Free As A Bird

Es gibt Alben, die einen beim ersten Hören umhauen. Und dann gibt es diese besonderen Platten, die sich langsam, fast unbemerkt ins Herz schleichen. „Free As A Bird“ von Supertramp gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.

Nach dem weltweiten Erfolg von Breakfast in America und …Famous Last Words… war vieles anders. Roger Hodgson hatte die Band verlassen, und viele Fans fragten sich, ob Supertramp ohne ihn überhaupt noch Supertramp sein konnte. Die Antwort lautet für mich: Ja – nur eben auf eine andere Art.

Free As A Bird ist kein Album, das mit großen Hits um Aufmerksamkeit kämpft. Stattdessen entfaltet es seine Stärken mit jeder weiteren Hörsession. Die Songs wirken entspannt, erwachsen und selbstbewusst. Man merkt, dass die Musiker nicht versuchen, die Vergangenheit zu kopieren, sondern ihren eigenen Weg gehen.

Besonders beeindruckt mich die entspannte Atmosphäre des Albums. Die Mischung aus fein arrangierten Keyboards, markanten Saxofon-Einsätzen, groovigen Rhythmen und der unverwechselbaren Handschrift von Rick Davies erzeugt einen Sound, der zeitlos wirkt. Dieses Album lädt nicht zum schnellen Konsum ein – es lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen.

Gerade das macht für mich den besonderen Reiz aus. In einer Welt, in der ständig alles lauter, schneller und spektakulärer werden muss, erinnert mich Free As A Bird daran, dass Gelassenheit ebenfalls eine große Stärke sein kann. Es ist Musik für Autofahrten ohne Zeitdruck, für einen ruhigen Abend auf der Terrasse oder einfach für Momente, in denen man den Alltag für eine Weile vergessen möchte.

Natürlich wird dieses Album niemals denselben Kultstatus erreichen wie Crime of the Century oder Breakfast in America. Aber genau darin liegt vielleicht seine Freiheit. Es muss niemandem mehr etwas beweisen. Es darf einfach das sein, was es ist: ein warmherziges, hervorragend produziertes Rockalbum voller musikalischer Qualität.

Vielleicht passt der Albumtitel deshalb so gut. Free As A Bird – frei wie ein Vogel. Frei von Erwartungen. Frei von Vergleichen. Frei, den eigenen Weg zu gehen.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Albums. Nicht jeder Lebensabschnitt muss der lauteste oder erfolgreichste sein. Manchmal sind es gerade die ruhigeren Phasen, in denen die größte musikalische und persönliche Reife entsteht.

Für mich ist Free As A Bird deshalb ein unterschätzter Schatz im Supertramp-Katalog. Ein Album, das nicht nach wenigen Minuten alles preisgibt, sondern mit jedem Hören ein Stück mehr wächst. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einer Platte belohnt, die ihren ganz eigenen Charme besitzt – ehrlich, entspannt und wunderbar zeitlos.