastruktur. Die Wege für Golf-Caddy’s sind in der Regel breiter als normale Strassen, das hier hauptsächlich Rentner leben. Und der Amerikaner fährt halt gerne, wenn nicht in einem V8-Smallblock, dann wenigstens in einem Golf-Candy. Unfassbar!

Die letzte Nacht in Kalifornien verbrachten wir in der Nähe von Wrightwood, wo die Eltern meiner damaligen Lebensgefährtin eine zeitlang lebten. Oberhalb von San Bernardino gelegen, war es dann tatsächlich lausig kalt. Keine Marsh Mellows mehr, kein Lagerfeuer und keine Eagles mehr.
Am nächsten Morgen haben wir uns bei El Monte in Los Angeles von unseren RV’s getrennt und wir sind mit einem Bus zum Flughafen gebracht worden. Bei der Ausdehnung der Stadt der Engel hat dieser Trip fast 1 1/2 Stunden in Anspruch genommen. Die Sicherheitskontrollen dort waren schikanös und desorganiert, ebenso das Boarding. Wir sind mit Air India zurückgeflogen. Zur selben Zeit stehen dort zwei Boing 747 – eine fliegt nach Frankfurt und eine nach Sydney. Natürlich gab es keine Beschilderung, natürlich was das Personal, welches das Boarding organisiert hat, restlos überfordert und hatte keine Peilung, was zur Folge hatte, dass mindestens die Hälfte der Passagiere im falschen Flieger saß. Die “Reorganisation” der Passagiere hatte dann zur Folge, dass der Vogel mit satten 2 Stunden Verspätung in den Nachthimmel von Los Angeles aufstieg. Die Schleife über Santa Monica, den Sunset Boulevard und Hollywood hat den ganzen Buhei jedoch adäquat entschädigt.
So gingen ereignisreiche 3 Wochen Kalifornien zu Ende, die mir immer in Erinnerung bleiben werden …

Life is a series of hellos and goodbyes, I’m afraid it’s time for goodbye againSay Goodbye To Hollywood, Billy Joel, 1976
Kalifornien 2005/2006

Reise durch Kalifornien 2005/2006

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