Aus und vorbei

Was würde wohl ein gestandener, eloquenter Experte wie Mario Basler zum Aus der Deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA sagen? Mit Sicherheit nichts Nettes, jedoch viel Wahrheit.

„Wir dürfen jetzt nicht alles schlecht reden, so schlecht waren wir nämlich gar nicht. Wir waren nur miserabel.“

Mario Basler

Deutschland ist raus. Und ganz ehrlich: Wer da von Pech redet, der hat die Spiele nicht gesehen. Das war keine unglückliche Niederlage, das war Arbeitsverweigerung. Da war nix! Kein Feuer, kein Wille, kein gar nix. Schon beim Warmmachen war klar: „Oh je, das wird wieder ein Wellness‑Kick und grünem Tee in der Hydration Break.“

Man gewinnt den Eindruck, die Spieler laufen, als hätten sie einen Schrittzähler, der bei 5.000 Schritten sagt: genug für heute! Da geht keiner mal über die Schmerzgrenze.
Da haut keiner mal dazwischen. Fußball ist ein Kampfsport – aber wir spielen, als wär’s ein ein Tanztee im Grand Hotel des Bains am Lido aus Viscontis „Tod in Venedig“ um 16.00 Uhr nachmittags.
Man kann es jedoch auch so sehen wie unser Bundeskanzler Friedrich Merz, wobei man sich wahlweise fragen kann, ob er das Spiel überhaupt gesehen hat, sein Social-Media Team grenzdebil oder er, respektive vorgenanntes Team sturzbetrunken oder auf Droge waren:

„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

Friedrich Merz auf X

Und so stolperte das Team durch die Gruppenphase wie ein Tourist, der zum ersten Mal in New York versucht, die Subway zu verstehen.

  • Spiel 1: Hoffnungsvoll gestartet, als hätte man die Fußballweisheit neu erfunden.
  • Spiel 2: Ein bisschen wackelig, aber hey, es ist ja noch alles drin.
  • Spiel 3: Und dann der Moment, in dem man merkt: Oh. Wir sind ja schon fast draußen.

Natürlich wird jetzt wieder alles fein säuberlich seziert, wie eine Wasserleiche in der Pathologie, frei dem Motto Mortui vivos docent:

  • „Die Taktik war falsch.“
  • „Der Trainer hat nicht richtig gewechselt.“
  • „Die Spieler waren müde.“
  • „Der Ball war zu rund.“
  • „Die Zeitverschiebung.“
  • „Fast-Food statt Dinkel-Müsli.“

Aber seien wir mal ehrlich: Deutschland bei einer WM ist inzwischen wie ein Blockbuster, dessen Trailer äußerst verheißungsvoll aussieht – und dann kommt der Film raus und man denkt sich: Das war’s? Wirklich? Hoffentlich gibt’s keine Fortsetzung …
Immerhin: Die Mannschaft hat die amerikanische Gastfreundschaft erlebt.

  • Großartige Stadien
  • Perfekte Hotdogs
  • Und die Gewissheit, dass man spätestens vor dem Achtelfinale wieder Zeit für Sightseeing hat

Vielleicht war es ja sogar Absicht. Schließlich ist ein früher Rückflug günstiger, und wer möchte nicht ein paar Tage länger in Los Angeles oder Miami verbringen?

Alle reden wieder über Systeme. 4‑3‑3, 3‑4‑3, 4‑2‑irgendwas. Leute, das ist doch Brainfuck! Wenn du keine Typen hast, kannst du auch mit 8‑1‑1 spielen, das bringt überhaupt nix. Wir haben Spieler, die sehen aus wie Hochglanzmodelle – aber spielen wie Statisten.
Man ist geneigt festzustellen, dass die Jungs mehr mit Selfies beschäftigt waren als mit dem Gegner. Da wird nach dem Spiel gefragt, wo’s die besten Burger gibt. Freunde, ihr seid bei einer WM! Nicht bei „Deutschland sucht den besten Foodtruck“.

Es kommt nun wieder, wie es kommen muss:

  • Es wird wieder eine Taskforce gebildet (Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis – was in der Wirtschaft hilft, hilft auch beim Fußball).
  • Es wird wieder ein Papier geschrieben.
  • Es wird wieder gesagt: „Wir müssen uns weiterentwickeln“.

Wir wollen Spieler sehen, die nach dem Spiel aussehen, als hätten sie einen Kampf gegen einen Rasenmäher verloren. Was wir nicht wollen, sind Spieler, die nach 90 Minuten aussehen, als kämen sie frisch aus der Gesichtsbehandlung oder aus’m Barbershop.

Deutschland ist raus – verdient.
Aber wir können’s besser.
Wir müssen’s nur endlich wieder wollen. Wie das geht, haben Ecuador und Paraguay vorgemacht!
Und wenn wir das hinkriegen, dann reden wir wieder über Titel.
Bis dahin: Malochen. Nicht posen.
Und trotzdem werden wir 2030 wieder sagen:
„Diesmal aber wirklich. Ganz sicher. Hundertprozentig.“

… und wenn jetzt irgendjemand eine Trainerdiskussion lostreten will, … Peter Neururer soll heute bereits vor der DFB-Zentrale in Frankfurt gesichtet worden sein. 🤣

Er sei bereit, sofort zu übernehmen …




Radtour Baarlo-Panningen-Haelen

Baarlo, südwestlich von Venlo gelegen, empfängt Dich mit seinen alten Bäumen am Kasteel D‘Erp und dem leichten Duft von Sommerwiesen um den Ort herum. Die Straßen sind ruhig und beschaulich, ohne Hektik. Schon nach wenigen Minuten spürt man dieses typische Limburg‑Gefühl: alles läuft ein bisschen langsamer, ein bisschen freundlicher, ein bisschen leichter.

Der Weg nach Panningen führt abwechselnd durch offene Felder, die in der warmen Luft flirren, und Waldwege der Heldense Bossen. Das Licht ist weich, die Farben satt. Hier rollt das Rad fast von allein. Man hört nur das Summen der Reifen und das Rascheln der Gräser am Wegesrand.

In Panningen selbst herrscht sommerliche Gelassenheit: Es ist Wochenmarkt, die Menschen sitzen draußen, die zahlreichen Cafés sind gut besucht, man fragt sich kurz, ob man sich nicht einfach dazusetzen sollte. Hier gewinnt man den Eindruck, die Zeit hätte sich kurz hingelegt. Weiterhin fragt man sich, warum man diesen Eindruck bei der Durchreise durch kleine Städchen in Deutschland nicht gewinnt.

Zwischen Panningen und Haelen wird die Landschaft dichter. Auf dem Weg von Roggel nach Haelen führt die Strecke durch Het Leudal. Das Leudal ist ein hoch gelegenes Naturschutzgebiet am Westufer der Maas. Ein ausgedehntes Waldstück spendet Schatten, was bei 26 Grad genau richtig ist.
Haelen wirkt wie ein Ort, der den Sommer besonders gut kann: gepflegte Gärten, ruhige Straßen, ein Hauch von Dorfidylle. In Haelen soll der Legende nach ein ruheloser Geist umgehen: ein Mönch, der einst sein Gelübde brach. Jede Nacht wandert er mit einer Laterne über das Klosterfeld, auf der Suche nach Vergebung. Wer ihm still folgt, soll Frieden finden ‒ wer lacht, verliert sich im Nebel.

Der Rückweg führt zur Maas, an Neer und Kessel vorbei und plötzlich öffnet sich die Landschaft wieder. Das Wasser glitzert, Schiffe und Boote ziehen langsam vorbei, und der Radweg schlängelt sich elegant zwischen Neer und Kessel entlang. Dort fährt man wie durch ein Postkartenmotiv – ruhig, hell, friedlich. Am Aussichtspunkt Musschenberg, einem unsrer Seelenorte an der Maas hat man einen herrlichen, weiten Ausblick über die Maas und die Windmühle De Grauwe Beer südlich von Beesel.

Diese Tour ist trotz knapp 56 Kilometern kein sportlicher Kraftakt, sondern ein Genussweg.
Sie verbindet Dörfer, Felder, Wälder und die Maas zu einem perfekten Sommertag auf zwei Rädern.
Einfach fahren, schauen, fühlen – und am Ende mit einem Lächeln wieder in Baarlo ankommen, auch wenn bisweilen etwas Wind aufkommt. Zwischen Oijen, gegenüber der Schleuse Belfeld und Baarlo ist immer Gegenwind, egal, aus welcher Richtung Du kommst! In Baarlo angekommen, gibt es standesgemäß Friet Mexicano beim Lekkerbek und anschließend noch ein kühles La Chouffe im Café Centraal, 2024 als schönste Sonnenterasse der Niederlande gekürt.

Hier findest Du den Startpunkt der Tour:

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Radtour Baarlo-Panningen-Haelen
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Café Löffelgold

Sizilianisches Brot – Goldblättchen vom 29.06.2026

And no matter where the road may take you
Every time it brings you back to the street cafe
That’s where I have to be

Steet Café, Icehouse, 1982


Heute ist unser erster gemeinsamer Urlaubstag. Auf Grund des etwas milderen Wetters unternahmen wir eine kleine Radtour über Meerbusch, Düsseldorf, am Rhein entlang zurück nach Meerbusch. Im Ortsteil Lank erinnerten wir uns an das Café Löffelgold. Dort hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal hervorragendes, geröstetes sizilianisches Brot gegessen. Warum nicht erneut dort einkehren?

Wer durch Meerbusch schlendert und nach einem Ort sucht, an dem die Zeit ein kleines bisschen langsamer tickt, der landet früher oder später fast automatisch im Café Löffelgold. Es ist einer dieser Wohlfühlorte, die man am liebsten als Geheimtipp für sich behalten möchte – aber ein Tipp, der im Netzt steht, ist selten „geheim“. Ob für ein ausgedehntes Frühstück am Wochenende, ein schnelles Koffein-Investment am Nachmittag oder das dringend benötigte Stück Kuchen: Hier seid ihr richtig.

Das Ambiente: Ankommen und Aufatmen

Schon beim Betreten des Cafés spürt man, dass hier Herzblut im Spiel ist. Die Einrichtung ist eine charmante Mischung aus modernem Clean-Look und gemütlichen Vintage-Elementen. Es wirkt hell, einladend und herrlich unaufgeregt. Perfekt, um mit der besten Freundin stundenlang zu quatschen, ein Buch zu lesen oder einfach nur das bunte Treiben zu beobachten.

Der Wohlfühl-Faktor: Es sind die kleinen Details – die liebevoll arrangierten Blumen, das handverlesene Geschirr und das Lächeln des Teams –, die das Löffelgold von der Masse abheben.

Auf dem Löffel (und der Gabel): Die Highlights

Die Speisekarte hält genau das, was der Name verspricht. Hier wird nicht einfach nur serviert, hier wird genossen.

Das Frühstück: Von klassisch-herzhaft bis hin zu modernen, gesunden Bowls – der Start in den Tag wird hier zelebriert. Die Zutaten sind frisch, die Portionen genau richtig, um glücklich und satt in den Tag zu starten.

Die Kuchenauswahl: Ein absolutes Muss! Die hausgemachten Kuchen und Torten in der Vitrine wechseln regelmäßig und sind oft der Hauptgrund, warum man „nur mal kurz auf einen Kaffee“ vorbeischaut und zwei Stunden später immer noch da sitzt.

Der Kaffee: Hochwertige Bohnen, perfekt zubereitet. Ob Flat White, klassischer Cappuccino oder ein eisgekühlter Latte im Sommer – Kaffeeliebhaber kommen voll auf ihre Kosten.

Wer guten Kaffee schätzt, Wert auf Qualität legt und eine Atmosphäre sucht, die sich anfühlt wie ein Kurzurlaub vom Alltag, der sollte seinen nächsten Spaziergang definitiv hierher verlegen.




Reha in der Eifelklinik

„Well, we’re scared, but we ain′t shakin′
Kinda bent, but we ain’t breakin’“

The Long Run, Eagles, 1979

Einleitung

Das Frühjahr 2026 wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben. Nach einer anstrengenden Zeit im Alltag durfte ich vom 20.März bis 8.Mai sieben Wochen in der Eifelklinik Manderscheid verbringen – eingebettet in die wunderschöne Natur der Vulkaneifel. Rückblickend war dieser Aufenthalt nicht nur eine medizinische und psychologische Maßnahme, sondern eine echte Chance, Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen.

Es kann sein, dass der Text etwas länger wird, für einen kurzen fehlte mir leider etwas die Zeit. Es kann ebenfalls sein, dass das eine oder andere nicht ganz ernst oder ironisch gemeint ist, das Leben ist bisweilen trist genug!

Wenn mir Anfang des Jahres jemand gesagt hätte, dass ich das Frühjahr 2026 damit verbringen würde, meinen Körper zu beugen, meine Seele zu lüften und über die Kunst des richtigen Atmens zu philosophieren, hätte ich vermutlich laut gelacht. Aber tja: Manderscheid und die Eifelklinik hat mich eines Besseren belehrt.

Zunächst beantragte ich auf Anraten meiner Hausärztin nach erneutem Auftreten psychosomatischer Symptome bei der Deutschen Rentenversicherung eine Reha; nach wenigen Wochen kam ein Schreiben, dass die Reha genehmigt wurde und dass ich auserwählt wurde, diese in der Eifelklinik zu Manderscheid zu verbringen. Das war meine Wunschklinik, da ich dort im Jahr 2017 bereits eine Reha absolviert hatte und es mir dort sehr gut gefallen hat.

Zu einem späteren Zeitpunkt bekommst Du dann Bescheid, wann Du die Reha beginnen kannst. Männliche Rehabilitanden (wie wir fortan heißen), die in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgewachsen sind, erinnern sich zwangsläufig an den Einberufungsbescheid zur Bundeswehr. Man bekommt gesagt, wann man sich wo einfinden soll, was man mitbringen muss und was man zu Hause lassen soll. Kleiner Geheimtipp: Man sollte sich daran halten.

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Ankunft

Irgendwann ist dann soweit: Der Tag der Anreise ist da. Nach der Ankunft meldet man sich an der Rezeption und nach einem kurzen Moment wird man von der Patientenaufnahme in Empfang genommen. Das ist in der Regel Frau Otten, der gute Geist der Eifelklinik. Sie nimmt Dir mit ihrer humorvollen Art sofort die Angst, dass es in dieser Klinik zugeht , wie in einem alten Edgar Wallace-Film. Es kommen weder Heinz Drache als knochiger Chefarzt, noch Elisabeth Flickenschild als strenge Oberschwester und schon gar nicht Klaus Kinski als schizophrener Assistenzarzt durch eine knarzende Tür auf Dich zu.

Du bekommst anschließend kurz die Topographie der Klinik erklärt, die aus mehreren Häusern besteht (es gibt die Häuser 2 bis 10, kein Haus 1 und zu den Häusern 11 und 11 1/2 kommen wir später). Dein Zimmer wird Dir gezeigt und einen Plan in die Hand gegeben, wie Dein erster Tag zunächst abläuft. In der Regel wirst Du mittags in das Klinikrestaurant geführt, dort wird Dir gezeigt, wie alles funktioniert und wie Du täglich aus drei Mittagsmenus mit nur einer digitalen Chipkarte an einem Bildschirmterminal auswählen kannst. Vom Fleischfresser bis zum Veganer wird hier jeder fündig werden, und das für eine Klinik in äußerst guter Qualität. In den sieben Wochen meines Aufenthaltes gab es nicht einmal das gleiche Gericht.

Anschließend geht’s zum Onkel Doktor, der die ärztliche/medizinische Aufnahme durchführt, hauptsächlich Wiegen und Blutdruck messen.

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Therapie

Ein Aufnahmegespräch bei Deinem Bezugstherapeuten oder Therapeutin folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Dort wird Dir aufgezeigt, welche Behandlungspfade neben der Gruppentherapie und Einzelgesprächen für Dich in Betracht kommen, z.B. Achtsamkeit und Meditation (in meinem Fall), Mut und Freiheit oder Lebensfreude, speziell auf die Diagnose abgestimmt, weswegen Du in der Reha bist.

Ein „Pflichtfach“ für alle ist, neben den wöchentlichen Einzelgesprächen mit Deinem Bezugstherapeuten die Gruppentherapie und die Einführung in diverse Entspannungstechniken, erstere zweimal wöchentlich für spielfilmtaugliche 90 Minuten, letztere einmal wöchentlich im Zeitrahmem einer Vorabendserie, also ca. 60 Minuten, in beiden Fällen ohne Werbeunterbrechung oder Produktplatzierungen. Alle Therapeuten, die ich kennenlernen durfte haben einen extrem kompetenten Eindruck hinterlassen, was auch für die Therapeuten in den jeweiligen, oben genannten Behandlungspfaden gilt. Insbesondere sei hier Franziska Schellen-Heck hervorgehoben, die alleine mit ihren einzigartigen „Signature-Sätzen“ ein Highlight meiner Reha waren:

Wer A sagt, … der muss einen Scheiß

Nein Punkt ist ein ganzer Satz“

Das ist jetzt aber ein richtiger Brainfuck

„Warum: „eigentlich“?“ (eigentlich gehe ich gerne ins Kino)

So was vergisst man nicht und die Sätze sind in meiner Welt extrem alltagskompatibel!

Ein paar Worte noch zur Gruppentherapie, da viele hier vermutlich mit zwiespältigen Gefühlen hinein gehen. Grundsätzlich gilt dort das Motto eines jeden ordentlich geführten Swinger-Clubs: „Alles kann, nichts muß“. Du kannst Dich mit Deinen Themen der Gruppe öffnen, Du kannst es genauso gut sein lassen. Niemand wird Dich jemals zu irgendetwas zwingen, was Du nicht möchtest! Man sitzt im Kreis, schaut sich an und denkt zunächst: „Oh je, was mache ich hier?“ Drei Wochen später jedoch teilt man in der Regel seine tiefsten Geheimnisse mit Menschen, die man gefühlt schon ein halbes Leben kennt und denen man vertraut. Du solltest Dich darauf einlassen …! Zu den Gruppenthemen besteht grundsätzlich Schweigepflicht außerhalb der Gruppe und ich habe es während meines Aufenthalts in keiner Form mitbekommen, dass dieses „Schweigegelübde“ gebrochen wurde, gleich ob Personal oder Rehabilitand/in. Weiterhin ist positiv zu berichten, dass ausnahmslos jeder versucht, Dir Hilfestellung bei Deinen Themen zu leisten.

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Sport

Da es sich um einen psychosomatische Reha handelt, gibt’s nicht nur was für die Seele, sondern auch für den Körper. Für alle gibt es ein sog. MTT (medizinisch-technisches Training), was individuell auf Dich abgestimmt wird. Wer ein Fitness-Studio kennt, wird sich sofort zu Hause fühlen. Wer das nicht kennt, braucht keine Angst zu haben, es ist keine „Mucki-Bude“, in der Du zum Body-Double von Arnie Schwarzenegger mutieren wirst. Es dient der Wiederherstellung der Beweglichkeit. Nicht mehr, nicht weniger. Weiterhin kannst Du darüber hinaus auch noch andere sportliche Aktivitäten auswählen, z.B. Nordic Walking (ja, meine Damen und Herren, auch bei Schnee, Regen und Hagel!), achtsamkeitsbasierte Bewegungstherapie, Wassergymnastik, Rückenfit oder einfach nur Sport & Spiel. Dort ist der Name Programm, nach einer kurzen Aufwärmphase wird dort gespielt, z.B. Volleyball, Tischtennis oder Badminton oder es wird Dir gezeigt, welch wundersame Dinge ein einfaches Gerät wie eine Faszienrolle bewirken kann!

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Vorträge

Darüber hinaus gibt es einige interessante Vorträge rund um das Thema Reha, z.B. Ernährung, Sport, Nachsorge, Soziale Rahmenbedingungen, etc. Diese werden von Mitarbeitern der Klinik durchgeführt, denen es neben fachlichen Kenntnissen nicht an Unterhaltungswert mangelt! Es darf dabei tatsächlich bisweilen auch gelacht werden: Vortrag über Sport mit dem sympathischen Sporttherapeuten Dennis Kauth, der auf jeden Einwurf seitens der Zuhörer in allen denkbaren Situationen einen locker sitzenden Spruch bereithält – der Grad der Schwere des Spruches ist bei ihm grundsätzlich proportional zur Qualität des Einwurfes, bzw. der Frage. Praktisches Beispiel: Anfrage eines jungen, motivierten Rehabilitanden: „Nutzen Sie Supplements?“ (für die Fremdsprachler unter uns: Nahrungsergänzungsmittel). Da ich Dennis Kauth und seine Einstellung dazu bereits aus meiner letzten Reha kannte, nahm ich mein Popcorn und lehnte mich zurück:

Wenn Du auf tschechische Eiweißprodukte aus ‘ner ehemaligen Kolchose stehst, wenn Du Pickel auf’m Rücken wie bei einem 15-jährigen toll findest und wenn Du 3 Meter gegen den Pumakäfig stinken willst, dann sind diese Sachen das richtige Zeug für Dich!

Ende Gelände! Das sitzt. Das merkst Du Dir, da hast Du was gelernt. Und einmal herzhaft gelacht, obwohl es hier womöglich etwas an political correctness mangelt, aber man sollte nicht jedes Wort sofort auf die Goldwaage legen.

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Der Therpieplan

Alle Deine Aktivitäten werden in einem Therapieplan festgehalten, der wöchentlich gilt und einem individuellen Postfach zu finden ist. Gelegentlich wird dieser Plan geändert und man sollte wenigstens morgens einmal in sein Postfach schauen. Das hört ich jetzt ein wenig nach Stundenplan an einer OGS (offene Ganztags-Schule) an, aber es regelt Deinen individuellen Tagesablauf. Von einigen hört man zuweilen, dass ihnen die Pläne auf die Nerven gehen, weil „zu viel drauf steht“. Dazu sei angemerkt, dass es sich bei einer Reha grundsätzlich nicht um ’ne Pauschalreise in einem 5-Sterne Hotel mit Chill-Faktor und livrierten Lakaien, die um Dich rumtanzen handelt, sondern um Maßnahmen, die Deiner Gesundung dienen! Nimm es an, auch wenn es bisweilen anstrengend ist, aber Dir wird geholfen! Man muss auf Grund des Therapieplans versuchen, sich seinen Tag einzuteilen, was meines Erachtens durchaus gut möglich ist und auch einen gewissen Lernfaktor beinhaltet. Sollte es wider Erwarten doch zu eng werden, kann man jederzeit in die Terminplanung gehen und versuchen, den Plan zu ändern, was in der Regel keine Schwierigkeit darstellt.

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Freizeit

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo Du Feierabend hast. Was kann man alles mehr mit seiner Zeit anfangen, als um 17.15 Uhr zum Abendessen zu gehen und damit den Tag zu beenden? Vorausgeschickt sei, dass Du im Handumdrehen sehr viele Leute kennenlernen wirst, mit denen Du Deine Freizeit ganz oder in Teilen verbringen kannst und/oder willst. Für mich ist es immer von besonderer Wichtigkeit, in derartigen Situationen keinen Freizeitstress aufkommen zu lassen, getreu dem Motto des letzen deutschen Entertainers Harald Juhnke: „Keene Termine und immer leicht einen zu sitzen“.

Damit kommen wir ganz unmittelbar zu einem sehr wichtigen Punkt. Der Genuß von Alkohol ist während der gesamten Reha-Zeit untersagt. Ist so und braucht nicht diskutiert zu werden – die Ampel ist rot und Du bleibst stehen. So einfach ist das. Die Klinik behält sich vor, Alkohol-Tests durchzuführen (wie bei beliebten Alkoholkontrollen durch die Polizei). Meiner Ansicht nach geht es auch ohne Alkohol, ich hatte in den sieben Wochen meines Aufenthaltes kein Problem und ich habe niemanden getroffen, der das als Stimulanz für gute Laune (die es durchweg gibt) brauchte.

Die Klinik selbst bietet eine Fülle von Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung: Fitnessraum zur Nutzung in der Freizeit, Billard, Kicker, einen Spieleraum oder eine Cafeteria (seit April 2026 mit den Herzensmenschen Deniz und Murat Erkan als Betreiber. Das Suçuk-Bruschetta war eine der besten Achtsamkeitsübungen – Du vergißt in wenigen Augenblicken alles um Dich herum!). Es werden auch viele Veranstaltungen in der Klinik und in Manderscheid angeboten (Wanderungen, Stadt- und Burgführungen, kulturelle Veranstaltungen, unter anderem auch unter Beteiligung der Chef-Ärztin Sabine Ziegler), Infos dazu gibt es auf verschiedenen Monitoren im Haus und im Foyer. Unterhalb der Klinik gibt es sogar einen Grillplatz und im Haus eine Kegelbahn, die jedem zur Nutzung zur Verfügung stehen. Langweilig sollte es also niemand werden. Weiterhin gibt es ein Schwimmbad und eine Sauna zur Benutzung in der Freizeit. Um hier gleich eventuell aufkommenden Animositäten oder auch Hoffnungen entgegenzuwirken : Der Saunabesuch ist strikt nach Männlein und Weiblein zu unterschiedlichen Zeiten getrennt.

Natürlich gibt es auch einen Platz für Freunde des Tabakgenusses. Bei meinem letzten Aufenthalt 2017 war der Raucherbereich neben der Cafeteria, heute ist er in einem Zelt unterhalb der Cafeteria und Haus 9. Um hier in der Nomenklatur der Klinik zu bleiben, wurde dieses Zelt von den Rauchern zweckmäßiger Weise in „Haus 11“ umbenannt. Hier bekommst Du in der Regel unmittelbaren Anschluß. Es gab sogar Nichtraucher, die wegen der hervorragenden Stimmung, die dort herrscht, auch ihre Zeit im Raucherbereich verbracht haben. Der Therapie-Ansatz ist ebenfalls bemerkenswert , denn die Nutzer des „Hauses 11“ sind verpflichtet, dort in Eigenverantwortung Ordnung zu halten, der Roomservice ist hier nicht Teil des All-In Paketes! Will heißen: Du musst Aschenbecher leeren, Tische putzen, sonntags die Mülleimer leeren und die Müllsäcke an die Straße bringen, weil montags die Müllabfuhr kommt. Außerdem gibt es für die reiche einheimische Ornis, sprich die Vogelwelt am Raucherbereich ein spezielles „Haus 11 1/2“, ein Futterhäuschen, das von den Rauchern ebenfalls betreut wird und mit regelmäßig Futter zu versorgen ist.

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Einkaufsmöglichkeiten

Kommen wir nun zu den reichhaltigen Einkaufsmöglichkeiten vor Ort. Es gibt eine Tankstelle. Die hat so lange auf, wie der Besitzer Bock darauf hat. Kommste zu spät, haste Pech gehabt. Weiterhin gibt es eine Apotheke und einen Geschenkladen, sowie ein paar Bäckereien und einen Blumenladen.

An der Ausfallstrasse Richtung Großlittgen und Himmerod befindet sich die eigentliche Shopping-Mall von Manderscheid, die derzeitig leider nur einen Penny-Markt beheimatet, der jedoch für die Bedürfnisse in der Reha ausreichend sortiert ist. Einen internationalen Stern gewinnt der Markt, da es dort Pasteis de Nata, eine portugiesische Spezialität gibt. Für diejenigen, die jetzt beginnen, hektisch bei Google danach zu suchen: Es handelt sich um Blätterteiggebäck mit Cremefüllung. Fußläufig ist der Supermarkt in knapp 20 Minuten zu Fuß zu erreichen. Vorausgesetzt ist jedoch eine halbwegs gute Kondition, da es hinter der Klinik zunächst steil den Berg hinauf geht. Diejenigen, die es etwas kommoder mögen oder nicht gut zu Fuß sind, können sich zweimal wöchentlich von der Klinik aus mit einem Taxi dorthin chauffieren lassen, die Kosten hierfür betragen einen schlanken Euro pro Fahrt. Wen es darüber hinaus etwas in die Urbaniät zieht – die Kleinstädte Daun und Wittlich sind in 15 Minuten mit dem Auto zu erreichen, wer es etwas mondäner mag, dem seien Trier und Luxemburg ans Herz gelegt.

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Nachtruhe

Täglich ab 22.30 Uhr herrscht Nachtruhe im Klinikum und sämtliche Türen werden verschlossen, Wochenendaußnahmen gibt es nicht. Diskussionen darüber ebenfalls nicht. Einige „freiheitsliebende“ Zeitgenossen bezeichnen das als „Einschluß“, wie es dem ein oder anderen womöglich aus einer Justizvollzugsanstalt bekannt vorkommen dürfte.

Nochmals: Wir befinden uns in einer Klinik, die die Gesundheit fördern soll und nicht am Ballermann oder im Sauerlandstern, wo es Rock around the clock oder Beach and Booze-Parties gibt, oder wie es früher üblich war, als eine Reha noch Kur hieß: Morgens Fango, abends Tango. Dafür genießt man hier die Rundum-Betreuung durch ein Pflegeteam, wenn man es braucht, also quasi betreutes Wohnen, wie es uns womöglich im Alter ereilt.

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Die Gemeinschaft

Die Gemeinschaft unter den Patientinnen und Patienten war überraschend angenehm. Trotz unterschiedlicher Altersstruktur und Lebensgeschichten entstand schnell ein Gefühl von gegenseitigem Verständnis, Vertrauen und Unterstützung. Viele Gespräche beim Essen, in den Pausen, beim gemeinsamen Sport, auf dem Flur, im Raucherbereich oder während der gemeinsamen Freizeitgestaltung waren sehr bereichernd und äußerst motivierend, vielfach albern und lustig oder wenn es drauf ankommt, auch mal tiefgreifend. Hier hat man den Eindruck, dass jeder für jeden da ist! Insbesondere dann, wenn Du neu in der Klinik bist. Neulinge erkennt man grundsätzlich an ihrem Plan in der Hand und suchenden Augen, die scheinbar aus dem Kopf hervortreten, da die Topographie des Hauses trotz Beschilderung der einzelnen Gebäude und dorthin bisweilen für Verwirrung sorgt. Jeder, der Dich in einer solchen Situation vorfindet, wird Dir ohne zu Zögern seine Hilfe anbieten. Allein dadurch kommt man schnell in ein Gespräch und Du merkst, dass Du nicht alleine auf dem Planeten Eifelklinik bist!

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Die Lage der Klinik

Die wunderschöne Lage der Klinik unmittelbar am Wald lädt natürlich zu ausgedehnten Wanderungen ein. Insbesondere im Frühling und im Herbst sei dem geneigten Wandervogel festes Schuhwerk empfohlen, im Wald kann es bisweilen sehr feucht sein und die Wege können matschig sein. Wir befinden uns hier in der Vulkaneifel und es gibt hier im Wald tatsächlich Felsformationen. An der Klinik beginnt der sog. Achtsamkeitspfad durch den Wald, den jeder einmal beschreiten sollte. Dort gibt es mehrere Stationen, auf denen Du Deine Achtsamkeit trainieren oder wiedererlangen kannst. Du kannst barfuß durch die Kleine Kyll waten, in einer Hängematte chillen, auf Steinen sitzen und dem Rauschen der Wälder oder der Kleinen Kyll zuhören oder in einem ausgehöhlten Stein Deine Stimme mit dem Echo des Waldes hören. Das ist weder lachhaft noch esoterischer Hokuspokus, sondern macht wirklich Spaß. Am Achstsamkeitspfad gibt es unter anderem ein Glockenspiel, das ich mir mit dem Telefon aufgenommen habe. Daraus habe ich mir zu Hause ein Instrument gesampelt, mit dem ich Musik machen kann und was mich immer an diesen tollen Weg erinnert.

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Was bleibt am Ende?

Als ich am am Vorabend des 8. Mai meine Koffer packte, war das Gefühl ein völlig anderes als im März. Der Akku ist wieder voll, der Kopf ist sortiert und ich habe gelernt, dass “Nein” ein vollständiger Satz ist und wie ein Außerirdischer unsere Natur wahrnimmt (kein Witz!) – danke, Franziska Schellen-Heck, das ich an diesem „Trip“ während der Achtsamkeitstherapie teilnehmen durfte! So sehr ich mich auf zu Hause gefreut habe, war ich auch ein wenig traurig, diesen Ort der Ruhe und die große Anzahl an Herzensmenschen, die ich kennenlernen durfte zu verlassen.

Macht’s gut, Manderscheid! Ich werde die Ruhe und die vielen Herzensmenschen, die ich kennenlernen durfte, vermissen.


Life is a series of hellos and goodbyes
I’m afraid it′s time for goodbye again

Say Goodbye To Hollywood, Billy Joel, 1976

Mein Fazit: Psychosomatische Reha ist kein Urlaub – es ist harte Arbeit an sich selbst. Aber in der Eifelklinik Manderscheid wird einem diese Arbeit verdammt angenehm gemacht. Mit einer gehörigen Portion Humor, tollen Therapeuten und Mitpatienten, (sorry: Rehabilitanden) die zu Freunden wurden, war diese Zeit ein absolutes Geschenk.

Hier noch ein kleines Video mit ein paar achtsamen Eindrücken aus Manderscheid, der Umgebung und dem wunderbaren Bauerngarten von Anita Steinbach:

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Fuck-It List statt Bucket List

Warum du deine Bucket-List verbrennen und eine „Fuck-It-List“ schreiben solltest

Wir alle kennen sie, viele von uns führen sie: die Bucket-List. Eine fein säuberlich kuratierte Liste voller vermeintlich erstrebenswerten Lebensziele. Polarlichter zwischen des Pyramiden von Gizeh suchen, Surfen im Bermuda-Dreieck, ein Buch über die schwere Kindheit des Archaeopteryx schreiben, Fallschirmspringen in Nordkorea, fließend Klingonisch lernen. Klingt inspirierend? Auf den ersten Blick ja. Auf den zweiten Blick ist die Bucket-List oft nichts anderes als eine Zusatz-To-Do-Liste im hippen Designer-Gewand, die uns insgeheim völlig stresst. Es ist Zeit für einen radikalen Perspektivenwechsel. Hier kommt die Fuck-It-List – und warum sie dein Leben unendlich viel freier, entspannter und glücklicher machen wird.

Das Problem mit der Bucket-List: Optimierungswahn im Urlaubsmantel

Die Idee der Bucket-List basiert auf FOMO (Fear of Missing Out – der Angst, etwas zu verpassen). Sie flüstert Dir ständig ins Ohr: „Du hast nur dieses eine Leben, also optimiere es bis in den kleinsten Winkel! Wenn Du nicht ohne Sauerstoffgerät und Kletterausrüstung auf dem Mount Everest oder K2 gewesen bist, hast Du dann überhaupt richtig gelebt?“

Das Resultat? Wir jagen Erlebnissen hinterher, um sie abzuhaken. Wir stehen um 4 Uhr morgens auf, um das perfekte, menschenleere Instagram-Foto vor einem Tempel irgendwo in Timbuktu zu machen, nur um auf der Liste einen Haken zu setzen. Aus Lebenslust wird Leistungsdruck. Die Bucket-List verlängert den Alltagsstress bis in unsere Träume hinein.

Was ist eine Fuck-It-List?

Eine Fuck-It-List ist das exakte Gegenteil. Sie ist keine Liste von Dingen, die Du noch tun musst, sondern eine Sammlung von Dingen, die Du ab jetzt aktiv sein lässt. Es ist die bewusste Entscheidung, Erwartungen (Deine eigenen und die der Gesellschaft) über Bord zu werfen. Ein schriftliches High-Five an Dich selbst, das besagt: „Das hier tut mir nicht gut, ich habe keinen Bock darauf, und ich bin nicht geneigt, meine wertvolle Lebenszeit damit verschwenden.“




Bucket List (Der Antreiber)




Fuck-IT List (Der Befreier)






Fokus: Mehr machen, mehr anhäufen, mehr erleben.




Fokus:Weniger Druck,mehr Raum,mehr Ruhe.






Gefühl: Getriebenheit, Erwartungsdruck, FOMO (Fear of Missing Out).




Gefühl: Erleichterung, Selbstbestimmung, JOMO (Joy of Missing Out).






Ziel: Das „perfekte“ Leben nach außen präsentieren.




Ziel: Ein authentisches, friedliches Leben im Inneren führen.





3 Gründe, warum die Fuck-It-List dein Leben verändert

1. Sie schenkt Dir sofortige Energie

Jedes Mal, wenn Du etwas auf deine Fuck-It-List setzt, nimmst Du eine Last von Deinen Schultern. Du musst nicht mehr so tun, als würdest Du Networking-Events lieben. Du musst nicht immer ein Dutzend Sprachen erlernen , die Du niemals im Leben wieder benutzen wirst. Du musst nicht mehr das anspruchsvolle Buch lesen, das seit drei Jahren auf deinem Nachttisch vergilbt und langsam einstaubt, nur um klug zu wirken. Dein Reisepass muss keine einzigartige Ansammlung von Visa derjenigen Länder sein, die kein Mensch jemals auf der Karte sucht, geschweige denn findet. Das Streichen von Ballast setzt sofort Energie frei.

2. Sie schafft Platz für echtes Glück

Wenn Du aufhörst, den vermeintlichen Traumzielen anderer hinterherzulaufen, merkst du plötzlich, was Dich wirklich glücklich macht. Vielleicht sind es gar nicht solche Dinge wie der Roadtrip durch die Sahara im Taucheranzug, das gemeinsame Foto mit dem nepalesischen Guru beim Chakren zählen oder das Souvenir eines handgeschnitzten Didgeridoo eines 120 Jahre alten Aborigine, die wichtig sind, sondern einfach ein verregneter Sonntag im Pyjama mit Pizza, zuckerhaltigen Getränken und Deiner Lieblingsserie auf dem heimischen Sofa. Und das ist verdammt noch mal absolut in Ordnung.

3. Sie schützt Dich vor Enttäuschungen

Bucket-Lists sind oft an die Bedingung geknüpft: „Wenn ich X mache, bin ich glücklich.“ Spoiler: Oft bist Du nach dem Fallschirmsprung aus einem Raumschiff, dem Wok-Rennen auf dem Nürburgring oder dem Off-Road Ski-Trip im Hochsauerland genau derselbe Mensch wie vorher – nur mit bedeutend weniger Geld auf dem Konto. Die Fuck-It-List setzt im Hier und Jetzt an. Sie verbessert Dein Leben in der Sekunde, in der Du sie schreibst.

Inspiration: So könnte deine Fuck-It-List aussehen:

Du weißt nicht, wie Du anfangen sollst? Eine Fuck-It-List ist höchst individuell, aber hier sind ein paar Klassiker zur Inspiration:

  • Fuck it… ich werde keine toxischen Freundschaften mehr pflegen, nur weil man sich „schon so lange kennt“.
  • Fuck it… ich laufe keinem Marathon hinterher oder mache 100 Kilometer Walks. Ich gehe spazieren, wenn ich Lust dazu habe, und das reicht.
  • Fuck it… ich werde mich nicht mehr dafür rechtfertigen, wenn ich am Wochenende Einladungen absage, weil ich meine Ruhe brauche.
  • Fuck it… ich kaufe keine unbequemen Designer-Klamotten mehr, nur weil sie im Trend liegen und Thorben-Wirsing oder Chantal-Sunrise von nebenan darin rumlaufen.
  • Fuck it… ich muss nicht „alles im Leben gesehen haben“. Mein Radius darf so klein sein, wie er mir guttut. Die heimische Flora und Fauna gehören definitiv dazu, genauso wie die Döner-Bude um die Ecke.
  • Fuck it… „Nein.“ ist ein ganzer Satz.
  • Fuck it… Wer A sagt, … der muss einen Scheiß.

Fazit: Atme tief durch und fang an zu streichen

Loslassen wird oft als Aufgeben missverstanden. Dabei ist es häufig das Gegenteil. Wer loslässt, entscheidet sich bewusst dafür, seine Energie nicht länger an Dinge und Menschen zu verschwenden, die keinen Mehrwert bringen. Das Leben ist zu kurz, um es mit den Erwartungen anderer zu füllen. Die Bucket-List fragt: „Was willst Du der Welt beweisen?“ Die Fuck-It-List fragt: „Was brauchst Du, um heute Nacht ruhig zu schlafen?“

Nimm Dir heute fünf Minuten Zeit, schnapp Dir einen Zettel und schreibe Deine ersten drei Punkte auf. Es befreit ungemein.




Die Klangreise

Dem Alltag entfliehen: Meine erste Klangreise im Artrium 39 (Und warum mein innerer Skeptiker jetzt meditiert)

Hand aufs Herz: Wenn der Wecker morgens wie das Geläut des Kölner Doms klingt und die To-Do-Liste länger ist als die Quittung eines Wocheneinkaufs für eine zehnköpfige Familie, braucht man mal eine Pause. Und zwar nicht die Art von Pause, in der man auf dem Sofa hockt und Netflix leerguckt, sondern eine echte Auszeit. Unser Ziel für diese Mission: Das Atrium 39 in Krefeld. Das Versprechen: Eine Klangreise. Wir hatte vergangenes Weihnachten einen Gutschein für diese Klangreise geschenkt bekommen und waren zunächst ein ein wenig skeptisch. ‘Ne Stunde Glöckenklänge und dafür ein Kampf durch den Berufsverkehr mitten in die Krefelder Innenstadt?

Spoiler-Alarm: Ich bin zurück, tiefenentspannt und mein Blutdruck befindet sich vermutlich einem Bereich, der die medizinische Diagnose Bradykardie nahelegt.

Also, was bitteschön ist eine Klangreise?

Für alle, die beim Wort „Klangreise“ sofort an Waldorf-Schüler denken, die in wallenden Leinenklamotten ihren Namen tanzen und ihre Chakren zählen: Atmet tief durch und packt die ganzen Vorurteile dahin, wo sie hingehören – weit, weit, weg! Ich hatte zunächst auch die leise Befürchtung, gleich im Schneidersitz tibetische Mantras mitsingen zu müssen (was bei meiner Stimme in einer mittelschweren Katastrophe geendet wäre).

Aber Entwarnung. Es kommt immer anders, als man denkt. Das Ganze läuft zunächst herrlich unaufgeregt ab:

1. Ankommen. Mitten in der Stadt ist das Atrium 39 eine echte kleine Oase. Helle Räume, eine unaufdringliche Atmosphäre und: Ruhe!

2. Hinlegen (auf eine gemütliche Matte, Decke drüber, Kissen parat) – fertig.

3. Augen zu und den Rest der Welt einfach mal gepflegt ignorieren.

Sobald die ersten Schalen, Gongs und Monochorde im Raum sanft angeschlagen werden, merkt man erst, wie viel Lärm man eigentlich permanent im Kopf hat. Die Schwingungen breiten sich langsam bis in den letzen Winkel des Raumes aus – und auch im eigenen Körper. Kein Staccato, nix hektisches – nur nie enden wollende einfache Töne. Die Klangfülle und das Frequenzspektrum der gebotenen Instrumente, Gongs und Klangschalen ist überwältigend und faszinierend zugleich. Ich war zunächst geneigt zu fragen, welche Konzert-Verstärker hier am Start sind. Nicht auf Grund der Lautstärke, sondern wegen der überragenden Klangfülle.

Mein Gehirn schaltet um (auf Zeitlupe)

Die ersten fünf Minuten hat mein innerer Kontrollfreak noch verzweifelt versucht, die Einkaufsliste für morgen zu schreiben. „Habe ich eigentlich die Milch… oh, schöner Ton… war das ein Gong?… was kostet auf dem Rückweg an der Tanke der Sprit?… wow, das vibriert aber angenehm…“

Und schwupp die Wupp – Kartoffelsupp’ kehrte eine wunderbare Ruhe ein. Wenn die Klänge den Raum füllen, ist das ein bisschen wie eine akustische Massage. Man reist nirgendwohin (außer vielleicht ins Land der Träume, das ein oder andere sanfte Schnarchen aus der Nachbarecke war jedenfalls der ultimative Beweis für maximale Entspannung), aber man kommt verdammt gut bei sich selbst an. Das Artrium 39 bietet dafür genau die richtige, fast schon magische Kulisse. Mitte im Krefeld is es jedoch ein Ort, an dem man sofort runterschalten kann, sobald man die Tür hinter sich schließt.

Das Fazit: Akkus voll, Geist sortiert

Nach gefühlt einer halben Stunde (in Wahrheit waren es fast 90 Minuten, aber Raum und Zeit sind bei so einer Klangreise ohnehin nur grobe Richtwerte) hieß es dann langsam wieder: Füße bewegen, Gliedmaßen strecken, Augen auf, einen leckeren Tee trinken und zurück in die urbane Realität.

Das Ergebnis? Ich habe mich selten so leicht und gleichzeitig so „geerdet“ gefühlt. Die permanente Hintergrundstrahlung an Alltagsstress war einfach wie weggewischt.

Wer also mal wieder ein Reset für die Nerven braucht und den ewigen Autopiloten im Kopf ausschalten möchte, dem kann ich eine Klangreise im Artrium 39 nur wärmstens ans Herz legen. Zeiht Euch bequem an, packt die Kuschelsocken ein und probiert es einfach aus – euer Geist (und euer Blutdruck) werden es euch danken!

Wenn Du jetzt ein wenig neugierig geworden bist, zögere nicht eine Klangreise für Dich zu buchen. Mit schlanken €25 bist Du dabei:

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Chrom, Bratwurst und französische Eleganz

Wer am gestrigen 13. Juni 2026 im Gewerbepark Krefeld-Fichtenhain unterwegs war, dem dürfte spätestens beim Betreten des Geländes klar geworden sein: Hier wurde die Zeit nicht einfach nur angehalten, sie wurde mit ordentlich Politur und einer gehörigen Portion Leidenschaft neu zum Glänzen gebracht. Das Campus Culture Oldtimertreffen war wieder einmal ein kleines Highlight.

Zwei Königinnen auf dem Asphalt

Natürlich gab es jede Menge großartiger Maschinen zu bestaunen, für mich jedoch gab es zwei Fahrzeuge, die gestern meine Blicke auf sich zogen wie ein Magnet die Büroklammern.

Borgward Isabella
Borgward Isabella

Da war zum einen der weiße Borgward Isabella. Ein Traum in Weiß! Man stand davor und erwartete förmlich, dass gleich ein Wirtschaftswunder-Paar in Anzug und Petticoat aussteigt, um zum Tanztee zu fahren. Die Linienführung war so makellos, dass man sich fast nicht traute, zu nah heranzugehen – aus Angst, der eigene Atem könnte einen Fleck auf dem Lack hinterlassen. Ein Auto, das nicht einfach nur fährt, sondern flaniert.

Citroën DS 21 Cabriolet
Citroën DS 21 Cabriolet

Und dann, als wäre das noch nicht genug des Guten, stand dort – wie aus einer anderen Galaxie gelandet – das rote Citroën DS 21 Coupé. Die “Göttin” in leuchtendem Rot. Wenn der Borgward der charmante Klassiker ist, dann ist die DS das futuristische Raumschiff aus dem Paris der späten 60er Jahre. Allein die hydropneumatische Federung, die das Auto so elegant in die Knie gehen lässt, sorgt bei so manchen Oldtimer-Fans für mehr Herzklopfen als ein erstes Date. Das leuchtende Rot in der Krefelder Sonne? Ein absoluter Eye-Catcher.

Das Campus Culture wäre aber nicht das Campus Culture, wenn es nur ums Anschauen ginge. Das Herzstück ist die Gemeinschaft aus Besitzern und Besuchern. Man beobachtete Besitzer, die ihre Schätze mit einer Hingabe pflegten, für die andere einen Therapeuten aufsuchen würden, während daneben der fachmännische Austausch über “den letzten Ölwechsel” oder “die Tücken der Ersatzteilbeschaffung” zelebriert wurde.

Zwischen den glänzenden Chromstoßstangen wehte der obligatorische Duft von Bratwurst, Kuchen und Kaffee – eine Kombination, die so fest zum Oldtimer-Kult gehört wie das Knattern der Motoren. Es wurde gelacht, gestaunt und sich gegenseitig zu den automobilen Zeitkapseln gratuliert.

Mein Fazit: Zeitlose Schönheit gewinnt immer

Gestern in Fichtenhain hat man wieder einmal gesehen: Autos mit Ecken, Kanten und vor allem mit einer Seele haben einfach mehr zu erzählen als die modernen, computergesteuerten Autos, die uns heute im Alltag begegnen.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die ihren Borgward, ihre DS oder ihren ganz persönlichen Schatz aus der Garage geholt und im Campus Fichtenhain, Krefeld geparkt haben. Ihr habt den Samstag zu einem kleinen Fest der Ästhetik gemacht.

Anbei noch ein paar Eindrücke vom Campus Culture am 13.06.2026:


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La Chouffe – der freche Gnom aus den Ardennen

Wenn Du jemals durch die belgischen Ardennen gewandert bist – oder einfach nur an einem wirklich guten Bierregal vorbeigekommen bist, ist Dir sicher schon einmal ein kleiner, bärtiger Kerl mit einer roten Zipfelmütze auf einer Bierflasche begegnet. Nein, ich rede nicht vom Weihnachtsmann im Sommerurlaub, sondern vom legendären Gnom von La Chouffe.

Heute tauchen wir ein in die Welt dieses goldgelben Kultgetränks. Warum ist La Chouffe nicht nur ein Bier, sondern ein Lebensgefühl? Schnapp dir ein Glas (idealerweise das bauchige Original), und lass uns anstoßen!

1. Ein Gnom mit Geschmack

Die Geschichte von La Chouffe begann 1982 in der kleinen Brauerei Brasserie d’Achouffe. Zwei Schwager hatten eine Vision: Sie wollten ein Bier brauen, das so charakterstark ist wie die wilde Landschaft der Ardennen. Das Ergebnis? Ein belgisches Starkbier (Blond) mit stolzen 8% Alkoholgehalt. Aber Vorsicht: Die Leichtigkeit, mit der es die Kehle hinunterfließt, ist gefährlich! Es ist würzig, fruchtig und hat eine subtile Koriandernote, die den Gaumen tanzen lässt.

2. Warum La Chouffe einfach „anders“ ist

Was unterscheidet das goldene Elixier von den unzähligen anderen belgischen Bieren? Die Farbe: Es ist naturtrüb, leuchtend goldgelb – wie ein Sonnenuntergang in einem Glas. Der Geschmack: Eine perfekte Balance. Es ist nicht zu bitter, nicht zu süß, sondern besitzt eine feine Würze, die perfekt zu deftigem Essen oder einfach nur zu einem guten Gespräch auf der Terrasse passt. Der Gnom-Faktor: Mal ehrlich, das Branding ist genial. Wer kann einem Bier widerstehen, dessen Maskottchen ein kleiner Gnom ist, der mit einer Bierflasche durch den Wald spaziert?

3. Die Kunst des Einschenkens

Ein La Chouffe genießt man nicht aus der Flasche (es sei denn, man ist auf dem Gipfel eines Berges). Das La-Chouffe-Glas ist bauchig und konisch geformt, um die Aromen perfekt zu entfalten.

Pro-Tipp vom Gnom:

Schenke es langsam ein, halte das Glas schräg und richte es erst gegen Ende auf, um die perfekte Schaumkrone zu erzeugen. Die Hefe am Boden der Flasche ist übrigens Geschmacksträger – schwenke den letzten Schluck sanft auf und gieße ihn als „Würz-Finish“ mit hinein!

Fazit: Zeit für ein „Chouffe-Moment“

Ob Du nun ein erfahrener Craft-Beer-Connaisseur bist oder einfach nur den Feierabend einläuten willst: La Chouffe ist der beste Beweis dafür, dass man das Leben nicht zu ernst nehmen sollte. Es ist unkompliziert, es hat Charakter, und es zaubert einem bei jedem Schluck ein kleines Lächeln ins Gesicht.

Also, wenn du das nächste Mal vor dem Bierregal stehst und Dich zwischen langweiligen Standard-Pilsnern entscheiden musst – wähle den Gnom. Deine Geschmacksnerven werden es Dir danken.




Coffee To Go – flüssiges Statussymbol im Pappbecher

Als ich vor einigen Tagen morgens zur Arbeit fuhr, kam aus einer Seitenstraße fast unbemerkt, quasi aus dem „Off“ eine junge Frau, die so ziemlich jedes gängige Klischee erfüllte: adrett frisiert, ein schwarzes Kostüm, darunter ein weißes Blüschen und in der Hand einen Coffee To Go. Sie war so dermaßen unscheinbar, sie ist mir nur aufgefallen, weil sie kurz stolperte und sich fast die ganze Brühe aus ihrem Pappbecher über das schmucke Kostüm gekleckert hätte. Wir beobachten das des öfteren : ein Schritt zu schnell, ein Deckel zu locker, und plötzlich wird aus uniformer Business-Kleidung ein individuelles Kunstwerk.

Es gibt drei Dinge, die diese „modernen“ Menschen ausmachen: WLAN, Lieferando und Coffee to go. Ohne diese Trias würden derartige Durchschnittsbüromenschen vermutlich zu Grunde gehen, in der Wildnis verhungern, verdursten oder – schlimmer noch – offline sein.

Coffee to go ist längst kein Getränk mehr, sondern ein Accessoire. Er wird nicht gekauft, um ihn zu trinken – nein! – er wird getragen wie eine Valentino-Handtasche oder wie eine Monstranz bei der alljährlichen Fronleichnamsprozession. Man balanciert ihn stolz durch die Fußgängerzone, leicht angewinkelt, damit das Logo des hippen Coffeeshops auch im Vorbeigehen die maximale Aufmerksamkeit entfaltet. Seht her: Ich habe keine Zeit, mir meinen Kaffee selbst aufzubrühen, ich kann und muss ihn für eine Mörderkohle im angesagten Coffeeshop kaufen. Der Inhalt? Irrelevant. Ob Latte Macchiato, Triple Caramel Pumpkin Spice Unicorn Latte, HimalayanDeCaff mit Hafermilch, Eau de Toilette und Sojasahne oder im schlimmsten Fall einfach nur Kaffee – Hauptsache, man trägt den Lifestyle wie eine Monstranz oder einen Wanderpokal vor sich her.

Natürlich ist der Coffee to go zugleich auch ein messerscharfes soziales Statement. Wer ihn trägt, signalisiert: „Ich bin busy. Ich habe keine Zeit, wie normale Menschen zu sitzen und Kaffee zu trinken. Ich laufe, während ich schlürfe, weil jede Sekunde zählt.“ Ironischerweise führt dieses Power-Walking mit Koffeinbecher dann häufig dazu, dass man mehr Zeit damit verbringt, den Schaum von der Jacke zu tupfen, als man beim Sitzen im Café je verloren hätte.

Und wie ist das ganze nun geschmacklich einzuordnen? Für sechs bis acht Euronen bekommt man eine Brühe der Mittelmäßigkeit. Es schmeckt alles nicht so, wie es zunächst klingt. Ein Latte Macchiato klingt wie die Ouvertüre zu einer Verdi-Oper, verkommt aber zur Mundwasserspülung beim örtlichen Zahnarzt. Ein Cappuccino klingt wie ein Sonnenuntergang an der Amalfi-Küste, ist aber in Wirklichkeit ein „Shit, das nächste Teams-Meeting wartet bereits“. Am ehrlichsten ist immer noch ein Espresso, klein, stark, schwarz und ohne Firlefanz, ein kleiner, brutaler rechter Aufwärtshaken mitten zwischen die Zähne, der einfach nur sagt: „Komm klar, Du Lappen“. Alles andere ist nur parfümiertes Theater mit Schaum, Zimt und Zucker.

Coffee To Go ist nichts anderes ist als ein Spiegel unserer Gegenwart: Wir trinken im Grunde nicht mehr, wir halten etwas fest, wir genießen nicht mehr und nehmen uns fünf Minuten Zeit, wir rennen nur noch rastlos durch die Weltgeschichte herum. Am Ende bleibt nur ein Pappbecher übrig, der sich schneller auflöst als die Hoffnung, den Tag halbwegs normal, ohne nervenaufreibenden Stress und bekleckerten Designer-Klamotten zu überstehen.




Kleine Geste, große Wirkung

Im Alltag eines Geschäfts geht es oft um Waren, Preise, Angebote und Beratung. Doch manchmal entstehen genau zwischen all dem die kleinen Momente, die lange im Gedächtnis und im Herzen bleiben.

Heute kamen zwei junge Mädchen in ein Deko-Geschäft, in dem wir gerade eine Tage zuvor bestellte Jardinière (Blumenbehälter) abholten.

Augenscheinlich kamen die jungen Mädchen diesmal nicht, um etwas zu kaufen, sondern einfach, um sich noch einmal herzlich für das Lederarmband, das sie zuvor kauften und die freundliche Beratung zu bedanken.

Diese ehrliche Wertschätzung hat uns wirklich berührt, insbesondere, da es sich um Jugendliche im Alter von vielleicht 13 Jahren handelte. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnell und selbstverständlich geworden ist, zeigen solche Begegnungen, wie viel Freundlichkeit und Aufmerksamkeit bedeuten können – augenscheinlich auf beiden Seiten, da sich die Verkäuferin ebenfalls sehr freute.

Es sind oft nicht die großen Ereignisse, die einen Tag besonders machen, sondern die kleinen Gesten: ein ehrliches Dankeschön, ein Lächeln oder ein kurzer Besuch, der zeigt, dass etwas in Erinnerung geblieben ist.

Solche Momente erinnern uns daran, warum persönlicher Kontakt und echte Begegnungen im Einzelhandel so wertvoll sind. Und sie zeigen, dass auch ein kleines Lederarmband manchmal mehr sein kann als nur ein Accessoire – nämlich eine schöne Erinnerung.