Schimanski statt Schiller – oder: Wie ich 1984 meinen Deutschlehrer zur Verzweiflung brachte

1984.

Heute würde man wahrscheinlich sagen: ein Schlüsseljahr.
Ich würde eher sagen: Wat für ein Jahr!

Die Neue Deutsche Welle lief aus den Lautsprechern, die ersten Leute trugen neonfarbene Klamotten, Schulterpolster machten aus normalen Menschen Kleiderständer und irgendwo stand garantiert ein Kassettenrekorder, bei dem man mit einem Bleistift das Band zurückspulen konnte.

Und im Fernsehen? Da lief Tatort. Und da gab es einen Mann, der für mich wesentlich interessanter war als sämtliche Herren der deutschen Klassik zusammen:

Hauptkommissar Horst Schimanski aus Duisburg. Gespielt von Götz George.

Schimanski war kein Kommissar, wie an ihn aus irgendwelchen alten Tatorten kannte, beispielsweise sein Vorgänger Haferkamp, gespielt von Hans-Jörg Felmy – der sah immer adrett aus und wußte sich zu benehmen. Schimanski hingegen war Duisburg pur. M-65 Feldjacke, Jeans, verschwitztes T-Shirt, schlechte Laune und eine Sprache, bei der unser Deutschlehrer vermutlich jedes zweite Wort mit einem roten Stift unterstrichen hätte, weil es „Scheiße“ war.

Aber genau deshalb mochte ich ihn. Schimanski war nicht geschniegelt. Der Mann war echt. Wenn er irgendwo reinkam, wusste man: Jetzt wird’s ungemütlich. Und manchmal wurde es sogar für die Einrichtung ungemütlich.


Dann kam diese verhängnisvolle Deutschstunde

Wir saßen also 1984 im Deutschunterricht. Unser Lehrer stellte eine eigentlich völlig harmlose Frage:

„Welche Lektüre würdet ihr gerne einmal im Unterricht behandeln?“

Unser Lehrer erwartete vermutlich Antworten wie:
„Die Räuber“ von Schiller.
„Der Zauberberg“ von Thomas Mann.
Vielleicht Goethe. Kafka. Büchner.

Literarische Schwergewichte eben. Ich hatte allerdings eine andere Vorstellung davon, was man im Deutschunterricht lesen könnte.

Ich dachte: Warum eigentlich nicht Schimanski?

Immerhin war das auch Sprache. Dialoge. Dramaturgie. Charaktere. Gesellschaft. Moral. Konflikte. Und vor allem: Es passierte etwas. Also meldete ich mich. Ich weiß nicht mehr, ob ich besonders mutig oder einfach nur völlig ahnungslos war.

Ich sagte sinngemäß: „Wie wäre es denn mal mit einem Tatort-Drehbuch mit Hauptkommissar Schimanski?“ Ruhe. Absolute Ruhe. Diese Art von Ruhe, bei der man plötzlich merkt: Oh. Das war jetzt vielleicht nicht die erwartete Antwort.

Der Gesichtsausdruck meines Lehrers glich jedoch eher dem von Kollege Christian Thanner, wenn Schimi mal wieder mit dreckigen Stiefeln durch dessen penibel aufgeräumte Wohnung gestapft war. Absolute, kulturpessimistische Fassungslosigkeit. Ein klassischer Fall von Unverständnis im Endstadium. Das humanistische Gymnasium war offenkundig noch nicht bereit für die rauen Gassen von Duisburg-Ruhrort. Und irgendwo zwischen uns lag die gesamte deutsche Literaturgeschichte.

Auf meiner Seite: Schimanski.

Auf meiner Seite: „Ey, wat soll dat denn?“

Auf der anderen Seite: Schiller.

Auf der einen Seite: „Die Räuber“.

Ich glaube, unser Lehrer musste diesen Moment erst einmal verarbeiten. Vielleicht fragte er sich: „Hat der Junge gerade tatsächlich vorgeschlagen, einen Tatort im Deutschunterricht zu lesen?“ Ja. Hatte ich. Und ich meinte es ernst.


Schimanski war für mich Literatur – nur anders

Ich fand Schimanski damals faszinierend. Nicht nur wegen der Fälle. Sondern wegen dieser Figur. Der Typ war kein Held, der immer alles im Griff hatte. Schimanski war oft selbst ziemlich fertig. Er machte Fehler. Er war stur. Er hatte Ecken und Kanten. Und er hatte eine ganz eigene Sprache.

Dieses Ruhrpott-Ding.
Dieses: „Hömma!“
Dieses: „Wat is?“

Dieses kurze, direkte Reden, bei dem man nicht erst drei Seiten Goethe lesen musste, um zu verstehen, was jemand eigentlich sagen wollte. Schimanski brauchte keine großen Monologe. Der schaute jemanden an und man wusste:

Jetzt gibt’s Ärger.

Und wenn Worte nicht mehr reichten, hatte er zur Not noch andere Möglichkeiten. Ich fand das großartig. Für mich war das damals wesentlich näher am echten Leben als irgendein perfekt formulierter Dialog aus einem Klassiker.


Unser Lehrer war nicht überzeugt

Ich glaube, spätestens nach meinem Vorschlag war die Sache für unseren Lehrer klar. Er wollte uns in die Welt der Hochliteratur führen. Ich wollte ihn nach Duisburg schicken. Er wollte Thomas Mann. Ich wollte Schimanski. Er wollte wahrscheinlich Interpretationen schreiben lassen.

Ich wollte wissen: „Wer war der Mörder?“

Und wenn ich ganz ehrlich bin: Ich glaube, ich hätte eine Schimanski-Szene wesentlich lieber analysiert als drei Seiten über die Symbolik eines Herbstblattes in irgendeinem Gedicht.

Heute würde man vielleicht sagen: „Der Schüler hatte einen individuellen Zugang zur Literatur.“

1984 hieß das wahrscheinlich eher: „Der Junge hat sie nicht alle.“


Und dann kam die Konsequenz

Irgendwann war für mich klar: Deutsch als Wahlfach in der 12. Klasse? Nee.

Abgewählt. Aus. Fertig.

Vielleicht hätte ich mich damals etwas mehr mit Schiller beschäftigen sollen. Vielleicht hätte ich feststellen können, dass Schiller und Schimanski sogar gewisse Gemeinsamkeiten haben. Beide beschäftigen sich mit Freiheit.

Mit Macht. Mit Moral. Mit Konflikten. Mit Menschen, die sich gegen irgendwelche Autoritäten stellen. Der Unterschied? Schiller schrieb Dramen. Schimanski lebte sie. Und vermutlich hätte Schimanski selbst bei einer Schiller-Interpretation irgendwann gesagt:

„Hömma, können wir jetzt mal zum Punkt kommen?“


Die 80er waren eben anders

Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, sehe ich nicht nur das Klassenzimmer. Ich sehe diese ganze verrückte Welt der 80er. Kassetten, die sich im Rekorder verhedderten. Mixtapes, die man mit viel Liebe zusammenstellte. VHS-Kassetten, die man unter Freunden weitergab. Telefonieren mit einem Telefon, das tatsächlich an einem Kabel hing. Fernbedienungen, die man suchen musste, weil man aufstehen musste, um den Fernseher umzuschalten.

Und natürlich Fernsehen zu festen Zeiten. Kein Streaming. Kein „Ich schaue später“. Wenn der Tatort lief, lief der Tatort. Und wenn Schimanski kam, dann war das für mich Pflichtprogramm. Da saß ich. Vielleicht mit einer Cola. Vielleicht mit irgendeinem Snack. Und wartete darauf, dass Duisburg wieder einmal zum Schauplatz des Verbrechens wurde. Schimanski tauchte auf. M-65 Feldjacke. Jeans. Diese unverwechselbare Körpersprache. Und ich wusste:

Jetzt geht’s los.


Heute verstehe ich meinen Lehrer sogar ein bisschen

Mit fast vier Jahrzehnten Abstand kann ich über diese Geschichte natürlich lachen. Und ich muss zugeben: Ich verstehe meinen Deutschlehrer heute sogar ein bisschen.

Er hatte wahrscheinlich einen Lehrplan. Er hatte Vorstellungen davon, was gute Literatur ist. Und vermutlich hatte er nicht damit gerechnet, dass plötzlich ein Schüler mit einem Tatort-Drehbuch um die Ecke kommt.

Aber vielleicht lag genau darin das Problem. Ich wollte Geschichten verstehen. Nicht unbedingt Literaturgeschichte lernen. Ich wollte Figuren kennenlernen. Menschen beobachten. Dialoge hören. Mich in Geschichten verlieren. Und Schimanski war dafür mein Einstieg. Vielleicht war mein Vorschlag deshalb gar nicht so daneben. Vielleicht war ich einfach nur meiner Zeit ein bisschen voraus.


Schimanski gegen Schiller – das Duell, das nie stattfand

Manchmal stelle ich mir heute vor, was passiert wäre, wenn unser Lehrer meinen Vorschlag tatsächlich angenommen hätte.

Deutschstunde. Tafel. Darauf steht:

HORST SCHIMANSKI – TATORT

Unser Lehrer betritt den Raum. „Heute analysieren wir die Figur des Hauptkommissars.“

Ich sitze hinten. Grinse. Endlich. Der Lehrer fragt: „Was fällt Ihnen an Schimanskis Sprache auf?“ Ich melde mich. „Hömma, Herr Lehrer. Die is direkt.“ Der Lehrer seufzt.„Und welche Funktion hat die Gewalt in diesem Zusammenhang?“ Ich: „Wenn der Typ sich aufregt, wird’s meistens interessant.“

Pause.

Der Lehrer: „Sehr gut.“ Ich: „Siehste.“Und dann kommt Schiller. „Die Räuber“.Der Lehrer fragt: „Was ist das zentrale Motiv?“ Ich: „Freiheit.“ Der Lehrer schaut überrascht. „Richtig.“ Ich lehne mich zurück.

Schimanski hätte das genauso gesehen.


Vielleicht war Abwählen gar nicht so schlecht

Dass ich Deutsch als Wahlfach abgewählt habe, habe ich jedenfalls nie als großes Drama empfunden.

Im Gegenteil.

Vielleicht war es sogar eine meiner ersten bewussten Entscheidungen, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich habe damals vielleicht nicht die klassische Route genommen. Aber genau das ist mir bis heute geblieben:

Nicht immer das zu tun, was alle erwarten.

Vielleicht war sie einfach meine ganz persönliche Form von Take The Long Way Home – nicht den vorgegebenen Weg nehmen, sondern den eigenen. Nicht automatisch den Weg zu wählen, den jemand für mich vorgesehen hat. Und manchmal eben zu sagen:

„Nee. Dat is nicht mein Ding.“

Vielleicht steckt darin sogar ein bisschen Schimanski. Dieser Typ hätte vermutlich auch nicht erst gefragt, ob sein Vorgehen mit dem Lehrplan abgestimmt ist. Er hätte gemacht. Er hätte sich Ärger eingehandelt. Er hätte wahrscheinlich ordentlich eins auf die Mütze bekommen. Und anschließend wäre er trotzdem weitergegangen.


Mein persönlicher Tatort

Wenn ich heute auf diesen Moment von 1984 zurückblicke, muss ich deshalb vor allem schmunzeln. Da saß ein Schüler im Deutschunterricht und wollte Schimanski. Der Lehrer wollte Schiller.

Und irgendwo zwischen diesen beiden Welten saß ich. Vielleicht war ich damals kein besonders guter Schüler in Sachen klassischer Literatur. Aber ich wusste schon ziemlich genau, welche Geschichten mich interessierten.

Und das war vielleicht wichtiger. Denn das Leben hält sich schließlich auch nicht an Lehrpläne. Das Leben ist kein sauber gebundener Thomas-Mann-Roman. Das Leben ist manchmal eher ein Schimanski-Tatort:

Ein bisschen chaotisch. Ein bisschen dreckig. Manchmal brutal. Oft absurd. Zwischendurch bisweilen ziemlich lustig. Und meistens weiß man erst am Ende, wie der Fall eigentlich ausgegangen ist. Und wenn es ganz dick kommt, steht man irgendwann irgendwo im Ruhrpott, schaut sich die ganze Sache an und sagt:

„Hömma… wat soll ich dazu noch sagen?“

Dann zieht man die Jacke an. Geht raus. Und macht weiter.

1984 hätte ich vielleicht Schiller lesen sollen.

Aber ich hatte Schimanski.
Und ganz ehrlich?

Ich würde es heute wieder genauso machen.




Das Lokalradio: Unerträgliche Belanglosigkeit und „Das beste der 80er, der 90er und von heute“

So don’t become some background noise
A backdrop for the girls and boys
Who just don’t know or just don′t care
And just complain when you′re not there

Radio GaGa, Queen, 1984

Es gibt in Nordrhein-Westfalen viele Dinge, die erstaunlich zuverlässig funktionieren: der Regen im Juli, Baustellen auf der A1 und die Fähigkeit der Lokalradios, aus Hunderten Jahren Musikgeschichte immer wieder dieselben 25 seichten Titel auszuwählen.

Wer durch NRW fährt und zwischen den gefühlten 1.200 Lokalsendern umschaltet, erlebt ein faszinierendes Experiment. Auf dem Display steht zwar jedes Mal ein anderer Sendername, musikalisch befindet man sich jedoch im selben Paralleluniversum. Das Programm bleibt selbstverständlich unverändert. Dort laufen seit etwa 1998 dieselben Songs in einer gnadenlosen Zeitschleife. Irgendwo singt Bryan Adams, kurz darauf kommt Pink, dann folgt Ed Sheeran. Nach einer Werbepause meldet sich die Moderatorin, die wie Heidi Klum auf Ecstasy klingt, mit der sensationellen Nachricht, dass es heute warm, nass oder abwechselnd warm und nass werden könnte. Und das mit geiler Musik trotzdem für gute Laune gesorgt wird.

Denn überall läuft „der beste Mix aus den 80ern, 90ern und von heute“. Eine Formulierung, die vermutlich irgendwann in einem unterirdischen Radiolabor entwickelt wurde. Dort sitzen grenzdebile Musikredakteure in weißen Kitteln und erforschen, wie oft ein Mensch denselben Phil-Collins oder Bryan Adams-Song hören kann, bevor er mit dem Autoradio zu verhandeln beginnt.

Jeder Sender wirbt stolz mit dem Slogan: „Das beste der 80er, der 90er und von heute.

Das klingt zunächst in der Tat nach enormer musikalischer Vielfalt. Tatsächlich bedeutet es: „Wir spielen exakt die gleiche Soße wie alle anderen, aber in einer leicht veränderten Reihenfolge.

Man fragt sich manchmal, was mit dem Rest der Musikgeschichte passiert ist.
Jazz? Zu kompliziert.
Afrobeat? Zu interessant.
Elektronische Experimente? Könnten gegebenenfalls Neugier auslösen.
Weltmusik? Was sollen die Leute denn denken? Dass Radio zum Entdecken neuer Klänge da ist?

Nein, Sicherheit geht vor.

Das moderne Lokalradio behandelt Musik wie eine Versicherungsgesellschaft Risiken. Alles, was auch nur den Verdacht erweckt, überraschend zu sein, wird sofort aussortiert. Übrig bleiben jene Lieder, die so oft getestet wurden, dass niemand sie wirklich mag, aber auch niemand aktiv hasst.

Zwischen den Titeln werden dann die ganz großen Themen unserer Zeit verhandelt.

Zum Beispiel:
“Eine Katze saß heute Morgen auf einem Garagendach in Wanne-Eickel.”

Oder:
“Der Verkehrsfluss auf dem Feldweg zwischen Niedermörmter und Obermörmter ist auf Grund diverser Kufladen leicht beeinträchtigt.”

Oder mein persönlicher Favorit:
“Jetzt gewinnen Sie einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro für Brunhildes Batik- und Bastelstudio!”

Es gibt auch Wortbeiträge. Etwa die wichtige Frage, ob man beim Grillen lieber Würstchen oder Steak isst, und ob das Zeug darüber hinaus auch vegan sein darf. Hörer dürfen anrufen, abstimmen und dabei unbeabsichtigt beweisen, dass die Demokratie vielleicht doch hin und wieder Grenzen braucht.

Hinzu kommen Wetter, Verkehr und lokale Meldungen. Der Bürgermeister hat ein Band durchschnitten. Im Gewerbegebiet wurde ein Schlüsselbund gefunden. Auf eine Baustelle ist ein Spaten umgefallen. Beim Stadtfest tritt eine Coverband auf, die keine Sau kennt und die „die größten Hits aus den 80ern, 90ern und von heute“ intoniert, selbstverständlich mit freundlicher Unterstützung des Scheunenradios Niederrhein und den Theken-Freunden Oer-Erkenschwick.

Endlich Synergie.

Vielen Dank für diesen enormen journalistischen Kraftakt.

Kulturelle Hintergründe, internationale Perspektiven, gesellschaftliche Debatten oder längere Gespräche wären natürlich auch möglich. Allerdings könnten solche Inhalte dazu führen, dass jemand zuhört, nachdenkt oder sogar eine neue Musikrichtung entdeckt. Dieses Risiko möchte man offenbar nicht eingehen.

Irgendein Siegerländer Birkenwld-Sender hat es sogar geschafft, am 20.August 2026 in den sozialen Medien Ralf Hütter von Kraftwerk zum 80. Geburtstag zu gratulieren und sein Lebenswerk zu würdigen. Wie schön, warum hört man bei denen dann keine Musik von Kraftwerk, wo diese doch House, Techno, Hip-Hop, Electro und was weiß ich nicht noch was erfunden haben? Dazu reicht der Mut offensichtlich nicht. Statt dessen wird der Sicherheitsgurt angelegt und der Airbag aktiviert, damit auch ja nichts passiert.
Summer of 69 von Bryan Adams oder It’s my life von Bon Jovi sind hier die beste Unfallverhütung!

Umso auffälliger wird der Kontrast zu Sendern wie WDR Cosmo. Dort scheint man auf die vollkommen beknackte Idee gekommen zu sein, dass Hörer vielleicht tatsächlich neugierig sein könnten!
Plötzlich hört man Musik aus Lagos, Bogotá, Berlin oder Beirut. Menschen sprechen über Kultur, Migration, Kunst, gesellschaftliche Fragen oder neue Musikströmungen, teilweise gar auf Englisch, Türkisch oder französisch. Die Sendungen vermitteln den Eindruck, die Welt sei größer als das Einzugsgebiet des örtlichen Kirmesplatzes oder einer Sparkassenfiliale.

Für manche Radiostrategen scheint das ungefähr so bedrohlich zu sein wie die jährliche Steuerprüfung. Das kann natürlich irritierend sein. Schließlich besteht die Gefahr, dass Hörer etwas Neues entdecken.

Dabei lebt gerade Radio doch von Überraschungen. Früher schaltete man ein, um etwas zu hören, das man noch nicht kannte. Heute schaltet man ein und denkt: „Ah, dieses Lied über Agathe Bauer (für Insider: I‘ve got the power von Snap). Wieder. Das habe ich vor zwölf Minuten bereits auf dem anderen Sender gehört.“

Vielleicht wäre es ehrlicher, wenn die Lokalsender ihren Werbeslogan anpassen würden:

„Unerträgliche Seichtheit: Die gleichen 80er, die gleichen 90er und die gleichen Songs von heute wie alle anderen.“

Oder noch präziser:

„Lokalradio NRW: Weil kulturelle Vielfalt anstrengend ist.“

Dabei wäre Lokalradio eigentlich eine großartige Idee. Es könnte regionale Künstler vorstellen, kleine Kulturveranstaltungen begleiten, migrantische Communities hörbar machen, lokale Konflikte vertiefen und Menschen zu Wort kommen lassen, die sonst selten im Radio auftauchen oder anderswo keine Stimme bekommen.

Stattdessen gibt es häufig akustisches Hintergrundrauschen im Farbton stützstrumpf-beige:
freundlich, vorhersehbar und so sorgfältig von jeder Irritation befreit, dass selbst ein überraschender Basslauf vermutlich vorher von der Programmleitung genehmigt werden müsste.

Vielleicht braucht NRW nicht weniger Lokalradio. Vielleicht braucht es einfach ein Lokalradio, das sich wieder etwas traut.

Bis dahin bleibt immerhin die Gewissheit, dass irgendwo im Sendegebiet gerade jemand mit großer Begeisterung ankündigt, jetzt komme wieder einer der größten Hits aller Zeiten.
Vom Bryan Adams natürlich …

Und man kennt ihn bereits.




Klein Montmartre – Kunst in Krefeld-Fischeln

Zufriedenheit – Goldblättchen vom 08.08.2026

Your whisper tells a secret
Your laughter brings me joy

Even In the Quietest Moments, Supertramp, 1977


Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um sich wie in einer kleinen Künstlerkolonie zu fühlen. Am 08.08.2026 hat Krefeld-Fischeln genau das bewiesen: Rund um die Mariensäule verwandelte sich das Viertel für einen Tag in ein echtes “Klein Montmartre” – mit Staffeleien, Farbe an den Fingern und jeder Menge kreativer Energie in der Luft. Organisiert wurde dieses Event vom Bürgerverein Krefeld Fischeln.

Ein Markt voller Ideen

Schon von Weitem erkannte man die bunten Stände, an denen lokale Künstlerinnen und Künstler ihre Werke präsentierten – von zarten Aquarellen über kräftige Acrylbilder bis hin zu handgefertigtem Kunsthandwerk. Es war einer dieser Tage, an denen man eigentlich “nur mal schauen” wollte und dann doch von Stand zu Stand gezogen wird, weil überall etwas Neues zu entdecken ist.

Und dann: Liebe auf den ersten Blick

An einem der Stände stand es dann einfach da – ein Bild, das uns sofort in seinen Bann gezogen hat: eine Frau mit Hut, voller Ruhe und Ausstrahlung, mit dem wunderschön treffenden Titel “Zufriedenheit”. Gemalt von der lokalen Künstlerin Dagmar Lingel, strahlt das Werk genau die Gelassenheit aus, die sein Name verspricht.

Wir mussten nicht lange überlegen: Dieses Bild ist wie gemacht für unser Wohnzimmer! Die Farben, der Titel, die Haltung, die stille Freude im Gesicht der dargestellten Frau – alles passt einfach perfekt in unsere eigenen vier Wände. Wir haben ihr sogar sofort einen Namen gegeben – „Katje“.
Manchmal weiß man einfach sofort, wenn etwas “nach Hause” gehört.

Unser heutiges Goldblättchen ✨

So ist “Zufriedenheit” zu unserem Goldblättchen des Tages geworden – dem kleinen, besonderen Fund, der einen ganz normalen Samstag in etwas Besonderes verwandelt. Es ist genau diese Art von Moment, für die sich ein Bummel über einen Kreativmarkt lohnt: nicht geplant, nicht gesucht, aber genau richtig, wenn man es findet.

Danke an alle Künstlerinnen und Künstler, die “Klein Montmartre” in Fischeln zu einem so inspirierenden Ort gemacht haben – und ein ganz besonderer Dank an Dagmar Lingel für ein Bild, das ab sofort einen Ehrenplatz bei uns hat.




La Chouffe – der freche Gnom aus den Ardennen

Wenn Du jemals durch die belgischen Ardennen gewandert bist – oder einfach nur an einem wirklich guten Bierregal vorbeigekommen bist, ist Dir sicher schon einmal ein kleiner, bärtiger Kerl mit einer roten Zipfelmütze auf einer Bierflasche begegnet. Nein, ich rede nicht vom Weihnachtsmann im Sommerurlaub, sondern vom legendären Gnom von La Chouffe.

Heute tauchen wir ein in die Welt dieses goldgelben Kultgetränks. Warum ist La Chouffe nicht nur ein Bier, sondern ein Lebensgefühl? Schnapp dir ein Glas (idealerweise das bauchige Original), und lass uns anstoßen!

1. Ein Gnom mit Geschmack

Die Geschichte von La Chouffe begann 1982 in der kleinen Brauerei Brasserie d’Achouffe. Zwei Schwager hatten eine Vision: Sie wollten ein Bier brauen, das so charakterstark ist wie die wilde Landschaft der Ardennen. Das Ergebnis? Ein belgisches Starkbier (Blond) mit stolzen 8% Alkoholgehalt. Aber Vorsicht: Die Leichtigkeit, mit der es die Kehle hinunterfließt, ist gefährlich! Es ist würzig, fruchtig und hat eine subtile Koriandernote, die den Gaumen tanzen lässt.

2. Warum La Chouffe einfach „anders“ ist

Was unterscheidet das goldene Elixier von den unzähligen anderen belgischen Bieren? Die Farbe: Es ist naturtrüb, leuchtend goldgelb – wie ein Sonnenuntergang in einem Glas. Der Geschmack: Eine perfekte Balance. Es ist nicht zu bitter, nicht zu süß, sondern besitzt eine feine Würze, die perfekt zu deftigem Essen oder einfach nur zu einem guten Gespräch auf der Terrasse passt. Der Gnom-Faktor: Mal ehrlich, das Branding ist genial. Wer kann einem Bier widerstehen, dessen Maskottchen ein kleiner Gnom ist, der mit einer Bierflasche durch den Wald spaziert?

3. Die Kunst des Einschenkens

Ein La Chouffe genießt man nicht aus der Flasche (es sei denn, man ist auf dem Gipfel eines Berges). Das La-Chouffe-Glas ist bauchig und konisch geformt, um die Aromen perfekt zu entfalten.

Pro-Tipp vom Gnom:

Schenke es langsam ein, halte das Glas schräg und richte es erst gegen Ende auf, um die perfekte Schaumkrone zu erzeugen. Die Hefe am Boden der Flasche ist übrigens Geschmacksträger – schwenke den letzten Schluck sanft auf und gieße ihn als „Würz-Finish“ mit hinein!

Fazit: Zeit für ein „Chouffe-Moment“

Ob Du nun ein erfahrener Craft-Beer-Connaisseur bist oder einfach nur den Feierabend einläuten willst: La Chouffe ist der beste Beweis dafür, dass man das Leben nicht zu ernst nehmen sollte. Es ist unkompliziert, es hat Charakter, und es zaubert einem bei jedem Schluck ein kleines Lächeln ins Gesicht.

Also, wenn du das nächste Mal vor dem Bierregal stehst und Dich zwischen langweiligen Standard-Pilsnern entscheiden musst – wähle den Gnom. Deine Geschmacksnerven werden es Dir danken.




Kleine Geste, große Wirkung

Im Alltag eines Geschäfts geht es oft um Waren, Preise, Angebote und Beratung. Doch manchmal entstehen genau zwischen all dem die kleinen Momente, die lange im Gedächtnis und im Herzen bleiben.

Heute kamen zwei junge Mädchen in ein Deko-Geschäft, in dem wir gerade eine Tage zuvor bestellte Jardinière (Blumenbehälter) abholten.

Augenscheinlich kamen die jungen Mädchen diesmal nicht, um etwas zu kaufen, sondern einfach, um sich noch einmal herzlich für das Lederarmband, das sie zuvor kauften und die freundliche Beratung zu bedanken.

Diese ehrliche Wertschätzung hat uns wirklich berührt, insbesondere, da es sich um Jugendliche im Alter von vielleicht 13 Jahren handelte. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnell und selbstverständlich geworden ist, zeigen solche Begegnungen, wie viel Freundlichkeit und Aufmerksamkeit bedeuten können – augenscheinlich auf beiden Seiten, da sich die Verkäuferin ebenfalls sehr freute.

Es sind oft nicht die großen Ereignisse, die einen Tag besonders machen, sondern die kleinen Gesten: ein ehrliches Dankeschön, ein Lächeln oder ein kurzer Besuch, der zeigt, dass etwas in Erinnerung geblieben ist.

Solche Momente erinnern uns daran, warum persönlicher Kontakt und echte Begegnungen im Einzelhandel so wertvoll sind. Und sie zeigen, dass auch ein kleines Lederarmband manchmal mehr sein kann als nur ein Accessoire – nämlich eine schöne Erinnerung.




E-Bike -stylisches Mofa oder Alltagsbegleiter?

Du denkst, E-Bikes sind nur was für Rentner mit Trekkinghosen und ’ner schmierigen Basecap unter dem schlecht sitzenden Helm? Falsch! Das E-Bike ist mittlerweile das Chamäleon der Mobilität: mal Sportgerät, mal Auto-Substitut , mal Brötchen-Flitzer oder Kinder-Taxi. Hier sind die besten Gründe, warum du dir schleunigst einen elektrifizierten Drahtesel gönnen solltest – natürlich, wie auch sonst, mit einem Augenzwinkern.

Vor kurzem habe ich mir endlich ein E-Bike zulegen können, da durch meinen Arbeitgeber die Voraussetzungen geschaffen wurden, ein sog. Jobrad zu leasen. Zuvor hatte ich immer ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Art von Mobilität. Ich bin doch gut bei Kräften, ich hab ’ne 21-Gang Schaltung an meinem Rad und mir fehlt hier nix, so what! Zu mehr als ca. 40 km langen Radtouren hat es dann aber nie gereicht. Als meine bessere Hälfte letztes Jahr ein E-Bike bekam, hat sich das Blatt jedoch gewandelt. So etwas wollte ich auch haben. Endlich einmal nicht nur um den Kirchturm herum radeln. Und vielleicht auch mal das geliebte Auto morgens stehen lassen und mit dem Rad zur Arbeit fahren …

Und siehe da, zunächst habe ich mich sogar dabei ertappt, samstags Morgens aufs E-Bike zu steigen um Brötchen beim Bäcker zu holen. Ein Einkauf, den ich bis dato immer mit dem Auto erledigt hatte. Es hat Spaß gemacht, ich brauchte mich nicht überwinden, es hat kein CO2 rausgehauen, ich hatte sofort einen Parkplatz, ich habe die alten Knochen bewegt, es war kurz und schmerzlos und ich habe mich gar ein wenig fitter gefühlt. Das Mettbrötchen war sogar ein wenig leckerer als sonst.

Am folgenden Montag war es dann soweit – Autoschlüssel und Auto von der Seite angeguckt und „bis später“ gesagt – rauf aufs Bike und ab zur Arbeit. Knapp 17 Kilometer, knapp 45 Minuten Fahrt. Was soll ich sagen – ich bin noch nie so entspannt zur Arbeit gekommen wie an diesem Montag. Natürlich geht man im fortgeschrittenen Alter nie unvorbereitet in den Ring, will heißen, ich habe mir zuvor auf dem Mobiltelefon in der App fürs E-Bike eine Route „zusammengeklickt“. Das Telefon ist mit dem Bordcomputer des Fahrrads gekoppelt und dieser zeigt die Navigation auf dem Display an. Im Grunde ist das wie früher „Malen nach Zahlen“ – vollkommen idiotensicher, Radfahren für Dummies. So idiotensicher, dass ich ein paar mal falsch abgebogen bin, da die Navi-App wirklich extrem genau ist, fast bis auf den Meter.

Auf der Rückfahrt war die gespeicherte Strecke allerdings schon wieder Makulatur. Wenn ich gleich rechts abbiege, ist das vielleicht eine Abkürzung oder landschaftlich schöner? Gesagt, getan, die Navigation passt sich an und führt mich sicher nach Hause. Dort angekommen, habe ich die Strecke aus dem Verlauf des Bordcomputers als neue Strecke gespeichert. Mittlerweile habe ich ein halbes Dutzend Routen zur Arbeit und von dort wieder nach Hause. Man fährt Strecken, bei denen man nie auf die Idee kommen würde, diese mit dem Auto zu fahren. Wenn man dann noch kurz eine Besorgung machen muss, gibt es nichts einfacheres, als das Rad vor dem Laden abzustellen, einzukaufen und weiterzufahren. Kein Stress bei der Parkplatzssuche und kein Ärger darüber, dass Chantal-Sunrise mit ihrem steuerbefreiten E-SUV wieder gefühlte drei Parkplätze belegt. Das Auto habe ich in dieser Woche übrigens nur zum Einkaufen benutzt, da frisches Obst und Gemüse in den Satteltaschen des Fahrrades bei dem Zustand der hiesigen Radwege zu Hause vermutlich als Babybrei ankommen würde …

Hier noch einmal die Vorteile aus meine Sicht in Kürze:

Der innere Schweinehund hat keine Chance

Berg hoch? Kein Problem. Gegenwind? Lachhaft. Dein innerer Schweinehund wird beim E-Bike einfach abgehängt. Statt keuchend zu schieben, fährst du fröhlich pfeifend vorbei – so entspannt, dass du noch nebenbei überlegst, was du zum Abendessen kochst.

Brötchen holen als Sport

Sonntagmorgen, Augen noch halb zu, aber der Magen schreit nach frischen Brötchen. Mit dem E-Bike wird die Fahrt zum Bäcker zur alltäglichen Mission Impossible: einsteigen, Knopf drücken, ab geht die Post. Du bist schneller zurück, als der Nachbar seinen Kaffee-Vollautomat im Werte eines kleinen Bordellbesuches eingeschaltet hat.

Entfernungen schrumpfen

„30 Kilometer zum See? Viel zu weit…“ – sagst du ohne E-Bike. Mit E-Bike wird daraus: „Ach klar, machen wir eben noch „mit der Kapp“ vor dem Abendessen.“ Plötzlich fühlt sich jede Tour an wie ein kleiner Ausflug statt wie ein Überlebenstraining.

Sportlich, aber clever

Ja, du trittst noch. Nein, es ist nicht faul. Ein E-Bike ist wie ein Personal Trainer, der dich anschiebt, wenn’s anstrengend wird, und dir trotzdem das Gefühl gibt, was geleistet zu haben. Ergebnis: Bewegung ohne Schweißausbruch .

Gut fürs Klima

Kein Stau, kein Parkplatz-Stress, keine Abgase. Stattdessen: frische Luft, gute Laune und neidische Blicke von Autofahrern, die im Stau stehen. Und mal ehrlich: Ein stylisches E-Bike wirkt mindestens genauso cool wie ein 2-Tonnen E-SUV – nur viel smarter.

Fazit:

Das E-Bike ist dein persönlicher Turbo fürs Leben. Es bringt dich weiter, schneller und entspannter – und macht jede Fahrt zur kleinen Alltagsabenteuerreise.

Also: Akku laden, rauf aufs Rad, Spaß haben!

Gibt’s sonst noch was zu beachten? Jo! Stell Dir vor, es gibt nicht nur E-Bike Fahrer auf dieser Welt. Es gibt auch noch Radfahrer, die einfach nur treten oder gar mittellose Fußgänger. Die sind langsamer! Ein E-Bike hat zwar mehr Drehmoment als ein Golf I aus dem Jahr 1974 oder ein noch betagterer VW Käfer, aber hier gibt es nicht nur zwei Geschwindigkeiten: schnell und schneller! Man kann auch ganz einfach vorausschauend oder etwas langsamer fahren, wenn man oben genannte Gattung Verkehrsteilnehmer vorfindet. Du bist keine Elite, nur weil Du von einem etwas mehr als faustgroßen Motörchen beflügelt wirst. Sei umsichtig, gut sichtbar und nutze die Klingel, wenn Du unbedingt vorbei willst. Sei kein Arschloch auf Rädern!




Logistikspezialist (m/w/d) – Einstieg auch ohne Vorkenntnisse

Keine Angst, … ich poste hier keine Stellenanzeige oder Stellengesuche. Oben genanntes Angebot befand sich heute Morgen in einer eMail von LinkdIn! Dieses Oxymoron – ein Spezialist o/ne Vorkenntnisse hat mir sofort ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Worum geht es nun in diesem Angebot? Dieses stammt von einem „wichtigen Anbieter von Weiterbildung und Qualifizierung im Bereich der IT, Industrie 4.0 und digitaler Transformation.“ Aha. Deren Fokus liegt „vor allem auf innovativen Technologien wie Automatisierungstechnik, Logistik 4.0 und Robotik, die Unternehmen und Fachkräfte optimal auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorbereiten.“ Noch ein Aha-Erlebnis!

Weiterhin erfährt man, dass es sich um eine neunmonatige Weiterbildung zur IT-Fachkraft zur Logistik 4.0 mit IHK-Zertifikat handelt. Vier praxisorientierte Module werden in einem Remote-Seminar angeboten. Das einzige, was nötig sei, ist ein stabiler Internetzugang. Das nächste Oxymoron, Praxisorientierung lernt man also daheim auf’m Sofa.

Auf unsere heutigen, fast 40 Kilometer langen Radtour ist mir dieser Post nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Am Ende bleibt mir nur ein Zitat des berühmten Franz Münchinger, Protagonist der berühmten 80er Jahre Serie Monaco Franze: „Ein rechter Scheißdreck war’s …“. „Wie, wie, wie …?“ – „Was, was was, …?“.

Nicht die Radtour, sondern der LinkedIn-Post. Warum? Dazu ein Abriss meiner Ausbildung und Erfahrung im Logisitkbereich. Es kann sein, dass es etwas länger wird, für einen kurzen Abriss hatte ich angesichts dieser fast schon ironisch anmutenden Anzeige keine Zeit.

Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre habe ich den Beruf des Speditionskaufmanns erlernt. Also das, was heute Logistiker sind. Die Ausbildung damals war enorm vielfältig – man lernte, wie man Güter von A nach B über die Straße, die Schiene, die Luft und das Wasser transportiert. Doch das war noch lange nicht alles, wir bekamen Einblicke in das Handelsrecht, national wie international, in das Versicherungswesen, die Klassifizierung von Gefahrstoffen und in zollrechtliche und zolltarifliche Dinge. Als Speditionskaufmann hätte man somit auch ohne weiteres als Industriekaufmann, in Zollagenturen, bei Luftfahrtgesellschaften, Reedereien, bei der Deutschen Bundesbahn oder gar in einer Verischerungsgesellschaft einen Job finden können. Die Ausbildung dauerte 3 Jahre und fand offline in einem Speditionsbetrieb und der Berufsschule statt. Da alle Mitschüler aus unserer Berusfschulklasse in LKW-Speditionen lernten, mussten wir gar sämtliche Autobahnen und die damals noch existierenden Grenzübergänge auswendig lernen. Das hat den hübschen Nebeneffekt, dass ich heute noch ohne Navigationsgerät von Hamburg nach München fahren kann, auf Grund der praktischen Ausbildung zusätzlich von dort wahlweise weiter nach Amsterdam oder Genua.

Freilich waren wir zu der Zeit der Ausbildung noch wenig IT-affin. Die Kommunikation erfolgte ausschließlich über Telefon und Fernschreiber (quasi ein Vorläufer von Chat-Programmen und WhatsApp-Gruppen). Ganz wild wurde es mit dem Aufkommen von Fax-Geräten. Man konnte auf einmal in Echtzeit einen handgeschriebenen Brief nach China schicken (den dort vermutlich keine Sau lesen konnte …)

Mussten wir damals einen unserer Fahrer erreichen, begann ein heute unvorstellbares Procedere: Wir suchten uns die Ladepapiere (tatsächlich aus Papier) heraus um herauszufinden, welche Kunden der Fahrer anfährt. Dann wurden aus einem meterlangen Schrank die Bundestelefonbücher herausgeholt, um die Telefonnummern der betreffenden Kunden herauszufinden. Diese wurden angerufen und man fragte sich zu der Stelle durch, die der LKW-Fahrer vermutlich anfahren wird. Wir baten dann höflich auszurichten, dass der Fahrer mal bitte in seiner Firma anruft. ’Ne Stunde später riefen wir dann nochmal an: „War unser Fahrer schon da.“ „Ja, er ist aber wieder weg.“ „Hatten Sie nicht ausgerichtet, dass er mal zurückrufen soll?“ „Ham’ wer vergessen …“. Da haste dann zunächst einmal Pech gehabt …

Der nächste technologische Turbo, der zur Verbesserung der Kommunikation gezündet wurde, war der sogenannte „Europiepser“. Das war ein kleines Gerät mit eigener Telefonnumer, die man Anrufen konnte. Der Besitzer des Gerätes wusste nun, dass er sich zurückmelden sollte.

Das folgende Highlight war die Erfindung des Mobiltelefons. Im Jahr 1991 hatten wir in unserer Spedition Partnerbetriebe in den neuen Bundesländer. Das waren die ehemaligen DEUTRANS-Betriebe (für den internationalen Güterkraftverkehr), die Kraftverkehrsbetriebe (für den überregionalen Güterverkehr) und Handelstransportbetriebe (für den regionalen Güterverkehr, also heute vereinfacht gesagt Amazon- und DHL-Boten). Das Telefonnetz in den neuen Bundesländern war so marode wie heutzutage Straßen, Radwege und Brücken in Deutschland. Was jedoch funktionierte, war das D2-Mobilfunknetz (damals noch von Mannesmann bereitgestellt). Ich hatte auf meinem Schreibtisch solch ein „mobiles“ Telefon, was freilich so mobil war, dass man es nur als durchtrainierter Gewichtheber oder russischer Kugelstoßer bewegen konnte.

Wir hatten in unserem Betrieb damals zu Beginn der Neunziger Jahre bereits ein elektronisches Frachtabrechnungssystem, welches von unserer eigenen EDV-Abteilung programmiert wurde. Das war damals bereits so fortschrittlich und einfach zu handhaben, dass es locker heute noch die Anforderungen erfüllen würde.

Seitdem hat sich insbesondere im technologischen Bereich die Welt mindestens um 180 Grad gedreht. Ich könnte meinen Job heute lediglich mit einem Tablet wahlweise auf dem Ballermann, der Zugspitze oder in einem Innuit-Iglo in Grönland ausführen, vorausgesetzt, das Internet ist stabil. Die Technik bietet uns heute die Möglichkeit, LKW über GPS zu orten. Wir können feststellen, wieviel Kraftstoff sich im Fahrzeug befindet, wie hoch die Reichweite sein wird, wieviel Lenk- und Arbeitszeit der Fahrer noch zur Verfügung hat, wie lange seine nächste Ruhepause dauern wird und wie viel von seiner wöchentlichen Arbeitszeit noch zur Verfügung steht. Die Technik rechnet uns ebenfalls aus, wie viele Leerfahrten noch wirtschaftlich sind und ob wir es uns beispielsweise unter allen vorgenannten Aspekten erlauben können, einen LKW leer von Koblenz nach Köln fahren lassen können um eine Ladung aufzunehmen. Unter oben genannten Aspekten können wir ebenfalls präzise unter Berechnung der momentanen und voraussichtlichen Verkehrsverhältnisse eine Aussage treffen, wann die Ladung, die wir dann in Köln übernehmen können in Hamburg sein wird. Die Ladeadresse sendet mein EDV-System dann einfach auf das Tablet des betreffenden Fahrers. Die Technik sagt mir dann auch unter Berücksichtigung oben genannter Faktoren, wieviel Zeit mein Fahrer noch hat und bis wohin ich ihn schicken kann, um eine Folgeladung aufzunehmen.

Schöne neue Welt – es hört sich perfekt an! Das ganze wird dann heute unter anderem mit dem trendigen Begriff Supply Chain Management umschrieben. All das „lernt“ man in der Weiterbildung zur IT-Fachkraft zur Logistik 4.0! Das hört sich doch zunächst einmal hervorragend an. Ich lerne ganz einfach vom Sofa aus, wie ich einen Warenstrom mit wenigen Mausklicks und einer intelligenten Technik in Gang halten kann. Freilich nicht nur, wie im Beispiel von Köln nach Hamburg, sondern gar weltweit. Das hört sich so romantisch an, wie in dem Lied Seemann, deine Heimat ist das Meer von Lolita:

Deine Heimat ist das Meer
Deine Freunde sind die Sterne
Über Rio und Shanghai
Über Bali und Hawaii
Deine Liebe ist dein Schiff
Deine Sehnsucht ist die Ferne
Und nur ihnen bist du treu ein Leben lang

Ist das wirklich alles so einfach? Kann man das so schnell lernen, womöglich von der Couch aus? Man lernt in dem angepriesenen Seminar grundsätzliche Dinge aus dem Logistikgewerbe, Gefahrgut, Zoll, Tourenplanung, Rechtsgrundlagen, Arbeitssicherheit, Nachhaltigkeit und ist am Ende gar „Programmierer für Softwarelösungen“, was normalerweise ein wenigstens ein Studium in einer Programmiersprache voraussetzt. Kurz und knapp – man mutiert zur eierlegenden Wollmilchsau! Für so etwas, freilich ohne die Programmierung zu lernen, waren damals drei Lehrjahre vorgesehen.

Nein. So einfach ist das nicht. Weiterbildungsinstitute wollen uns das weismachen, viele Führungskräfte in der Wirtschaft glauben das ernsthaft. Mit KI und hochgezüchteten EDV-Systemen machen wir das doch alles „mit der Kapp“ und alles flutscht. Quasi Vagisan für die logistischen Abläufe! Selbstverständlich ist heute vieles einfacher geworden. Mein Job ist heute gegenüber der Zeit meiner Ausbildung auf die reine vorgegebene Tätigkeit betrachtet die pure Erholung.

Heutige logistische Konzepte sind jedoch derart komplex, dass man sie ohne die genannte Technik gar nicht mehr bewältigen kann. Wie ich oben beschrieben habe, telefonierten wir früher oft stundenlang, um einen Fahrer zu erreichen. So ein Vorgehen wäre heute ein Ding der Unmöglichkeit! Heute wird erwartet, dass ich als Logistiker ein Verkehrsmittel auf Knopfdruck nicht nur von A nach B schicke, sondern auch noch über C und D, und das teilweise in Sekundenbruchteilen. Die Arbeit und der Einsatz, die dazu erforderlich sind, sind dank der Technik nicht das Problem. Das Problem ist der Stress, der dadurch aufkommt und Fehler und/oder Störungen in den logistischen Prozessen verursacht. Es gilt dabei nämlich, eine Reihe weiterer Parameter zu berücksichtigen, die einem keine Technik voraussagen kann.

Bleiben wir einfachheitshalber bei unserem Transport von Köln nach Hamburg. Ich kann alles präzise vorausberechnen. Was passiert jedoch, wenn der Kunde nun ganz einfach und kurzfristig entgegen des ursprünglichen Auftrages verlangt, den Transport von Hamburg nach Lübeck umzuleiten? Warum macht der Kunde das, sowas geht doch gar nicht? Doch, das geht heute. Der Kunde verwendet nämlich ein computergesteuertes Supply Chain Management System, das ihm sagt, dass plötzlich in Hamburg keine Lagerkapazität mehr frei ist, die in Lübeck aber noch zur Verfügung steht und es für ihn als Kunde kostengünstiger ist, den LKW einfach nach Lübeck umzuleiten. Warum sein System ihm so etwas vorschlägt oder meldet, bleibt zunächst sein Geheimnis. Als Logistiker schlägt nun Deine große Stunde. Du wirst nicht gefragt, ob Du das hinbekommst, es wird von Dir verlangt. Einfach so. Und dann nutzt Dir Deine schöne computergestützte Tourenplanung herzlich wenig, denn die fällt da gerade zusammenwirken ein Kartenhaus. Da nützt es Dir auch wenig, dass Du nun eine zertifizierte IT-, EDV-, Logistik- oder sonst was für ’ne Fachkraft bist.

Dann nämlich nützt kein Mausgeschiebe oder Knöpfchendrücken etwas, dann musst Du in diesem Fall zunächst mal mit dem Fahrer des LKW, einem Menschen, der da nun umgeleitet werden soll, kommunizieren! Spinnen wir mal weiter. Die Technik sagt mir gerade, dass in Hamburg ’ne Brücke gesperrt ist, die Umleitungen überlastet sind, Torben-Wirsing bei seiner Mutter Chantal-Sunrise aus‘m Lastenrad gefallen ist und die Straße blockiert und dies und das und Ananas. Dann musst Du mit einem Menschen sprechen, ihn fragen, ob er vielleicht noch ’ne andere Strecke kennt, die Dir Deine Technik, aus was für Gründen auch immer, nicht vorschlägt. „Ja, da gibt‘s ’ne Abkürzung, die kenne ich“. „Ich kenne auch den Kunden, da musst Du vorher über das Internet ein Zeitfenster zur Entladung buchen“. Super – hat Dir Dein Kunde zuvor natürlich nicht gesagt. In seinem System sieht der nämlich nur für ihn in Hamburg relevante Daten und andere Läger gehören nicht dazu und ihn nur sein System interessiert. Das soeben beschriebene führt natürlich zu enormen Stress, den es „früher“ in dieser Form nicht gab. Abweichungen von der Regel sind nämlich das Letzte, was Du heutzutage, insbesondere bei solchen Weiterbildungen lernst. Dort wird Dir beigebracht, wie Systeme funktionieren, was sie alles können und wie unglaublich effizient sie Deine Prozesse machen und nicht, was Du zu tun hast, wenn sie nicht funktionieren. Da ist es nämlich nicht damit getan, eine 24/7-Hotline anzurufen, die Dir sagt, was Du zu tun hast, wenn Dein Bildschirm anfängt zu flimmern oder TicToc nicht mehr erreichbar ist.

In der Logistik zählt zu allererst, dass Du mit Menschen zusammenarbeiten musst, auf die Du Dich verlassen kannst und die sich auf Dich verlassen können. Du kannst die tollsten und geilsten Systeme haben, aber der Faktor Mensch spielt die entscheidende Rolle.

Man kann noch so viele technische Lösungen erstellen, entscheidend ist in der Logistik daneben jedoch ein gerütteltes Maß an Erfahrung und der (selbstverständlich korrekte) Umgang mit Menschen, insbesondere im Hinblick auf rechtliche Hintergründe (z.B. Lenk- und Schichtzeiten von LKW-Fahrern).

Da bleibt mir das im Eingang genannte Lachen tatsächlich im Hals stecken und weicht ungläubigem Kopfschütteln. Es bewahrheitet sich meiner Ansicht nach wieder der Satz „Je weniger einer weiß, desto mehr glaubt er jeden Scheiß“. Das gilt für Leute, die meinen, sie währen nach den neuen Monaten Ausbildung eine Koryphäe in der Logisitk als auch für Führungskräfte mit Personalverantwortung die meinen, eine ebensolche Koryphäe für die Lösung all ihrer Probleme zu bekommen, womöglich noch für kleines Geld, denn der Bewerber hat ja, wie es in der Überschrift steht, keine Vorkenntnisse!




20 Jahre Apple

Ende diesen Jahres ist es 20 Jahre her, dass ich zum Apple-Fanboy mutiert bin. In der Welt der Technik gibt es kaum eine Marke, die so polarisiert wie Apple. Für die einen ist es eine Lifestyle-Marke, für die anderen ein Synonym für Qualität, Innovation und Nutzerfreundlichkeit. Doch was genau macht Apple-Geräte so besonders? In diesem Beitrag gibt es einen Blick auf die Vorteile, die iPhones, Macs, iPads & Co. zu beliebten Begleitern im Alltag machen. Bei mir fing zunächst ganz harmlos mit einem einzelnen Gerät, dem iPod mini an. Mittlerweile besteht unser Haushalt mit allem, was zur Gattung Computer und Mobile Devices gehört, nur aus Geräten der Firma Apple. Warum um alles in der Welt betreibt man einen derartigen gear porn, insbesondere, da die Produkte aus Cupertino nicht in dem Ruf stehen, billig zu sein? Ist es das erhabene Gefühl, im nächsten Starbucks mit dem Apple-Logo auf dem ultra-dünnen MacBook ein kreatives Leuchtfeuer zu entfachen und wenigstens für einen Creator gehalten zu haben? Ich gehe nicht zu Starbucks und mir ist es seit geraumer Zeit völlig egal, was die Leute von mir halten. Ich möchte mich auf wesentliche Dinge konzentrieren und im digitalen Bereich ist für mich hier Apple nach wie vor das Maß der Dinge. Aber nun alles einmal hübsch der Reihe nach.

iPod

Wir schreiben das Jahr 2005. Napster war in aller Munde, es gab keine CD, die man dort nicht „kostenlos“ herunterladen konnte und als Reaktion darauf ersann die Musikindustrie immer abstrusere Kopierschutzmaßnahmen für CDs, die zur Folge hatten, dass so einige CDs nicht einmal im CD-Spieler des Autos hörbar waren. Steve Jobs und Apple schufen iTunes und sie schafften es, die Musikindustrie mit ins Boot zu holen. Musikdownloads waren nicht mehr illegal und zudem erschwinglicher als ein physischer Datenträger. Das Medium der Wahl war natürlich Apples eigener iPod. 1.000 Songs in der Hosentasche war der Werbeslogan der Stunde. Natürlich gab es auch vor dem iPod MP3-Player – der iPod war im Grunde keine bahnbrechende Erfindung. Ich besaß auch so ein Teil mit wilden 256MB Speicherplatz. Die Bedienung war ein grausiges Erlebnis. Am einfachsten war es, auf Play zu drücken und den ganzen Speicher runterlaufen zu lassen. Einzelne Titel oder Alben zu suchen war eine Katastrophe. Dann kam der iPod. Mit seinem Klick Wheel war es ein Kinderspiel, durch die Listen der Interpreten, der Alben oder der selbst angelegten Playlisten zu scrollen. Der 2005 erworbene iPod mini war für mich das Gerät der Wahl. Es war sehr klein, bot ausufernde 4 GB Speicher und war recht günstig – ideal für unseren damaligen Skiurlaub. Überall Musik auf der Piste …

Zum Befüllen des iPods war die Software iTunes das Mittel der Wahl. Simpel in der Benutzung und für Windows verfügbar. Ein cleverer Schachzug von Apple. Zu diesem Zeitpunkt war Windows definitiv der Platzhirsch, da es fast nur Desktop-Computer gab. Windows XP lief halbwegs stabil und Windows 7, für viele heute noch das beste Microsoft-Betriebssystem, stand in den Startlöchern.

Ein Apple Desktop-Rechner, der coole iMac, war schon immer mein Traum gewesen, schied jedoch auf Grund meiner damaligen finanziellen Möglichkeiten aus.

nach oben

iPad

Es sollte bis 2011 dauern, bis das nächste Apple-Gerät zu uns ins Haus kam. Es handelte sich um das 2010 erschienen iPad. Zur Kategorie der Tablets gehörend, war dieses Gerät etwas ganz Neues. Man konnte in iPhoto seine Bilder fast wie am Mac bearbeiten, man konnte Texte in Pages schreiben und Tabellenkalkulationen in Numbers erstellen, freilich nicht so komfortabel wie heute. Es war eine willkommene Ergänzung zu einem Desktop-Rechner, erlaubte das iPad eine gewisse Mobilität. Später konnte man es sogar mit SIM-Karten kaufen und man war nicht mehr auf ein WLAN angewiesen. Mittlerweile haben iPads fast mehr Rechenleistung als im Jahr 2010 ein MacPro. Es gibt wenig, was man heute nicht auf dem iPad erledigen kann, und mit iPadOS 26 ist gar ein richtiges Fenstermanagement angekündigt.

nach oben

iMac & MacBook

Irgendwann im Jahr 2009 habe ich in einem Musikmagazin bei einem Preisausschreiben eine komplette Pro-Tools Ausrüstung gewonnen, also Profi-Software zum Musikaufnehmen und ein komplettes Mischpult incl. FireWire-Audiointerface. Damals besaß ich noch einen Rechner mit Windows 7, ich glaube er war von MediaMarkt. Der hatte zwar FireWire, aber es war ein stetiger Kampf mit Abstürzen und BlueScreens. Der Erwerb eines eigens für den Audio-Bereich in einem renommierten Kölner Music Store bracht da wenig Abhilfe. Das Audiointerface stürzte in der Regel alles zwei Tage ab und ließ sich nur durch einen Neustart wieder zum Laufen überreden. Des Weiteren schaffte ich mir eine Drucker/Scanner Kombination an, die über WLAN ansteuerbar war. Das Drucken funktionierte tadellos, doch unter Windows ließ sich das Gerät partout nicht zum Scannen überreden. Selbst mit meinem 2011 erworbenen iPad war das ein Kinderspiel!

All das bewog mich Anfang 2012 dazu, von meinem Windows-Rechner zu einem iMac zu wechseln. Es wurde die Variante mit 27-Zoll Bildschirmgröße. Größtes Manko: Der ganze schöne Hauptgewinn mit ProTools-Hardware und Software war auf absehbare Zeit wertlos, da Digisdesign, der damalige Hersteller von ProTools die Hardwareunsterstützung für das Mischpult auf ziemlich absehbare Zeit abgekündigt hatte. Auf Grund der Tatsache, dass ich für das ganze Gedöns keinen Pfennig bezahlt habe, war das verschmerzbar. Für schlanke 270 Euro erwarb ich vom Softwarehersteller Steinberg die „Cubase Artist“-Version. Da ich das Programm bereits unter Windows nutzte, brauchte ich nicht umlernen. In der Mac-Version war jedoch ein Bug, der bei der Step-Eingabe von Noten das Programm zum Absturz brachte. Vom Support von Steinberg kam dann eine ziemlich arrogante Antwort, ich solle doch bitte alle Komponenten wie Betriebssystem und die Software aktuell halten, dann würde Cubase auch ordnungsgemäß funktionieren. Ja nee, iss klar. Hier stand ein flammneuer iMac mit der aktuellsten Software …

Zeit, sich der Alternative aus dem Haus Apple zu widmen, dem Programm Logic. Das war damals für schlanke 199 EUR im Apple Store erhältlich. Ich habe es bereits einige Jahre zuvor einmal benutzt, es jedoch zu Gunsten von Cubase wieder verworfen. Ich war überrascht, wie benutzerfreundlich das Programm sich nach so vielen Jahren anfühlte. Nachdem das Hamburger Unternehmen Emagic die Software Anfang der 2000er Jahre an Apple verkauft hat, ist hier augenscheinlich eine Menge passiert. Logic nutze ich bis heute, einmal gekauft und nie wieder für Updates, die streckenweise grandios sind, bezahlt. Hier merkt man deutlich, wie sie Apples Integration von Hardware und Software auszahlt.

Beiläufig erwähnt werden soll noch, dass mein Drucker/Scanner ca. 3 Minuten zur Einrichtung am Mac brauchte und BIS HEUTE seinen Dienst verrichtet, sogar mit der neuen Generation der Apple Silicon Prozessoren.

Der iMac mit seinem Betriebssystem, damals noch OS X genannt, war ein traumhaftes Erlebnis. Das Gerät lief wesentlich flüssiger als ein Windows Rechner und eine Wartung fand schlicht und ergreifend nicht statt. Systemoptimierung wie Defragmentieren der Festplatte, Aufräumen der Registry und Rumspielen mit Virenscannern und Firewalls fand schlichtweg nicht statt. Lediglich das Firewall-Programm Little Snitch ist von Anfang an dabei, hindert es einfach und wirkungsvoll ausgesuchte Programme daran „nach Hause“ zu telefonieren und verdächtige Netzwerkaktivitäten zu melden. Updates bei einem Mac laufen ebenfalls sehr simpel und geräuschlos über das Internet ab. Grundsätzlich sind alle Updates kostenfrei; es gibt keine Home-, Special-, Professional-, oder was weiß ich was für Versionen mit unterschiedlichem Funktionsumfang. Mein 2012 erworbener iMac war bis 2017 im Einsatz – nicht ein einziges mal wurde das Betriebssystem neu installiert! Alle Updates wurden gnadenlos darüber installiert und es kam zu keiner Störung! 2017 kam dann ein neuer iMac aus dem Apple Refurbished-Store, also ein Gebraucht-Gerät. Auch hier funktionierte alles klaglos und er tat bis Ende 2023 seinen Dienst!

Natürlich leckt man bei so einer grandiosen Kombination Blut, deshalb musste im Jahr 2013 ein mobiler Mac her – ein MacBook Pro, das BIS HEUTE tadellos seinen Dienst verrichtet, bis auf einen Batterietausch im Jahr 2017, der im Apple Store kurz und schmerzlos über die Bühne ging.

Ende 2023 unterstütze mein iMac von 2017 keine neuen Betriebssystem-Updates mehr, so dass er weichen musste. Leider vernachlässigt Apple den iMac seit Einführung der Silicon-Prozessoren sträflich! Es gibt nur noch eine 24-Zoll Variante, auch leistungsmäßig bin ich nicht fündig geworden. Die Alternative ist jedoch der macMini- früher tatsächlich als Mini-Version belächelt. Mein neuer macMini M2 Pro ist jedoch lediglich auf die physische Größe betrachtet mini. Ich weiß nicht, wie viele Prozessor-Kerne das Ding hat, es ist mir auch herzlich egal. Mit 32 GB RAM und einer 1 TB SSD-Festplatte ist Leistung im Überfluss da. Der neueste Rechner ist immer auch der schnellste, aber diese kleine Mac schlägt dem Fass den Boden aus! Er startet gefühlt schneller als ein iPhone, ruckelt nicht, gibt keine Geräusche von sich und erledigt selbst anspruchsvolle Aufgaben mit Bravour.

nach oben

iPhone

Das 2007 erschienen iPhone war ein Meilenstein, vereinigte es doch drei Geräte in einem: ein Telefon, einen iPod und einen Webbrowser. Das konnten damals bereits Geräte von Motorola, Nokia und Blackberry, doch keines so simpel und benutzerfreundlich wie das iPhone. Keine Rumgefrickel auf einer Mäusetastatur, sondern mit einem eleganten Touchscreen. Es hatte natürlich seinen Preis. Um im Jahr 2009 in die Welt der Smartphones einzutauchen, war ein iPhone natürlich eine Option, aber es gab sie zunächst nur für Telekom-Kunden. Da ich seit 1998 Vodafone-Kunde war, entfiel also diese Option.

Alternative damals im Jahr 2011 war ein günstiges Samsung Galaxy. Na ja, irgendwie sah es ja ein wenig aus wie ein iPhone. Mit diversen Softwarehacks sah die Oberfläche dann tatsächlich aus wie ein iPhone. Dennoch war das Gerät eine einzige Katastrophe. Es wurde sehr schnell sehr langsam und man konnte beispielsweise die Facebook-App nur dann starten wenn man alle anderen Apps zuvor geschlossen hatte. Wehe, es rief dann auch noch jemand an …

Im Jahr 2013 ging mir das Gerät so dermaßen auf die Nerven, das ich beschloss, mir ein iPhone zuzulegen. Ich war verwöhnt von der Bedienung der Apple-Geräte und von ihrer nahtlosen Integration untereinander, die damals freilich noch in den Kinderschuhen steckte. Mittlerweile liefen die Geräte bei allen gängigen Mobilfunkanbietern, so auch bei meinem Provider Vodafone. Es wurde ein iPhone 5 mit heute ironisch anmutenden 16 GB Speicherplatz. Auch hier, wie am iMac und am iPad ging alles flüssig und geschmeidig von Statten, keine Abstürze, keine Haken.

nach oben

Fazit

Im letzten Jahr bat mich ein Freund, ihm unter Windows 11 einen Drucker zu installieren. Mein Ehrgeiz war geweckt, doch ich stand wie der Ochse vor dem Berg. Was muss ich hier machen? Es war ein Fackelzug ohne Ende, Treiber herunterladen, Zusatzprogramme des Herstellers installieren, die mehr schlecht als recht funktionieren und die Tatsache, dass man bei JEDER Benutzung des Scanners diesen über das Betriebssystem suchen lassen muss. Das Gerät ließ sich nicht in der Systemkonfiguration speichern! Wie sollen wenig computer-affine Menschen mit so etwas klarkommen?

All das kenne ich nicht mehr, seit ich Apple-Geräte benutze. Scanner, Drucker, Audio-Interface, MIDI-Interface, CD-Player, Kamera – alles wird einfach angeschlossen und nach wenigen Augenblicken funktioniert es!

Eine geniale Funktion am Mac ist die Time Machine: Man schließt einfach eine Festplatte an den Mac an, die in der Time Machine als Backup-Laufwerk zugewiesen wird. Fortan speichert diese Software das Betriebssystem, die Programme und sämtliche Daten als Backup. Löscht man versehentlich irgendetwas vom Mac, holt man sich in der Time Machine Software über einen virtuellen Zeitstrahl die entsprechende Datei zurück. Den Gipfel erlebt man jedoch, wenn man sich einen neuen Mac zulegt. Dazu wird das Time Machine Laufwerk mit einer aktuellen Sicherung des alten Systems einfach an den neuen Mac angeschlossen und dieser gestartet. Der Mac fragt sodann, ob er neu konfiguriert werden soll oder ob Benutzerkonten, Programme und Dokumente Audi einem Time Machine Backup übertragen werden sollen. Diese Abfrage bestätigt man, geht eine Runde spazieren, Fahrrad fahren oder Eis essen, je nach Gusto und wenn man zurückkommt, sieht der neue Mac aus wie der alte. Er öffnet sogar zuvor auf dem alten Mac nicht geschlossene Programmfenster. Das ist Benutzerfreundlichkeit, die ihres Gleichen sucht!

Alle Apple Geräte sind mittlerweile so verzahnt und vernetzt, dass man nahtlos von einem Gerät auf das andere wechseln kann. Telefongespräche vom iPhone kann man ohne komplizierte Einstellung am iPad, am Mac oder an der Apple Watch entgegennehmen. Man beginnt am iPad im hauseigenen Textverarbeitungsprogramm Pages mit einem Text, den man später am Mac öffnet und weiter bearbeitet. Eine Tabellenkalkulation in Numbers beginnt man am Mac und kann diese problemlos auf dem iPhone während einer Zugfahrt bearbeiten (vorausgesetzt, die Deutsche Bahn bekommt ein stabiles WLAN auf die Kette).

Dreh- und Angelpunkt ist bei allen Geräten die iCloud, in der alle diese notwendigen Daten gespeichert werden. Die gesamte Fotoverwaltung erfolgt ebenfalls über die iCloud. Eine Fotosammlung auf allen Geräten. In der iCloud lassen sich iPhone- und iPad-Backups speichern. Die Einrichtung eines neuen Mobile Device geht dabei genau so geschmeidig von Statten wie zuvor beim Mac beschrieben. Sogar die Zwischenablage funktioniert über die iCloud. Wenn man ein PDF-Dokument auf dem iPad hat, und daraus eine Passage kopiert, kann man es über diese Funktion auf dem iPhone in eine WhatsApp Nachricht kopieren.

Gegenüber Windows und Android muss man sich zunächst auf die Logik der Apple Geräte einlassen. Ich finde, diese ist einfach zu erlernen und sie funktioniert gnadenlos gut. Ich habe es noch nie erlebt, dass beispielsweise die iCloud nicht erreichbar ist oder meine Geräte sich untereinander „verloren“ haben!

Es gibt einen schönen Spruch: „ Windows Benutzer wissen nicht, warum es nicht funktioniert; Linux Benutzer wollen wissen, warum es nicht funktioniert. Apple Benutzer wollen gar nicht erst wissen, warum es funktioniert“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Bis auf Betriebssystem-Updates ist alles extrem wartungsfrei und man muss sich um nichts kümmern. Ein einziges Mal in fast 15 Jahren Mac musste ich in den Recovery Modus wechseln, weil Apple bei einem Update einen Fehler bei Audio Plug-Ins „verbrochen“ hat.

Über CarPlay läßt sich bei kompatiblen Geräten das iPhone auf dem Display des Gerätes anzeigen. Das funktioniert kabelgebundenen oder drahtlos. Dadurch habe ich noch nie den CD-Spieler des Autos oder das eingebaute Navigationssystem verwendet. In Apple Karten speichert man einfach seinen favorisierten Orte und ruft sie im Auto ab. Hat man im Kalender einen Termin mit Ortsangabe hinterlegt, kann man im Auto einfach den Kalender öffnen, das Ereignis antippen und schon startet die Navigation.

All das ist auch mit Windows- und Androidgeräten mittlerweile möglich. Mit ist jedoch niemand bekannt, der da nicht über irgendwelche Hürden klagt. Im Apple-Kosmos funktioniert alles, wie bereits oben geschrieben. Die Zeit, die ich früher mit Pflege, Wartung und Spielereien an den Geräteeinstellungen verbracht habe, ist seit dem Gebrauch von Apple-Geräten fast gegen Null geraten. Natürlich haben die Geräte ihren Preis, konfiguriert man sich jedoch ein professionelles Windows-System, ist das auch nicht ganz ohne. Der Wiederverkaufswert von Apple-Geräten ist beträchtlich! Zudem bietet Apple für jedes Bedürfnis ein passendes Gerät. Vom kleinen iPad, dass man lediglich zum ebook-Lesen, Email checken oder Websurfing verwendet bis zum High-End Desktop-Rechner für professionelle Aufgaben wie Musik erstellen oder Video-Editing ist hier alles in unterschiedlichen Preiskategorien verfügbar. im Apple-Store kann man sich die Geräte nach eigenen Bedürfnissen einrichten und erklären lassen – der Service ist hervorragend!

Zudem sind die neuen Apple-Silicon Prozessoren in den Desktop-Rechnern und den Mobilgeräten einfach konkurrenzlos effizient und leistungsfähig. Mein 2023 erworbener macMini ist bis jetzt auch bei den anspruchsvollsten Aufgaben wie Musikaufnahmen, Bildbearbeitung und Videoschnitt nicht ein einziges Mal in die Knie gegangen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher , ob in dem Gerät überhaupt ein Lüfter verbaut ist. Er ist in allen Situationen absolut geräuschlos. Panta rei – alles fließt …

nach oben




Radtour Baarlo-Panningen-Neer

Diese Woche war leider überschattet von einem sehr traurigen Ereignis – wir mussten unsere kleine Somali-Katze Miranda mit nur knapp 11 Jahren über den Regenbogen gehen lassen 😢. Um uns auf etwas andere Gedanken zu bringen, haben wir heute mit unseren Rädern mal wieder eine unserer „Seelentouren“ unternommen.

Erneut begann unsere Tour in Baarlo, ein paar Kilometer südwestlich von Venlo. Dort ist nicht nur die Maas sehr reizvoll, sondern auch die Heldense Bossen, ein großes Waldstück zwischen Baarlo und der westlich gelegenen Stadt Helden. Wir hatten das große Glück, dass heute wenige Leute unterwegs waren und konnten so die Ruhe und den Frieden des Waldes in vollen Zügen genießen. Ziel war heute die kleine Nachbarstadt von Helden, Panningen.

Panningen haben wir vor einigen Jahren schon entdeckt, es ist eine wirklich schmucke, kleine Stadt, die für ihre Größe sehr viele Einkaufsmöglichkeiten und eine Unzahl an schönen Restaurants bietet. So etwas sucht man bei uns vergebens. Es gibt sogar einen Laden, in dem man die verrücktesten Karnevalskostüme erwerben kann. Die für unsere Radtouren unerlässlichen Drinks, Aperol Spritz und La Chouffe genossen wir im Tinus, einem typisch niederländischen „Eetcafé“. Zur allgemeinen Stabilisierung gab es neben den obligatorischen Drinks noch eine Portion Poffertjes, kleine Pfannkuchen.

Nach unserer Stärkung ging es weiter auf unserer Tour, die einen kleinen Schwenk nordwestlich von Panningen macht und dann durch den südlichen Teil der Heldense Bossen nach Neer führt. Dort machten wir einen kleinen Stopp an der Friedesse Molen, die seit unserem letzten Besuch sehr schön renoviert und instand gesetzt wurde. Ein lohnenswertes Ziel mit einem kleinen, feinen Restaurant.

Von Neer aus ging es weiter nach Kessel. Auf diesem Stück gibt es, wie in einem vorausgegangenen Bericht bereits geschrieben, mehrere Stellen, von denen man einen wunderbaren Panoramablick über die Maas hat. In Kessel ist immer ein Besuch bei Corneeltje Pflicht, ein kleiner Deko- und Brokanteladen auf dem Veerspad 1. Selbstredend, dass einige kleine Devotionalien für unseren Garten hier kurzfristig den Besitzer wechselten.

Von Kessel aus geht es weiter an der Maas zurück nach Baarlo. Dort ist uns in der kleinen Siedlung Oyen des Öfteren bereits ein alter Bauernhof mit Café aufgefallen, in dem es Boerenijs, Bauerneis gibt. Diesmal beschlossen wir, im Parkhoeve De Middelt Rast zu einzulegen und das Eis zu testen . Lange Rede, kurzer Sinn: unbedingt probieren! Witte Dame – weiße Dame, Vanilleeis mit Schlagsahne und Schokoladensoße. Schlagsahne frisch, Vanilleeis zum Niederknien und ein kleines Sternchen weniger für die Schokoladensoße – eine Prise zu wenig für,meinen Geschmack. Dennoch: 9 Punkte mit Sternchen. An dem Hof kann man sogar Boeregolf, also Bauerngolf spielen. Wir haben es schon mal live gesehen, schau Dir die Homepage an.

In Baarlo angekommen, ist wieder ein schöner und sehr entspannter Urlaubstag zu Ende gegangen, der sein Ziel erreicht hat: uns etwas abzulenken und die wunderschöne Natur zu genießen (und natürlich die beschriebenen Leckerigkeiten).

Wie immer, hast Du die Möglichkeit, Dir auf der Tourenkarte die GPX-Daten herunterzuladen um die Tour „nachzufahren“.

Hier findest Du den Startpunkt der Tour:

Details
Radtour Baarlo-Panningen-Neer
Collection
?
Export
More Details


ngg_shortcode_0_placeholder




Pride Month – jeder Jeck ist anders

Allerorten wird darüber berichtet, dass im Juni „Pride Monat“ ist. Doch was ist das überhaupt, selbst Menschen meiner Generation scheinen damit bisweilen überfordert zu sein …

Der Pride Month ist ein jährlich im Juni stattfindender Monat, in dem die LGBTQIA+-Community (Lesbisch, Schwul, Bi, Trans, Queer, Intersex, Asexuell und andere) gefeiert wird. Der Pride Month erinnert an die Stonewall-Aufstände in New York City im Juni 1969. Damals wehrten sich queere Menschen, vor allem trans Frauen und queere People of Color, gegen Polizeigewalt und Diskriminierung – ein Wendepunkt in der LGBTQIA+-Bewegung. Während des Monats finden Paraden, Veranstaltungen, Workshops, Ausstellungen und Demonstrationen statt. Sie zeigen die Vielfalt der queeren Community und machen auf bestehende Probleme aufmerksam.

Pride ist nicht nur eine Feier, sondern auch ein Protest. Der Monat lenkt die Aufmerksamkeit auf Themen wie:

  • Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen
  • Ungleiche rechtliche Behandlung
  • Queere Rechte weltweit Gesundheit und Aufklärung

Ein zentrales Symbol ist die Regenbogenflagge, die Vielfalt und Stolz repräsentiert. Quere Menschen werden auch heute noch in vielen Ländern unterdrückt, diskriminiert oder sogar verfolgt werden. Der Pride Month ist ein Zeichen für Gleichberechtigung, Freiheit, Liebe und Menschlichkeit – für alle.

Ehrlich gesagt, tue ich mich ein wenig schwer damit. Wir sind damals in den 80er Jahren mit Leuten groß geworden, die schon damals nicht in die Zeit gepasst haben. Bei Boy George und Grace Jones war es schon damals schwierig, sich auf ein Geschlecht festzulegen, Freddie Mercury war stockschwul, die Pet Shop Boys waren und sind stockschwul, Madonna hat Britney Spears später auf offener Bühne einen Zungenkuss gegeben und Alison Moyet war definitiv „oversized“ und Bronski Beat haben uns von einem Kleinstadtjungen vorgesungen. Das alles war uns zur damaligen Zeit alles herzlich egal, wir haben diese Leute gefeiert, sie waren Idole und niemand aus unserer Generation kam auf die Idee, sich über diese Menschen abschätzig zu äußern. Für uns war das alles ziemlich normal.

Für mich ist und bleibt es unverständlich, warum man für so etwas heute mit einer bunten Fahne auf die Straße gehen muss. Vermutlich bin ich als Flüchtlingskind rheinischer Herkunft etwas verblendet. Hier, im Rheinland hat sich seit der Römerzeit alles getroffen, was es in Europa gab. Keltische Legionäre, griechische Ärzte, schwedische Reiter, französische Schauspieler und graubündner Landsknechte. Die haben sich hier alle gerauft, gesofffen und Kinder gezeugt. Als Napoleon das Rheinland besetzte, durften sich gar Juden, Protestanten und Polen hinzugesellen!

Mir ist es, ehrlich gesagt, vollkommen gleichgültig, wo jemand herkommt, welchen Gott er anbetet und ob er nur Jungs mag, sie nur Mädels mag und ob jemand dabei ist, der selbst nicht weiß, was er ist. Mir ist es auch herzlich egal, ob ein Kind zwei Väter oder zwei Mütter hat. Ich halte es da mit Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister, dem Gründer von Motörhead: Entweder, Du bist ein Arschloch oder keins. So einfach ist das.

Wenn Menschen heute mit bunten Fahnen auf die Straße gehen, weil man sie für abnormal oder gefährdend hält, schwillt mir der Kamm, auch aus oben genannten Gründe aus meiner Jugend. Da sollen queere Menschen aus der US-Army ausgeschlossen werden, in Ungarn werden queere Veranstaltungen verboten, weil sie angeblich Kinder gefährden, die Weinkönigen Julia Klöckner untersagt Bundestagsbeamten, in ihrer Funktion als Amtsträger an queren Veranstaltungen teilzunehmen und in Bad Freienwalde können rechte, kognitiv teilmöblierte Gesellen einfach auf einer queeren Veranstaltung um sich prügeln, ohne dass es in der Kommunalverwaltung selbst Amtsträger irgendwie besonders interessiert.

Laut unserem Grundgesetz ist jeder Mensch gleich und als solcher zu behandeln. Jeder Mensch sollte ein Platz in unserer Gesellschaft haben. Darauf sollten wir stolz sein, nicht darauf, dass wir beispielsweise reinerbig von einem deutschen Schäferhund abstammen – das ist keine Leistung. Und wer hier seinen Platz noch nicht gefunden hat, dem sollten wir helfen, diesen zu finden.

Ich stelle mir bisweilen meine kleine Welt ohne diese Menschen vor, oder ohne „Männer mit braunen Augen und mit schwarzem Haar“ – da ist nichts mehr bunt, höchstens monochrom, im Zweifel „Zappenduster“, wie man hier im Rheinland sagt. Jeder Jeck is anders.

“Jede Jeck is anders” ist eine kölsche Redewendung, die bedeutet: „Jeder Narr ist anders” oder “Jeder Verrückte ist anders”. Es ist ein Ausdruck von Toleranz und Akzeptanz, der besagt, dass jeder Mensch einzigartig ist und seine eigenen Macken und Marotten hat. Es ist ein Teil des “Kölschen Grundgesetzes”, welches die kölsche sowie die rheinische Mentalität und Lebensart beschreibt. Und zu dieser Mentalität gehört in meiner Welt auch eine bunte Fahne.

… und bitte erzählt mir jetzt nicht, dass ein Mann mit Rock, ’ne Frau mit Bart oder jemand, der nicht weiß, was er/sie/es ist, gefährlich ist! Die Welt geht nicht an solchen Menschen zu Grunde, sondern an alten Männern in Nadelstreifenanzügen.