Cinestill 400D in Lightroom nachbauen

Der CineStill 400D hat sich seit seiner Einführung fest in der analogen Fotoszene etabliert. Basierend auf dem Kinofilm Kodak Vision3 250D begeistert er durch natürliche Farbabbildung, warme Hauttöne und weiche Kontraste. Durch das Fehlen der Remjet-Schicht entstehen an hellen Lichtquellen zudem die typischen rötlich-warmen Lichthöfe (Halations).

Wer diesen zeitlosen Film-Look digital in Adobe Lightroom nachbauen möchte, sollte nicht beim Standard-Farbprofil anfangen. Die beste Ausgangslage bietet das flache Profil Adobe Neutral, da es die maximale Dynamik erhält und sanfte Gradationsübergänge ermöglicht.

Wichtig vorab: Ein Lightroom-Preset kann niemals echten Film perfekt ersetzen. Film reagiert auf Licht, Entwicklung, Scan und Objektiv immer etwas unterschiedlich. Aber du kannst Dir einen Look bauen, der die typischen visuellen Assoziationen von Cinestill 400D aufgreift:

  • Relativ neutrale Grundfarbe mit leicht warmer Tendenz.
  • Angenehme Hauttöne ohne starke Magenta- oder Grünstiche.
  • Farben wirken etwas gesättigter als bei Kodak Portra 400, aber zurückhaltender als bei Kodak Ektar 100.
  • Blautöne und warme Gelb-Orange-Töne werden besonders schön differenziert dargestellt.

1. Die Basis: Profil & Grundeinstellungen

Stelle zuerst das Profil deines Fotos auf Adobe Neutral. Das nimmt dem Bild die starre digitale Schärfe und schafft Platz für fließende Analog-Übergänge.

  • Profil: Adobe Neutral
  • Belichtung: 0,00 | Kontrast: -12
  • Lichter: -25 | Tiefen: +20
  • Weiß: -15 | Schwarz: +12
  • Klarheit: -6 | Dunst entfernen: -4
  •  Dynamik: +12 | Sättigung: -4

2. Gradationskurve für den matten Film-Look

In der RGB-Punktkurve wird der Schwarzpunkt leicht angehoben, um Schatten auszublochen. Eine feine Anhebung der Rot-Kurve in den obersten Lichtern deutet den charakteristischen Halation-Effekt an. Wie man den Halation-Effekt, also das rote Leuchten um eine Lichtquelle verstärken kann, erkläre ich am Schluss der Bearbeitung.

  • RGB-Punkte: ⁠(0 / 7)⁠, ⁠(25 / 20)⁠, ⁠(50 / 52)⁠, ⁠(90 / 87)⁠
  • Rot-Kurve: Minimales Anheben in den obersten Lichtern bei ⁠(95 / 97)⁠

3. HSL & Color Grading

Gelb- und Grüntöne werden leicht ins Warme verschoben, während Blautöne eine dezente Teal-Note erhalten.

  • Farbtöne: Rot -4, Gelb -8, Grün +18, Blau -10
  • Sättigung: Grün -14, Blau -8, Rot +8
  • Luminanz: Orange +6 (für strahlendere Teints), Gelb +4
  • Color Grading: Schatten mit warmem Amber (⁠42°⁠, Sättigung ⁠5⁠), Lichter mit Rot-Orange (⁠28°⁠, Sättigung ⁠7⁠), Abgleich auf ⁠+10⁠.

4. Kamera-Kalibrierung (Der entscheidende Schlüssel)

Die Kalibrierung verleiht dem Bild die typisch analoge Farbtrennung, die man über normale Regler kaum erreicht.

  • Schatten Tönung: +3 (wirkt digitalen Grünstichen entgegen)
  • Rot Primärton: Farbton +8 | Sättigung +12
  • Grün Primärton: Farbton +22 | Sättigung -10
  • Blau Primärton: Farbton -14 | Sättigung +16

5. Körnung & Finish

Unter Effekte bekommt das Bild die feine 400-ISO-Struktur: Betrag 28, Größe 35, Rauheit 40.

6. Präzise Halation über Luminanz-Maskierung

Luminanz-Maske erstellen: Öffne das Maskieren-Werkzeug, wähle Luminanzbereich und klicke auf die hellsten Lichtquellen oder überstrahlenden Kanten. Grenze den Bereich im Regler so ein, dass wirklich nur die obersten 10–15 % der Lichter erfasst werden.

  • Rotes Glühen einfärben: Ziehe im Masken-Panel die Temperatur stark nach rechts (+30 bis +50) und wähle über den Regler Farbe ein gesättigtes Rot-Orange.
  • Bloom & Saum erzeugen: Drehe Klarheit auf ⁠-50⁠ bis ⁠-80⁠ und Struktur auf ⁠-30⁠ bis ⁠-50⁠. Senke Dunst entfernen leicht ab (⁠-10⁠ bis ⁠-20⁠).
  • Ergebnis prüfen: Die Kanten von Lampen, Reflexionen oder Fenstern erhalten einen weichen, rötlichen Schein, während der Rest des Bildes unangetastet bleibt.

Praxis-Tipp für das beste Ergebnis

Das Preset entfaltet seine volle Wirkung bei Tageslicht- und Portraitaufnahmen während der goldenen Stunde. Passe nach dem Anwenden des Presets primär die Belichtung und den Weißabgleich an – ein leicht wärmerer Weißabgleich betont den sonnigen CineStill-Charakter zusätzlich.

Der beste Tipp: Erstelle das Preset nicht an nur einem Foto. Teste es an mindestens fünf bis zehn Bildern mit unterschiedlichem Licht. Erst dann siehst Du, ob Hauttöne, Schatten und Highlights wirklich stabil funktionieren. 
Im folgenden findest Du einige Vorher/Nachher-Beispiele: