Mein Album 2016

Leute, die wie ich in den 80er Jahren groß geworden sind, können mit dem Begriff “Album” noch etwas anfangen. Als unsere Heroen etwas Neues herausbrachten, gab es zunächst eine Single, später dann ein Album, von dem wir es kaum erwarten konnten, es in den Händen zu halten, bzw. es auf den Plattenteller zulegen.
Leider sind diese “Alben” heutzutage aus der Mode gekommen und den Playlisten auf Spotify und Apple Music gewichen. Jeder kann so seine Lieblingssongs aneinanderreihen. Ein Argument dafür ist sicherlich der technische Fortschritt, nicht weniger jedoch die Tatsache, dass kaum jemand noch richtige “Alben” produziert.

Eines davon entdeckte ich Mitte des Jahres 2016 mehr oder minder zufällig auf Bandcamp, einer Seite, auf der jeder seine Musik feilbieten kann. Das Album heißt “Atlas” und stammt von FM-84 und ist der Kategorie “Retrowave” zuzuordnen.

Das hörte sich schon mal vielversprechend an, da ich sowohl 80er Synth-Pop und die Sonne Kaliforniens mag.
Auf dem Album befinden sich sowohl Instrumentalstücke als auch Songs mit Gesang von unterschiedlichen Sängern, u.a. Clive Farrington von der 80er Jahre Band “When In Rome”.
Schon die ersten Takte des Eröffnungsstückes “Everything” machen klar, wohin die Reise geht. Knallige Drums mit viel “Gated Reverb”, wie ihn Phil Collins bei “In The Air Tonight” das erste mal nutzte. Sein Ingenieur Hugh Padgham erfand diesen mehr oder weniger zufällig bei den Aufnahmen des Stückes im Londoner Townhouse Studio, guckst hier.
Nach wenigen Takten findet man sich auf einer imaginären Reise über die Boulevards von Los Angeles bis an die Strände von Santa Monica, an denen man dann einen standesgemäßen Sonnenuntergang genießt.

Die Qualität der Stücke ist gleichbleibend konstant, man erkennt keine Ausreißer oder Lückenfüller. Ein Highlight ist zweifelsohne der Song “Running In The Night”, auf dem der britische Sänger Ollie Wride aus Brighton den Gesang beisteuert. Das Stück ist absolut charttauglich und wäre das zweifelsohne auf 30 Jahre vorher gewesen, was für die Qualität des Sängers und des Stückes spricht.

Das zweite Highlight für mich ist der letzte Song des Albums, “Goodbye”, bei dem der o.g. Clive Farrington den Gesang beisteuert. Würde man eine Zeitreise zurück in der 80er Jahre machen, würde dieser Song in Filmen wie “Top Gun” oder “Footloose” zuweilen eine bessere Figur machen, als das damalige Material.
Nach 11 Titeln und rund 47 Minuten ist dieses wunderschöne Album leider zu Ende.
Was bleibt, ist das beruhigende Wissen, dass es noch Musiker gibt, die wissen, wie man ein gutes Album produziert, das man von vorne bis hinten in einem Stück durchhören kann, das trotz der unterschiedlichen Gastmusiker wie aus einem Guss wirkt und das absolut professionell klingt. Col Bennet, der hinter FM-84 steckt, ist Schotte, den es nach Kalifornien verschlagen hat und dieses Album mit Ableton Live und diversen Softwareinstrumenten am Rechner erstellt hat. Das ist der Lauf der Zeit, doch ist hier die Stimmung und Atmosphäre der 80er Jahre perfekt eingefangen worden. “Atlas” sieht manche Produktionen, die unter der Prämisse “Wir machen jetzt mal was mit Retro-Equipment, dann klingt es nostalgisch” nichtmals im Rückspiegel, so weit vorne ist es.
Beide Daumen für meinen Favorit aus 2016.

Hier noch das offizielle Video zu “Running In The Night” – danach möchte man eigentlich nur im stilechten DeLorean den Mulholland Drive zum Strand nach Santa Monica fahren.




Hallo, ich bin ein Mac

 

Vor zehn Jahren startet Apple die Kampagne “Get a Mac” – “Hallo, ich bin ein Mac” und “Hallo, ich bin ein PC”.
Diese Clips zeigten auf humorvolle Weise, warum ein Mac dem PC voraus ist. Entscheidend war auch der Zeitpunkt, da Windows XP durch Windows Vista ersetzt wurde und der Kampagne dadurch zu noch mehr Erfolg verhalf.

Ich glaube, die Kampagne wäre schon ein oder zwei Jahre früher zu Ende gewesen, wenn Vista nicht so ein absoluter Mist gewesen wäre. Da war ja wirklich eine Sache schlechter als die andere und gab uns noch viel Futter.

Jason Sperling, Creative Director

Im nachfolgenden knapp 37-minütgen YouTube-Clip kannst Du sämtliche Folgen der Kampagne in englischer Sprache sehen. Auch nach zehn Jahren noch sehenswert.




John Lennon

Heute jährt sich zum 36. Mal der Todestag von John Lennon.

Am Abend des 8. Dezember 1980 arbeiteten John Lennon und Yoko an der endgültigen Abmischung der Yoko Ono-Komposition Walking on Thin Ice im Record Plant-East-Studio. Sie kehrten erst um 22:48 Uhr zum Dakota Building, in dem sich die Wohnung der beiden befand, zurück. Entgegen seiner Gewohnheit gab John Lennon seinem Fahrer die Anweisung, ihn und Yoko Ono vor dem Haus aussteigen zu lassen. Nachdem sie am Torbogen des Dakota-Gebäudes vorbeigegangen waren, schoss der Attentäter Mark David Chapman aus etwa sechs Metern Entfernung mit einem Revolver auf John Lennon.  John Lennon war noch bei Bewusstsein, als er ins Roosevelt General Hospital gefahren wurde, erlag aber um 23:07 Uhr seinen schweren Verletzungen.

Hier ein Video mit meinem Lieblingslied von John Lennon:




Owner Of A Lonely Heart

Jeder kennt den Klassiker “Owner Of A Lonely Heart” von Yes aus dem Jahr 1984. Knallige Rocksounds, gesamplete Orchester-Hits und Jon Anderson’s engelsgleiche Stimme.
Hier gibt’s eine Version im “Retrowave”-Gewand. Geblieben ist nur Jan Anderson’s tolle Stimme, trotzdem ein sehr stimmiger Remix von Mitch Murder.

Mehr “Retrowave” gibt es auf diesem YouTube-Channel.

 




La Passione

Chris Rea war in seiner Kindheit ein großer Fan des 1961 verunglückten deutschen Rennfahrers Wolfgang Graf Berghe von Trips und verarbeitete 1997 in einem Film Teile seiner eigenen Familiengeschichte mit Bildern aus dem Leben seines Helden. Bei unserem Besuch am vergangenen Sonntag im Museum Villa Trips gab mir Scuderia Colonia Schatzmeister Hans-Paul Beginn den Hinweis, dass es das Original nicht auf DVD gibt, aber dass es eine sehr schöne Box bei Amazon gibt, die unter anderem eine Neufassung des Films, eine Dokumentation mit raren Bildern und Filmen von Wolfgang von Trips und 2 CD’s mit Musik von Chris Rea enthält.

Die Neuauflage von La Passione ist ein grandioses Buch mit phänomenalen Biledern, die mit großer Liebe zum Detail zusammengestellt wurden. Das Buch enthält einfühlsame Texten, Kunst und Fotografien, bei denen Freunde historischer Ferrari-Fahrzeuge in Verzückung geraten dürften.
Im Vergleich zur Original-Version vervollständigen neues Bild- und Filmmaterial aus den persönlichen Archiven des Grafen Berghe von Trips sowie neue Musik die packende Dokumentation über den “Count Crash”, wie er oft genannt wurde.

Die Songs sind sehr harmonieverliebt, groß und breit orchestriert und mit einer melancholischen Note versehen. Die Musik ist ein Tribut an  die italienische Operntradition und ihren großen Komponistent. Highlights sind Songs wie Girl In A Sportscar oder Only To Fly. Leider fehlt das sagenhafte “Shirley, Do You Own A Ferrari?”, was offensichtlich lizenzrechtliche Grüne hat. Angesichts der opulenten Aufmachung des gesamten Werkes läßt sich das gerade noch verschmerzen.

Der Hörer und Zuschauer trifft hier auf eine Welt, die es so nicht mehr gibt, die gewiss viel verklärt, das jedoch in wunderschönen Klängen und Bildern. Man darf dabei sein, wie die Träume eines kleinen Jungen aus England auf die glamouröse Welt des Motorsports treffen.

 



Touch the Mac

Am 27.Oktober 2016 lud die Firma Apple unter dem Motte „Hello again“ zur Präsentation neuer Mac Hardware.
Soweit, so gut, viele behaupteten, es wurde Zeit, insbesondere da Microsoft tags zuvor ein neuen Desktop Computer vorstellte, der designmäßig nicht ganz von der Hand zuweisende Parallelen zum iMac hat. Selbstverständlich läßt sich das komplette Teil mit Touch Gesten bedienen. Über SInn und Zweck dieser Geschichte braucht man keine Worte zu verlieren, da dieses Teil für mich, insbesondere auf Grund Windows 10 nicht im Geringsten in Betracht gezogen wird.

Wer nun von den Apfelbauern einen neuen iMac, Mac mini oder gar einen neuen Mac Pro erwartet, der wurde aufs Bitterste enttäuscht. Es gab nur MacBooks. Pro. Dünner, leichter, schneller, kraftvoller. Und anfaßbar.
Was muss man sich darunter vorstellen? Schließlich bekam das Wort „Touch“ an diesem Abend eine inflatioäre Bedeutung.
Nun, dem neuen MacBook Pro wurden die Funktionstasten kastriert. Substituiert werden sie von einem „Surprise and Delight“-Feature namens Touch Bar.
Das ist ein kleine Bildschirmleiste im Retina-Format, die kontextabhängig Funktionstasten zur Verfügung stellt und auf den Namen „Touch Bar“ hört. Das mutet zunächst relativ unspektakulär an, von einigen ist diese Touch Bar auch schon als „Emojicon Bar“ degradiert worden.
Craig Federighi spielte damit zunächst etwas in den Apple eigenen Programmen herum und man bekam einen ersten Vorgeschmack.
Ernst wurde es, als dann die „Pro“-Vorführung begann. Eine Dame von Adobe, die vom Outfit her eher zu „Bauer sucht Frau“ gepaßt hätte, zeigte jedoch auf eindrucksvolle Art, was man mit dieser Touch Bar in Photoshop anfangen kann. Man malt beispielsweise mit dem im Verglich zu den Vorgängermodellen doppelt so großen Touch Pad und über die Touchbar justiert man die Farbe nach. Man kann also richtig malen mit dem Teil.
Im Anschluß daran gab es noch eine Vorführung mit einem DJ-Programm. Die Touch Bar macht aus dem Programm und dem Mac dann ein richtiges Instrument, mit dem man „performen“ kann, wie man heute sagt.

Natürlich müssen die Programme auf diese Touch Bar angeglichen werden, ich male mir gerade aus, wie das in Garage Band oder gar Logic aussieht, bzw. wie es sich anhört. Dann kann aus dem MacBook Pro in der Tat ein Instrument werden.
Oder ein Malbuch, oder ein Schnittplatz mit ordentlicher Haptik für’s Urlaubsvideo.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dererlei mit einem Surface möglich ist …

Mich hat diese ganze Vorstellung schon ziemlich begeistert. Es gibt immer noch Leute, die ein Laptop mit der Maus bedienen. Das war bei den alten MacBooks mit Touch Pad schon obsolet. Mit der Touch Bar erfährt man eine ganz andere Haptik! Meiner Ansicht nach um Längen besser als ein Windows-System auf Mobilgeräten, was „einfach“ nur mit den Fingern bedient wird. Das geht meiner Meinung nach nur schief …

Auch wurden bei den neuen Macs wieder ein paar alte Zöpfe abgeschnitten. Zunächst einmal ist der Apfel im Deckel nicht mehr beleuchtet. Gut, dieses Phallus-Symbol braucht nicht jeder. Viel schwerwiegender erscheint das der Wegfall des MagSafe-Anschlusses für das Ladekabel. Aber mal erhlich, wer sitzt am MacBook und hat das Ding am Stromnetz hängen. Das mag bei Geräten mit 4 Stunden Batterielaufzeit ein Argument sein. Mein MacBook Pro aus 2012 schafft 6 Stunden Hardcore-Lightroombearbeitung locker. Nebenbei dudelt dann auch noch iTunes und Fazebook in der Menuleiste. Darüber hinaus gibt es nur noch USB-C Anschlüsse – die Adapterindustrie wird’s freuen. In ein paar Jahren kräht danach wahrscheinlich kein Hahn mehr. Das einzige Teil, das ich an mein MacBook hängen muß, ist dann ein Kartenleser, da auch dieser beim neuen MacBook Pro wegfällt.

Enttäuscht wurden die Desktop-Fraktion. Außer dem MacBook nix Neues aus Kalifornien.

Die Frage, die ich mir stelle, muß ich jetzt enttäuscht sein?

Ich finde, ich muß es nicht. Ich halte nichts von dem Hype, jedes Jahr ein neues Gerät rauszuhauen. Wer soll das alles kaufen? Insbesondere auf Grund der Tatsache, dass mein iMac mittlerweile fünfeinhalb Jahre auf dem Buckel hat. Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Windows-Zeit so lange einen Rechner benutzt zu haben, vor allem im Hinblick auf Systemupdates. Auf meinem alten Windows Rechner hat Windows 10 die halbe Windows 7 Installation zerschossen, ganz zu schweigen, dass die Netzwerkkarte und das DVD-Laufwerk nicht mehr erkannt werden und ich keinen Bock habe, da stundenlang dran herumzufummeln.

Mein iMac wurde seit OS X 10.7 Lion mit brachialer Konsequenz bis zu macOS Sierra 10.12 lediglich aktualisiert. Kein „Clean-Install“, einfach nur die Aktualisierung drüberbügeln.
Lediglich bei 10.12 zeckte der Treiber für mein Steinberg Audio-Interface. Die anschließende Treiberneuinstallation schaffte hier jedoch kurzfristig Abhilfe. Das ganze System, das wie oben beschrieben jedes Jahr neu gestichen wird, funktioniert anstandslos wie beim ersten Anschließen. Gut, die mechanische Festplatte merkt man, insbesondere, wenn ich vorher am MacBook Pro mit einer SSD gearbeitet habe. Aber auch hier besteht die Möglichkeit, anstatt einer HDD eine SSD zu verwenden, zumal die Preise weit von dem entfernt sind, was vor 2 Jahren aufgerufen wurde. Natürlich ist das bei einem iMac nicht so ein einfaches Unterfangen wie in einem Windows-Rechner. Aber einen Ferrari lasse ich auch in einer Fachwerkstatt warten und reparieren und versuche es gar nicht erst selbst.

Wenn man sich die Preise für die Hardware anschaut, ist das natürlich starker Tobak. Ein iMac, der meinen Vorstelltungen entspricht (27’ Retina mit 2 TB Fusion Drive) kostet stolze 2.500 Kopeken. Da kommt man natürlich ins Grübeln, insbesondere, weil „der Alte“ noch so rüstig ist, trotz des Retina-Displays, dass wohl irgendeinen unsichtbaren Schriftzug mit „Kauf mich doch bitte“ enthalten muss, wenn man es sich im Laden staunend anschaut.

Da gibt es Leute, die bemängeln, dass es den MacPro in seiner momentanen Form bereits seit 2013 gibt. Derjenige, der so ein Gerät braucht, ist schnell bei einem Anschaffungspreis jenseits der 5.000 Euronen angelangt. Auch wenn es professionelle Grafiker oder Musiker sind, die so ein Teil nutzen, so werden sie bestimmt nicht jedes Jahr diese Summe raushauen, um ein nigelnagelneues Gerät zu kaufen, dessen Mehrwert an neuen Features den Preis bestimmt nicht wettmacht. Es gibt `ne Menge Musikstudios, die immer noch mit dem alten MacPro arbeiten und damit rundum zufrieden sind.

Das einzige, was mir auf der Präsentation gefehlt hat, ist eine externe Tastatur mit Touch Bar für die Deskotp Macs. Das Ding hätte ich blind bestellt, Preis egal, Lieferzeit egal.




Classic Days 2016

Alljährlich finden Anfang August in Schloß Dyck die Classic Days statt. Diese finden seit 2006 in Erinnerung an den Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips statt. Die Classic Days sind mittlerweile das größte Ereignis dieser Art auf dem europäischen Kontinent.

Hier ein paar Impressionen:


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Wiedergefunden

Manchmal ist es schön, verloren geglaubtes wiederzufinden.
So auch dieser kleine iPod Mini aus dem Jahr 2003. Als ich im Jahr 2011 umgezogen bin, war dieses kleine Teil auf einmal unauffindbar.
Im letzten Monat habe ich bei meinen alten Sachen etwas Ordnung geschafft und ich staunte nicht schlecht, was ich da auf einmal gefunden habe. Meinen allerersten iPod aus 2003, damals extra für den Skiurlaub angeschafft. Nichts geht verloren!

Nach heutigen Maßstäben ist das Ding ein Anachronismus. Ganze 4 GB Speicher bietet das kleine Gerät auf einer mechanische Festplatte. Heutzutage kommt man nichtmals mit einem 16 GB iPhone aus!
Natürlich wollte ich wissen, ob das Teil noch funktioniert. Es hat mir 4 Jahre lang, bis 2007, treue Dienste erwiesen, danach folgte der iPod Classic mit satten 30 GB Speicherkapazität.

Nun, warum habe ich gezweifelt, es ist ein Apple-Gerät. Natürlich hat es noch funktioniert, lediglich die Batterie war total leergelutscht. Schließlich war er fast neun Jahre nicht im Gebrauch.

Was tut man nun mit einem solchen Museumsstück?

Es gibt viele Einsatzmöglichkeiten. Wir fahren zuweilen gerne in die Mediterrana, eine öffentliche Sauna. Natürlich kann und will ich dort nicht auf Musik in der Ruhephase verzichten. Nutzt man dazu ein iPhone, ist man dort Letzter. Alles , was eine Kamera hat, ist dort natürlich verboten. Da hilft so ein Teil …




OS X “El Capitan”

Am 30.September 2015 war es endlich soweit: Apple hat Version 12 des Betriebssystems OS X veröffentlicht; Codename „El Capitan“. Die Vorfreude war groß, wurde es doch von vielen Betatestern als Turbo für ein langsame OS X „Yosemite“ angebpriesen.
Die Neuerungen halten sich in Grenzen, Veränderungen fanden fast ausschließlich unter der Haube statt. Diese jetzt aufzuzählen, spare ich mir, wer die noch nicht kennt, der googlet mal schnell oder klickt im Finder -> Hilfe -> Neues in OS X.

Ende September, also kurz vor dem Erscheinen von „El Capitan“ flogen dann die Hiobsbotschaften in mein Email-Postfach.

Die Software von Native Instruments funktioniert nicht unter Logic und Steinberg’s Cubase wurde erst gar nicht für „El Capitan“ freigegeben. Ebenso äußerte sich der französische Hersteller für Softwareinstrumente, die Firma Arturia.
Da fragt man sich allen Ernstes, was diese Firmen während der fast viermonatigen Testphase getestet haben. Verstehen könnte man es, wenn es sich um Freeware handeln würden, aber das KOMPLETE-Paket von Native Instruments kostet immernhin knapp stolze 1.000 Euro und nicht wenige Leute schwören immer noch auf den Mac als Audio-Workstation. Da kann einem wirklich jeglicher Sinn für Humor abgehen.
Immerhin gibt es im Internet entsprechende Kniffe, wie es dann doch funktioniert. Dazu später mehr.

Schaut man sich im App-Store und im Internet entsprechende Berichte an, kommen noch mehr Hiobsbotschaften. Von abgebrochenen Installationen bis zum völligen Versagen ist hier teilweise die Rede. Das Verasgen äußert sich bei manchen Benutzern darin, dass der Mac mit „El Capitan“ nach einem Neustart nicht wieder hochfährt. Abhilfe schafft hier nur ein Backup aus der Time Machine, was einen wieder bei OS X „Yosemite“ landen läßt. Bravo!
Andererseits gibt es überwiegend positive Reaktionen, vor allem was die Geschwindigkeit und Stabilität des Systems anbelangt.

Den Mutigen gehört die Welt, also drückte ich am Samstag Nachmittag im App Store einfach mal auf aktualisieren.
Der iMac war nun für den Rest des Tages beschäftigt. Der Download des ca. 6 GB großen Installationspaketes zog sich wie Wagner’s „Ring der Nibelungen“. Nach zweieinhalb Stunden war der Rechner dann soweit und verlangte nach einem Neustart, um „El Capitan“ zu installieren. Ich gab grünes Licht und der iMac startete neu.
Der Installationsbildschirm sieht nun etwas ander aus. Der graue Apfel erscheint und darunter weist ein Balken darauf hin, wie lange die Installation noch dauert. Erst einmal tat sich minutenlang überhaupt nichts, was mich schon Böses erahnen ließ. Dann tauchte der Balken auf und meinte, in 30 Minuten wäre „El Capitan“ bereit zum Auslaufen. Aus den 30 Minuten wurden nach einer halben Stunde dann 47 Minuten und nach einer Stunde sind wir erst einmal auf eine Geburtstagsparty gegangen.

Gegen 00:30 Uhr waren wir wieder zu Hause und mein iMac präsentierte den Log-In Screen, auf dem schon „El Capitan“ in seiner ganzen Pracht durchschimmerte. OK, das war schon mal der erste Schritt – die Installation hat also geklappt.
Beim ersten Durchprobieren hat alles funktioniert, lediglich Mail brach bei dem Versuch ab, die Datenbank zu migrieren. Ein erneuter Start des Programms startete einen neuen Versuch, der von Erfolg gekrönt war. Lediglich sämtliche Passwörter für die diversen Postfächer mussten neu eingegeben werden. Wenn das alle ist, ist es ok.

Am Sonntag Morgen kam dann der „Elchtest“. Rechner ausschalten und neu starten und schauen, ob sich o.g. Problem bei meinem iMac auch zeigt. Schließlich ist dieser bereits 4 Jahre alt und sämtliche Betriebssystem-Updates wurden einfach gnadenlos auf die bestehende Installation (OS X „Lion“) „drübergebügelt“. Kein „Clean-Install“, kein gar nix.
Der Start von einen mechanischen Festplatte dauert beim Mac immer seine Zeit, so auch hier. Nach einer kurzen Zigarettenlänge war der iMac jedoch wieder da, wo ich ihn vor ein paar Minuten ausgeschaltet habe.
Wunderbar. Alles ist gut.

Spielt man ein wenig mit dem Rechner herum und ruft ein paar Programme auf gelangt man schnell zu der Überzeugung, dass man hier vor einem neuen Rechner sitzt. Wie gesagt, der iMac ist 4 Jahre alt und mit seinen 2,7 GHz bestimmt nicht der schnellste. Was sich hier jedoch an Performance offenbarte, habe ich bis dato bei noch keinem Update erlebt. Flott, zügig, alles ohne Ruckeln. Vom Allerfeinsten! Respekt, Apple. Es muß nicht immer das letzte Gimmick mit den neuesten Killer-Features sein. Zuweilen hilft es auch, dem System einfach ein wenig Beine zu machen. Die Überlegung, einen neuen Mac zu kaufen, werde ich wohl erst einmal auf Eis legen, solange diese Performance anhält.

Natürlich wollte ich nun wissen, ob sich meine Sammlung von Native Instruments-Synthesizer und Effekten unter „El Capitan“ wieder an den Start bringen läßt.
Im Audio-Programm „Logic Pro X“ werden alle Plug-Ins mit einem sog. Plug-In Manager geprüft. Prompt veragten auch alle Native Instruments-Plug-Ins ihren Dienst. War auch nicht anders zu erwarten.

Es gibt jedoch eine Lösung. Der Überltäter sitzt tief im System und heißt „auvaltool“, zu finden im Verzeichnis „usr/bin“.
Bevor man auf „El Capitan“ aktualisiert, sollte man sich aus dem alten System eine Kopie dieses Progrämmchens sichern. Dazu geht man in den Finder und klickt in der Menüleiste auf „Gehe zu“ und dann auf „Gehe zum Ordner“, Tastenjunkies drücken alternativ Umschlag-CMD-G. Anschließend gibt man in dem Dialogfeld „usr/bin“ (ohne Anführungszeichen) ein und gelangt zu dem gewünschten Ordner. Ich habe mir einfach das „auvaltool“ auf den Desktop gezogen.

Anschließend startet man den Mac im Recovery-Modus. Nach dem Einschalten wird dazu einfach die Tastenkombination CMD+R gedrückt. Der Mac startet nun im Wiederherstellungsmodus. Ist dieser geladen, ruft man über die Menuleiste das Terminal ein und gibt folgenden Befehl ein:
csrutil disable

Dieser Befehl schaltet die „System Inegrity Protection“ aus. Danach startet man den Rechner neu.
Anschließend wird das vom alten System kopierte „auvaltool“ in den o.g. Ordern “/usr/bin“ kopiert. Sicherheitshalber sollte man sich das neue „auvaltool“ aus „El Capitan“ auf irgendwo hinkopieren, damit man im Zweifelsfall wieder dran kommt.
Abschließend sollte man die „System Inegrity Protection“ tunlichst wieder einschalten. Dazu startet man wieder im Recovery Modus, ruft das Terminal auf und gibt folgenden Befehl ein:
csrutil enable

Nach einem Neustart ruft man dann Logic auf und validiert einfach die zuvor abgelehnten Plug-Ins. Idealerweise funktioniert das auch mit Plug-Ins der Firma Arturia, die, wie oben erwähnt, auch davon abrieten, auf „El Capitan“ zu aktualisieren.
Das ist zwar jetzt alles ein ganzes Stück Windows-Like (Basteln IM Rechner anstatt AM Rechner zu arbeiten, wie Mac-Benutzer es gewohnt sind) – es führt aber letztendlich zum Erfolg. Vielleicht gibt es von Apple beim nächsten Update eine Korrektur des „auvaltool“, damit man sich nicht immer einer solchen Bastelei hingeben muss.
Das bin ich, seit ich den Mac benutze, nämlich überhaupt nicht mehr gewohnt.

Nach diesem Installationsmarathon war nun unser MacBook Pro Retina 13 Zoll an der Reihe, immerhin auch schon 2 Jahre alt. Um auf Nummer Sicher zugehen, lief bereits am Samstag auf dem kleinen Kistchen ein Time Machine Backup.

Der Download auf dem MacBook ging gefühlt doppelt so schnell und die Installation ebenfalls. Auch hier gab es keine Probleme, selbst Mail zeckte nicht herum, fuhr sofort hoch und hatte alle benötigten Email-Konten am Start.
Da das MacBook über eine SSD-Platte verfügt, ist hier der gefühlte Geschwindigkeitszuwachs natürlich nicht so groß wie bei einem Rechner mit mechanischer Festplatte. Das MacBook ist und bleibt einfach pfeilschnell!

Alles in allem ist „El Capitan“, soweit ich es nach ein paar Stunden beurteilen kann, das bisher gelungenste Update auf unseren Macs. Auch wenn man beispielsweise von „Snow Leopard“ auf den Kapitän aktualisiert, wird sich jeder unmeittelbar zurechtfinden und mit dem Mac arbeiten können. Das ist leider, wie ich selbst erfahren musste, bei Windows komplett anders. Wenn man von XP nach Windows 10 aktualisiert, dann trifft einen erst einmal der Schlag und man wird sich vermutlich überhaupt nicht mehr zurechtfinden. Fairerweise muss man aber sagen, dass Windows 10 meinen 5 Jahre alten Rechner ebenso befeuert, wie der Kapitän meinen Mac.




OP-X für den Mac

Den einzigen Wermutstropfen, den der Wechsel von Windows zum Mac hinterlassen hat war, dass ich meinen OP-X Synthesizer der schweizer Firma Sonicprojects nicht mehr nutzen konnte. Es gab ihn nur für Windosen. Zwar gab es einen Workaround dafür, aber der war kompliziert, wenig benutzerfreundlich und richtig Windows-like.

Was ist überhaupt der „OP-X“?
Das ist ein Plug-In für alle gängigen Audio-Workstations, der den legendären OB-X von Oberheim emuliert. Und das richtig gut! Er trieb mir die Tränen in die Augen. Wer den OB-X nicht kennt, der hört sich einfach mal das Intro von Van Halen’s „Jump“ an.
Da hängt der Hammer.
Auch Barclay James Harvest haben das Gerät auf Ihrem Anfang der 80er Jahre erschienenen Album „Turn Of The Tide“ bis zum Erbrechen eingesetzt.

Das Ding ist nichts für knackige Percussion-Sounds, da die Hüllkurven einfach zu lahm sind, aber bei Flächenklängen und schneidenden Sync-Sounds ist das Ding der Knaller.

Jetzt hatten die Entwickler ein Einsehen und haben dieses wunderschöne Stück Software endlich für Mac OS X herausgebracht. Ich könnte heulen vor Freude. Einfach zum Niederknien …