Warum ich in der Audioproduktion lieber einen Mac benutze

Oder: Warum ich beim Musikmachen lieber Musik mache, als Computer zu verwalten

Es gibt diese Momente im Leben eines Musikers, in denen man sich eine ganz einfache Frage stellt: Will ich heute Musik machen – oder möchte ich mich mit meinem Computer beschäftigen?

Für mich ist die Antwort ziemlich eindeutig. Ich möchte Musik machen. Und genau deshalb bin ich irgendwann beim Mac gelandet.

Nicht, weil Windows-Rechner grundsätzlich schlecht wären. Ganz im Gegenteil: Moderne Windows-PCs können in der Audioproduktion enorm leistungsfähig sein. Sie bieten eine riesige Auswahl an Hardware, Prozessoren und Konfigurationsmöglichkeiten.

Aber genau da liegt für mich auch das Problem. Ich möchte keinen Computer zusammenstellen. Ich möchte einen Song produzieren.

Der Mac als musikalisches Werkzeug

In der Audioproduktion ist der Computer längst nicht mehr nur ein Werkzeug neben dem Mischpult. Er ist das Mischpult, das Tonbandgerät, der Synthesizer, der Sampler, das Effekt-Rack und manchmal sogar das komplette Studio. Wenn ich Logic Pro öffne, möchte ich nicht darüber nachdenken, ob irgendein Treiber gerade ein Eigenleben entwickelt. Ich möchte ein Instrument laden, einen Synthesizer auswählen, ein Mikrofon anschließen, Aufnehmen. Und loslegen.

Genau diese Kombination aus Hardware und Betriebssystem empfinde ich beim Mac als ausgesprochen angenehm.

1. Hardware und Betriebssystem aus einer Hand

Ein großer Vorteil des Mac-Konzepts ist die enge Verbindung zwischen Hardware und Betriebssystem. Apple entwickelt Rechner, Betriebssystem und große Teile der Systemarchitektur gemeinsam. Das bedeutet nicht, dass ein Mac niemals Probleme macht. Natürlich kann auch ein Mac abstürzen oder ein Plug-in Ärger verursachen.

Aber das Gesamtsystem wirkt auf mich sehr geschlossen.

Bei einem klassischen Windows-PC kann die Situation deutlich heterogener sein: unterschiedliche Mainboards, Chipsätze, USB-Controller, Grafikkarten, Treiber und Peripheriegeräte. Das ist einerseits eine fantastische Freiheit. Andererseits kann genau diese Freiheit auch bedeuten:

„Warum funktioniert das gestern noch funktionierende Audio-Interface heute plötzlich nicht mehr?“

Und dann beginnt die Suche.

  • Treiber installieren.
  • Treiber aktualisieren.
  • Treiber wieder deinstallieren.
  • Neustart.
  • Noch ein Neustart.

Und irgendwann sitzt man vor dem Rechner und fragt sich, ob man eigentlich gerade Musik produziert oder einen Informatik-Abschluss macht.

2. Core Audio – ein kleines Stück digitaler Gelassenheit

Ein Punkt, den ich in der Audioproduktion besonders schätze, ist Apples Core-Audio-System. Audio-Hardware lässt sich unter macOS vergleichsweise unkompliziert in das Betriebssystem integrieren. Viele Geräte funktionieren nach dem Anschließen direkt oder benötigen nur wenig zusätzliche Konfiguration. Das ist gerade dann angenehm, wenn man verschiedene Audioanwendungen benutzt.

  • DAW öffnen.
  • Audiointerface auswählen.
  • Puffer einstellen.
  • Musik machen.

Diese Einfachheit ist für mich mehr wert, als sie auf den ersten Blick klingt. Denn Stabilität und Zuverlässigkeit sind im Studio keine spektakulären Features. Sie sind einfach die Dinge, die man erst bemerkt, wenn sie fehlen.

3. Logic Pro – ein komplettes Studio im Rechner

Ein weiterer Grund für meine Mac-Liebe ist natürlich Logic Pro. Logic Pro ist für mich eines dieser Programme, bei denen irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem man sich fragt:

Was brauche ich eigentlich noch? Drums, Sampler, Synthesizer, virtuelle Instrumente, Effekte, Mixing-Werkzeuge und eine riesige Auswahl an Sounds gehören bereits zum Paket. Und das Entscheidende: Logic fühlt sich für mich nicht wie eine Ansammlung von Einzelprogrammen an. Es fühlt sich wie ein Studio an.

Natürlich gibt es auf Windows hervorragende DAWs wie Ableton Live, Cubase oder Studio One. Die Auswahl ist großartig. Aber wenn man einmal tief im Apple-Ökosystem steckt, ist die Kombination aus Mac und Logic einfach verdammt bequem.

4. Apple Silicon: Leistung ohne Studio-Heizung

Mit Apples eigenen Prozessoren hat sich das Verhältnis zwischen Leistung und Energieverbrauch noch einmal verändert. Die Apple-Silicon-Chips bieten inzwischen eine enorme Rechenleistung bei vergleichsweise geringer Leistungsaufnahme.

Für die Audioproduktion bedeutet das vor allem:

  • Viele virtuelle Instrumente.
  • Viele Effekte.
  • Viele Spuren.

Und trotzdem bleibt der Rechner erstaunlich ruhig. Gerade bei längeren Sessions ist das angenehm. Früher war ein leistungsfähiger Rechner im Studio manchmal auch akustisch präsent. Heute kann ein Mac während einer komplexen Session nahezu unauffällig vor sich hin arbeiten. Und genau das gefällt mir. Ein guter Studiorechner sollte möglichst wenig Aufmerksamkeit verlangen.

5. Weniger Konfiguration bedeutet mehr Kreativität

Das ist wahrscheinlich mein wichtigster Punkt. Ich möchte mich beim Musikmachen mit Musik beschäftigen.

Nicht mit:

  • BIOS-Einstellungen
  • Chipsatztreibern
  • USB-Problemen
  • Energieprofilen
  • DPC-Latenzen
  • Treiberkonflikten
  • Windows-Updates
  • unbekannten Hintergrundprozessen

Natürlich kann auch ein Mac Probleme verursachen. Und natürlich kann man auch einen Windows-Rechner perfekt für Audio konfigurieren. Aber der Mac nimmt mir einen Teil dieser technischen Entscheidungen ab. Und genau das empfinde ich als Vorteil. Weniger Entscheidungen über den Computer bedeuten mehr Entscheidungen über die Musik.

6. Das MacBook: Studio im Rucksack

Besonders deutlich wird der Unterschied für mich beim mobilen Arbeiten. Ein MacBook kann heute gleichzeitig mobiles Studio, Aufnahmegerät, Synthesizer, Sampler und Mischpult sein.

  • Kopfhörer anschließen.
  • Audiointerface anschließen.
  • MacBook aufklappen.

Und das Studio ist da. Keine große Studiomaschine. Kein Tower. Kein Kabelsalat. Keine Frage, ob die Hardwarekonfiguration auch wirklich mitgenommen werden kann. Das ist für Musiker, die häufig unterwegs arbeiten, ein enormer Vorteil.

7. Und was ist mit Windows?

Jetzt könnte man natürlich sagen:

„Moment mal. Windows kann das doch genauso!“

Und ja. Das stimmt. Ein gut konfigurierter Windows-Rechner ist ein hervorragendes Werkzeug für Audioproduktion. Windows bietet eine enorme Auswahl an Hardware und Software. Wer maximale Erweiterbarkeit, bestimmte Hardware oder ein bestimmtes Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, kann mit einem Windows-PC sehr glücklich werden.

Auch viele professionelle Studios arbeiten problemlos mit Windows. Deshalb würde ich niemals behaupten:

Mac gut, Windows schlecht. Das wäre schlicht falsch. Für mich lautet die Frage vielmehr:

Wie viel Computer möchte ich beim Musikmachen eigentlich sein? Und meine Antwort lautet: Möglichst wenig.

Der eigentliche Vorteil: Ruhe im Kopf. Am Ende geht es für mich gar nicht um Benchmark-Werte. Es geht um Workflow.

Wenn ich eine Idee habe, möchte ich sie möglichst schnell aufnehmen können. Wenn mir eine Melodie einfällt, möchte ich nicht erst darüber nachdenken, ob irgendeine Systemkomponente gerade ein Update benötigt. Wenn ich einen Synthesizer öffnen möchte, möchte ich einen Synthesizer öffnen. Und wenn ich einen Song mischen möchte, möchte ich einen Song mischen.

Der Computer soll dabei möglichst unsichtbar werden. Das ist für mich der größte Vorteil eines Macs in der Audioproduktion: Er lässt mich häufiger vergessen, dass ich überhaupt mit einem Computer arbeite.

Fazit

Der Mac ist nicht automatisch der bessere Audiorechner. Aber er kann der angenehmere Audiorechner sein. Vor allem für Menschen, die ein möglichst geschlossenes, gut integriertes System möchten und keine Lust haben, ihren Rechner permanent zu optimieren.

Windows bietet Freiheit.
Der Mac bietet Integration.
Windows lässt mich sehr viel konfigurieren.
Der Mac nimmt mir vieles davon ab.

Und irgendwann habe ich für mich festgestellt: Ich möchte beim Musikmachen nicht darüber nachdenken, warum mein Computer funktioniert. Ich möchte einfach froh sein, dass er funktioniert.

Denn am Ende zählt im Studio nicht, welches Betriebssystem auf dem Rechner läuft. Sondern das, was aus den Lautsprechern kommt.

Und wenn der Mac dabei einfach still seinen Dienst verrichtet, während ich meinen nächsten Song baue, dann ist das für mich genau die Art von Technik, die ich haben möchte.

Technik, die sich zurücknimmt, damit die Musik nach vorne kommt.




Touch the Mac

Am 27.Oktober 2016 lud die Firma Apple unter dem Motte „Hello again“ zur Präsentation neuer Mac Hardware.
Soweit, so gut, viele behaupteten, es wurde Zeit, insbesondere da Microsoft tags zuvor ein neuen Desktop Computer vorstellte, der designmäßig nicht ganz von der Hand zuweisende Parallelen zum iMac hat. Selbstverständlich läßt sich das komplette Teil mit Touch Gesten bedienen. Über SInn und Zweck dieser Geschichte braucht man keine Worte zu verlieren, da dieses Teil für mich, insbesondere auf Grund Windows 10 nicht im Geringsten in Betracht gezogen wird.

Wer nun von den Apfelbauern einen neuen iMac, Mac mini oder gar einen neuen Mac Pro erwartet, der wurde aufs Bitterste enttäuscht. Es gab nur MacBooks. Pro. Dünner, leichter, schneller, kraftvoller. Und anfaßbar.
Was muss man sich darunter vorstellen? Schließlich bekam das Wort „Touch“ an diesem Abend eine inflatioäre Bedeutung.
Nun, dem neuen MacBook Pro wurden die Funktionstasten kastriert. Substituiert werden sie von einem „Surprise and Delight“-Feature namens Touch Bar.
Das ist ein kleine Bildschirmleiste im Retina-Format, die kontextabhängig Funktionstasten zur Verfügung stellt und auf den Namen „Touch Bar“ hört. Das mutet zunächst relativ unspektakulär an, von einigen ist diese Touch Bar auch schon als „Emojicon Bar“ degradiert worden.
Craig Federighi spielte damit zunächst etwas in den Apple eigenen Programmen herum und man bekam einen ersten Vorgeschmack.
Ernst wurde es, als dann die „Pro“-Vorführung begann. Eine Dame von Adobe, die vom Outfit her eher zu „Bauer sucht Frau“ gepaßt hätte, zeigte jedoch auf eindrucksvolle Art, was man mit dieser Touch Bar in Photoshop anfangen kann. Man malt beispielsweise mit dem im Verglich zu den Vorgängermodellen doppelt so großen Touch Pad und über die Touchbar justiert man die Farbe nach. Man kann also richtig malen mit dem Teil.
Im Anschluß daran gab es noch eine Vorführung mit einem DJ-Programm. Die Touch Bar macht aus dem Programm und dem Mac dann ein richtiges Instrument, mit dem man „performen“ kann, wie man heute sagt.

Natürlich müssen die Programme auf diese Touch Bar angeglichen werden, ich male mir gerade aus, wie das in Garage Band oder gar Logic aussieht, bzw. wie es sich anhört. Dann kann aus dem MacBook Pro in der Tat ein Instrument werden.
Oder ein Malbuch, oder ein Schnittplatz mit ordentlicher Haptik für’s Urlaubsvideo.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dererlei mit einem Surface möglich ist …

Mich hat diese ganze Vorstellung schon ziemlich begeistert. Es gibt immer noch Leute, die ein Laptop mit der Maus bedienen. Das war bei den alten MacBooks mit Touch Pad schon obsolet. Mit der Touch Bar erfährt man eine ganz andere Haptik! Meiner Ansicht nach um Längen besser als ein Windows-System auf Mobilgeräten, was „einfach“ nur mit den Fingern bedient wird. Das geht meiner Meinung nach nur schief …

Auch wurden bei den neuen Macs wieder ein paar alte Zöpfe abgeschnitten. Zunächst einmal ist der Apfel im Deckel nicht mehr beleuchtet. Gut, dieses Phallus-Symbol braucht nicht jeder. Viel schwerwiegender erscheint das der Wegfall des MagSafe-Anschlusses für das Ladekabel. Aber mal erhlich, wer sitzt am MacBook und hat das Ding am Stromnetz hängen. Das mag bei Geräten mit 4 Stunden Batterielaufzeit ein Argument sein. Mein MacBook Pro aus 2012 schafft 6 Stunden Hardcore-Lightroombearbeitung locker. Nebenbei dudelt dann auch noch iTunes und Fazebook in der Menuleiste. Darüber hinaus gibt es nur noch USB-C Anschlüsse – die Adapterindustrie wird’s freuen. In ein paar Jahren kräht danach wahrscheinlich kein Hahn mehr. Das einzige Teil, das ich an mein MacBook hängen muß, ist dann ein Kartenleser, da auch dieser beim neuen MacBook Pro wegfällt.

Enttäuscht wurden die Desktop-Fraktion. Außer dem MacBook nix Neues aus Kalifornien.

Die Frage, die ich mir stelle, muß ich jetzt enttäuscht sein?

Ich finde, ich muß es nicht. Ich halte nichts von dem Hype, jedes Jahr ein neues Gerät rauszuhauen. Wer soll das alles kaufen? Insbesondere auf Grund der Tatsache, dass mein iMac mittlerweile fünfeinhalb Jahre auf dem Buckel hat. Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Windows-Zeit so lange einen Rechner benutzt zu haben, vor allem im Hinblick auf Systemupdates. Auf meinem alten Windows Rechner hat Windows 10 die halbe Windows 7 Installation zerschossen, ganz zu schweigen, dass die Netzwerkkarte und das DVD-Laufwerk nicht mehr erkannt werden und ich keinen Bock habe, da stundenlang dran herumzufummeln.

Mein iMac wurde seit OS X 10.7 Lion mit brachialer Konsequenz bis zu macOS Sierra 10.12 lediglich aktualisiert. Kein „Clean-Install“, einfach nur die Aktualisierung drüberbügeln.
Lediglich bei 10.12 zeckte der Treiber für mein Steinberg Audio-Interface. Die anschließende Treiberneuinstallation schaffte hier jedoch kurzfristig Abhilfe. Das ganze System, das wie oben beschrieben jedes Jahr neu gestichen wird, funktioniert anstandslos wie beim ersten Anschließen. Gut, die mechanische Festplatte merkt man, insbesondere, wenn ich vorher am MacBook Pro mit einer SSD gearbeitet habe. Aber auch hier besteht die Möglichkeit, anstatt einer HDD eine SSD zu verwenden, zumal die Preise weit von dem entfernt sind, was vor 2 Jahren aufgerufen wurde. Natürlich ist das bei einem iMac nicht so ein einfaches Unterfangen wie in einem Windows-Rechner. Aber einen Ferrari lasse ich auch in einer Fachwerkstatt warten und reparieren und versuche es gar nicht erst selbst.

Wenn man sich die Preise für die Hardware anschaut, ist das natürlich starker Tobak. Ein iMac, der meinen Vorstelltungen entspricht (27’ Retina mit 2 TB Fusion Drive) kostet stolze 2.500 Kopeken. Da kommt man natürlich ins Grübeln, insbesondere, weil „der Alte“ noch so rüstig ist, trotz des Retina-Displays, dass wohl irgendeinen unsichtbaren Schriftzug mit „Kauf mich doch bitte“ enthalten muss, wenn man es sich im Laden staunend anschaut.

Da gibt es Leute, die bemängeln, dass es den MacPro in seiner momentanen Form bereits seit 2013 gibt. Derjenige, der so ein Gerät braucht, ist schnell bei einem Anschaffungspreis jenseits der 5.000 Euronen angelangt. Auch wenn es professionelle Grafiker oder Musiker sind, die so ein Teil nutzen, so werden sie bestimmt nicht jedes Jahr diese Summe raushauen, um ein nigelnagelneues Gerät zu kaufen, dessen Mehrwert an neuen Features den Preis bestimmt nicht wettmacht. Es gibt `ne Menge Musikstudios, die immer noch mit dem alten MacPro arbeiten und damit rundum zufrieden sind.

Das einzige, was mir auf der Präsentation gefehlt hat, ist eine externe Tastatur mit Touch Bar für die Deskotp Macs. Das Ding hätte ich blind bestellt, Preis egal, Lieferzeit egal.




OS X Yosemite

Die Yosemite Falls gehören zu den höchsten und bekanntesten Wasserfällen der Welt. Sie befinde sich im Yosemite-Nationalpark in der Sierra Nevada in den USA.
Soviel zur Allgemeinbildung.

Yosemite heißt auch das neue Betriebssystem für den Mac. Seit Donnerstag nacht ist es über den Mac App-Store kostenfrei zu beziehen.
Willy Brandt hat beim Mauerfall 1989 gesagt, dass jetzt zusammenwächst, was zusammen gehört.
Nicht anders sieht es hier aus, bei OS X 10.10, Codename Yosemite. Die enge Verzahnung zum mobilen Betriebssystem iOS 8 ist unübersehbar.

Als bekennender Apple-Stalinist sind unsere mobilen Geräte selbstverständlich schon auf dem neuesten Stand.
Zeit also, die Macs aufzufrischen.
Wie bei Apple gewohnt, geht diese Prozedur äußerst entspannt vonstatten. So entspannt, dass ich mir für den ganzen Fackelzug unseren Wellness-Freitag mit Sauna und Massage ausgesucht habe.
Einfach gesagt, zwischen 2 Saunagängen und der anschließenden Massage wurden MacBook Pro und iMac mit dem neuen Betriebssystem gefüttert. Beim MacBook Pro geht das erfahrungsgemäß um Welten schneller als bei unserem iMac, da das kleine Notebook eine SSD-Festplatte hat, also nix Mechanisches.
Der große iMac ist hat da eher die Mentalität eines großen Strassenkreuzers und hat die Sache etwas gemütlicher angehen lassen.

Doch auch er war nach einer knappen Stunde (inclusive 5,6 GB Download!) wieder am Start, in schöner, neuer Pracht.
Das erste auffallende Merkmal nach dem Start ist das flachere Design. keine Knöpfe mehr, an “denen man lutschen möchte”, wie Steve Jobs es bei der Einführung der Aqua-Oberfläche einmal formuliert hat. Auch die neue Schrift in den Menus wirkt sehr simpel, dennoch edel.

Die Frage, die sich nach einem Betriebssystem-Update stellt ist, ob alles wie gewohnt funktioniert. Die Frage ist mal wieder mit einem ganz klaren “ja” zu beantworten! Alles läuft, keine Geschwindigkeitseinbußen, keine Inkompatibilitäten, keine Treiber-Probleme.
Einzig den iMac habe ich noch einmal neu gestartet, was prinzipiell ungewöhnlich ist. Doch danach lief er wirklich rund, immerhin hat er schon 3 Jahre und 3 Betriebssystem-Updates hinter sich.

Zeit, die Neuerungen auszuprobieren. iCloud hat jetzt eine richtige Ordnerstruktur analog Dropbox und läuft perfekt. Continuity und Hands-Off heissen die neuen Zauberwörter.
Will heissen, ich schreibe an einem Text auf meinem iPad und ich habe keinen Bock mehr und will am Mac weiterarbeiten. Kein Problem. Mein “Pages” wartet schon im Dock auf mich. Anrufen vom MacBook aus, wenn ich auf der Terasse sitze – kein Problem, solange das iPhone in Reichweite ist. Einfach aus dem Adressbuch die Nummer wählen, dass Höhrer-Symbol anknipsen und los geht’s.

So stellt man sich ein Betriebssystem-Update vor. Ohne Probleme, ohne Schmerzen.
Dass es auch anders geht, hat sich am selben Tag auf der Arbeit gezeigt. Hier haben wir es mit Windows 7 zu tun. Ich musste mein Dell-Notebook dringend mit Sicherheits-Updates versorgen. Das funktioniert in einer großen Firma mit einem Net-Installer. In der Zeit, in der dieser die Patches gesucht hat, haben meinem Macs ein ganzes Betriebssystem heruntergeladen. In der Hälfte der Zeit, in denen das Dell-Laptop die endlich gefundenen Patches installiert hat, haben sich beide Macs aktualisiert.

Gut, dass ich mir so etwas zu Hause nicht mehr antun muss …




OS X Mavericks

Nach der Keynote am 22.10.2013 war es endlich verfügbar, das neue OSX Mavericks. Kurz nach Ende der Präsentation hat mein iMac bereits das Update angezeigt.
Zuerst wurde mein MacBook Pro aktualisiert. Das ging verhätlnismässig schnell, da wohl niemand direkt nach der Keynote den Finger auf dem Download-Knopf hatte. In knapp anderthalb Stunden war die gesamte Prozedur beendet. Mein iMac hat sich die Nacht über Zeit genommen, da der Ansturm auf die Apple-Server wohl etwas höher war.

Auch hier war die Installation ein Kinderspiel. Zwar riet Steinberg (Hersteller meiner Musik-Software) vom Update erst einmal ab, aber was soll’s – “No risk, no fun”. Die Bedenken waren unbegründet; Programm und Audio-Interface liefen wie gewohnt (perfekt).

Nach der Installation ging der Update-Fackelzug allerdings noch weiter; die iLife – und iWork-Programme wurden ebenfalls einer Frischzellenkur unterworfen. iWork ist jetzt noch einfacher und die Dokumente sehen auf dem Mac endlich so aus wie auf dem iPad und umgekehrt. Beim Kauf eines neuen iOS-Gerätes oder eines Mac sind die Programme kostenlos, verbunden mit einem herzlichen Gruß an das 99$-Jahresabo an Office 365 von M$ aus Redmond.
iPhoto ist noch schlichter, benutzt die Apple-Karten und iMovie erlaubt es endlich, Filme in die Cloud zu laden. Peferkt. Der Knaller ist für mich das iCloud-Schlüsselbund, dass alle meine Passwörter (die ich mir nicht merken kann) für alle meine Geräte in der iCloud speichert. Sicher, die NSA wird das alles auf dem Weg zu den Servern in Cupertino mitlesen, aber dann sparen sie sich wenigstens den Anruf bei Google, Dropbox und anderen Verdächtigen, damit die mein Passwort rausrücken. Man ist behilflich, wo man kann. Selbst Mutti Merkel kann augenscheinlich nicht mehr ungestört mit ihrem Gatten Konversation betreiben ,,,

Die ganze Installations-Arie dauerte zwar, aber ging so problemlos von Statten, wie man sich das bei Apple wünscht und auch gewohnt ist.
Was ist nun so toll an Mavericks? Sieht doch aus wie OS X 10.8 Mountain Lion?
Mein MacBook ist dank SSD eh pfeilschnell, doch mein iMac scheint noch eine Ecke schneller zu laufen. Das MacBook glänzt dagegen mit einer spürbar längeren Akku-Laufzeit, die ohnehin schon ihres Gleichen sucht. Der iMac fühlt sich an wie ein neues Gerät. An der Optik wurde bis auf ein paar Icons und am Kalenderdesign wenig bis gar nichts getan; es ist meiner Ansicht nach auch nicht nötig.
Unter der Haube wurde viel gebastelt; Energieffezienz heißt das Zauberwort, was sich vor allem bei den MacBooks bemerkbar macht. Aber auch der iMac fühlt sich an, als hätte er wesentlich mehr RAM zur Verfügung. Laut Apple sollen spezielle Kompressionsalgorithmen dafür verantwortlich sein.

Sei es wie es ist, das “fortschrittlichste Desktop-Betriebssystem” wurde mal wieder noch besser gemacht. Hier hat man nicht, wie bei DOS das Gefühl, dass die Karre nach jedem Update langsamer wird. Vor allem funktionierenn die Updates; mein alter DOS-7 Rechner hat bisweilen die Angewohnheit, das Installieren von Updates mit Fehlermeldungen zu quittieren.

Zu erwähnen bleibt noch, dass Mavericks (und wohl auch alle zukünftigen Apple-Betriebssysteme) kostenlos ist. Gut, der eine oder andere wird sagen, dass das bei den Mondpreisen für die Hardware ein schlechter Witz ist. Ein geniales Verkaufsargument ist das trotzdem, den M$ verdient beispielsweise ausschließlich damit die Kohle. Wenn die das machen müssten, könnten die wahrscheinlich demnächst die Pension für den durchgeknallten Steve Ballmer nicht mehr aufbringen. Aber so ist das Leben. Der Punkt geht nach Cupertino zu Apple ins sonnige Kalifornien.

Ein ebensolcher Frontalschuß zu Microsoft nach Redmond ist die kostenlose iWork-Suite. Na, … aber die kann ja wohl nicht mit Office mithalten. Kann sie nicht, will sie auch nicht. Wenn ich Word aufmache, um einen einfachen Brief zu schreiben oder Excel öffne, um mir meine Spritkosten mal eben zu berechnen, überfordert mich das kolossal. Die einfachsten Dinge sind geschickt in irgendwelchen Untermenüs versteckt und geben einem die Gelegenheit, das Programm erst einmal eine Stunde zu konfigurieren, um damit anschließen 10 Minuten zu arbeiten. Das braucht nun wirklich kein Mensch.
Für mich ist iWork da wesentlich besser geeignet. Im Geschäftsleben mag das anders aussehen.
Warum soll ich als Privatanwender für etwas bezahlen, wo ich nicht mit umgehen kann? Die Frage werden sich die Damen und Herren bei Apple auch gestellt haben und sind dann zu dem vernünftigen Entschluss gekommen, das ganze Zeugs zu verschenken.

Wenn man diese Punkte einmal berücksichtigt und sich bei namhaften Online-Dealern mal einen PC gleichen Umfangs konfiguriert, wird man sehr schnell erstaunt feststellen, dass die oben genannten Mondpreise in Wirklichkeit gar keine sind. Abgesehen von dem Spaß, den es einfach macht, mit einem Mac zu arbeiten. Der ist unbezahlbar.
Abschließend ist alles auf die Formel von Heraklit zurückzuführen: “Panta rhei” – alles fliesst.
Und ich bin mal wieder restlos begeistert …