Kleine Geste, große Wirkung

Im Alltag eines Geschäfts geht es oft um Waren, Preise, Angebote und Beratung. Doch manchmal entstehen genau zwischen all dem die kleinen Momente, die lange im Gedächtnis und im Herzen bleiben.

Heute kamen zwei junge Mädchen in ein Deko-Geschäft, in dem wir gerade eine Tage zuvor bestellte Jardinière (Blumenbehälter) abholten.

Augenscheinlich kamen die jungen Mädchen diesmal nicht, um etwas zu kaufen, sondern einfach, um sich noch einmal herzlich für das Lederarmband, das sie zuvor kauften und die freundliche Beratung zu bedanken.

Diese ehrliche Wertschätzung hat uns wirklich berührt, insbesondere, da es sich um Jugendliche im Alter von vielleicht 13 Jahren handelte. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnell und selbstverständlich geworden ist, zeigen solche Begegnungen, wie viel Freundlichkeit und Aufmerksamkeit bedeuten können – augenscheinlich auf beiden Seiten, da sich die Verkäuferin ebenfalls sehr freute.

Es sind oft nicht die großen Ereignisse, die einen Tag besonders machen, sondern die kleinen Gesten: ein ehrliches Dankeschön, ein Lächeln oder ein kurzer Besuch, der zeigt, dass etwas in Erinnerung geblieben ist.

Solche Momente erinnern uns daran, warum persönlicher Kontakt und echte Begegnungen im Einzelhandel so wertvoll sind. Und sie zeigen, dass auch ein kleines Lederarmband manchmal mehr sein kann als nur ein Accessoire – nämlich eine schöne Erinnerung.




Krefelder Tradition: Das Oldtimer-Treffen auf der Rennbahn

Es gibt Orte, die versprühen schon von Natur aus einen ganz besonderen, historischen Charme. Die Krefelder Rennbahn im Stadtwald ist genau so ein Juwel. Doch wenn der vertraute Sound von blubbernden V8-Motoren, das feine Schnurren alter Boxer-Motoren und der Duft von Benzin und Politur die Luft erfüllen, dann weiß jeder Oldtimer-Fan am Niederrhein: Die Oldtimer-Freunde Egelsberg haben wieder gerufen!

Das traditionelle Treffen an der Rennbahn ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein fester Pflichttermin im Kalender für alle, die ihr Herz an das „alte Blech“ verloren haben.

Wer am Sonntag das Gelände der Rennbahn betritt, begibt sich auf eine Zeitreise. Flankiert von den wunderschönen, historischen Holztribünen reiht sich hier ein Schätzchen an das nächste. Das Besondere an den Treffen der Oldtimer-Freunde Egelsberg? Die bunte Vielfalt!

Hier gibt es keine Berührungsängste zwischen High Society und Alltagshelden vergangener Tage. Da steht der perfekt restaurierte Mercedes-Benz Pagode direkt neben einem liebevoll gepflegten VW Käfer. Ein Stück weiter zieht ein amerikanischer Straßenkreuzer mit riesigen Heckflossen die Blicke auf sich, während daneben ein uriger Traktor oder ein rares Vorkriegsmodell die Technikgeschichte lebendig werden lässt.

Ob Schrauber-Profi oder begeisterter Laie – hier kommt man sofort ins Gespräch. „Welches Baujahr?“, „Wo hast du die Ersatzteile her?“ oder einfach nur ein nostalgisches „So einen hatte mein Opa auch!“ hört man an jeder Ecke. Die Verbindung aus historischer Architektur, sattem Grün und glänzendem Chrom bietet Fotografen und Besuchern Motive am laufenden Band. Kein Stress, keine Pokaljagd – einfach Gleichgesinnte treffen, staunen und die Seele baumeln lassen. Auch wenn das Wetter an diesem Sonntag etwas zu wünschen übrig lies, konnte man dennoch wieder einige Juwelen entdecken, die hier noch nie oder selten zu sehen waren

Ein großes Dankeschön gilt den Oldtimer-Freunden Egelsberg, die dieses Event mit viel Herzblut, ehrenamtlichem Engagement und Liebe zum automobilen Kulturgut organisieren. Sie sorgen dafür, dass die Krefelder Street-Culture um ein echtes Highlight reicher ist.


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Treuhand bis in den Tod

Am 1.April 1991 wurde Detlev Karsten Rohwedder, der damalige Präsident der Treuhandanstalt in seinem Haus in Düsseldorf durch einen präzisen Schuß getötet. Die Tat gehört bis heute zu den rätselhaftesten politischen Attentaten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Wer jetzt nicht mehr weiß, wer oder was die Treuhandanstalt war, hier eine kurze Erklärung. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde die Treuhandanstalt als Anstalt des öffentlichen Rechtes mit dem Ziel gegründet, die volkseigenen Betriebe der damaligen DDR nach den Maßgaben des Kapitalismus zu sanieren und zu privatisieren. Darüber hinaus konnte sie Betriebe verkaufen oder im schlimmsten Fall schließen. Im Umfeld der Treuhand kam es zu Wirtschaftskriminalität und Fördermittelmißbrauch. Die Treuhandanstalt existierte bis 31.12.1994, danach wurde sie in Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben umbenannt.

Detlev Karsten Rohwedder war zu der Zeit kein Unbekannter. Im Jahr 1983 errang er in der damaligen Bundesrepublik hohe Bekanntheit und hohes Ansehen durch die Sanierung des Hoesch-Konzerns. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl setzte sich für Rohwedder als Leiter der zu gründenden Treuhandanstalt ein, obwohl dieser Sozialdemokrat war. Es wird bisweilen unterstellt, dass Kohl hier in voller Absicht derart handelte, da bei einem Scheitern Rohwedders und/oder der Treuhand ein nicht unerheblicher Teil der Schuld der SPD hätte in die Schuhe geschoben werden können. Am 3.Juli 1990 wurde Detlev Karsten Rohwedder durch den Ministerrat der damaligen DDR zum Leiter der Treuhandanstalt berufen. Rohwedder sprach von „einer Aufgabe von nahezu furchterregender Dimension“. Er hatte den Auftrag, eine ganze Volkswirtschaft zu privatisieren. Ein Auftrag, der eigentlich gar nicht auszuführen war…. Als Treuhandchef ist der einst als Jobretter gefeierte Topmanager nun zum “Buhmann der Nation” geworden.

Am 1.April 1991 sitzt Rohwedder in den späten Abendstunden am Schreibtisch seiner Villa in Düsseldorf-Niederkassel mit Blick auf den Rhein. Als er von seinem Schreibtisch aufstand, traf ihn der tödlich Schuß in den Rücken. Ein weitere Schuß traf seine Frau Hergard in den Arm, ein dritter Schuß traf das Bücherregal des Arbeitszimmers. Die Rekonstruktion der Tat durch die Ermittlungsbehörden ergab, dass Rohwedder aus der gegenüberliegenden Schrebergartenkolonie aus 63m Entfernung mit einem Schnellfeuergewehr des belgischen Typs Fusil Automatique Léger (FAL) getötet wurde. Das Projektil vom NATO-Standardkaliber 7,62 Millimeter zerfetzte sowohl die Aorta als auch die Luft- und Speiseröhre des 58-Jährigen, der daraufhin in Sekundenschnelle verblutete. An dieser Stelle wurde am 6.April 1991 ein Bekennerschreiben der RAF gefunden, welches von den Ermittlungsbehörden als echt eingestuft wurde. Zur Begründung hieß es in dem Bekennerschreiben, der „brutale sanierer“ sei „seit zwanzig jahren in schlüsselfunktionen in politik und wirtschaft“ tätig gewesen und danach zum „bonner statthalter in ost-berlin“ aufgestiegen, wo er „die wirtschaft der ex-ddr genauso wie die sozialen strukturen dort“ systematisch habe zerstören sollen.

Neben dem Bekennerschreiben fanden die Ermittler dort einen Plastikstuhl, einen Feldstecher, drei Patronenhülsen und ein Handtuch. Drei dort ebenfalls gefundene Zigarettenkippen wurden von einem Menschen mit der Blutgruppe A geraucht. An dem Handtuch wurde ein Haar gefunden, dass später dem 1993 in Bad Kleinen getöteten, mutmaßlichen RAF-Mitglied Wolfgang Grams zugeordnet werden konnte, jedoch nicht die Zigarettenkippen. Dieses Haar ist der einzige forensische Ansatz der Ermittlungen. Dieser läßt lediglich den Schluß zu, das Grams entweder am Tatort war oder Kontakt zu dem oder den Tätern hatte. Die Aservate im Fall Rohwedder wurden später mit den neuen Techniken zur DNA-Analyse erneut untersucht, ein weiterer Durchbruch wie im Fall des Haares von Wolfgang Grams blieb jedoch aus. Die Bundesanwaltschaft schweigt sich bis heute darüber mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen aus, ob die Zigarettenkippen mit Spuren der Blutgruppe A zu Birgit Hogefeld, die bei dem Einsatz in Bad Kleinen festgenommen und später verurteilt wurde, gehören. Die Zigarettenkippen wurden in den 1990er Jahren verbraucht, ohne dass moderne DNA-Spurenanalytik angewendet wurde – eine heute nicht wiederholbare Lücke. Birgit Hogefeld befindet sich mittlerweile auf freiem Fuß und schweigt ebenfalls zu den Ermittlungen im Falle Rohwedder.

Das Ehepaar Rohwedder war sich bewusst, dass es gefährdet war. Hergard Rohweddder bat vergeblich wenige Tage vor dem Attentat die Polizei für mehr Schutz zu sorgen. Sie berichtete von anonymen, nächtlichen Telefonanrufen und Unbekannten, die an der Haustür klingelten und anschließend nicht mehr auffindbar waren. Vermutlich hatten der oder die Täter genaue Kenntnisse der Sicherheitseinrichtungen des Hauses der Familie Rohwedder. Im Gegensatz zu dem unteren Stockwerk waren die Fenster im Arbeitszimmer nicht aus Panzerglas.

Die Ermittlungen im Tötungsdelikt gegen Detlev Karsten Rohwedder werden von der Bundesanwaltschaft auf Grund der Annahme, dass es sich um einen politischen Mord handelt nach wie vor unter dem Aktenzeichen 2 BJs 62/91-2 gegen „Unbekannt“ geführt. Im Fachjargon redet man von einem „Cold Case“. Ebenso sind auch die Morde an dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen und dem Diplomaten Gero von Braunmühl bis heute nicht aufgeklärt, geschweige denn, dass jemals eine tatverdächtige Person festgenommen wurde.

Alle diese Verbrechen werden der Dritten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) zugeschrieben, da diese sich offensichtlich zu den Taten bekannte. Kein mutmaßliches Mitglied dieser Dritten Generation der RAF ist bis heute dieser Verbrechen überführt und verurteilt worden.

Angesichts der dürftigen Beweislage wurden einige Zweifel an der Täterschaft der RAF laut, zumal die damals angeblich aktive sogenannte dritte Generation der RAF nur als kaum zu greifendes Phantom galt. Selbst heute kennt die Bundesanwaltschaft nicht einmal die Hälfte der Mitglieder dieser mutmaßlichen dritten Generation namentlich. Von den Morden, die ihr außer dem Attentat auf Rohwedder noch zur Last gelegt werden, konnte lediglich die Erschießung des GSG-9-Mannes Michael Newrzella durch Grams bei dem Einsatz 1993 in Bad Kleinen zweifelsfrei aufgeklärt werden.

An einer Durchführung der Tat oder einer Tatbeteiligung der RAF kamen recht zügig Zweifel auf. Zunächst braucht es einen Schützen der fähig ist, auf 63m Entfernung in der Dunkelheit einen tödlichen Schuß abzugeben. Es muss sich demnach um eine in der Tötung von Menschen erfahrenen Person handeln. Wenn das zutrifft, stellt sich die Frage, warum diese Person am Tatort eine Plastikstuhl, Zigarettenkippen und ein Handtuch mit einem eindeutig zu identifizierenden Haar hinterlässt. Für eine solche Version eines „Profis“ spricht ebenfalls, dass der Täter trotz einer sofortigen Ringfahndung bis heute unerkannt entkommen konnte. Bei einem Attentat sind zwei Dinge von essentieller Bedeutung: Die Zielpersonen muss sofort ausgeschaltet werden und der Täter muss unerkannt entkommen können, um keine Rückschlüsse auf die Hintergründe, bzw. mutmaßliche Auftraggeber ziehen zu können. Weiterhin gilt es ebenso, unter allen Umständen Spuren jeglicher Art zu vermeiden. Zu alldem sind in der Regel nur „Profis“ in der Lage, also Menschen, die mit dem gezielten Ausschalten ihrer Opfer eine gewisse Erfahrung haben. Es bleibt die Frage, ob die der Dritten Generation der RAF zugerechneten Personen (Grams, Hogefeld, etc.) dazu befähigt waren oder sind. Darüber hinaus stellt sich ebenfalls die Frage, warum am Tatort dennoch Spuren gefunden wurden und ein Bekennerschreiben dort lag. Alle diesbezüglichen Vermutungen sind jedoch bis heute weder bestätigt noch widerlegt. Birgit Hogefeld äußerte sich 2010 lediglich zu den möglichen Motiven der RAF: „Die RAF hatte keinerlei Interesse daran, Rohwedder zu töten.“ und „ Er war in der Linken nicht unbeliebt – eher als jemand, der versuchte, den Osten nicht kaputt zu machen.“

Kurz nach der Tat fiel ein Verdacht auf Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR. Diese hatten sowohl die logistischen Möglichkeiten als auch ein Motiv, das darin bestand, dass die Treuhand unter Rohwedder eventuell das verschwundene Parteivermögen der SED aufspürt. Es soll sich dabei um ungefähr 800 Millionen D-Mark gehandelt haben. Im gleichen Zuge kam der Verdacht auf, dass die Stasi dieses Geld „beiseite geschafft“ haben soll und mit dem Attentat auf Rohwedder die Suche danach unterbinden wollte. Als möglicher Drahtzieher wurde unter anderem Ralf-Peter Devaux genannt. Der ehemalige Stasi-Offizier klagte erfolgreich gegen alle und jeden, die ihn mit dem Anschlag in Verbindung zu bringen versuchten.

Spekuliert wurde ebenfalls über einen sogenannten einsamen Wolf (lone wolf) aus der ehemaligen DDR mit militärischer Ausbildung als Scharfschütze, der den Treuhandchef Rohwedder wegen dessen Vorreiterrolle bei der Abwicklung der DDR-Wirtschaft ermordet haben soll. Immerhin hatte die Treuhand damals die Verantwortung für knapp 14.600 vormalige volkseigene Betriebe mit rund vier Millionen Beschäftigten.

Die US-amerikanischen Enthüllungsautoren John Perkins und Fletcher Prouty, sowie Wirtschafts- und Geheimdienstexperten verwiesen auf Verwicklungen der CIA in das Attentat. Rohwedder war bekannt dafür, dass er zunächst dazu tendierte, die Betriebe der ehemaligen Betriebe der DDR zu sanieren anstatt zu verkaufen oder stillzulegen. Er beabsichtigte gar, die Mitarbeiter zu Eigentümern an den Betrieben zu machen. Das war weder im Sinne derer gewesen, die beim Verkauf der Betriebe ein „Schnäppchen“ hätten machen wollen, noch derjenigen, die kein Interesse daran gehabt hätten, wenn eine derartige Beteiligung der Mitarbeiter zu einem Präzedenzfall mit Vorbildwirkung auf die alten Bundesländer oder andere westlichen Staaten geworden wäre. Es sei noch angemerkt, dass die Nachfolgerin des Sozialdemokraten Rohwedder, die Christdemokratin Birgit Breuel eine deutlich härtere und weniger soziale Gangart an den Tag legte. Anstatt behutsam zu sanieren wurde unter ihrer Ägide bei der Treuhand nach der Maxime „schnell privatisieren“ gehandelt. Birgit Breuel war zudem Mitglied des Vereins Die Atlantik-Brücke e.V., welcher als Verein im Jahr 1952 mit dem Ziel gegründet, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland zu schlagen.

Für all diese Verdächtigungen und Vermutungen jenseits einer Tatbeteiligung der RAF gibt es jedoch bis heute keinerlei Beweise.

Zu dem Mordanschlag auf Detlev Karsten Rohwedder gibt es vom ZDF einen sehr interessanten Zweiteiler mit dem großartigen Ulrich Tukur in der Hauptrolle, der sich lose an den Geschehnissen orientiert und die Abläufe frei interpretiert. Es ist kein Werk über das letzte Gefecht des Linksterrorismus, sondern es sät Zweifel an jeglicher Art ideologischer Gewalt. Zweifel an der gängigen Theorie einer RAF-Täterschaft lassen dieses Werk zwar in die Nähe von Verschwörungstheorien entgleiten, aber macht es auch zu mehr als nur Geschichtsfernsehen, zudem mit einem guten Unterhaltungswert.

Am Ende stellt sich bei derartigen Ereignissen im die Frage Qui bono – wer zieht einen Nutzen daraus? Die RAF lehnte jede Form des Kapitalismus ab, somit und auf Grund des Bekennerschreibens sind sie natürlich die „ersten“ Tatverdächtigen. Rohwedder vorrangiges Ziel war es jedoch, die marode Wirtschaft der ehemaligen DDR zu sanieren und die Menschen in Arbeit zu halten. Ihm lag es fern, die dortigen Betriebe zu „verscherbeln“ und Spekulanten zu überlassen. Im Grunde überwogen also sozial-marktwirtschaftliche Aspekte, die sich nicht zwingend mit rein kapitalistischen Interessen deckten. Nutznießer der seit Rohwedders Tod konsequent verfolgten Privatiesierungsstrategie seiner Nachfolgerin Brigit Breuel waren insbesondere große Konzerne.

Die größten Profiteure der Wiedervereinigung waren westdeutsche (und teilweise) internationale Großkonzerne wie Volkswagen, Opel (damals GM), BMW, Siemens, RWE, E.ON, Vattenfall, Edeka, Aldi, Lidl, Rewe, Nestlé, Coca-Cola, Procter & Gamble, sowie Beratungsfirmen wie PwC, KPMG, Deloitte, McKinsey und Roland Berger, die schnell Marktanteile in Ostdeutschland sichern konnten – oft gestützt durch staatliche Subventionen, Privatisierungen und günstige Arbeitskosten, bzw. Verträgen zur Umstrukturierung und Strukturplanung der ostdeutschen Wirtschaft. Ostdeutsche Unternehmen hingegen verschwanden in diesem Zuge weitgehend – mit gravierenden Folgen für Beschäftigung und Vermögensverteilung.

Rohwedder hatte sich unter Ostdeutschen Respekt erarbeitet – vor allem, weil er die Privatisierung mit sozialem Augenmaß gestalten wollte. Er plante, wie bereits erwähnt, Betriebe nicht nur an Westinvestoren zu verkaufen, sondern teilweise auch Belegschaftsmodelle zu fördern. Viele Ostdeutsche trauten ihm mehr Gerechtigkeit zu als seiner Nachfolgerin. Nach dem Attentat wuchs das Misstrauen gegenüber der Treuhand. Rohwedders Nachfolgerin, Birgit Breuel, galt als wirtschaftsliberaler und marktorientierter. Die Treuhand wurde zunehmend als Instrument des Ausverkaufs wahrgenommen, nicht mehr als Garant für einen sozialverträglichen Umbau. Das Vertrauen in den Vereinigungsprozess litt – der Mord galt als Symbol für die Härte und Gewalt des Umbruchs.




Danke für die Musik, Rick Davies

Am 6.September 2025 ist der Gründer der legendären Band Supertramp im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Long Island verstorben. Eine ausführliche Biografie über Rick Davies und Supertramp möchte ich mir an dieser Stelle sparen, das Internet bietet hier reichhaltige Ressourcen. Rick Davies und seine Band Supertramp sind bis heute ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich möchte Dir hier erzählen, wie es dazu gekommen ist und einfach nur Danke sagen an einen Musiker, der mich seit frühester Jugend bis heute begleitet hat.

Mit Rick Davies ist leider endgültig ein Teil meiner Jugend abgeschlossen; ein immerwährender Wunsch auf eine Reunion meiner Lieblingsband mit dem ehemaligen Sänger, Gitarristen und Keyboarder Roger Hodgson ist und bleibt somit unerfüllt.

Supertramp ist seit 1980 eine meiner Lieblingsbands. Ihre Songs begleiten mich über 45 Jahre und helfen mir in so ziemlich jeder Lebenslage. Jedoch war es ein weiter Weg, den Supertramp bei mir hatten, um zur Lieblingsband zu werden.

Im Jahr 1979 bekamen wir einen neuen Mitschüler aus Düsseldorf in unsere Klasse – wir wurden schnell Freunde (und sind es bis heute noch!). In dieser Zeit war ich öfter bei ihm zu Hause und er hatte eine eigene Stereo-Anlage und sogar ein Tonbandgerät! Im Jahr 1980 holte er ein Doppel-Album hervor, dessen Cover eine knallbunte Zeichnung des Eiffel-Turms auf lila Hintergrund war und den schlichten Namen der betreffenden Stadt trug – Paris. Es war ein Live-Album einer Band, die ich bis dato nicht kannte. Es lief rauf und runter, von rechts nach links, von oben bis unten. Und ich konnte nichts damit anfangen! Im Innencover war die Band auf dem Weg zur Bühne abgebildet. Allesamt mit langen Haaren und mit Bärten. John Helliwell, der Saxophonist, trug ein buntes Jacket, das zwei Nummern zu groß war und an Peter Frankenfeld erinnerte. Roger Hodgson sah mit seinen weißen Klamotten aus wie ein Späthippie. Schlagzeuger Bob Siebenberg mit Zigarette sah aus, als ob er auf dem Weg in eine Kneipe war und Bassist Dougie Thompson erinnerte mich irgendwie an Poppeye, den Seemann ohne Furcht und Tadel. Rick Davies, mit weißem Hemd und schwarzer Jacke sah, bis auf die langen Haare, am normalsten aus.

Die Musik konnte ich anfangs nicht richtig einordnen. Ein merkwürdiges, hölzern klingendes elektrisches Klavier gab es da (das Wurlitzer A200-Piano). Die Gitarren, wenn vorhanden, spielten eher im Hintergund oder bisweilen ein Solo. Und da war noch John Helliwells Saxophon – war das jetzt Jazz? Richtige Ohrwürmer konnte ich auch nicht ausmachen und der Chorgesang klang zuweilen so kreischend wie die Beach Boys. Ich ließ das alles über Monate hinweg über mich ergehen. Mehr aus Höflichkeit nahm ich eine kopierte Kassette meines Freundes von Breakfast In America mit nach Hause.

Ein paar Wochen später, es war ein lauer Sommerabend, soweit ich mich erinnere, warf ich diese Kassette in den Rekorder und spielte sie ab. Der Sound war bei weitem nicht so roh, sondern viel „polierter“, wie viele Alben Ende der 70er Jahre. Schon der Eingangssong, Gone Hollywood, vorgetragen von Rick Davies ließ mich dann doch etwas staunen. Die Atmosphäre dieses Stückes ließ mich damals wirklich mitten in (einem bis dato imaginären) Hollywood stehen. So musste es sich anfühlen, wenn man den sagenumwobenen Sunset Boulevard herunterfährt (was sich knapp 25 Jahre bestätigen sollte). Das Album hatte mich gefangen. Es gab rockige Stücke, Balladen, ein wenig Jazz und mit Child Of Vision wohl eines der herausragendsten Piano-Solos der Rockgeschichte (den Gerüchten nach von Rick Davies in einem Take aufgenommen). Dieses Album stellte ich mir als junger Teenager als idealen Soundtrack zu eine imaginären Reise durch Kalifornien vor.

Da ich zu dieser Zeit anfing, Keyboard zu spielen, faszinierte mich zunächst der Einsatz dieser Instrumente bei Supertramp. Als ich mir ein paar Noten davon besorgte, stellte ich fest, wie komplex die Musik war, insbesondere die rhythmischen Pianofiguren sowohl auf dem Flügel als auch auf dem Wurlitzer A200 E-Piano. Auch die Harmonien waren sehr komplex, ich lernte Akkorde kennen, von denen ich gar nicht wußte, das sie existieren.

Anfang 1982 sparte ich mein gesamtes Taschengeld, um mir für sagenhafte DM 24,95 das Live-Album Paris zu kaufen. Es lief von nun an bei mir ebenfalls rauf und runter, von links nach rechts und von oben nach unten. Ich besitze es heute noch. Beeindruckend ist neben der Musik die immer noch herausragende Klangqualität, an die weder die CD noch High Quality Streaming heranreichen.

1983 erschien dann das für mich lang erwartete, neue Album Famous Last Words – ein merkwürdiger Titel. Es lief ebenfalls rauf und runter, von links nach rechts und von oben nach unten, wobei die Hit-Single It‘s Raining Again“ für mich das schwächste Stück des Albums war. Herausragend war für mich Rock Davies’ Abgesang auf die aktuelle Musik, Waiting So Long, mit einem epischen, an Pink Floyd erinnernden Gitarrensolo. Kurz nach Veröffentlichung des Albums wurde bekannt, dass Roger Hodgson die Band nach einer ausgedehnten Abschiedstournee verlassen wird. Eine Welt brach für mich zusammen, meine bis dato erste und einzige Lieblingsband sollte aufhören, in ihrer momentanen Form zu existieren, wenn gleich Rick Davies bekannt gab, dass es Supertramp weiterhin geben würde. Ich wäre liebend gerne am 17. Juni 1983 beim Abschiedskonzert in Köln dabei gewesen. An diesem Tag feierte meine Patentante jedoch ihren 60.Geburtstag – Family First!

Im Jahr 1984 wurde jedoch ein Konzert in München im ZDF ausgestrahlt – mit einem Kassettenrekorder und Überspielkabel konnte ich es für die Ewigkeit aufbewahren.

Supertramp in der klassischen Besetzung war immer der Gegensatz der beiden Songschreiber Rick Davies und Roger Hodgson. Hodgson schrieb die melodiöseren, charttauglicheren Stücke, Davies die insgesamt rockigeren Stücke mit einer Portion Rhythm `n Blues und Jazz-Einflüssen. Genial illuminiert wurden die Stücke von Saxophonist John Helliwell und rhythmisch leichtfüßig zusammen gehalten von Dougie Thompson am Bass und Bob Siebenberg an den Drums.

Im Gedächtnis vieler war und ist Roger Hodgson der prägende Kopf der Band, gehen doch die meisten Hits der Band auf sein Konto. Rick Davies hat die Band jedoch gegründet, geformt und entwickelt. Sein stakkatohaftes Spiel auf dem Wurlitzer E-Piano ist charakteristisch für den Sound der Band. Insbesondere die Alben nach 1983 und ohne Roger Hodgson zeigen die enorme stilistische Vielfalt von Rick Davies, auf den „Famous Last Words“ folgenden Alben gab es vom Prog-Rock über Pop im Stile der späten 80er Jahre bis hin zum Blues-Rock mit Jazz-Einflüssen so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Leider blieben Rick Davies und Supertramp der Erfolg der späten 70er und frühen 80er Jahre verwehrt.

Was ist im Laufe der Jahre aus meinem Freund und mir geworden? Wir sind immer noch befreundet, obwohl sich unser Leben unterschiedlich entwickelt hat; wir sehen uns nicht mehr so oft wie früher. Wenn heute einer von uns ein Supertramp-Song zitiert, weiß der andere automatisch ein weiters Zitat hinzuzufügen. Als ich ihm vom Tode Rick Davies berichtete, war er ebenso erschüttert wie ich. Die Songs, Melodien und Texte sind immer noch unser Kompass.

Yes, the good old days- but, there’s no more time, reminiscences are shattered by the roar of 8,000 voices, the lights are down, the blue curtain begins its move as Rick puts the harmonica to his lips – Bon Soir Paris !

Dave Margereson, Text zu Paris, 1980

Auf Wiedersehen, Rick Davies, „Goodbye Stranger“, ruhe in Frieden!

Goodbye Stranger, Paris, 1979



E-Bike -stylisches Mofa oder Alltagsbegleiter?

Du denkst, E-Bikes sind nur was für Rentner mit Trekkinghosen und ’ner schmierigen Basecap unter dem schlecht sitzenden Helm? Falsch! Das E-Bike ist mittlerweile das Chamäleon der Mobilität: mal Sportgerät, mal Auto-Substitut , mal Brötchen-Flitzer oder Kinder-Taxi. Hier sind die besten Gründe, warum du dir schleunigst einen elektrifizierten Drahtesel gönnen solltest – natürlich, wie auch sonst, mit einem Augenzwinkern.

Vor kurzem habe ich mir endlich ein E-Bike zulegen können, da durch meinen Arbeitgeber die Voraussetzungen geschaffen wurden, ein sog. Jobrad zu leasen. Zuvor hatte ich immer ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Art von Mobilität. Ich bin doch gut bei Kräften, ich hab ’ne 21-Gang Schaltung an meinem Rad und mir fehlt hier nix, so what! Zu mehr als ca. 40 km langen Radtouren hat es dann aber nie gereicht. Als meine bessere Hälfte letztes Jahr ein E-Bike bekam, hat sich das Blatt jedoch gewandelt. So etwas wollte ich auch haben. Endlich einmal nicht nur um den Kirchturm herum radeln. Und vielleicht auch mal das geliebte Auto morgens stehen lassen und mit dem Rad zur Arbeit fahren …

Und siehe da, zunächst habe ich mich sogar dabei ertappt, samstags Morgens aufs E-Bike zu steigen um Brötchen beim Bäcker zu holen. Ein Einkauf, den ich bis dato immer mit dem Auto erledigt hatte. Es hat Spaß gemacht, ich brauchte mich nicht überwinden, es hat kein CO2 rausgehauen, ich hatte sofort einen Parkplatz, ich habe die alten Knochen bewegt, es war kurz und schmerzlos und ich habe mich gar ein wenig fitter gefühlt. Das Mettbrötchen war sogar ein wenig leckerer als sonst.

Am folgenden Montag war es dann soweit – Autoschlüssel und Auto von der Seite angeguckt und „bis später“ gesagt – rauf aufs Bike und ab zur Arbeit. Knapp 17 Kilometer, knapp 45 Minuten Fahrt. Was soll ich sagen – ich bin noch nie so entspannt zur Arbeit gekommen wie an diesem Montag. Natürlich geht man im fortgeschrittenen Alter nie unvorbereitet in den Ring, will heißen, ich habe mir zuvor auf dem Mobiltelefon in der App fürs E-Bike eine Route „zusammengeklickt“. Das Telefon ist mit dem Bordcomputer des Fahrrads gekoppelt und dieser zeigt die Navigation auf dem Display an. Im Grunde ist das wie früher „Malen nach Zahlen“ – vollkommen idiotensicher, Radfahren für Dummies. So idiotensicher, dass ich ein paar mal falsch abgebogen bin, da die Navi-App wirklich extrem genau ist, fast bis auf den Meter.

Auf der Rückfahrt war die gespeicherte Strecke allerdings schon wieder Makulatur. Wenn ich gleich rechts abbiege, ist das vielleicht eine Abkürzung oder landschaftlich schöner? Gesagt, getan, die Navigation passt sich an und führt mich sicher nach Hause. Dort angekommen, habe ich die Strecke aus dem Verlauf des Bordcomputers als neue Strecke gespeichert. Mittlerweile habe ich ein halbes Dutzend Routen zur Arbeit und von dort wieder nach Hause. Man fährt Strecken, bei denen man nie auf die Idee kommen würde, diese mit dem Auto zu fahren. Wenn man dann noch kurz eine Besorgung machen muss, gibt es nichts einfacheres, als das Rad vor dem Laden abzustellen, einzukaufen und weiterzufahren. Kein Stress bei der Parkplatzssuche und kein Ärger darüber, dass Chantal-Sunrise mit ihrem steuerbefreiten E-SUV wieder gefühlte drei Parkplätze belegt. Das Auto habe ich in dieser Woche übrigens nur zum Einkaufen benutzt, da frisches Obst und Gemüse in den Satteltaschen des Fahrrades bei dem Zustand der hiesigen Radwege zu Hause vermutlich als Babybrei ankommen würde …

Hier noch einmal die Vorteile aus meine Sicht in Kürze:

Der innere Schweinehund hat keine Chance

Berg hoch? Kein Problem. Gegenwind? Lachhaft. Dein innerer Schweinehund wird beim E-Bike einfach abgehängt. Statt keuchend zu schieben, fährst du fröhlich pfeifend vorbei – so entspannt, dass du noch nebenbei überlegst, was du zum Abendessen kochst.

Brötchen holen als Sport

Sonntagmorgen, Augen noch halb zu, aber der Magen schreit nach frischen Brötchen. Mit dem E-Bike wird die Fahrt zum Bäcker zur alltäglichen Mission Impossible: einsteigen, Knopf drücken, ab geht die Post. Du bist schneller zurück, als der Nachbar seinen Kaffee-Vollautomat im Werte eines kleinen Bordellbesuches eingeschaltet hat.

Entfernungen schrumpfen

„30 Kilometer zum See? Viel zu weit…“ – sagst du ohne E-Bike. Mit E-Bike wird daraus: „Ach klar, machen wir eben noch „mit der Kapp“ vor dem Abendessen.“ Plötzlich fühlt sich jede Tour an wie ein kleiner Ausflug statt wie ein Überlebenstraining.

Sportlich, aber clever

Ja, du trittst noch. Nein, es ist nicht faul. Ein E-Bike ist wie ein Personal Trainer, der dich anschiebt, wenn’s anstrengend wird, und dir trotzdem das Gefühl gibt, was geleistet zu haben. Ergebnis: Bewegung ohne Schweißausbruch .

Gut fürs Klima

Kein Stau, kein Parkplatz-Stress, keine Abgase. Stattdessen: frische Luft, gute Laune und neidische Blicke von Autofahrern, die im Stau stehen. Und mal ehrlich: Ein stylisches E-Bike wirkt mindestens genauso cool wie ein 2-Tonnen E-SUV – nur viel smarter.

✨ Fazit:

Das E-Bike ist dein persönlicher Turbo fürs Leben. Es bringt dich weiter, schneller und entspannter – und macht jede Fahrt zur kleinen Alltagsabenteuerreise.

Also: Akku laden, rauf aufs Rad, Spaß haben!

Gibt’s sonst noch was zu beachten? Jo! Stell Dir vor, es gibt nicht nur E-Bike Fahrer auf dieser Welt. Es gibt auch noch Radfahrer, die einfach nur treten oder gar mittellose Fußgänger. Die sind langsamer! Ein E-Bike hat zwar mehr Drehmoment als ein Golf I aus dem Jahr 1974 oder ein noch betagterer VW Käfer, aber hier gibt es nicht nur zwei Geschwindigkeiten: schnell und schneller! Man kann auch ganz einfach vorausschauend oder etwas langsamer fahren, wenn man oben genannte Gattung Verkehrsteilnehmer vorfindet. Du bist keine Elite, nur weil Du von einem etwas mehr als faustgroßen Motörchen beflügelt wirst. Sei umsichtig, gut sichtbar und nutze die Klingel, wenn Du unbedingt vorbei willst. Sei kein Arschloch auf Rädern!




Makrofotografie

Vor etwa fünf Jahren habe ich mir ein Makro-Objektiv zugelegt – ein Sigma 105 mm F2,8 EX Makro DG OS HSM. Leider fristet es immer noch ein Schattendasein in meiner Objektiv-Sammlung. Heute habe ich es auf Wunsch meiner besseren Hälfte mal wieder zum Einsatz gebracht und habe ein paar blühende Pflanzen in unserem schönen, kleinen Garten fotografiert. Ein paar Aufnahmen findest Du in der Galerie im Anschluß an diesen Beitrag.

Doch was ist das „Geheimnis“ der Makrofotografie und was ist das überhaupt? Es muss doch reichen, wenn ich mit der Kamera oder dem Smartphone nah genug an das Motiv herangehe? Hier eine kleine Einführung in die Makrofotografie.

Als Makrofotografie bezeichnet man die Fotografie kleiner Motive im Maßstab von 1:1 oder größer. Das bedeutet: Das Motiv wird in Lebensgröße oder noch stärker vergrößert auf dem Kamerasensor abgebildet. Dadurch lassen sich Details sichtbar machen, die dem menschlichen Auge sonst verborgen bleiben.

Die Makrofotografie eröffnet uns eine völlig neue Perspektive auf unsere Umgebung. Was mit bloßem Auge oft unscheinbar wirkt, entfaltet unter der Linse eines Makroobjektivs eine faszinierende Detailfülle: die feinen Strukturen einer Blüte, die facettenreichen Augen einer Fliege oder die filigranen Tropfen nach einem Sommerregen. Wer einmal in diese Welt eintaucht, erkennt, dass Schönheit oft im Verborgenen liegt.

Ausrüstung für Makrofotografie

Um beeindruckende Nahaufnahmen zu machen, braucht es nicht zwingend teure Spezialkameras – aber die richtige Ausrüstung hilft:

  • Makroobjektive: Speziell entwickelt, um scharf im Nahbereich zu fokussieren. Nahlinsen oder
  • Zwischenringe: Günstige Alternativen, die normale Objektive „makrofähig“ machen. Hier gelangt man jedoch nicht zu der Qualität, die Makroobjektive bieten; es ist für den Anfang jedoch eine kostengünstige Lösung.
  • Stativ: Unverzichtbar, um Verwacklungen bei langen Belichtungszeiten zu vermeiden.
  • Licht: Natürliches Licht ist oft schön, aber ein Ringlicht oder ein kleiner Aufsteckblitz bringt zusätzliche Möglichkeiten.

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Tipps für gelungene Makroaufnahmen

  • Ruhige Hand & Stabilität: Schon kleinste Bewegungen können das Bild unscharf machen. Ein Stativ oder Bildstabilisator hilft. Blende bewusst wählen: Eine offene Blende erzeugt weiche Hintergründe (Bokeh), eine geschlossene Blende erhöht die Schärfentiefe – wichtig, wenn du möglichst viel vom Motiv abbilden willst.
  • Geduld: Insekten oder kleine Tiere sind oft unberechenbar. Wer ruhig und vorsichtig vorgeht, wird mit einzigartigen Momenten belohnt.
  • Perspektive ändern: Gehe auf Augenhöhe mit deinem Motiv – so entsteht Nähe und Intensität im Bild.
  • Details entdecken: Manchmal liegt das Spannendste nicht im Ganzen, sondern in kleinen Strukturen, Mustern oder Farben.

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Schärfentiefe

Im Makrobereich ist die Schärfentiefe extrem gering. Selbst bei Blende f/11 oder f/16 ist oft nur ein winziger Bereich scharf. Lösung: Fokus-Stacking – mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten, die später in der Bildbearbeitung zu einem durchgängig scharfen Foto kombiniert werden.

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Fokus

Manuelles Fokussieren ist meist präziser als Autofokus, besonders mit Live-View und Fokuslupe. Fokus-Schlitten erlaubt millimetergenaues Verschieben der Kamera für präzise Einstellungen.

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Belichtung

Durch kleine Blenden und geringe Lichtmenge sind längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte nötig. Optimal ist die Kombination aus geschlossener Blende (f/8–f/16), niedriger ISO (100–400) und zusätzlichem Licht.

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Praktische Tipps für bessere Makroaufnahmen

  • Stabile Basis schaffen: Stativ oder stabiler Untergrund nutzen.
  • Licht optimieren: Lieber diffuses Licht als harte Sonne.
  • Reflektoren oder Diffusoren einsetzen.
  • Hintergrund beachten: Ein ruhiger Hintergrund lenkt nicht vom Motiv ab.
  • Motiv vorbereiten: Blüten von Staub befreien oder bei Insekten die frühen Morgenstunden nutzen, wenn sie noch träge sind.
  • Experimentieren: Unterschiedliche Perspektiven, Abbildungsmaßstäbe und Lichteffekte ausprobieren.

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Warum Makrofotografie so besonders ist

Makrofotografie ist mehr als nur eine Technik – sie ist ein Abenteuer. Sie lehrt uns, genau hinzusehen und die kleinen Wunder des Alltags zu schätzen. Eine unscheinbare Ameise wird zum imposanten Wesen, ein Tautropfen zum funkelnden Kristall.

Wer Makrofotografie betreibt, entdeckt die Welt neu – Schritt für Schritt, Zentimeter für Zentimeter.


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Campus Culture August 2025

Campus Culture auf dem Campus Fichtenhain ist weit mehr als nur ein Oldtimer-Treffen. Es ist inmer ein kleines Fest – historisch, ästhetisch, sozial. Hier begegnen sich automobile Leidenschaft, kreative Atmosphäre und kulturelles Miteinander in einem Rahmen, der alles andere als gewöhnlich ist.

Wer noch nie im Campus Fichtenhain war, sollte sich dort, auch abseits der Oldtimer-Events einmal umschauen. Mitten im beschaulichen Krefeld-Fichtenhain liegt die Campus Corporation, eine einzigartige Eventlocation, die verschiedene Abenteuer zugleich bietet: urbane Architektur trifft auf grüne Oasen, Industrie trifft auf Eleganz. Hier verbinden sich historische Bauten aus der Gründerzeit, moderne Loftflächen und ein weitläufiger Innenhof zu einem Ort voller Möglichkeiten.

Im Campus Courtyard – dem großzügigen Innenhof – findet regelmäßig das „Campus Culture“ Oldtimer-Treffen statt. Diese Veranstaltungen sind ein echter Magnet für Automobilenthusiast:innen aus der Region. Die Kombination aus rustikal-industrieller Kulisse und entspannter Atmosphäre bildet den perfekten Rahmen für Liebhaber klassischer Fahrzeuge.  Die Veranstaltung ist zwar nicht so. groß wie die Classic Days oder vergleichbare Events, sie hat jedoch ihren eigenen Charme.

Hier finden sich zudem Fahrzeuge, die weder bei den Classic Days oder dem Oldtimertreffen an der Krefelder Rennbahn anzutreffen sind.

In der Galerie unten findest Du ein paar Impressionen der Veranstaltung.


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Oldtimertreffen August 2025

In den Sommermonaten findet regelmäßig ein Treffen klassischer Automobile an der Krefelder Rennbahn statt. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von den Oldtimerfreunden Egelsberg. Der Eintritt für Besucher ist grundsätzlich frei.

Nach den automobilen Highlights des letzten Wochenende, Classic Days und Oldtimer Grandprix am Nürburgring sollte es an diesem Wochenende etwas beschaulicher zugehen. Sollte …

Das Wetter an diesem Sonntag war sehr einladend, die Temperaturen warm, aber nicht heiß. Keine Vergleich zu dem Treffen im Juni, das sehr heiße Temperaturen bot.

Manchmal braucht es keinen Fluxkompensator, um eine Zeitreise zu machen – ein sonniger Tag, ein paar Hundert Liter Benzingeruch und jede Menge blitzender Lack reichen völlig. Genau das gab’ es erneut beim Oldtimertreffen der Oldtimerfreunde Egelsberg auf der Krefelder Rennbahn.

Auf Grund des idealen Wetters erschienen am heutigen Tag eine Vielzahl von Fahrzeugen, unter anderem Ferrari, Jaguar, Borgward und Rolls-Royce, die zuvor selten bis gar nicht präsent waren. Es ist immer wieder erstaunlich, was für Schätze trotz der hohen Dichte an Oldtimer-Veranstaltungen in unserer Region zu Tage treten.

Auch heute gab es wieder eine bis dato unbekannte Kuriosität. Ein Peugot aus den 50er-Jahren mit einem BMW-Motor. Eine Nachfrage beim Besitzer ergab, dass es sich um einen Sechszylindermotor aus dem 520i handelte. „Der dreht nicht so hoch und hat für das Auto das ideale Drehmoment“, wusste er zu berichten. Doch damit nicht genug. „Das Fahrwerk stammt übrigens von Volvo“, sagte der Besitzer. So etwas lässt einen dann wieder staunend zurück, selbst prominente Besucher wie der bekannte Fernsehkoch und Moderator Horst Lichter waren entzückt …

In der unten stehenden Galerie findest Du ein paar Aufnahmen der Veranstaltung, auf Grund der hohen Anzahl an Fahrzeugen sind es heute etwas mehr geworden …


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Classic Days 2025

Nach einer Zwangspause im Jahr 2024, in dem die Classic Days erneut auf dem Messegelände in Düsseldorf stattfinden sollten, ist diese sehr beliebte Veranstaltung historischer Automobile in neuem Gewand wieder am Start. Die Classic Days gelten mit über 5.000 Besuchern als „Großveranstaltung“ und benötigt so ein entsprechedes Sicherheitskonzept und einige bürokratische Abläufe in Ämtern zur Genehmigung und Durchführung, Bauanträgen und Bauabnahmen: “Uns fehlen hier – Stand gestern Abend 4. Juni 2024 – noch umfassende Antworten der Behörden”, erklärten die Veranstalter im letzten Jahr. Hinzu kamen neue Aufgaben, wie die Umsetzung der neuen Cannabis-Ordnungswidrigkeiten-Verordnung oder auch akuten Gefahren-Abwehr-Szenarien. Aus diesen Gründen wurden die Classic Days 2024 abgesagt.

Im Jahr 2025 fanden die Classic Days nun ein neues zu Hause, erneut im Rhein-Kreis Neuss, in dem auch vergangene Veranstaltungen in Schloß Dyck in der Gemeinde Jüchen stattfanden. Das neue Domizil der Veranstaltung ist das im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Rittergut Birkhof in der Stadt Korschenbroich.

Als Besucher der Classic Days war man zu Zeiten, an denen diese auf dem weitläufigen Gelände und der historischen Kulisse von Schloß Dyck stattfand, extrem verwöhnt. Alleine das Treffen der Markenclubs auf dem riesigen Miskantus-Feld vor dem Schloß suchte seinesgleichen. Auch auf dem Messegelände in Düsseldorf, auf dem die Classic Days in den Jahren 2022 bis 2023 stattfand, herrschten großzügige Platzverhältnisse, wenngleich die Atmosphäre früherer Veranstaltungen gelitten hat. Alleine der nahegelegene Flughafen Düsseldorf mit seinen zahlreichen Starts und Landungen, insbesondere in der Ferienzeit, tat der Stimmung im Hinblick auf den Lärmpegel einen nicht zu unterschätzenden Abbruch. Kann der neue Veranstaltungsort, das Rittergut Birkhof das alte Flair und die alte Stimmung wieder zurückbringen?

Die Platzverhältnisse sind gegenüber den vorangegangenen Veranstaltungsorten eingeschränkter, dennoch läßt sich die Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Die Entscheidung für das Rittergut Birkhof war organisatorisch durchdacht und atmosphärisch sehr stimmig. Der weitläufige Park der Anlage mit Alleen, Rasenflächen und alter Baumkulisse bot eine beeindruckende Kulisse für das Festival, das als deutsche Entsprechung zu Goodwood gefeiert wird. Das Rittergut liegt in einem großen Park mit anschließendem Landschaftsgarten und zeichnet sich, so Organisator Marcus Herfort, “durch eine sehr englische Atmosphäre aus”.

Natürlich gab es wieder zahlreiche Highlights:

  • Der 2,6 km lange Rundkurs „Racing Legends“ bot spannende Demonstrationsläufe mit Rennwagen und Motorrädern bis Baujahr 1961 – eine nostalgische wie dynamische Attraktion,
  • Im Concours d’Elegance „Jewels in the Park“ glänzten edle Klassiker unter Buchen und Eichen – inklusive stilvoller Präsentation am alten Herrenhaus,
  • Thematisch gegliedert: VW‑Käfer‑Läufe, US‑Cars („Stars & Stripes“), JDM‑Show im „Green House“, inklusive dem legendären GT‑R von Paul Walker und einem Honda NSX,
  • Die Weltpremiere des VW ID. Every 1 gab dem Festival auch einen Blick in die Zukunft – überraschend und zeitgemäß. Leider wurde das Fahrzeug in dem ehemaligen Gartencenter sehr lieblos präsentiert, wie auch die japanischen Sportwagen.

In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier um eine privat ausgerichtete Veranstaltung handelte, war die Organisation sehr gut. Die Ausschilderung an den Zufahrtstrassen zum Veranstaltungsgelände war sehr gut und schlüssig, ankommende Autofahrer wurden unverzüglich auf die umliegenden Parkplätze geleitet, wenngleich niemand das für 8€ online erstandene Parkticket kontrollierte. Die Strecke, auf denen die historischen Fahrzeuge fuhren, führten in Teilen über das Veranstaltungsgelände. Dadurch wurde der Besucherstrom etwas unterbrochen. Ich sah es jedoch als Vorteil, man war im Grunde „gezwungen“, sich dadurch ein Bild der fahrenden historischen „Schätze“ zu machen – ein Grund, weswegen man derartige Veranstaltungen besucht. Einzig die geschlossene Veranstaltung der Julius Bär AG, eines privaten Vermögensverwalters im Herrenhaus des Rittergutes und der angrenzenden Terrasse paßte nicht ins Bild dieser gelungenen Veranstaltung. Hinter Zäunen verbargen sich einige Schätze, wie ein Porsche 356 und ein Dino, die jedoch meines Erachtens nach nicht das Interesse des dortigen Publikums weckten, dass augenscheinlich in der Hauptsache damit beschäftigt war, „gesehen“ zu werden.

In der letzten Dekade waren die Classic Days für mich immer ein fotografisches Highlight. Es waren dort immer unzählige, bisweilen sehr spezielle und sehr rare klassische Automobile zu bewundern. Darüber hinaus war auf den vergangenen Veranstaltungen immer sehr viel Prominenz vertreten, von Stirling Moss, John Surtees, Walter Röhrl, Jochen Mass bis hin zu Arturo Merzario. Dieser nahm auch im hohen Alter noch an Rennen teil und ließ sich bereitwillig ablichten, insbesondere mit den kleinen Gästen. Der Ehrengast der diesjährigen Classic Days, Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck musste seine Teilnahme aus persönlichen Gründen leider absagen. Man brauchte bei den Classic Days nie nach speziellen Motiven zu suchen, im Gegenteil, man musste sich immer selbst disziplinieren, aus allen Möglichkeiten das Beste aufzunehmen.

In diesem Jahr gab es zudem noch eine organisatorische „Zwickmühle“ – zeitgleich zu den Classic Days fand am Nürburgring der alljährliche „Oldtimer Grandprix“ statt. Ein Freund und ich entschieden daher, am Samstag die Classic Days und am Sonntag den Oldtimer Grandprix zu besuchen. Im Nachhinein betrachtet, hätten wir diese Tage besser „getauscht“. Am Samstag zeigte sich das Wetter nicht von seiner besten Seite, es gab mehrere, teils heftige Regenschauer, die sowohl für die Fahrer als auch für die Besucher sehr unangenehm waren. Am Sonntag war das Wetter am Nürburgring erheblich freundlicher, wenn auch kühler. Leider war es bei dem Oldtimer Grandprix sehr leer – es war wenig Publikum dort, der Zeitplan der Rennläufe ließ zu Wünschen übrig und im Fahrerlager waren extrem wenig Fahrzeuge. Markenclubs wie Porsche und Ferrari waren äußerst spärlich vertreten. Aus diesen Gründen kam nicht die dort übliche Stimmung auf.

In der folgenden Galerie sieht Du einige Aufnahmen der Classic Days 2025.


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Logistikspezialist (m/w/d) – Einstieg auch ohne Vorkenntnisse

Keine Angst, … ich poste hier keine Stellenanzeige oder Stellengesuche. Oben genanntes Angebot befand sich heute Morgen in einer eMail von LinkdIn! Dieses Oxymoron – ein Spezialist o/ne Vorkenntnisse hat mir sofort ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Worum geht es nun in diesem Angebot? Dieses stammt von einem „wichtigen Anbieter von Weiterbildung und Qualifizierung im Bereich der IT, Industrie 4.0 und digitaler Transformation.“ Aha. Deren Fokus liegt „vor allem auf innovativen Technologien wie Automatisierungstechnik, Logistik 4.0 und Robotik, die Unternehmen und Fachkräfte optimal auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorbereiten.“ Noch ein Aha-Erlebnis!

Weiterhin erfährt man, dass es sich um eine neunmonatige Weiterbildung zur IT-Fachkraft zur Logistik 4.0 mit IHK-Zertifikat handelt. Vier praxisorientierte Module werden in einem Remote-Seminar angeboten. Das einzige, was nötig sei, ist ein stabiler Internetzugang. Das nächste Oxymoron, Praxisorientierung lernt man also daheim auf’m Sofa.

Auf unsere heutigen, fast 40 Kilometer langen Radtour ist mir dieser Post nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Am Ende bleibt mir nur ein Zitat des berühmten Franz Münchinger, Protagonist der berühmten 80er Jahre Serie Monaco Franze: „Ein rechter Scheißdreck war’s …“. „Wie, wie, wie …?“ – „Was, was was, …?“.

Nicht die Radtour, sondern der LinkedIn-Post. Warum? Dazu ein Abriss meiner Ausbildung und Erfahrung im Logisitkbereich. Es kann sein, dass es etwas länger wird, für einen kurzen Abriss hatte ich angesichts dieser fast schon ironisch anmutenden Anzeige keine Zeit.

Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre habe ich den Beruf des Speditionskaufmanns erlernt. Also das, was heute Logistiker sind. Die Ausbildung damals war enorm vielfältig – man lernte, wie man Güter von A nach B über die Straße, die Schiene, die Luft und das Wasser transportiert. Doch das war noch lange nicht alles, wir bekamen Einblicke in das Handelsrecht, national wie international, in das Versicherungswesen, die Klassifizierung von Gefahrstoffen und in zollrechtliche und zolltarifliche Dinge. Als Speditionskaufmann hätte man somit auch ohne weiteres als Industriekaufmann, in Zollagenturen, bei Luftfahrtgesellschaften, Reedereien, bei der Deutschen Bundesbahn oder gar in einer Verischerungsgesellschaft einen Job finden können. Die Ausbildung dauerte 3 Jahre und fand offline in einem Speditionsbetrieb und der Berufsschule statt. Da alle Mitschüler aus unserer Berusfschulklasse in LKW-Speditionen lernten, mussten wir gar sämtliche Autobahnen und die damals noch existierenden Grenzübergänge auswendig lernen. Das hat den hübschen Nebeneffekt, dass ich heute noch ohne Navigationsgerät von Hamburg nach München fahren kann, auf Grund der praktischen Ausbildung zusätzlich von dort wahlweise weiter nach Amsterdam oder Genua.

Freilich waren wir zu der Zeit der Ausbildung noch wenig IT-affin. Die Kommunikation erfolgte ausschließlich über Telefon und Fernschreiber (quasi ein Vorläufer von Chat-Programmen und WhatsApp-Gruppen). Ganz wild wurde es mit dem Aufkommen von Fax-Geräten. Man konnte auf einmal in Echtzeit einen handgeschriebenen Brief nach China schicken (den dort vermutlich keine Sau lesen konnte …)

Mussten wir damals einen unserer Fahrer erreichen, begann ein heute unvorstellbares Procedere: Wir suchten uns die Ladepapiere (tatsächlich aus Papier) heraus um herauszufinden, welche Kunden der Fahrer anfährt. Dann wurden aus einem meterlangen Schrank die Bundestelefonbücher herausgeholt, um die Telefonnummern der betreffenden Kunden herauszufinden. Diese wurden angerufen und man fragte sich zu der Stelle durch, die der LKW-Fahrer vermutlich anfahren wird. Wir baten dann höflich auszurichten, dass der Fahrer mal bitte in seiner Firma anruft. ’Ne Stunde später riefen wir dann nochmal an: „War unser Fahrer schon da.“ „Ja, er ist aber wieder weg.“ „Hatten Sie nicht ausgerichtet, dass er mal zurückrufen soll?“ „Ham’ wer vergessen …“. Da haste dann zunächst einmal Pech gehabt …

Der nächste technologische Turbo, der zur Verbesserung der Kommunikation gezündet wurde, war der sogenannte „Europiepser“. Das war ein kleines Gerät mit eigener Telefonnumer, die man Anrufen konnte. Der Besitzer des Gerätes wusste nun, dass er sich zurückmelden sollte.

Das folgende Highlight war die Erfindung des Mobiltelefons. Im Jahr 1991 hatten wir in unserer Spedition Partnerbetriebe in den neuen Bundesländer. Das waren die ehemaligen DEUTRANS-Betriebe (für den internationalen Güterkraftverkehr), die Kraftverkehrsbetriebe (für den überregionalen Güterverkehr) und Handelstransportbetriebe (für den regionalen Güterverkehr, also heute vereinfacht gesagt Amazon- und DHL-Boten). Das Telefonnetz in den neuen Bundesländern war so marode wie heutzutage Straßen, Radwege und Brücken in Deutschland. Was jedoch funktionierte, war das D2-Mobilfunknetz (damals noch von Mannesmann bereitgestellt). Ich hatte auf meinem Schreibtisch solch ein „mobiles“ Telefon, was freilich so mobil war, dass man es nur als durchtrainierter Gewichtheber oder russischer Kugelstoßer bewegen konnte.

Wir hatten in unserem Betrieb damals zu Beginn der Neunziger Jahre bereits ein elektronisches Frachtabrechnungssystem, welches von unserer eigenen EDV-Abteilung programmiert wurde. Das war damals bereits so fortschrittlich und einfach zu handhaben, dass es locker heute noch die Anforderungen erfüllen würde.

Seitdem hat sich insbesondere im technologischen Bereich die Welt mindestens um 180 Grad gedreht. Ich könnte meinen Job heute lediglich mit einem Tablet wahlweise auf dem Ballermann, der Zugspitze oder in einem Innuit-Iglo in Grönland ausführen, vorausgesetzt, das Internet ist stabil. Die Technik bietet uns heute die Möglichkeit, LKW über GPS zu orten. Wir können feststellen, wieviel Kraftstoff sich im Fahrzeug befindet, wie hoch die Reichweite sein wird, wieviel Lenk- und Arbeitszeit der Fahrer noch zur Verfügung hat, wie lange seine nächste Ruhepause dauern wird und wie viel von seiner wöchentlichen Arbeitszeit noch zur Verfügung steht. Die Technik rechnet uns ebenfalls aus, wie viele Leerfahrten noch wirtschaftlich sind und ob wir es uns beispielsweise unter allen vorgenannten Aspekten erlauben können, einen LKW leer von Koblenz nach Köln fahren lassen können um eine Ladung aufzunehmen. Unter oben genannten Aspekten können wir ebenfalls präzise unter Berechnung der momentanen und voraussichtlichen Verkehrsverhältnisse eine Aussage treffen, wann die Ladung, die wir dann in Köln übernehmen können in Hamburg sein wird. Die Ladeadresse sendet mein EDV-System dann einfach auf das Tablet des betreffenden Fahrers. Die Technik sagt mir dann auch unter Berücksichtigung oben genannter Faktoren, wieviel Zeit mein Fahrer noch hat und bis wohin ich ihn schicken kann, um eine Folgeladung aufzunehmen.

Schöne neue Welt – es hört sich perfekt an! Das ganze wird dann heute unter anderem mit dem trendigen Begriff Supply Chain Management umschrieben. All das „lernt“ man in der Weiterbildung zur IT-Fachkraft zur Logistik 4.0! Das hört sich doch zunächst einmal hervorragend an. Ich lerne ganz einfach vom Sofa aus, wie ich einen Warenstrom mit wenigen Mausklicks und einer intelligenten Technik in Gang halten kann. Freilich nicht nur, wie im Beispiel von Köln nach Hamburg, sondern gar weltweit. Das hört sich so romantisch an, wie in dem Lied Seemann, deine Heimat ist das Meer von Lolita:

„Deine Heimat ist das Meer
Deine Freunde sind die Sterne
Über Rio und Shanghai
Über Bali und Hawaii
Deine Liebe ist dein Schiff
Deine Sehnsucht ist die Ferne
Und nur ihnen bist du treu ein Leben lang
“

Ist das wirklich alles so einfach? Kann man das so schnell lernen, womöglich von der Couch aus? Man lernt in dem angepriesenen Seminar grundsätzliche Dinge aus dem Logistikgewerbe, Gefahrgut, Zoll, Tourenplanung, Rechtsgrundlagen, Arbeitssicherheit, Nachhaltigkeit und ist am Ende gar „Programmierer für Softwarelösungen“, was normalerweise ein wenigstens ein Studium in einer Programmiersprache voraussetzt. Kurz und knapp – man mutiert zur eierlegenden Wollmilchsau! Für so etwas, freilich ohne die Programmierung zu lernen, waren damals drei Lehrjahre vorgesehen.

Nein. So einfach ist das nicht. Weiterbildungsinstitute wollen uns das weismachen, viele Führungskräfte in der Wirtschaft glauben das ernsthaft. Mit KI und hochgezüchteten EDV-Systemen machen wir das doch alles „mit der Kapp“ und alles flutscht. Quasi Vagisan für die logistischen Abläufe! Selbstverständlich ist heute vieles einfacher geworden. Mein Job ist heute gegenüber der Zeit meiner Ausbildung auf die reine vorgegebene Tätigkeit betrachtet die pure Erholung.

Heutige logistische Konzepte sind jedoch derart komplex, dass man sie ohne die genannte Technik gar nicht mehr bewältigen kann. Wie ich oben beschrieben habe, telefonierten wir früher oft stundenlang, um einen Fahrer zu erreichen. So ein Vorgehen wäre heute ein Ding der Unmöglichkeit! Heute wird erwartet, dass ich als Logistiker ein Verkehrsmittel auf Knopfdruck nicht nur von A nach B schicke, sondern auch noch über C und D, und das teilweise in Sekundenbruchteilen. Die Arbeit und der Einsatz, die dazu erforderlich sind, sind dank der Technik nicht das Problem. Das Problem ist der Stress, der dadurch aufkommt und Fehler und/oder Störungen in den logistischen Prozessen verursacht. Es gilt dabei nämlich, eine Reihe weiterer Parameter zu berücksichtigen, die einem keine Technik voraussagen kann.

Bleiben wir einfachheitshalber bei unserem Transport von Köln nach Hamburg. Ich kann alles präzise vorausberechnen. Was passiert jedoch, wenn der Kunde nun ganz einfach und kurzfristig entgegen des ursprünglichen Auftrages verlangt, den Transport von Hamburg nach Lübeck umzuleiten? Warum macht der Kunde das, sowas geht doch gar nicht? Doch, das geht heute. Der Kunde verwendet nämlich ein computergesteuertes Supply Chain Management System, das ihm sagt, dass plötzlich in Hamburg keine Lagerkapazität mehr frei ist, die in Lübeck aber noch zur Verfügung steht und es für ihn als Kunde kostengünstiger ist, den LKW einfach nach Lübeck umzuleiten. Warum sein System ihm so etwas vorschlägt oder meldet, bleibt zunächst sein Geheimnis. Als Logistiker schlägt nun Deine große Stunde. Du wirst nicht gefragt, ob Du das hinbekommst, es wird von Dir verlangt. Einfach so. Und dann nutzt Dir Deine schöne computergestützte Tourenplanung herzlich wenig, denn die fällt da gerade zusammenwirken ein Kartenhaus. Da nützt es Dir auch wenig, dass Du nun eine zertifizierte IT-, EDV-, Logistik- oder sonst was für ’ne Fachkraft bist.

Dann nämlich nützt kein Mausgeschiebe oder Knöpfchendrücken etwas, dann musst Du in diesem Fall zunächst mal mit dem Fahrer des LKW, einem Menschen, der da nun umgeleitet werden soll, kommunizieren! Spinnen wir mal weiter. Die Technik sagt mir gerade, dass in Hamburg ’ne Brücke gesperrt ist, die Umleitungen überlastet sind, Torben-Wirsing bei seiner Mutter Chantal-Sunrise aus‘m Lastenrad gefallen ist und die Straße blockiert und dies und das und Ananas. Dann musst Du mit einem Menschen sprechen, ihn fragen, ob er vielleicht noch ’ne andere Strecke kennt, die Dir Deine Technik, aus was für Gründen auch immer, nicht vorschlägt. „Ja, da gibt‘s ’ne Abkürzung, die kenne ich“. „Ich kenne auch den Kunden, da musst Du vorher über das Internet ein Zeitfenster zur Entladung buchen“. Super – hat Dir Dein Kunde zuvor natürlich nicht gesagt. In seinem System sieht der nämlich nur für ihn in Hamburg relevante Daten und andere Läger gehören nicht dazu und ihn nur sein System interessiert. Das soeben beschriebene führt natürlich zu enormen Stress, den es „früher“ in dieser Form nicht gab. Abweichungen von der Regel sind nämlich das Letzte, was Du heutzutage, insbesondere bei solchen Weiterbildungen lernst. Dort wird Dir beigebracht, wie Systeme funktionieren, was sie alles können und wie unglaublich effizient sie Deine Prozesse machen und nicht, was Du zu tun hast, wenn sie nicht funktionieren. Da ist es nämlich nicht damit getan, eine 24/7-Hotline anzurufen, die Dir sagt, was Du zu tun hast, wenn Dein Bildschirm anfängt zu flimmern oder TicToc nicht mehr erreichbar ist.

In der Logistik zählt zu allererst, dass Du mit Menschen zusammenarbeiten musst, auf die Du Dich verlassen kannst und die sich auf Dich verlassen können. Du kannst die tollsten und geilsten Systeme haben, aber der Faktor Mensch spielt die entscheidende Rolle.

Man kann noch so viele technische Lösungen erstellen, entscheidend ist in der Logistik daneben jedoch ein gerütteltes Maß an Erfahrung und der (selbstverständlich korrekte) Umgang mit Menschen, insbesondere im Hinblick auf rechtliche Hintergründe (z.B. Lenk- und Schichtzeiten von LKW-Fahrern).

Da bleibt mir das im Eingang genannte Lachen tatsächlich im Hals stecken und weicht ungläubigem Kopfschütteln. Es bewahrheitet sich meiner Ansicht nach wieder der Satz „Je weniger einer weiß, desto mehr glaubt er jeden Scheiß“. Das gilt für Leute, die meinen, sie währen nach den neuen Monaten Ausbildung eine Koryphäe in der Logisitk als auch für Führungskräfte mit Personalverantwortung die meinen, eine ebensolche Koryphäe für die Lösung all ihrer Probleme zu bekommen, womöglich noch für kleines Geld, denn der Bewerber hat ja, wie es in der Überschrift steht, keine Vorkenntnisse!