Treuhand bis in den Tod

Am 1.April 1991 wurde Detlev Karsten Rohwedder, der damalige Präsident der Treuhandanstalt in seinem Haus in Düsseldorf durch einen präzisen Schuß getötet. Die Tat gehört bis heute zu den rätselhaftesten politischen Attentaten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Wer jetzt nicht mehr weiß, wer oder was die Treuhandanstalt war, hier eine kurze Erklärung. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde die Treuhandanstalt als Anstalt des öffentlichen Rechtes mit dem Ziel gegründet, die volkseigenen Betriebe der damaligen DDR nach den Maßgaben des Kapitalismus zu sanieren und zu privatisieren. Darüber hinaus konnte sie Betriebe verkaufen oder im schlimmsten Fall schließen. Im Umfeld der Treuhand kam es zu Wirtschaftskriminalität und Fördermittelmißbrauch. Die Treuhandanstalt existierte bis 31.12.1994, danach wurde sie in Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben umbenannt.

Detlev Karsten Rohwedder war zu der Zeit kein Unbekannter. Im Jahr 1983 errang er in der damaligen Bundesrepublik hohe Bekanntheit und hohes Ansehen durch die Sanierung des Hoesch-Konzerns. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl setzte sich für Rohwedder als Leiter der zu gründenden Treuhandanstalt ein, obwohl dieser Sozialdemokrat war. Es wird bisweilen unterstellt, dass Kohl hier in voller Absicht derart handelte, da bei einem Scheitern Rohwedders und/oder der Treuhand ein nicht unerheblicher Teil der Schuld der SPD hätte in die Schuhe geschoben werden können. Am 3.Juli 1990 wurde Detlev Karsten Rohwedder durch den Ministerrat der damaligen DDR zum Leiter der Treuhandanstalt berufen. Rohwedder sprach von „einer Aufgabe von nahezu furchterregender Dimension“. Er hatte den Auftrag, eine ganze Volkswirtschaft zu privatisieren. Ein Auftrag, der eigentlich gar nicht auszuführen war…. Als Treuhandchef ist der einst als Jobretter gefeierte Topmanager nun zum “Buhmann der Nation” geworden.

Am 1.April 1991 sitzt Rohwedder in den späten Abendstunden am Schreibtisch seiner Villa in Düsseldorf-Niederkassel mit Blick auf den Rhein. Als er von seinem Schreibtisch aufstand, traf ihn der tödlich Schuß in den Rücken. Ein weitere Schuß traf seine Frau Hergard in den Arm, ein dritter Schuß traf das Bücherregal des Arbeitszimmers. Die Rekonstruktion der Tat durch die Ermittlungsbehörden ergab, dass Rohwedder aus der gegenüberliegenden Schrebergartenkolonie aus 63m Entfernung mit einem Schnellfeuergewehr des belgischen Typs Fusil Automatique Léger (FAL) getötet wurde. Das Projektil vom NATO-Standardkaliber 7,62 Millimeter zerfetzte sowohl die Aorta als auch die Luft- und Speiseröhre des 58-Jährigen, der daraufhin in Sekundenschnelle verblutete. An dieser Stelle wurde am 6.April 1991 ein Bekennerschreiben der RAF gefunden, welches von den Ermittlungsbehörden als echt eingestuft wurde. Zur Begründung hieß es in dem Bekennerschreiben, der „brutale sanierer“ sei „seit zwanzig jahren in schlüsselfunktionen in politik und wirtschaft“ tätig gewesen und danach zum „bonner statthalter in ost-berlin“ aufgestiegen, wo er „die wirtschaft der ex-ddr genauso wie die sozialen strukturen dort“ systematisch habe zerstören sollen.

Neben dem Bekennerschreiben fanden die Ermittler dort einen Plastikstuhl, einen Feldstecher, drei Patronenhülsen und ein Handtuch. Drei dort ebenfalls gefundene Zigarettenkippen wurden von einem Menschen mit der Blutgruppe A geraucht. An dem Handtuch wurde ein Haar gefunden, dass später dem 1993 in Bad Kleinen getöteten, mutmaßlichen RAF-Mitglied Wolfgang Grams zugeordnet werden konnte, jedoch nicht die Zigarettenkippen. Dieses Haar ist der einzige forensische Ansatz der Ermittlungen. Dieser läßt lediglich den Schluß zu, das Grams entweder am Tatort war oder Kontakt zu dem oder den Tätern hatte. Die Aservate im Fall Rohwedder wurden später mit den neuen Techniken zur DNA-Analyse erneut untersucht, ein weiterer Durchbruch wie im Fall des Haares von Wolfgang Grams blieb jedoch aus. Die Bundesanwaltschaft schweigt sich bis heute darüber mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen aus, ob die Zigarettenkippen mit Spuren der Blutgruppe A zu Birgit Hogefeld, die bei dem Einsatz in Bad Kleinen festgenommen und später verurteilt wurde, gehören. Die Zigarettenkippen wurden in den 1990er Jahren verbraucht, ohne dass moderne DNA-Spurenanalytik angewendet wurde – eine heute nicht wiederholbare Lücke. Birgit Hogefeld befindet sich mittlerweile auf freiem Fuß und schweigt ebenfalls zu den Ermittlungen im Falle Rohwedder.

Das Ehepaar Rohwedder war sich bewusst, dass es gefährdet war. Hergard Rohweddder bat vergeblich wenige Tage vor dem Attentat die Polizei für mehr Schutz zu sorgen. Sie berichtete von anonymen, nächtlichen Telefonanrufen und Unbekannten, die an der Haustür klingelten und anschließend nicht mehr auffindbar waren. Vermutlich hatten der oder die Täter genaue Kenntnisse der Sicherheitseinrichtungen des Hauses der Familie Rohwedder. Im Gegensatz zu dem unteren Stockwerk waren die Fenster im Arbeitszimmer nicht aus Panzerglas.

Die Ermittlungen im Tötungsdelikt gegen Detlev Karsten Rohwedder werden von der Bundesanwaltschaft auf Grund der Annahme, dass es sich um einen politischen Mord handelt nach wie vor unter dem Aktenzeichen 2 BJs 62/91-2 gegen „Unbekannt“ geführt. Im Fachjargon redet man von einem „Cold Case“. Ebenso sind auch die Morde an dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen und dem Diplomaten Gero von Braunmühl bis heute nicht aufgeklärt, geschweige denn, dass jemals eine tatverdächtige Person festgenommen wurde.

Alle diese Verbrechen werden der Dritten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) zugeschrieben, da diese sich offensichtlich zu den Taten bekannte. Kein mutmaßliches Mitglied dieser Dritten Generation der RAF ist bis heute dieser Verbrechen überführt und verurteilt worden.

Angesichts der dürftigen Beweislage wurden einige Zweifel an der Täterschaft der RAF laut, zumal die damals angeblich aktive sogenannte dritte Generation der RAF nur als kaum zu greifendes Phantom galt. Selbst heute kennt die Bundesanwaltschaft nicht einmal die Hälfte der Mitglieder dieser mutmaßlichen dritten Generation namentlich. Von den Morden, die ihr außer dem Attentat auf Rohwedder noch zur Last gelegt werden, konnte lediglich die Erschießung des GSG-9-Mannes Michael Newrzella durch Grams bei dem Einsatz 1993 in Bad Kleinen zweifelsfrei aufgeklärt werden.

An einer Durchführung der Tat oder einer Tatbeteiligung der RAF kamen recht zügig Zweifel auf. Zunächst braucht es einen Schützen der fähig ist, auf 63m Entfernung in der Dunkelheit einen tödlichen Schuß abzugeben. Es muss sich demnach um eine in der Tötung von Menschen erfahrenen Person handeln. Wenn das zutrifft, stellt sich die Frage, warum diese Person am Tatort eine Plastikstuhl, Zigarettenkippen und ein Handtuch mit einem eindeutig zu identifizierenden Haar hinterlässt. Für eine solche Version eines „Profis“ spricht ebenfalls, dass der Täter trotz einer sofortigen Ringfahndung bis heute unerkannt entkommen konnte. Bei einem Attentat sind zwei Dinge von essentieller Bedeutung: Die Zielpersonen muss sofort ausgeschaltet werden und der Täter muss unerkannt entkommen können, um keine Rückschlüsse auf die Hintergründe, bzw. mutmaßliche Auftraggeber ziehen zu können. Weiterhin gilt es ebenso, unter allen Umständen Spuren jeglicher Art zu vermeiden. Zu alldem sind in der Regel nur „Profis“ in der Lage, also Menschen, die mit dem gezielten Ausschalten ihrer Opfer eine gewisse Erfahrung haben. Es bleibt die Frage, ob die der Dritten Generation der RAF zugerechneten Personen (Grams, Hogefeld, etc.) dazu befähigt waren oder sind. Darüber hinaus stellt sich ebenfalls die Frage, warum am Tatort dennoch Spuren gefunden wurden und ein Bekennerschreiben dort lag. Alle diesbezüglichen Vermutungen sind jedoch bis heute weder bestätigt noch widerlegt. Birgit Hogefeld äußerte sich 2010 lediglich zu den möglichen Motiven der RAF: „Die RAF hatte keinerlei Interesse daran, Rohwedder zu töten.“ und „ Er war in der Linken nicht unbeliebt – eher als jemand, der versuchte, den Osten nicht kaputt zu machen.“

Kurz nach der Tat fiel ein Verdacht auf Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR. Diese hatten sowohl die logistischen Möglichkeiten als auch ein Motiv, das darin bestand, dass die Treuhand unter Rohwedder eventuell das verschwundene Parteivermögen der SED aufspürt. Es soll sich dabei um ungefähr 800 Millionen D-Mark gehandelt haben. Im gleichen Zuge kam der Verdacht auf, dass die Stasi dieses Geld „beiseite geschafft“ haben soll und mit dem Attentat auf Rohwedder die Suche danach unterbinden wollte. Als möglicher Drahtzieher wurde unter anderem Ralf-Peter Devaux genannt. Der ehemalige Stasi-Offizier klagte erfolgreich gegen alle und jeden, die ihn mit dem Anschlag in Verbindung zu bringen versuchten.

Spekuliert wurde ebenfalls über einen sogenannten einsamen Wolf (lone wolf) aus der ehemaligen DDR mit militärischer Ausbildung als Scharfschütze, der den Treuhandchef Rohwedder wegen dessen Vorreiterrolle bei der Abwicklung der DDR-Wirtschaft ermordet haben soll. Immerhin hatte die Treuhand damals die Verantwortung für knapp 14.600 vormalige volkseigene Betriebe mit rund vier Millionen Beschäftigten.

Die US-amerikanischen Enthüllungsautoren John Perkins und Fletcher Prouty, sowie Wirtschafts- und Geheimdienstexperten verwiesen auf Verwicklungen der CIA in das Attentat. Rohwedder war bekannt dafür, dass er zunächst dazu tendierte, die Betriebe der ehemaligen Betriebe der DDR zu sanieren anstatt zu verkaufen oder stillzulegen. Er beabsichtigte gar, die Mitarbeiter zu Eigentümern an den Betrieben zu machen. Das war weder im Sinne derer gewesen, die beim Verkauf der Betriebe ein „Schnäppchen“ hätten machen wollen, noch derjenigen, die kein Interesse daran gehabt hätten, wenn eine derartige Beteiligung der Mitarbeiter zu einem Präzedenzfall mit Vorbildwirkung auf die alten Bundesländer oder andere westlichen Staaten geworden wäre. Es sei noch angemerkt, dass die Nachfolgerin des Sozialdemokraten Rohwedder, die Christdemokratin Birgit Breuel eine deutlich härtere und weniger soziale Gangart an den Tag legte. Anstatt behutsam zu sanieren wurde unter ihrer Ägide bei der Treuhand nach der Maxime „schnell privatisieren“ gehandelt. Birgit Breuel war zudem Mitglied des Vereins Die Atlantik-Brücke e.V., welcher als Verein im Jahr 1952 mit dem Ziel gegründet, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland zu schlagen.

Für all diese Verdächtigungen und Vermutungen jenseits einer Tatbeteiligung der RAF gibt es jedoch bis heute keinerlei Beweise.

Zu dem Mordanschlag auf Detlev Karsten Rohwedder gibt es vom ZDF einen sehr interessanten Zweiteiler mit dem großartigen Ulrich Tukur in der Hauptrolle, der sich lose an den Geschehnissen orientiert und die Abläufe frei interpretiert. Es ist kein Werk über das letzte Gefecht des Linksterrorismus, sondern es sät Zweifel an jeglicher Art ideologischer Gewalt. Zweifel an der gängigen Theorie einer RAF-Täterschaft lassen dieses Werk zwar in die Nähe von Verschwörungstheorien entgleiten, aber macht es auch zu mehr als nur Geschichtsfernsehen, zudem mit einem guten Unterhaltungswert.

Am Ende stellt sich bei derartigen Ereignissen im die Frage Qui bono – wer zieht einen Nutzen daraus? Die RAF lehnte jede Form des Kapitalismus ab, somit und auf Grund des Bekennerschreibens sind sie natürlich die „ersten“ Tatverdächtigen. Rohwedder vorrangiges Ziel war es jedoch, die marode Wirtschaft der ehemaligen DDR zu sanieren und die Menschen in Arbeit zu halten. Ihm lag es fern, die dortigen Betriebe zu „verscherbeln“ und Spekulanten zu überlassen. Im Grunde überwogen also sozial-marktwirtschaftliche Aspekte, die sich nicht zwingend mit rein kapitalistischen Interessen deckten. Nutznießer der seit Rohwedders Tod konsequent verfolgten Privatiesierungsstrategie seiner Nachfolgerin Brigit Breuel waren insbesondere große Konzerne.

Die größten Profiteure der Wiedervereinigung waren westdeutsche (und teilweise) internationale Großkonzerne wie Volkswagen, Opel (damals GM), BMW, Siemens, RWE, E.ON, Vattenfall, Edeka, Aldi, Lidl, Rewe, Nestlé, Coca-Cola, Procter & Gamble, sowie Beratungsfirmen wie PwC, KPMG, Deloitte, McKinsey und Roland Berger, die schnell Marktanteile in Ostdeutschland sichern konnten – oft gestützt durch staatliche Subventionen, Privatisierungen und günstige Arbeitskosten, bzw. Verträgen zur Umstrukturierung und Strukturplanung der ostdeutschen Wirtschaft. Ostdeutsche Unternehmen hingegen verschwanden in diesem Zuge weitgehend – mit gravierenden Folgen für Beschäftigung und Vermögensverteilung.

Rohwedder hatte sich unter Ostdeutschen Respekt erarbeitet – vor allem, weil er die Privatisierung mit sozialem Augenmaß gestalten wollte. Er plante, wie bereits erwähnt, Betriebe nicht nur an Westinvestoren zu verkaufen, sondern teilweise auch Belegschaftsmodelle zu fördern. Viele Ostdeutsche trauten ihm mehr Gerechtigkeit zu als seiner Nachfolgerin. Nach dem Attentat wuchs das Misstrauen gegenüber der Treuhand. Rohwedders Nachfolgerin, Birgit Breuel, galt als wirtschaftsliberaler und marktorientierter. Die Treuhand wurde zunehmend als Instrument des Ausverkaufs wahrgenommen, nicht mehr als Garant für einen sozialverträglichen Umbau. Das Vertrauen in den Vereinigungsprozess litt – der Mord galt als Symbol für die Härte und Gewalt des Umbruchs.




Die Spur der Bombe

Allerorten wurde im November dem 25-jährigen Fall der Mauer gedacht. Das ist auch gut so, denn es ist ein beispielloser Akt in der jüngeren Geschichte, auf den hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll.

Ebenfalls von 25 Jahren, am 30.November 1989 ereignete sich einer der schlimmsten und brutalsten Mordanschläge der deutschen Geschichte. An diesem Tag wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen auf dem Weg zur Arbeit in Bad Homburg durch eine Bombe getötet. Schnell war klar, dass die 3.Generation der RAF angeblich dahintersteckt, schließlich wurde ein angeblich eindeutiges Bekennerschreiben am Tatort gefunden, dass nicht den leisesten Zweifel aufkommen lässt. Um so erstaunlicher ist es, dass immerhin 25 Jahre nach dem Attentat noch kein Mensch gefasst wurde, dem die Tat nachgewiesen werden konnte, geschweige, dass irgend jemand deswegen rechtskräftig verurteilt wurde.
Erstaunlicherweise tappen die Ermittlungsbehörden im Mordfall Detlev Carsten Rohwedder hier ähnlich im Dunklen.

Zeit also, ein wenig darüber nachzudenken.
Am 01.12.2014 lief in der ARD ein Bericht namens “Die Spur der Bombe”, die neue Erkenntnisse im Mordfall Herrhausen präsentieren sollte. Ich war gespannt. Immerhin beschäftigt das 25 Jahre später immer noch irgend jemanden.
Wir konnten erfahren, dass die Bombe zu 90%-tiger Sicherheit im Libanon von PFLP-Kämpfern gebaut worden sein muss. Diese Volksfront zur Befreiung Palästinas hatte angeblich ein weites Netzwerk mit europäischen uns japanischen Terrororganisationen geknüpft. Ein im Ruhestand befindlicher CIA-Mitarbeiter war damals im Libanon und angeblich mitten im Geschehen. “Die CIA beschäftigte sich VOR dem Attentat auf Herrhausen bereits intensiv forschend mit solchen Bomben”, sagte er – diesen Satz muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen!
Warum tat dieser Verein das? Was war das Ziel dieser “Forschung”? Auf diesen “Nebensatz” gab es natürlich keine Antworten.

Bei jedem Terroranschlag muss man sich die Frage stellen: “Qui bono” – Wem nützt das?
Was nützt es der PFLP, bzw. der RAF, einen Menschen wie Alfred Herrhausen zu ermorden? Welches Motiv haben sie?

Dazu muss man sich mit der Person Herrhausen auseinandersetzen. Was tat er als Vorstandssprecher der Deutschen Bank, dass es rechtfertigt, ihn dafür zu beseitigen.

Im Jahr 1987 machte Herrhausen auf einer Tagung der Weltbank den Vorschlag, den Entwicklungsländern teilweise ihre Schulden zu erlassen. Diese Forderung erneuerte er auf der Bilderberg-Konferenz im folgenden Jahr. Nach seiner Diagnose handelte es sich bei der dauernden Zahlungsunfähigkeit der Entwicklungsländer um ein andauerndes Solvenzproblem, dass nicht dadurch gelöst werden könne, dass der Schuldenberg immer weiter anwächst. Ein teilweiser Verzicht auf die Schulden sei nicht nur aus moralischen Gründen geboten, sondern auch im langfristigen Interesse der Gläubiger.
Zu erwähnen ist hier, dass die Kredite, die die Deutsche Bank damals vergab, zu ca. 75% durch Eigenkapital gedeckt waren. bei amerikanischen, britischen und japanischen Banken beispielsweise waren es nur ca. 50%! Entsprechend groß war die internationale Empörung. Der Nachfolger Herrhausens, Hilmar Köpper, tat dessen Idee als “intellektuelle Bemerkung” ab, die sich mangels Fürsprecher nach Herrhausen Tod erledigt hat.

Weiterhin wird der Umbau der Deutschen Bank unter Herrhausen retrospektiv als visionär bezeichnet. Dazu gehört beispielsweise der Ausbau des Investmentbereiches mit dem Erwerb der britischen Bank Morgan Grenfell. Diese Visionen wurden von Hilmar Kopper als Nachfolger jedoch nicht weiter verfolgt.

Zudem war Alfred Herrhausen ein wichtiger Berater Helmut Kohls. Kurz vor seinem Tod sagte Herrhausen, dass Deutschland in nur einem Jahrzehnt in die fortschrittlichste Indutsrienation Europas verwandelt werden sollte. Eine alarmierende Aussage, könne sich in Deutschland eine alternative Wirtschaftspolitk der USA entwickeln. In der Folge kamen der Maastricher Vertrag, Stabilitätspakt, der Euro als Gemeinschaftswährung und der wirtschaftliche Kahlschlag der neuen Bundesländer. Hätte sich Herrhausen Vision durchgesetzt, wäre Deutschland zu einer Wirtschaftsmacht aufgestiegen, die vermutlich das Weltgefüge durcheinander gebracht hätte.

Wieder stellt sich also die Frage, wem der Tod von Alfred Herrhausen genutzt hat. Mitnichten war Alfred Herrhausen ein Linker, doch der Schuldenerlass für Entwicklungsländer steht ebenso mit Sicherheit nicht im Gegensatz zu Zielen der PFLP und der vermeintlich 3.Generation der RAF.
Fest steht, dass die Verantwortung der RAF für diese Tat bis heute nicht geklärt, bzw. nachgewiesen ist. Zwar wurde mit Siegfried Nonne kurz nach der Tat ein Kronzeuge präsentiert, der die RAF mit der Tat in Zusammenhang brachte. Er widerrief jedoch eine Aussage und widerrief dann wieder den Widerruf, so dass hier von einem glaubwürdigen Zeugen kaum die Rede sein kann.

Ein Attentat wie das auf Alfred Herrhausen benötigt profunde Kenntnisse im Waffenbau und eine erhebliche Logistik bis hin zum Test einer solchen Waffe. Die Frage ist, ob eine im Untergrund operierende RAF dazu in der Lage gewesen ist.
Alfred Herrhausen war ein der am meisten gefährdeten Personen in Deutschland, den Personenschutz übernahm die Sicherheitsabteilung der Deutschen Bank und Einheiten des mobilen Einsatzkommandos des LKA in Hessen waren für die Observierung der Wohngegend Herrhausens zuständig. Trotzdem gelang es den Tätern, am Seedamweg in Bad Homburg die Strasse aufzugraben, ein Kabel für die Bombe zu verlegen und anschließend die Asphaltdecke wieder zu schließen. Am Tag des Attentates brachten die Täter noch eine Lichtschranke an und positionierten ein Fahrrad mit der Bombe am Tatort, das von keiner Polizeistreife bemerkt worden sein soll. Das ganze Attentat funktioniert nur, wenn es in der Kolonne kein vorausfahrendes Fahrzeug gibt. Eine Woche vor dem Attentat ist dieses Fahrzeug jedoch nach Aussage des früheren Präsidenten des Verfassungsschutzes, Dr. Richard Meier abgezogen worden. Selbst der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble stellte fest, dass das am Tatort gefundenen Bekennerschreiben der RAF von der Substanz her im krassen Gegensatz zur technischen Perfektion des Anschlages stand. Nichtsdestotrotz halten die Ermittlungsbehörden bis heute an einer Täterschaft der RAF fest.
Solange nur in diese eine Richtung ermittelt wird, werden sich die wahren Täter wohl niemals feststellen lassen.
Die Spur der Bombe bleibt also kalt ..