Die Knäckebrot-Telefonierer sind unter uns

Früher hielt man ein Telefon ans Ohr. Das war allerdings zu einfach, zu unauffällig und vor allem viel zu privat. Heute hält der fortschrittliche Mensch sein Mobiltelefon waagerecht vor den Mund, als wäre es ein besonders dünn belegtes, fragiles Knäckebrot, dem er vertrauliche Informationen zuflüstern möchte.

Dabei ist der Lautsprecher selbstverständlich aktiviert. Schließlich wäre es ausgesprochen egoistisch, das Gespräch nur mit der Person am anderen Ende zu führen. Die wartenden Fahrgäste, Restaurantbesucher und Supermarktkunden haben ebenfalls ein Recht darauf zu erfahren, dass Kevin schon wieder nicht zurückgerufen hat, die Hautärztin erst im November einen Termin frei hat, dass es ein Mittel gegen Scheidentrockenheit gibt, dass Torben-Wirsing mal wieder anderen Frauen hinterher schaut und dass Tante Gisela „wirklich unmöglich“ ist.

Besonders elegant wirkt diese Telefontechnik in öffentlichen Verkehrsmitteln. Während andere Menschen aus dem Fenster schauen oder still über ihre Lebensentscheidungen nachdenken oder einfach nur die Fahrt geniessen, übernimmt der Knäckebrot-Telefonierer kostenlos das komplette Unterhaltungsprogramm. Eine Stimme kommt aus dem Smartphone, die andere schallt direkt durch den ganzen Bus. Stereo, aber ohne Kopfhörer.

Die Haltung verlangt höchste Präzision: Das Gerät muss ungefähr zehn Zentimeter vor dem Mund schweben. Zu nah wäre ein normales Telefonat, zu weit entfernt könnte der Gesprächspartner nicht mehr jedes Schmatzen und jeden Windstoß genießen. Gelegentlich wird das Smartphone auch leicht schräg gehalten, vermutlich damit das WLAN besser abtropfen kann.

Warum man das Gerät nicht ans Ohr hält, bleibt eines der großen Rätsel unserer Zeit. Vielleicht gelten Ohren inzwischen nur noch als dekorative Halterungen für kabellose Kopfhörer, die man ausgerechnet beim Telefonieren nicht benutzt. Vielleicht ist die klassische Telefonhaltung auch einfach zu wenig sichtbar. Wer privat spricht, riskiert schließlich, von der Umgebung gar nicht wahrgenommen zu werden.

Dabei beweist der Knäckebrot-Stil vor allem eines:
Privatsphäre ist ein Gemeinschaftsprojekt.
Persönliche Probleme sollten nicht hinter verschlossenen Türen bleiben, wenn man sie auch zwischen Tiefkühlpizza und Waschmittel diskutieren kann.
Konflikte mit dem Arbeitgeber gewinnen deutlich an Qualität, sobald zwölf Fremde in der Kassenschlange mithören und innerlich Position beziehen.

Natürlich könnte man Kopfhörer verwenden. Oder leiser sprechen. Oder kurz nach draußen gehen. Doch das wäre Rücksichtnahme, und Rücksichtnahme ist bekanntlich eine veraltete Technologie, die mit modernen Smartphones offenbar vollkommen inkompatibel ist.

So bleibt uns nur, dankbar zu sein. Dankbar für jedes ungefragte Hörspiel im Regionalzug. Dankbar für jede öffentlich ausgetragene Beziehungskrise.
Und dankbar für die Erkenntnis, dass man ein Smartphone zwar immer intelligenter machen kann, seinen Besitzer aber offenbar nicht automatisch mitaktualisiert.




Campus Culture am 22.08.2026

Glänzender Chrom, der Duft von Benzin und Geschichte auf zwei und vier Rädern: Das Oldtimertreffen Campus Culture in Krefeld Fichtenhain hat auch im August wieder automobile Schätze aus allen Epochen zusammengebracht. Neben den gewohnten Klassikern gab es ein ganz besonderes Schmuckstück zu bewundern, das selbst eingefleischten Kennern Herzklopfen bereitete: den LMX 2300 HCS.

Der Exot aus Mailand

Der LMX 2300 HCS ist das Erstlingswerk der kurzlebigen italienischen Schmiede L.M.X. Automobile (Lina Mandato e X), gegründet von Michel Liprandi und Giovanni Mandelli. In den späten 1960ern entworfen, verkörpert das Fahrzeug die pure Faszination des italienischen Prototypenbaus.

  • Design: Entworfen von Franco Scaglione, besticht der Wagen durch eine atemberaubende, keilförmige Fastback-Linienführung mit klappbaren Scheinwerfern und Muskeln an den richtigen Stellen.
  • Technik: Unter der eleganten Glasfaser-Karosserie schlägt ein Herz von Ford – ein 2,3-Liter-V6-Motor (Köln-V6), der dem Leichtgewicht ordentlich Vortrieb verleiht. Das Kürzel HCS steht dabei für High Compression Shell.
  • Seltenheitswert: Aufgrund finanzieller Turbulenzen wurden zwischen 1968 und 1974 schätzungsweise nur etwa 50 Fahrzeuge gebaut. Ein LMX in freier Wildbahn ist also eine echte Rarität.

 Ein Hauch von Concurs-Flair in Fichtenhain

Dass ein solch rares Stück automobiler Zeitgeschichte den Weg nach Krefeld Fichtenhain gefunden hat, unterstreicht die wachsende Klasse des Campus-Culture-Treffens. Der LMX zog mit seinen dramatischen Proportionen unzählige Blicke auf sich und war das perfekte Fotomotiv für Enthusiasten.


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Das Lokalradio: Unerträgliche Belanglosigkeit und „Das beste der 80er, der 90er und von heute“

So don’t become some background noise
A backdrop for the girls and boys
Who just don’t know or just don′t care
And just complain when you′re not there

Radio GaGa, Queen, 1984

Es gibt in Nordrhein-Westfalen viele Dinge, die erstaunlich zuverlässig funktionieren: der Regen im Juli, Baustellen auf der A1 und die Fähigkeit der Lokalradios, aus Hunderten Jahren Musikgeschichte immer wieder dieselben 25 seichten Titel auszuwählen.

Wer durch NRW fährt und zwischen den gefühlten 1.200 Lokalsendern umschaltet, erlebt ein faszinierendes Experiment. Auf dem Display steht zwar jedes Mal ein anderer Sendername, musikalisch befindet man sich jedoch im selben Paralleluniversum. Das Programm bleibt selbstverständlich unverändert. Dort laufen seit etwa 1998 dieselben Songs in einer gnadenlosen Zeitschleife. Irgendwo singt Bryan Adams, kurz darauf kommt Pink, dann folgt Ed Sheeran. Nach einer Werbepause meldet sich die Moderatorin, die wie Heidi Klum auf Ecstasy klingt, mit der sensationellen Nachricht, dass es heute warm, nass oder abwechselnd warm und nass werden könnte. Und das mit geiler Musik trotzdem für gute Laune gesorgt wird.

Denn überall läuft „der beste Mix aus den 80ern, 90ern und von heute“. Eine Formulierung, die vermutlich irgendwann in einem unterirdischen Radiolabor entwickelt wurde. Dort sitzen grenzdebile Musikredakteure in weißen Kitteln und erforschen, wie oft ein Mensch denselben Phil-Collins oder Bryan Adams-Song hören kann, bevor er mit dem Autoradio zu verhandeln beginnt.

Jeder Sender wirbt stolz mit dem Slogan: „Das beste der 80er, der 90er und von heute.

Das klingt zunächst in der Tat nach enormer musikalischer Vielfalt. Tatsächlich bedeutet es: „Wir spielen exakt die gleiche Soße wie alle anderen, aber in einer leicht veränderten Reihenfolge.

Man fragt sich manchmal, was mit dem Rest der Musikgeschichte passiert ist.
Jazz? Zu kompliziert.
Afrobeat? Zu interessant.
Elektronische Experimente? Könnten gegebenenfalls Neugier auslösen.
Weltmusik? Was sollen die Leute denn denken? Dass Radio zum Entdecken neuer Klänge da ist?

Nein, Sicherheit geht vor.

Das moderne Lokalradio behandelt Musik wie eine Versicherungsgesellschaft Risiken. Alles, was auch nur den Verdacht erweckt, überraschend zu sein, wird sofort aussortiert. Übrig bleiben jene Lieder, die so oft getestet wurden, dass niemand sie wirklich mag, aber auch niemand aktiv hasst.

Zwischen den Titeln werden dann die ganz großen Themen unserer Zeit verhandelt.

Zum Beispiel:
“Eine Katze saß heute Morgen auf einem Garagendach in Wanne-Eickel.”

Oder:
“Der Verkehrsfluss auf dem Feldweg zwischen Niedermörmter und Obermörmter ist auf Grund diverser Kufladen leicht beeinträchtigt.”

Oder mein persönlicher Favorit:
“Jetzt gewinnen Sie einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro für Brunhildes Batik- und Bastelstudio!”

Es gibt auch Wortbeiträge. Etwa die wichtige Frage, ob man beim Grillen lieber Würstchen oder Steak isst, und ob das Zeug darüber hinaus auch vegan sein darf. Hörer dürfen anrufen, abstimmen und dabei unbeabsichtigt beweisen, dass die Demokratie vielleicht doch hin und wieder Grenzen braucht.

Hinzu kommen Wetter, Verkehr und lokale Meldungen. Der Bürgermeister hat ein Band durchschnitten. Im Gewerbegebiet wurde ein Schlüsselbund gefunden. Auf eine Baustelle ist ein Spaten umgefallen. Beim Stadtfest tritt eine Coverband auf, die keine Sau kennt und die „die größten Hits aus den 80ern, 90ern und von heute“ intoniert, selbstverständlich mit freundlicher Unterstützung des Scheunenradios Niederrhein und den Theken-Freunden Oer-Erkenschwick.

Endlich Synergie.

Vielen Dank für diesen enormen journalistischen Kraftakt.

Kulturelle Hintergründe, internationale Perspektiven, gesellschaftliche Debatten oder längere Gespräche wären natürlich auch möglich. Allerdings könnten solche Inhalte dazu führen, dass jemand zuhört, nachdenkt oder sogar eine neue Musikrichtung entdeckt. Dieses Risiko möchte man offenbar nicht eingehen.

Irgendein Siegerländer Birkenwld-Sender hat es sogar geschafft, am 20.August 2026 in den sozialen Medien Ralf Hütter von Kraftwerk zum 80. Geburtstag zu gratulieren und sein Lebenswerk zu würdigen. Wie schön, warum hört man bei denen dann keine Musik von Kraftwerk, wo diese doch House, Techno, Hip-Hop, Electro und was weiß ich nicht noch was erfunden haben? Dazu reicht der Mut offensichtlich nicht. Statt dessen wird der Sicherheitsgurt angelegt und der Airbag aktiviert, damit auch ja nichts passiert.
Summer of 69 von Bryan Adams oder It’s my life von Bon Jovi sind hier die beste Unfallverhütung!

Umso auffälliger wird der Kontrast zu Sendern wie WDR Cosmo. Dort scheint man auf die vollkommen beknackte Idee gekommen zu sein, dass Hörer vielleicht tatsächlich neugierig sein könnten!
Plötzlich hört man Musik aus Lagos, Bogotá, Berlin oder Beirut. Menschen sprechen über Kultur, Migration, Kunst, gesellschaftliche Fragen oder neue Musikströmungen, teilweise gar auf Englisch, Türkisch oder französisch. Die Sendungen vermitteln den Eindruck, die Welt sei größer als das Einzugsgebiet des örtlichen Kirmesplatzes oder einer Sparkassenfiliale.

Für manche Radiostrategen scheint das ungefähr so bedrohlich zu sein wie die jährliche Steuerprüfung. Das kann natürlich irritierend sein. Schließlich besteht die Gefahr, dass Hörer etwas Neues entdecken.

Dabei lebt gerade Radio doch von Überraschungen. Früher schaltete man ein, um etwas zu hören, das man noch nicht kannte. Heute schaltet man ein und denkt: „Ah, dieses Lied über Agathe Bauer (für Insider: I‘ve got the power von Snap). Wieder. Das habe ich vor zwölf Minuten bereits auf dem anderen Sender gehört.“

Vielleicht wäre es ehrlicher, wenn die Lokalsender ihren Werbeslogan anpassen würden:

„Unerträgliche Seichtheit: Die gleichen 80er, die gleichen 90er und die gleichen Songs von heute wie alle anderen.“

Oder noch präziser:

„Lokalradio NRW: Weil kulturelle Vielfalt anstrengend ist.“

Dabei wäre Lokalradio eigentlich eine großartige Idee. Es könnte regionale Künstler vorstellen, kleine Kulturveranstaltungen begleiten, migrantische Communities hörbar machen, lokale Konflikte vertiefen und Menschen zu Wort kommen lassen, die sonst selten im Radio auftauchen oder anderswo keine Stimme bekommen.

Stattdessen gibt es häufig akustisches Hintergrundrauschen im Farbton stützstrumpf-beige:
freundlich, vorhersehbar und so sorgfältig von jeder Irritation befreit, dass selbst ein überraschender Basslauf vermutlich vorher von der Programmleitung genehmigt werden müsste.

Vielleicht braucht NRW nicht weniger Lokalradio. Vielleicht braucht es einfach ein Lokalradio, das sich wieder etwas traut.

Bis dahin bleibt immerhin die Gewissheit, dass irgendwo im Sendegebiet gerade jemand mit großer Begeisterung ankündigt, jetzt komme wieder einer der größten Hits aller Zeiten.
Vom Bryan Adams natürlich …

Und man kennt ihn bereits.




Herzlichen Glückwunsch, Ralf Hütter

80 Jahre Ralf Hütter. 80 Jahre Zukunft.

Am 20. August feiern wir nicht nur den Geburtstag eines Musikers, sondern eines Visionärs, dessen Ideen den Klang der Moderne geprägt haben. Ralf Hütter hat mit Kraftwerk nicht einfach Musik geschaffen. Er hat eine neue Sprache erfunden, in der Mensch und Maschine, Rhythmus und Technologie, Präzision und Emotion miteinander verschmelzen.

Während andere den Zeitgeist beschrieben, hat er ihn oft vorweggenommen. Die elektronischen Landschaften von Kraftwerk wurden zu Wegweisern für Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. Von Elektro über Techno bis Hip-Hop reichen die Spuren seines Schaffens. Was einst futuristisch erschien, ist heute Teil unseres Alltags geworden.

Doch hinter den ikonischen Melodien und den kühlen, eleganten Klangarchitekturen stand stets eine neugierige, schöpferische Persönlichkeit. Ralf Hütter zeigte, dass Innovation nicht laut sein muss. Mit Beharrlichkeit, Klarheit und künstlerischer Konsequenz formte er ein Werk, das Grenzen überwand und Kulturen auf der ganzen Welt miteinander verband.

Seine Kompositionen sind längst Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden. Sie erinnern uns daran, dass Fortschritt nicht nur eine technische, sondern auch eine kreative und menschliche Dimension besitzt. In einer Welt ständiger Veränderung blieb seine Kunst zeitlos.

Lieber Ralf Hütter,
zu Deinem 80. Geburtstag danken wir Dir für den Mut, Neuland zu betreten, für die Inspiration, die Du Millionen Menschen geschenkt hast, und für den unverwechselbaren Soundtrack einer digitalen Epoche.

Möge die Reise weitergehen.

Alles Gute zum 80. Geburtstag, Ralf Hütter.
Du hast die Zukunft hörbar gemacht.
🎶⚙️🚴‍♂️✨

Neonlight, Royal Festival Hall, London, 18.März 2004
Titelfoto von Gershowitz

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Cinestill 50D in Lightroom nachbauen

Cinestill 50D gehört zu den Filmlooks, die sofort nach Sommer, Tageslicht, feinem Korn und Kinoästhetik aussehen. Der Film wird von CineStill als „50Daylight Fine Grain Color Negative Film“ angeboten, unter anderem für 35mm und 120 Rollfilm. [1] Er basiert auf dem Kodak Vision3 50D, von dem das Remjet-Layer entfernt wurde, damit er im C-41 Entwicklungsverfahren entwickelt werden kann, was in allen gängigen Fotolaboren möglich ist. Das Original musste im ECN-2 Verfahren entwickelt werden, was nur wenige Labore können. [3] Genau diesen hellen, sauberen, pastellfarbenen und leicht cineastischen Charakter kannst du in Lightroom als eigenes Preset nachbauen.

Wichtig vorab: Ein Lightroom-Preset kann niemals echten Film perfekt ersetzen. Film reagiert auf Licht, Entwicklung, Scan und Objektiv immer etwas unterschiedlich. Aber du kannst Dir einen Look bauen, der die typischen visuellen Assoziationen von Cinestill 50D aufgreift: feine Farben, weiche Kontraste, warme Highlights, zurückhaltende Sättigung und einen leichten analogen Charakter.

1. Was macht den Cinestill-50D-Look aus?

Cinestill 50D ist ein Tageslichtfilm mit feinem Korn. Genau deshalb eignet sich der Look besonders gut für helle Außenaufnahmen, Porträts bei natürlichem Licht, urbane Motive, Strände, Cafés, Architektur und Szenen mit klarer Sonne. CineStill beschreibt die 50D-Filmfamilie als feinkörnigen Farbnegativfilm für Tageslicht. [1]

Für unser Lightroom-Preset übersetzen wir diesen Look in fünf Ziele:

  1. Weicher Kontrast statt harter Digital-Schärfe
  2. Warme, leicht goldene Highlights
  3. Natürliche Hauttöne
  4. Gedämpfte, aber nicht flache Farben
  5. Sehr dezentes Korn und ein analoger Gesamteindruck

2. Die Grundeinstellungen: Licht weich machen

Starte in Lightroom mit einem gut belichteten RAW-Foto. Das Preset funktioniert am besten bei Tageslicht, heller Bewölkung oder leichtem Gegenlicht.

Empfohlene Grundeinstellungen:

Kameraprofil: Adobe Neutral oder Kamera Neutral
Belichtung: nach Bild anpassen
Kontrast: -10 bis -20
Lichter: -20 bis -35
Tiefen: +10 bis +25
Weiß: -5 bis +10
Schwarz: +5 bis +15
Textur: -5
Klarheit: -5 bis -10
Dunst entfernen: -5
Dynamik: -5 bis +5
Sättigung: -5

Der wichtigste Schritt ist hier, die digitale Härte zu reduzieren, unter anderem durch die Auswahl eines neutralen Profils. Cinestill 50D wirkt oft sauber und fein, aber nicht überknackig. Deshalb nehmen wir Kontrast, Klarheit und Dunst leicht zurück.

3. Gradationskurve: der analoge Kern des Looks

Die Tonkurve ist der Teil, der den Look am stärksten prägt. Ziel ist eine weiche S-Kurve mit leicht angehobenen Schwarzwerten.

Punktkurve:

Setze ungefähr diese Punkte:

Schwarzpunkt: leicht anheben
Schatten: minimal abdunkeln
Mitteltöne: leicht anheben
Lichter: weich absenken
Weißpunkt: minimal absenken

4. Farbmischer: Farben kontrolliert entschärfen

Lightroom bietet im Farbmischer die Möglichkeit, einzelne Farbbereiche über Farbton, Sättigung und Luminanz anzupassen. Adobe beschreibt, dass sich mit dem Mixer und Point Color einzelne Farbbereiche im Entwicklungsmodul feinabstimmen lassen. [2]

Für den Cinestill-50D-inspirierten Look würde ich mit diesen Werten starten:

Farbton:

Rot: +5
Orange: -3
Gelb: -10
Grün: -20
Aqua: -10
Blau: -5

Sättigung:

Rot: -5
Orange: +5
Gelb: -15
Grün: -25
Aqua: -10
Blau: -15
Lila: -10
Magenta: -10

Luminanz:

Rot: +5
Orange: +10
Gelb: +5
Grün: -5
Aqua: 0
Blau: -5

Die Idee dahinter: Hauttöne bleiben angenehm, Grün wird weniger digital und Gelb etwas kontrollierter. Blau sollte nicht zu kräftig werden, sonst wirkt der Look schnell moderner als gewünscht.

5. Color Grading: warme Lichter, ruhige Schatten

Jetzt kommt der cineastische Teil. Im Color Grading gibst du den Lichtern eine leichte Wärme und den Schatten eine sehr dezente kühle Färbung.

Schatten:

Farbton: 210 bis 230
Sättigung: 4 bis 8
Luminanz: 0

Mitteltöne:

Farbton: 35 bis 45
Sättigung: 3 bis 6
Luminanz: +3

Lichter:

Farbton: 40 bis 55
Sättigung: 8 bis 14
Luminanz: +5

Balance & Blending:

Blending: 50 bis 65
Balance: +10 bis +25

Dadurch bekommen helle Bildbereiche einen warmen, sonnigen Charakter, ohne dass das gesamte Foto gelb wird.

6. Kalibrierung: der wirkungsvolle Feinschliff

Die Kalibrierung macht oft einen großen Unterschied zwischen „nettem Filter“ und echtem Look – es ist ein mächtiges, weit unterschätztes Werkzeug.

Probiere diese Werte:

Rot Primär Farbton: +5
Rot Primär Sättigung: +5

Grün Primär Farbton: -5
Grün Primär Sättigung: -5

Blau Primär Farbton: -10
Blau Primär Sättigung: -10

Das verschiebt die Farbbasis subtil und sorgt für ein weicheres, weniger digitales Farbbild.

7. Korn und Schärfe: fein, nicht grob

Da Cinestill 50D als feinkörniger Farbnegativfilm beschrieben wird, sollte das Lightroom-Korn sehr zurückhaltend bleiben. [1]

Korn Stärke: 10 bis 18
Größe: 20 bis 25
Unregelmäßigkeit: 40 bis 55

Bei der Schärfung gilt: lieber etwas weniger.

Betrag: 35 bis 45
Radius: 0,8 bis 1,0
Details: 15 bis 25
Maskieren: 40 bis 60

So bleibt das Bild klar, aber nicht überschärft.

Die hier beschriebenen Werte sind keinesfalls in Stein gemeißelt und passen nicht auf 1:1 auf jedes Bild, wie es uns so manche Werbung für kommerzielle Presets glaubhaft machen will. Insbesondere die Regler für Belichtung, Lichter, Tiefen, Schwarz- und Weißpumkt wollen angefasst werden!

8. Preset speichern

Wenn Du mit dem Ergebnis zufrieden bist, speichere den Look als eigenes Preset:

  1. Öffne das Preset-Panel in Lightroom.
  2. Klicke auf das Plus-Symbol.
  3. Wähle „Preset erstellen“.
  4. Benenne es zum Beispiel:
    Cinestill 50D Inspired
  5. Aktiviere vor allem diese Bereiche:

    • Grundeinstellungen
    • Gradationskurve
    • Farbmischer
    • Color Grading
    • Kalibrierung
    • Details
    • Effekte

Belichtung und Weißabgleich würde ich nicht fest ins Preset einbauen, weil sie von Bild zu Bild stark variieren.

9. Wann funktioniert der Look am besten?

Dieses Preset eignet sich besonders für:

  • Tageslichtporträts
  • Strand und Sommermotive
  • helle Straßenszenen
  • Reisen
  • Cafés und Lifestyle-Aufnahmen
  • analoge Editorial-Looks
  • ruhige Architekturaufnahmen

Weniger gut funktioniert es bei sehr dunklen Nachtaufnahmen, Neonlicht oder stark gemischtem Kunstlicht. Dafür wäre ein stärkerer CineStill-800T-inspirierter Look passender.

10. Mein Fazit

Ein gutes Cinestill-50D-inspiriertes Lightroom-Preset lebt nicht von übertriebenen Effekten, sondern von Zurückhaltung. Weiche Kontraste, warme Highlights, kontrollierte Farben und feines Korn bringen dich näher an den Look als extreme Farbverschiebungen.

Der beste Tipp: Erstelle das Preset nicht an nur einem Foto. Teste es an mindestens fünf bis zehn Bildern mit unterschiedlichem Licht. Erst dann siehst Du, ob Hauttöne, Schatten und Highlights wirklich stabil funktionieren.
Im folgenden findest Du einige Vorher/Nachher-Beispiele:






65 Jahre Mauerbau: Erinnerungen an eine Grenze, die Menschen trennte

„The green grass grows forever
Beneath the bloody sky
In memory of the martyrs
She′ll cover when they die“

In Memory Of The Martyrs, Barclay James Harvest, 1980

Am 13. August 1961 begann eines der einschneidendsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte: Die DDR-Führung ließ in Berlin die Sektorengrenze abriegeln. In den frühen Morgenstunden wurden Straßen aufgerissen, Barrikaden errichtet, Betonpfähle eingerammt und Stacheldraht gezogen. Der Übergang von Ost nach West war plötzlich versperrt, Berlin war geteilt. [1][2]

Heute, 65 Jahre später, ist der Jahrestag mehr als ein historisches Datum. Er erinnert daran, wie schnell Freiheit verloren gehen kann und wie tief politische Entscheidungen in das Leben einzelner Menschen eingreifen können.

Eine Nacht, die Berlin veränderte

Was am 13. August 1961 begann, war zunächst vor allem eine Abriegelung: Sicherheitskräfte der DDR sperrten die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin mit Panzersperren, Stacheldraht und Barrikaden. Polizei, Kampfgruppen und Armee blockierten die Zugänge zum Westteil der Stadt. [3]

Für viele Berlinerinnen und Berliner bedeutete dieser Morgen einen Schock. Familien, Nachbarn, Freundeskreise und Arbeitswege wurden abrupt auseinandergerissen. Wer am Vorabend noch selbstverständlich eine Straße, eine Bahnlinie oder einen Grenzübergang genutzt hatte, stand nun vor Stacheldraht und bewaffneten Posten.

Die Berliner Mauer entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem massiven Grenzsystem. Sie teilte die Stadt entlang ihrer Mitte und umschloss zugleich das gesamte Gebiet West-Berlins. [3]

Warum die Mauer gebaut wurde

Die DDR-Führung wollte mit der Abriegelung vor allem die Massenabwanderung in den Westen stoppen. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt den Mauerbau als Maßnahme, mit der die DDR-Führung die Fluchtbewegung in Richtung Westen unterband. [3]

Berlin spielte dabei eine besondere Rolle. Obwohl die Stadt vollständig innerhalb der sowjetischen Besatzungszone lag, war sie nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Sektoren aufgeteilt worden. West-Berlin galt nach 1949 im Osten als „Schaufenster des Westens“. [3]

Mit dem Bau der Mauer wurde aus einer politischen Teilung eine sichtbare, harte Grenze aus Beton, Stacheldraht und Kontrolle.

Symbol des Kalten Krieges

Die Berliner Mauer war weit mehr als ein Bauwerk. Sie wurde zum Symbol der konfliktreichen Nachkriegsordnung und des Kalten Krieges. [1] Auch die Bundeszentrale für politische Bildung bezeichnet sie als das symbolträchtigste Bauwerk des Kalten Krieges. [3]

Für die einen stand sie für Macht, Abschottung und Kontrolle. Für die anderen war sie ein Mahnmal der Unfreiheit. Sie zeigte der Welt, wie tief Europa politisch und ideologisch geteilt war.

Besonders tragisch ist, dass die Mauer nicht nur Städte und Staaten trennte, sondern Menschenleben kostete. Mindestens 140 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. [1][3]

Erinnerung heißt Verantwortung

Der 65. Jahrestag des Mauerbaus ist kein Anlass für bloße Rückschau. Er ist eine Erinnerung daran, dass Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Bewegungsfreiheit nicht selbstverständlich sind. Die Geschichte der Berliner Mauer zeigt, wie wichtig es ist, politische Freiheit zu schützen und autoritäre Entwicklungen früh ernst zu nehmen.

Gleichzeitig erinnert dieser Tag an den Mut vieler Menschen: an diejenigen, die Widerstand leisteten, die Flucht wagten, die getrennte Familien zusammenhielten und die später friedlich für Veränderung eintraten.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Ihr Fall wurde zu einem Symbol der friedlichen Revolution in der DDR und der Überwindung der deutschen Teilung. [4]

Was bleibt

Von der Berliner Mauer stehen heute nur noch einzelne Abschnitte. Doch ihre Geschichte bleibt präsent: in Gedenkstätten, in Familienerzählungen, in Schulbüchern und im öffentlichen Bewusstsein. Besonders die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße gilt heute als zentraler Erinnerungsort. [4]

65 Jahre nach dem Mauerbau lautet die wichtigste Botschaft: Mauern entstehen nicht nur aus Beton. Sie entstehen auch durch Misstrauen, Angst, Propaganda und die Missachtung menschlicher Freiheit. Umso wichtiger ist es, Geschichte wachzuhalten.

Denn Erinnerung ist nicht nur ein Blick zurück. Sie ist auch eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft.




Deutschland, das kontaktlose Museum

Es gibt Länder, in denen man eine Straßenzeitung, einen Espresso, eine Parkbank-Spende und vermutlich auch den Ablass in der Kirche kontaktlos bezahlen kann. Und dann gibt es Deutschland: das Land, in dem man im Jahr 2026 mit einem Smartphone in der Tasche, einer Smartwatch am Arm und einer App für den Kühlschrank vor der Bäckerei steht — und an der Kasse erfährt, dass technologische Zivilisation leider erst ab 10 Euro beginnt.

Nicht falsch verstehen: Natürlich kann man in Deutschland bargeldlos bezahlen. Die Bundesbank sieht sogar, dass Kartenzahlungen und mobiles Bezahlen deutlich zunehmen; Bargeld bleibt aber weiterhin sehr präsent, und gerade kleinere Betriebe sowie Dienstleister sind noch nicht überall auf der Höhe der digitalen Bezahlromantik. [1][2]
Mit anderen Worten: Wir sind auf dem Weg in die Zukunft. Nur eben mit Zwischenstopp am Geldautomaten.

„Kartenzahlung? Heute leider nicht.“

Dieser Satz hat in Deutschland ungefähr denselben kulturellen Stellenwert wie „Da könnte ja jeder kommen“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht“. Er fällt bevorzugt in Situationen, in denen man keine Münzen dabeihat, hinter einem bereits drei Menschen schnaufen und die Verkäuferin einen anschaut, als hätte man gerade gefragt, ob man mit Muschelgeld aus dem Club Robinson zahlen darf.

Man hebt entschuldigend das Handy.
Sie hebt entschuldigend die Augenbraue.
Die Kasse schweigt.
Die Republik hält den Atem an.

Dann kommt die Diagnose: „Nur bar.“

Nicht etwa „Unser Terminal ist gerade defekt“. Nicht „Die Verbindung ist instabil“. Nein. „Nur bar“ — als Geschäftsmodell, Haltung und Weltanschauung.

Bargeld: das deutsche Sicherheitsgefühl in Scheinen

Bargeld ist hierzulande nicht einfach ein Zahlungsmittel. Es ist ein emotionales Unterstützungsprogramm. Ein Stück geprägte Privatsphäre. Ein analoger Talisman gegen Gebühren, Stromausfälle, Datenkraken und die Zumutung, dass ein Cappuccino einfach schnell bezahlt werden könnte.

Natürlich gibt es gute Gründe für Bargeld: Datenschutz, Unabhängigkeit, Kontrolle. Niemand will in einer Welt leben, in der jede Kugel Stracciatella ein Datensatz ist. Aber zwischen „Bargeld soll bleiben“ und „Kartenlesegeräte sind ein Hexenwerk“ liegt ein ziemlich breiter Bürgersteig.

Und auf diesem Bürgersteig steht dann jemand mit einer Obdachlosenzeitung in einem anderen Land, hält ein kleines Kartenterminal hin und sagt: „Kontaktlos geht auch.
Während man in Deutschland im Café noch fragt, ob Kartenzahlung „ausnahmsweise“ möglich sei — als wolle man ein Pferd im Gastraum parken.

Die große deutsche Bezahl-Choreografie

Der typische Bezahlvorgang läuft so ab:

  1. Man fragt extrem vorsichtig: „Kann ich mit Karte zahlen?
  2. Die Stimmung kippt minimal.
  3. Jemand zeigt auf ein handgeschriebenes Schild: „Kartenzahlung ab 15 €“.
  4. Man bestellt spontan noch ein Croissant, ein Barolo für €60,- oder vielleicht gar eine kleine Eigentumswohnung.
  5. Das Terminal wird unter der Theke hervorgeholt wie ein archäologischer Fund.
  6. Es piept.
  7. Alle sind erleichtert, aber niemand sagt es laut.

Besonders schön ist die Variante „Kartenzahlung ja, aber nicht mit Kreditkarte“. Oder „Karte ja, aber kein Handy“. Oder „Handy ja, aber nur wenn der Chef da ist“. Deutschland hat aus dem einfachen Vorgang des Bezahlens eine Art Escape Room gemacht.

Digitalisierung — aber bitte laminiert

Wir digitalisieren natürlich. Sehr sogar. Wir haben Apps, Portale, QR-Codes, Onlineformulare, Zwei-Faktor-Authentifizierung, elektronische Patientenakten und digitale Parkscheine. Aber an der Imbissbude heißt es dann: „Der Chef möchte das nicht.

Der Chef, diese mythische Figur des deutschen Zahlungsverkehrs. Er erscheint selten persönlich, wirkt aber überall. Er entscheidet, ob Apple Pay akzeptiert wird. Er kennt jemanden, der mal Gebühren zahlen musste. Er besitzt vermutlich einen Drucker mit Faxfunktion und ein sehr klares Bauchgefühl.

Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?

Das Faszinierende ist ja: Viele Kundinnen und Kunden wollen einfach bezahlen. Schnell, sauber, ohne Kleingeldsuche in der Manteltasche von 2018. Die Technik existiert. Die Nachfrage existiert. Die Geräte existieren. Sogar die Menschen, die sie bedienen könnten, existieren.

Und doch stehen wir regelmäßig da wie Zeitreisende aus der Zukunft, die in einem Dorf des 18. Jahrhunderts mit NFC winken.

„Ich würde gern zahlen.“
„Haben Sie es passend?“
„Ich habe ein Telefon, das mein Gesicht erkennt.“
„Also nein.“

Fazit: Deutschland braucht keine Revolution. Nur ein Terminal.

Niemand verlangt, dass Bargeld abgeschafft wird. Niemand möchte die Oma zwingen, ihren Wochenmarkt-Einkauf mit Bitcoins zu begleichen. Es geht um Wahlfreiheit. Um Alltagstauglichkeit. Um die kleine Utopie, dass man einen Kaffee bezahlen kann, ohne vorher eine Bankfiliale zu suchen.

Vielleicht ist das die deutsche Version von Fortschritt: nicht, dass etwas möglich ist — sondern dass es irgendwann nicht mehr als Zumutung gilt.

Bis dahin tragen wir weiter Karte, Handy, Smartwatch und Bargeld mit uns herum. Nicht aus Überzeugung. Sondern aus Erfahrung.

Denn in Deutschland weiß man nie, ob man gerade einkauft — oder an einer historischen Nachstellung teilnimmt.




Mehr LKW wegen Niedrigwasser

Wegen des Niedrigwassers in deutschen Flüssen lockern mehrere Bundesländer das Sonntagsfahrverbot für bestimmte Lkw-Transporte. So sollen Güter, die Binnenschiffe derzeit nur eingeschränkt transportieren können, kurzfristig auf die Straße verlagert werden. [1][2]

Das klingt pragmatisch. Ist es aber nur begrenzt.

Denn die zentrale Frage bleibt: Wer soll diese zusätzlichen Fahrten übernehmen? Die Lockerung des Fahrverbots schafft keine neuen Fahrerinnen und Fahrer. Sie verschiebt lediglich Fahrten auf den Sonntag. Der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik weist darauf hin, dass Fahrer wegen der Lenk- und Ruhezeiten dann an anderen Tagen pausieren müssten. Die verfügbare Lenkzeit steigt also nicht, sie wird nur anders verteilt. [3][4]

Hinzu kommt der ohnehin massive Personalmangel. Nach Angaben des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen fehlen bundesweit rund 140.000 Lkw-Fahrer. [5] Wer in dieser Lage den Sonntag zur zusätzlichen Transportreserve erklärt, belastet eine Branche und Menschen, die längst am Limit arbeitet.

Auch die Mengenverhältnisse sprechen gegen überzogene Erwartungen. Ein Binnenschiff kann mehrere tausend Tonnen Ladung transportieren. Dafür wären je nach Fracht Dutzende bis Hunderte Lkw nötig. [5][6] Die Straße kann also punktuell entlasten, aber sie ersetzt keine leistungsfähige Binnenschifffahrt.

Die Maßnahme ist deshalb eher ein Notventil als eine Lösung. Sie kann wichtige Transporte vorziehen und Engpässe abmildern. Sie löst aber weder den Fahrermangel noch die Abhängigkeit von überlasteten Verkehrswegen. Im Gegenteil: Sie droht, die Last der Krise auf Fahrer, Speditionen und Autobahnen abzuwälzen.

Wer Niedrigwasser ernst nimmt, braucht mehr als Sonntagsfahrten. Nötig sind robuste Lieferketten, bessere Schienenkapazitäten, eine anpassungsfähige Binnenschifffahrt und vor allem attraktivere Arbeitsbedingungen im Straßengüterverkehr.

Fazit: Die Lockerung des Sonntagsfahrverbots mag kurzfristig helfen. Als politische Antwort auf die Niedrigwasserkrise ist sie zu klein gedacht. Mehr erlaubte Fahrzeiten bedeuten noch lange nicht mehr verfügbare Fahrer.




Klein Montmartre – Kunst in Krefeld-Fischeln

Zufriedenheit – Goldblättchen vom 08.08.2026

Your whisper tells a secret
Your laughter brings me joy

Even In the Quietest Moments, Supertramp, 1977


Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um sich wie in einer kleinen Künstlerkolonie zu fühlen. Am 08.08.2026 hat Krefeld-Fischeln genau das bewiesen: Rund um die Mariensäule verwandelte sich das Viertel für einen Tag in ein echtes “Klein Montmartre” – mit Staffeleien, Farbe an den Fingern und jeder Menge kreativer Energie in der Luft. Organisiert wurde dieses Event vom Bürgerverein Krefeld Fischeln.

Ein Markt voller Ideen

Schon von Weitem erkannte man die bunten Stände, an denen lokale Künstlerinnen und Künstler ihre Werke präsentierten – von zarten Aquarellen über kräftige Acrylbilder bis hin zu handgefertigtem Kunsthandwerk. Es war einer dieser Tage, an denen man eigentlich “nur mal schauen” wollte und dann doch von Stand zu Stand gezogen wird, weil überall etwas Neues zu entdecken ist.

Und dann: Liebe auf den ersten Blick

An einem der Stände stand es dann einfach da – ein Bild, das uns sofort in seinen Bann gezogen hat: eine Frau mit Hut, voller Ruhe und Ausstrahlung, mit dem wunderschön treffenden Titel “Zufriedenheit”. Gemalt von der lokalen Künstlerin Dagmar Lingel, strahlt das Werk genau die Gelassenheit aus, die sein Name verspricht.

Wir mussten nicht lange überlegen: Dieses Bild ist wie gemacht für unser Wohnzimmer! Die Farben, der Titel, die Haltung, die stille Freude im Gesicht der dargestellten Frau – alles passt einfach perfekt in unsere eigenen vier Wände. Wir haben ihr sogar sofort einen Namen gegeben – „Katje“.
Manchmal weiß man einfach sofort, wenn etwas “nach Hause” gehört.

Unser heutiges Goldblättchen ✨

So ist “Zufriedenheit” zu unserem Goldblättchen des Tages geworden – dem kleinen, besonderen Fund, der einen ganz normalen Samstag in etwas Besonderes verwandelt. Es ist genau diese Art von Moment, für die sich ein Bummel über einen Kreativmarkt lohnt: nicht geplant, nicht gesucht, aber genau richtig, wenn man es findet.

Danke an alle Künstlerinnen und Künstler, die “Klein Montmartre” in Fischeln zu einem so inspirierenden Ort gemacht haben – und ein ganz besonderer Dank an Dagmar Lingel für ein Bild, das ab sofort einen Ehrenplatz bei uns hat.




Jeff Porcaro: Der Mann, der den Groove atmen ließ

Am 5. August 2026 jährt sich der Tod von Jeff Porcaro zum 34. Mal. Jeff Porcaro, geboren am 1. April 1954 in Hartford, Connecticut, starb am 5. August 1992 und wurde nur 38 Jahre alt. [1]

Es gibt Musiker, die man sofort erkennt, sobald sie einen Ton spielen. Bei Jeff Porcaro reichte oft ein einziger Takt. Nicht, weil er laut sein musste. Nicht, weil er sich in den Vordergrund spielte. Sondern weil sein Schlagzeugspiel etwas hatte, das viel seltener ist als Technik: Haltung, Geschmack und ein unglaubliches Gefühl für den Song.

Porcaro war Gründungsmitglied und Schlagzeuger von Toto, der Band, die mit Songs wie „Hold the Line“, „Rosanna“ und „Africa“ Pop- und Rockgeschichte schrieb. Zugleich war er einer der gefragtesten Sessiondrummer seiner Generation. AllMusic beschreibt ihn als einen der höchst angesehenen Studio-Schlagzeuger im Rock von Mitte der 1970er bis in die frühen 1990er Jahre und schreibt, dass der Sound des Mainstream-Pop/Rock-Drummings der 1980er Jahre zu einem großen Teil der Sound von Jeff Porcaro gewesen sei. [1]

Was Jeff Porcaro so besonders machte, war nicht nur Präzision. Viele Drummer spielen präzise. Bei ihm klang Präzision menschlich. Seine Grooves hatten Luft, Wärme und Bewegung. Sie wirkten nie mechanisch, sondern immer so, als würde das Schlagzeug mit der Musik sprechen. Er konnte einen Song antreiben, ohne ihn zu überladen. Er konnte Spannung erzeugen, ohne sich aufzudrängen. Und er verstand, dass ein großartiger Drumtrack nicht beweisen muss, wie gut der Schlagzeuger ist. Er muss beweisen, wie gut der Song ist.

Schon früh war Musik Teil seines Lebens. Sein Vater Joe Porcaro war ein renommierter Schlagzeuger und Lehrer, und auch Jeffs Brüder Steve und Mike wurden professionelle Musiker. [1] Paiste nennt als Stationen seiner Karriere unter anderem Aufnahmen und Tourneen mit Seals and Crofts, Boz Scaggs und Steely Dan. [2] Gerade diese Mischung aus Familienprägung, Studioerfahrung und musikalischer Offenheit machte Jeff Porcaro zu einem Drummer, der fast jedes Genre bedienen konnte, ohne seine eigene Handschrift zu verlieren.

Sein Name ist für viele Schlagzeuger bis heute untrennbar mit „Rosanna“ verbunden. Der berühmte Groove aus Toto IV gilt als Paradebeispiel für musikalische Kontrolle, Dynamik und Timing. „Rosanna“ ist kein Schlagzeugsolo im klassischen Sinne, aber für Drummer ist es ein Lehrstück: Wie spielt man komplex, ohne kompliziert zu wirken? Wie erzeugt man Bewegung, ohne den Song zu zerdrücken? Wie bringt man Technik zum Grooven?

Doch Porcaros Vermächtnis ist größer als ein einzelner Groove. Er spielte auf unzähligen Aufnahmen mit, unter anderem werden in seiner Diskografie Arbeiten mit Künstlern wie Michael Jackson, Elton John, Don Henley, Warren Zevon, Rickie Lee Jones und Bruce Springsteen genannt. [2] Wer Pop- und Rockmusik der 1970er und 1980er Jahre hört, begegnet Jeff Porcaro deshalb oft, auch wenn sein Name nicht immer auf dem Cover steht.

Vielleicht liegt genau darin seine Größe. Jeff Porcaro war kein Drummer, der ständig „Schaut her!“ rief. Er war einer, der sagte: „Hört hin.“ Sein Spiel lehrte, dass Zurückhaltung keine Schwäche ist. Dass Groove mehr bedeutet als Tempo. Dass ein Song manchmal genau dann am stärksten wird, wenn jeder Musiker weiß, wann er Platz lassen muss.

34 Jahre nach seinem Tod wirkt Jeff Porcaro nicht wie eine Figur aus einer vergangenen Ära. Sein Einfluss lebt in Studios, Proberäumen und auf Bühnen weiter. In jeder Diskussion über Feel, Timing und songdienliches Spiel fällt früher oder später sein Name. Und wenn junge Drummer heute versuchen, den Geist seiner Grooves zu verstehen, lernen sie nicht nur Schlagzeug. Sie lernen Musikalität.

Jeff Porcaro hat den Groove nicht erfunden. Aber er hat gezeigt, wie tief er atmen kann.

Hier das Video zu „Can You Hear What I‘m Saying“ aus dem Jahr 1990, wo Jeff Porcaro mit seinem ebenfalls verstorbenen Bruder Mike Porcaro einen unglaublichen Groove zaubert.