Take The Long Way Home

Warum mein Lebenskompass eine Mundharmonika hat

Does it feel that your life’s become a catastrophe?
Oh, it has to be for you to grow, boy

Take The Long Way Home, Supertramp, 1979

Es gibt Menschen, die orientieren sich im Leben an Zitaten von Philosophen, an Karriereplänen, an Vision Boards oder an Apps, die Dich morgens daran erinnern, selbstständig mit dem Atmen zu beginnen und die Dir zeigen, wie Du lernst, Dir selbsttätig die Schuhe zu binden.
Ich dagegen habe seit den frühen 80er Jahren einen Song als Kompass:
Take The Long Way Home“ von Supertramp, mit seinem unverwechselbaren Mundharmonika-Intro — erschienen auf dem Album Breakfast in America und geschrieben von Roger Hodgson. [1][2] Für mich ist dieser Song mehr als nur Musik. Er ist ein textlicher und akustischer Kompass. Allerdings einer mit einem kleinen technischen Defekt: Er zeigt nicht immer den kürzesten Weg an. Aber dafür meistens den interessanteren.

Das klingt auf den ersten Blick nicht besonders effizient. Wer nimmt denn freiwillig den langen Weg?
Der kurze Weg ist doch schneller. Jedes Navigationssystem empfiehlt ihn. Der Kalender verlangt ihn. Die To-do-Liste schreit ihn. Die Gesellschaft nickt anerkennend, wenn man ihn nimmt.

Aber genau da beginnt das Problem.

Der kurze Weg bringt Dich ans Ziel.
Der lange Weg bringt Dich zu Dir.

Der kurze Weg ist praktisch.
Der lange Weg ist ehrlich.
Der kurze Weg sagt: „Beeil Dich, Du musst ankommen.
Der lange Weg sagt: „Schau mal links. Da ist ein Sonnenuntergang. Und rechts steht ein Bäcker, der noch echte Brötchen macht.

Der kurze Weg ist der Fahrstuhl.
Der lange Weg ist das Treppenhaus, in dem man zufällig dem Nachbarn begegnet, der seit 2008 immer denselben Jogginganzug trägt und trotzdem irgendwie weiser wirkt als jeder Führungskräfte-Coach.

Für mich bedeutet „den langen Weg nach Hause nehmen“ nicht Trödeln. Es bedeutet:
nicht nur funktionieren.
Denn wer immer nur den schnellsten Weg nimmt, verpasst manchmal die Landschaft. Und manchmal sogar sich selbst.

Heimat ist kein Ort mit WLAN-Passwort

Roger Hodgson hat den Song selbst auf einer tieferen Ebene mit der Suche nach einem inneren Zuhause verbunden — einem Ort, an dem man sich im Herzen zu Hause fühlt. [2]
Genau das macht den Song für mich so stark: Er ist keine simple Verkehrsregel. Er ist eine Lebenshaltung.
Zuhause“ ist nicht nur die Wohnung, in der der Kühlschrank brummt und irgendwo ein Ladekabel verschollen ist.
Zuhause ist auch dieser Moment, in dem man merkt:
Ich bin gerade nicht auf der Flucht. Ich bin da.

Das passiert vor allem mit der Partnerin ❤️.
Das kann im Auto passieren.
Beim Spaziergang.
Im Supermarkt zwischen Suppengemüse und Sonderangeboten.
Oder nachts, wenn man plötzlich begreift, dass man jahrelang versucht hat, jemand zu sein, der man gar nicht werden wollte.

Der lange Weg nach Hause ist also manchmal ein Umweg.
Manchmal eine Pause.
Manchmal ein Nein.
Und manchmal ein sehr lautes Ja zu sich selbst.

Die Kunst, nicht immer die Abkürzung zu wählen

Wir leben in einer Welt, die Abkürzungen liebt.

  • Schneller lernen
  • Schneller arbeiten
  • Schneller antworten
  • Schneller essen
  • Schneller leben

Sogar Entspannung soll inzwischen effizient sein: „10 Minuten Meditation für maximale Gelassenheit.“ Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Erleuchtung, aber bitte mit Expressversand und Prime-Account.“ Der Song erinnert mich daran, dass das Leben nicht immer eine Lieferando-Bestellung ist. Manche Dinge brauchen Zeit:

  • Vertrauen.
  • Charakter.
  • Geschmack.
  • Gelassenheit.
  • wirklich gute Pasteis de nata.
  • Ein Glas La Chouffe
  • Und die Erkenntnis, dass man nicht auf jede Nachricht sofort antworten muss.

Der lange Weg ist nicht die Route der Faulen. Er ist die Route der Menschen, die verstanden haben, dass Geschwindigkeit nicht dasselbe ist wie Richtung.

Mein inneres Navigationssystem klingt nach Supertramp

Wenn mein Leben ein Navi hätte, würde es vermutlich nicht neutral sagen:
In 300 Metern links abbiegen.“ Es würde eher sagen:
Fahr ruhig noch ein Stück weiter. Du musst heute nicht alles lösen.“
Oder:
Achtung, in deinem Ego befindet sich ein Stau.“
Oder:
Wenn möglich, bitte wenden — du versuchst schon wieder, allen zu gefallen.

Und im Hintergrund: diese lässige Supertramp-Energie, irgendwo zwischen Melancholie, Ironie und dem Gefühl, dass das Leben ein Lächeln auf den Lippen hat und trotz allem tanzbar bleibt.

Das ist das Großartige an diesem Song: Er klingt nicht wie eine Predigt. Er klingt wie ein Freund, der dich mit einem schiefen Grinsen anschaut und sagt: „Komm, wir gehen noch eine Runde.

Warum der lange Weg unterhaltsamer ist

Der lange Weg hat Geschichten.
Auf dem kurzen Weg passiert meistens: nichts. Man kommt an. Punkt.
Auf dem langen Weg dagegen:

  • entdeckt man Straßen, die aussehen, als hätte die Stadtplanung kurz Jazz gehört;
  • trifft man Menschen, die in einem Satz mehr Wahrheit sagen als manche Bücher auf 300 Seiten;
  • findet man Cafés, in denen die Stühle wackeln, aber der Kaffee ein einfacher und ehrlicher, rechter Aufwärtshaken ist;
  • denkt man Gedanken zu Ende, die sonst immer von Push-Nachrichten zerschossen werden.

Der lange Weg ist der Ort, an dem das Leben seine Nebenfiguren vorstellt. Und oft sind genau die interessanter als die Hauptstory.

Auch mein „Supertramp-Kompass“ bewahrt mich nicht vor Fehlern. Ich nehme weiterhin falsche Ausfahrten, sage gelegentlich zu früh „kein Problem“, obwohl es sehr wohl ein Problem ist, und kaufe manchmal Dinge, weil sie im Angebot sind, nicht weil ich sie brauche.

Kompass“ heißt nicht: immer wissen, wohin

Ein Kompass zeigt Richtung. Er erklärt nicht das ganze Gelände. Aber der Song erinnert mich daran, regelmäßig zu fragen:

Bin ich noch auf meinem Weg — oder nur auf dem schnellsten?

Das ist ein Unterschied. Der schnellste Weg kann dich zu einem Ziel bringen, das gar nicht deins ist. Der lange Weg gibt dir unterwegs Zeit, das zu merken.

Fazit: Geh ruhig langsam, aber geh wach

Take The Long Way Home“ ist für mich mehr als ein Songtitel. Es ist ein freundlicher Tritt gegen die Eile. Ein musikalischer Wegweiser. Eine Erinnerung daran, dass man nicht jeden Umweg erklären muss.

Manche Umwege sind keine Fehler.
Manche sind Ausbildung.
Manche sind Heilung.
Manche sind einfach bessere Geschichten.

Und wenn ich am Ende meines Tages nach Hause komme — im wörtlichen oder im inneren Sinn — dann möchte ich nicht nur sagen können: „Ich war schnell.

Ich möchte sagen können:
Ich habe etwas gesehen. Ich habe etwas verstanden. Ich war unterwegs wirklich da.

Also ja: Ich nehme den langen Weg nach Hause.

Nicht, weil ich mich verlaufen habe.
Sondern weil ich mich finden will.

Take The Long Way Home, Paris Pavillion, 1979



Happy Birthday, Neil Tennant

Now I sit with different faces
In rented rooms and foreign places
All the people I was kissing
Some are here and some are missing
In the 1990s

Being Boring, 1990

Heute ist ein ganz besonderer Tag für die Welt der elektronischen Popmusik. Wir feiern den 72. Geburtstag von Neil Tennant, der Stimme und dem lyrischen Genie hinter den Pet Shop Boys.

Seit über vier Jahrzehnten prägt Tennant (* 10. Juli 1954 in North Shields, England) mit seinem unverkennbaren Stil – einer Mischung aus intellektuellem Understatement, messerscharfen Beobachtungen und unwiderstehlichen Synthesizer-Melodien – die Musiklandschaft.

Ein Mann, ein Geist, ein Sound

Neil Tennant ist kein gewöhnlicher Popstar. Vor seinem musikalischen Durchbruch arbeitete er als Journalist beim Musikmagazin Smash Hits. Während seiner Zeit bei Smash Hits führte er unter anderem ein wegweisendes Interview mit Dusty Springfield, was später zur Zusammenarbeit an dem Hit “What Have I Done to Deserve This?” führte. Diese journalistische Vergangenheit spürt man in jedem Songtext: Tennant schreibt keine bloßen Liebeslieder, er erzählt kleine, oft melancholische Kurzgeschichten über das Leben in der Großstadt, Sehnsüchte, gesellschaftliche Beobachtungen und den flüchtigen Glamour des Ruhms.

Bild: Raph_PHPSBHydePark150919-77, CC BY 2.0, Link

Gemeinsam mit seinem Partner Chris Lowe hat er ein Universum geschaffen, das sowohl die Tanzflächen der Welt als auch die intellektuellen Feuilletons bedient. Von Hymnen wie “West End Girls” bis hin zu zeitlosen Klassikern wie “It’s a Sin” oder “Always on My Mind” – Tennants prägnante, fast gesprochene Gesangsstimme ist das Herzstück, das diese Songs zu zeitlosen Meisterwerken macht.

Warum er heute noch so wichtig ist

Was Neil Tennant und die Pet Shop Boys so bemerkenswert macht, ist ihre Beständigkeit. Während viele Bands der 80er Jahre in der Nostalgie gefangen blieben, haben sich Tennant und Lowe stets weiterentwickelt, neue Sounds integriert und bleiben doch immer zu 100 % “Pet Shop Boys“. Er outete sich 1994 in der Zeitschrift Attitude als homosexuell und gilt seitdem als prominente Stimme für LGBTQ+-Themen in der Musikindustrie.

Tennant schreibt oft wie ein Flaneur oder ein Dokumentarist. Er beobachtet das soziale Gefüge, die Anonymität der Großstadt (besonders London) und die kleinen, oft unbedeutenden Momente, in denen sich große Lebensgeschichten abspielen.

Beispiel: In „West End Girls“ verwebt er sozialkritische Beobachtungen über Klassenunterschiede in London mit einem fast filmischen, düsteren Unterton. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Distanz. Seine Texte handeln oft von dem Gefühl, ein Außenseiter zu sein, der das Geschehen beobachtet, anstatt mitten darin zu stehen. Dies verbindet er häufig mit einer sehr distanzierten, fast kühlen Sicht auf Begehren, Einsamkeit und das „Anderssein“.
Tennant ist ein belesener Songwriter. Er scheut sich nicht, komplexe Themen wie Religion, Politik oder historische Ereignisse in den Kontext eines Drei-Minuten-Popsongs zu setzen.

  •  Religiöse Ambivalenz: „It’s a Sin“ ist eine brillante Auseinandersetzung mit der katholischen Erziehung, Schuldgefühlen und dem daraus resultierenden Rebellionstrieb, verpackt in eine mitreißende Hymne.
  • Politischer Kommentar: Lieder wie „Left to My Own Devices“ oder „Opportunities (Let’s Make Lots of Money)“ spielen mit gesellschaftlichen Erwartungen und dem britischen Klassensystem.

„Wir schreiben Texte, die eigentlich traurig oder nachdenklich sind, legen diese aber über eine euphorische, tanzbare Produktion.“

Neil Tennant

Dieser bewusste Bruch zwischen dem Inhalt (Text) und der Form (Musik) verleiht den Liedern ihre tiefe Resonanz. Man kann zu den Songs tanzen, ohne den Text zu hinterfragen – oder man kann in die Texte eintauchen und eine bittere, oft satirische Gesellschaftskritik entdecken.
Tennant nutzt oft eine dialogische Erzählweise. Er lässt die Songs wie kleine, abgeschlossene Kurzgeschichten wirken, in denen Charaktere miteinander sprechen oder über ihre Situation reflektieren. Das macht seine Lieder sehr persönlich, ohne dass sie in den bei Popstars oft üblichen „Selbstmitleid-Kitsch“ abrutschen.

Ein Beispiel für seine lyrische Meisterschaft:

In „Being Boring“ verarbeitet er das Älterwerden und den Verlust von Freunden während der AIDS-Krise der 80er Jahre. Es ist einer der persönlichsten und bewegendsten Texte der Popgeschichte, der das Thema Vergänglichkeit mit einer bemerkenswerten, fast schon nüchternen Eleganz behandelt.

An seinem 72. Geburtstag erinnert uns Neil Tennant daran, dass Popmusik keine Frage des Alters ist. Es ist eine Frage der Haltung:

  • Neugier: Er zeigt uns, wie man sich künstlerisch ständig neu erfindet.
  • Intelligenz: Er beweist, dass Mainstream-Erfolg und lyrische Tiefe sich nicht ausschließen müssen.
  • Stil: Er bleibt sich treu, ohne jemals in die Falle der Selbstkopie zu tappen.

Die Top 3 “Neil Tennant”-Momente

Wenn wir heute auf sein Werk zurückblicken, dürfen diese drei Meilensteine in keiner Playlist fehlen:

  • West End Girls (1984):
    Die Geburtsstunde eines völlig neuen, urbanen Pop-Sounds
  • It‘s A Sin (1987):
    Ein dramatisches, kathartisches Meisterwerk über Schuld und Befreiung.
  • Being Boring (1990):
    Vielleicht einer der ehrlichsten und bewegendsten Songs über das Älterwerden und die Vergangenheit.

Neil Tennant hat das Genre des elektronischen Pop maßgeblich mitdefiniert und bleibt ein Vorbild für Generationen von Musikern. Er zeigt uns, dass man die Welt mit einem ironischen Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Melancholie betrachten kann – und dabei verdammt gut tanzt.

Alles Gute zum Geburtstag, Neil! Wir freuen uns auf alles, was da noch kommen mag …

Weil es für mich der schönste Song der Pet Shop Boys ist – Being Boring als Video:




ESC 2025

Am 17.05.2025 war es wieder soweit, halb Europa traf sich in Basel um den European Song Contest auszutragen. Der deutsche Beitrag entstand unter der Federführung von Stefan Raab und verhieß zunächst nix Gutes, was sich jedoch im Verlaufe des Abends als Irrglaube erwies.

Immer, wenn man sich an Samstagen etwas vornimmt, kommt es anders als man denkt. Wir waren bei Freunden zum Frühstück verabredet. Es war schön, es war gemütlich, das Wetter war einladend, wir saßen nach dem Frühstück lange auf der Terrasse, der letzte Bundesligaspieltag zog an uns vorüber, ich war äußerst erbaut über die Heimniederlage meiner Borussia gegen Wolfsburg und so beschlossen wir, an diesem Abend noch gemeinsam den ESC zu schauen. Nicht jedoch ohne eine Stärkung, die uns von Biggis Burger aus Krefeld geliefert wurde. Ein Highlight – der Burger!

Um 21:00 ging das Schauspiel nun los, Tivoli-Lichterspiele und kreischende Moderatorinnen, Michelle Hunziker eingschlossen. Wenn man dann nach geraumer Zeit merkt, dass der originellste Beitrag aus Estland kommt, Espresso Macchiato heißt und von einem Tommy Cash dargeboten wird, der `ne Krawatte wie Trump trug, dann merkst Du, dass hier was aus dem Ruder läuft. Erste Suizidgedanken musste man bei dem Beitrag Litauens zur Seite wischen. Einzig bemerkenswert der spannungsgeladene Auftritt Isreals, dargeboten von einem Opfer des 7.Oktober 2023, vorgetragen in Englisch, Französisch und Hebräisch.

Auftritt Österreich. Wir rieben uns nur die Ohren …
Was war das? Schön, der Typ konnte singen, dass er schwul ist, … geschenkt. Wir sind in einer Generation mit Boy George, Grace Jones, Amanda Lear und anderen groß geworden. Was die nun waren, Männlein oder Weiblein oder was auch immer, hat uns wenig interessiert, wir fanden die einfach nur toll mit dem, was sie uns dargeboten haben.
Aber das hier sprengte unseren Rahmen. Schön, dass der Typ in den höchsten Tönen singen kann, dass er für die LGBTQ+ – Bewegung singt. Was wir uns fragten war, WO man dieses Lied hören kann. Wenn man es im Auto hört und kommt in eine Verkehrskontrolle, wären da Drogen- und Alkoholkonsum unserer Ansicht nach ein nachgelagertes Problem.
Würde man das auf einer Party spielen, wäre es der perfekte Rausschmeißer.
Zieht man es in Betracht, das Lied im Fitness-Studio zu hören, hätten die anderen Besucher vermutlich Angst, dass sogleich ein Amoklauf stattfindet.

Kurz und knapp, um es einmal mit den Worten des berühmten Franz Münchinger, aka Monaco Franze aus München zu zitieren: “A rechter Scheißdreck war’s“.

Was im Laufe des Abends folgte, war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Finnland – „Ich komme“ – alter Finne, kannste Dir nicht ausdenken. Portugal – grenzdebil. England – wollte zwischen Beatles, Kinks und Oasis alles rauskitzeln was es gab – niemand hat es kapiert und die 3 Tanten von der Insel wohl auch nicht. Armenien – ein Highlight für die Damen, aber außer lautem Gedengel nichts erwähnenswertes. Italien war ganz nett, der Sänger kam optisch wie eine Mischung aus den frühen Brian Eno, Peter Gabriel und David Bowie, ohne musikalisch den Hauch einer Chance zu haben. San Marino ebenfalls nett, wenigstens ein bisschen gute Laune. Beim ukrainischen Beitrag war man zunächst verleitet zu glauben, die hätten den Kampfterrier der Splitterpartei FDP, Agnes Strack-Zimmermann als Frontfrau verpflichtet.

Es folgten die Wertungen der Jury – Österreich, Frankreich und die Schweiz gingen ab wie die Raketen. Wir stellen uns lediglich die Frage, ob sämtliche Juroren zuvor Insassen einer geschlossenen Psychiatrie waren. Der deutsche Beitrag kam dabei relativ ungeschoren davon, hat er zumindest etwas gute Laune verbreitet und hat nicht wirklich weh getan.

Das folgende Publikumsvoting stellte sodann einiges auf den Kopf. Israel ging steil. Richtig war das. Es war in allererster Linie ein politisches Voting. Wurde zuvor gekräht, dass Israel doch bitte vom Wettbewerb ausgeschlossen werden sollte, antwortete das internationale Publikum mit den meisten Stimmen darauf, auch aus Deutschland! Starkes Zeichen. Proteste gegen eine Überlebende des Hamas-Massakers – kannste Dir nicht ausdenken! Dass dann Österreich auf Grund der hohen Votings der Juroren dennoch den ersten Platz belegte, war unumgänglich.

Dass bei dem Auftritt der israelischen Sängerin Vuval Rapahel zwei Personen versuchten die Absperrungen zu durchbrechen um den Auftritt zu stören und der spanische Sender RTVE zuvor eine Solidaritätsbekundungen für die Menschen in Gaza einblendete, blieb leider von allen Medien unerwähnt. Bedauerlich!

Der ESC war immer in Teilen politisch und wird es wohl immer sein, selbst Nicoles „Ein bisschen Frieden“ war in seiner Zeit vor dem Hintergrund des NATO-Doppelbeschlusses und des kalten Krieges nicht ganz unpolitisch. Auch der diesjährige Siegertitel ist es mit seinem LGTBQ+ – Hintergund nicht. Im Angesicht der Präsidentschaft des Herrn Trump und seiner rechten Klaquere in Europa ist das auch alles gut und richtig. Meiner Ansicht verkommt das aber alles nur zu einem reinen Selbstzweck. Freilich keine ESC-Titel haben Stücke wie John Lennons „Imagine“, Queens „39“ oder Supertramps „Fool‘s Overture“ auch nach einem halben Jahrhundert nichts von ihrer Aktualität verloren – sie werden heute immer noch gespielt und verursachen bei dem einen oder anderen immer noch Gänsehaut. Bei dem diesjährigen Siegertitel habe ich meine Zweifel, dass unsere Enkel sich in 50 Jahren noch daran erinnern und sich so etwas noch anhören werden. Spielt man heute den ersten halben Takt des 1974er Siegertitels „Waterloo“ sieht das ganz anders aus. Jeder weiß, was jetzt kommt und jeder wippt automatisch mit im Takt. Das sind Siegertitel!




Groove Dub Techno Mix

Die CD und/oder Alben sind out – es lebe die Playlist.
Bisweilen kommt es vor, dass man sich einfach nur ein wenig von der Musik “bedudeln” lassen möchte, sei es im Auto, im Flieger oder einer Zugfahrt inclusive der dazugehörigen Verspätungen.
Dazu sind nie enden wollende Playlists das Mittel der Wahl.

Für mich, dessen Jugend in der 90er Jahren bereits ihren Zenit überschritten hat, ist Techno die Musik der Wahl!
Das ganze natürlich ein wenig “smooth” und weniger “Hyper, Hyper”.
Dazu habe ich einen wunderschönen Kanal auf YouTube gefunden, der von dem Kanadier Harrison Divecha betreut wird. Herausragend sind dabei seine “Groove Techno Mixes”.
Leider sind die letzten Beiträge bereits aus dem Jahr 2017, … und vielleicht gibt’s irgendwann mal eine Fortsetzung.
Los geht’s:

 

 




Glenn Frey

Heute vor einem Jahr starb mit nur 67 Jahren der Eagles-Gründer Glenn Frey an den Folgen einer Dickdarmentzündung und einer Lungenentzündung.

Man mag die Eagles mögen oder nicht (ich liebe sie), aber ich denke, deren Songs hört man nicht nur, man “erlebt” sie.
Es gibt wohl kaum jemanden, der zu irgend einem Song der Eagles kein Erlebnis hat.

Im Jahr 2005 wohnte ich in einem Hotel in Ventura, Kalifornien, das wie das “Hotel California” auf dem Plattencover von 1976 aussah, oder zumindestens so, wie ich es mir vorstellte.

You can checkout any time you like but you can never leave

Don Henley, Glenn Frey & Don Felder, 1976

Zu diesem Haus, der Atmosphäre dort und zu dem Aufenthalt in Kalifornien fällt mir kein anderer Titel als “Hotel California” von den Eagles ein und ich verknüpfe dieses Lied immer mit diesem Hotel und dem Urlaub dort. Es ist tatsächlich so, ich habe aus dem Hotel längst ausgecheckt und bin wieder zu Hause, aber verlassen werde ich Land und Hotel wohl nie.

An dieser Stelle eine kleine Zusammenstellung der besten Songs der Eagles, insbesondere von Glenn  Frey.

 

Titelbild von Steve Alexander, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/



Paris 1979

Anfang der 80er Jaher drehte siche eine Scheibe, bzw. zwei Scheiben auf meinem Plattenspieler rauf und runter bis die Rillen qualmten. Es war “Paris” von Supertramp, aufgenommen am 29.November 1979 im Pavillion in Paris.
Ein Schulfreund von mir mälträtierte mich mit der Musik damals so lange, bis ich auch begeistert war. An dieser Begeisterung hat sich bis heute nichts geändert.

Noch heute ist der Sound dieser LP unübertroffen, die CD ist jedoch meilenweit davon entfernt.
Schlappe 33 Jahre später gibt es nun einen Konzertmitschnitt dieses denkwürdigen Ereignisses. Als ich das Cover gestern im Plattenladen sah, hatte ich fast die Tränen in den Augen. Allein das wunderschöne Cover lohnt den Kauf; im Innenleben befindet sich noch einen knallbunte Illustration mit der dicken Kellnerin aus “Breakfast In America”.

Los geht es mit einem kleinen Intro-Filmchen, in dem Charlie Chaplin durch Paris stapft, sich einen trinkt und anschließend im Gradarobeneingang des Paris Pavillion verschwindet. Und los geht es mit “School” – noch heute gibt’s bei dem Mundharmonika-Intro Gänsehaut.

Über das Repertoire der LP/CD hinaus gibt es noch einige zusätzliche Stücke auf der DVD, so “Goodbye Stranger”, “Even In The Quietest Moments”, “Give A Little Bit”, sowie das wahnsinnige “Child Of Vision”. Ebenfalls mit dabei: eine tolle Version von “Another Man’s Woman”.
Schon allein deswegen lohnt der Kauf. Der Sound der DVD ist ebenfalls über alle Zweifel erhaben. Satt und druckvoll kommen die Songjuwelen daher; so ein Sound sucht heute noch seinesgleichen bei der ganzen Superstar-Einheitssoße, die uns bisweilen vorgesetzt wird.
Besonders geil an den Stücken fand ich auf der LP damals wie heute die Kombination der Strings aus einem Elka-Keyboard und einem Oberheim Synthesizer. Cheesy, unnatürlich und kräftig! Kommt auf der DVD natürlich ebenfalls gut.

Die Bildqualität entsprichet nicht HD-Verhältnissen der heutigen Tage. Gerüchten zu Folge hat das Filmmaterial bei Drummer Bob Siebenberg jahrelang auf dem Dachboden gelegen – dafür ist es erstklassig. Diese Geschichte ist es aber auch – wie im Märchen …
Rechtlich scheint dieses Werk jedoch auf tönernen Füßen zu stehen, wie Roger Hodson auf seiner deutschen Webseite schreibt.

Trotz allem – hier sind Jungs am Werke, die ihre Instrumente beherrschen und erstklassige Songs vortragen. Im Studio genau so gut wie auf der Bühne. Auch solche Talente sind heute spärlich gesät, deshalb ist es schön, so etwas mal wieder zu sehen. Alleine schon wegen der Klamotten, der Matten der Musiker und des Instrumenten-Sammelsoriums, dass sich hier auf der Bühne tummelt. Zeitreise in die goldenen 70er Jahre. Sehenswert sind auch die Filmeinspielungen bei “Rudy” und “Fool’s Ouverture” – zu der Zeit sensationell!

Wieder einmal ein Dokument, dass vor Augen führt, wie schnell die Zeit vergeht, wie alt man mittlerweile geworden ist und was dabei selbst doch so zeitlos ist. Ohne Supertramp kann ich mir meine Jugend heute gar nicht mehr vorstellen. Noch heute begeistern mich die Songs der Gruppe wie damals; sie helfen in jeder Lebenslage. Bleibt nur noch der stumme Wunsch, die Band noch einmal in der Besetzung live zu sehen, wie sie in Paris auf der Bühne stand. Wenn Rick die Mundharmonika ansetzt und Roger die ersten Takte von “School” auf der Gitarre spielt …
Bis dahin tröstet uns “Paris”.
“Bon soir a un soirée avec Supertramp …”

Übrigens: Noch eine Anmerkung für den Connaisseur: Bei Supertramp ist damals bei dieser Tournee ein gewisser Chris de Burgh im Vorprogramm als Anreißer aufgetreten. Damals hatte der Herr noch ein Gespür für gute Musik  …