Cinestill 50D in Lightroom nachbauen

Cinestill 50D gehört zu den Filmlooks, die sofort nach Sommer, Tageslicht, feinem Korn und Kinoästhetik aussehen. Der Film wird von CineStill als „50Daylight Fine Grain Color Negative Film“ angeboten, unter anderem für 35mm und 120 Rollfilm. [1] Er basiert auf dem Kodak Vision3 50D, von dem das Remjet-Layer entfernt wurde, damit er im C-41 Entwicklungsverfahren entwickelt werden kann, was in allen gängigen Fotolaboren möglich ist. Das Original musste im ECN-2 Verfahren entwickelt werden, was nur wenige Labore können. [3] Genau diesen hellen, sauberen, pastellfarbenen und leicht cineastischen Charakter kannst du in Lightroom als eigenes Preset nachbauen.

Wichtig vorab: Ein Lightroom-Preset kann niemals echten Film perfekt ersetzen. Film reagiert auf Licht, Entwicklung, Scan und Objektiv immer etwas unterschiedlich. Aber du kannst Dir einen Look bauen, der die typischen visuellen Assoziationen von Cinestill 50D aufgreift: feine Farben, weiche Kontraste, warme Highlights, zurückhaltende Sättigung und einen leichten analogen Charakter.

1. Was macht den Cinestill-50D-Look aus?

Cinestill 50D ist ein Tageslichtfilm mit feinem Korn. Genau deshalb eignet sich der Look besonders gut für helle Außenaufnahmen, Porträts bei natürlichem Licht, urbane Motive, Strände, Cafés, Architektur und Szenen mit klarer Sonne. CineStill beschreibt die 50D-Filmfamilie als feinkörnigen Farbnegativfilm für Tageslicht. [1]

Für unser Lightroom-Preset übersetzen wir diesen Look in fünf Ziele:

  1. Weicher Kontrast statt harter Digital-Schärfe
  2. Warme, leicht goldene Highlights
  3. Natürliche Hauttöne
  4. Gedämpfte, aber nicht flache Farben
  5. Sehr dezentes Korn und ein analoger Gesamteindruck

2. Die Grundeinstellungen: Licht weich machen

Starte in Lightroom mit einem gut belichteten RAW-Foto. Das Preset funktioniert am besten bei Tageslicht, heller Bewölkung oder leichtem Gegenlicht.

Empfohlene Grundeinstellungen:

Kameraprofil: Adobe Neutral oder Kamera Neutral
Belichtung: nach Bild anpassen
Kontrast: -10 bis -20
Lichter: -20 bis -35
Tiefen: +10 bis +25
Weiß: -5 bis +10
Schwarz: +5 bis +15
Textur: -5
Klarheit: -5 bis -10
Dunst entfernen: -5
Dynamik: -5 bis +5
Sättigung: -5

Der wichtigste Schritt ist hier, die digitale Härte zu reduzieren, unter anderem durch die Auswahl eines neutralen Profils. Cinestill 50D wirkt oft sauber und fein, aber nicht überknackig. Deshalb nehmen wir Kontrast, Klarheit und Dunst leicht zurück.

3. Gradationskurve: der analoge Kern des Looks

Die Tonkurve ist der Teil, der den Look am stärksten prägt. Ziel ist eine weiche S-Kurve mit leicht angehobenen Schwarzwerten.

Punktkurve:

Setze ungefähr diese Punkte:

Schwarzpunkt: leicht anheben
Schatten: minimal abdunkeln
Mitteltöne: leicht anheben
Lichter: weich absenken
Weißpunkt: minimal absenken

4. Farbmischer: Farben kontrolliert entschärfen

Lightroom bietet im Farbmischer die Möglichkeit, einzelne Farbbereiche über Farbton, Sättigung und Luminanz anzupassen. Adobe beschreibt, dass sich mit dem Mixer und Point Color einzelne Farbbereiche im Entwicklungsmodul feinabstimmen lassen. [2]

Für den Cinestill-50D-inspirierten Look würde ich mit diesen Werten starten:

Farbton:

Rot: +5
Orange: -3
Gelb: -10
Grün: -20
Aqua: -10
Blau: -5

Sättigung:

Rot: -5
Orange: +5
Gelb: -15
Grün: -25
Aqua: -10
Blau: -15
Lila: -10
Magenta: -10

Luminanz:

Rot: +5
Orange: +10
Gelb: +5
Grün: -5
Aqua: 0
Blau: -5

Die Idee dahinter: Hauttöne bleiben angenehm, Grün wird weniger digital und Gelb etwas kontrollierter. Blau sollte nicht zu kräftig werden, sonst wirkt der Look schnell moderner als gewünscht.

5. Color Grading: warme Lichter, ruhige Schatten

Jetzt kommt der cineastische Teil. Im Color Grading gibst du den Lichtern eine leichte Wärme und den Schatten eine sehr dezente kühle Färbung.

Schatten:

Farbton: 210 bis 230
Sättigung: 4 bis 8
Luminanz: 0

Mitteltöne:

Farbton: 35 bis 45
Sättigung: 3 bis 6
Luminanz: +3

Lichter:

Farbton: 40 bis 55
Sättigung: 8 bis 14
Luminanz: +5

Balance & Blending:

Blending: 50 bis 65
Balance: +10 bis +25

Dadurch bekommen helle Bildbereiche einen warmen, sonnigen Charakter, ohne dass das gesamte Foto gelb wird.

6. Kalibrierung: der wirkungsvolle Feinschliff

Die Kalibrierung macht oft einen großen Unterschied zwischen „nettem Filter“ und echtem Look – es ist ein mächtiges, weit unterschätztes Werkzeug.

Probiere diese Werte:

Rot Primär Farbton: +5
Rot Primär Sättigung: +5

Grün Primär Farbton: -5
Grün Primär Sättigung: -5

Blau Primär Farbton: -10
Blau Primär Sättigung: -10

Das verschiebt die Farbbasis subtil und sorgt für ein weicheres, weniger digitales Farbbild.

7. Korn und Schärfe: fein, nicht grob

Da Cinestill 50D als feinkörniger Farbnegativfilm beschrieben wird, sollte das Lightroom-Korn sehr zurückhaltend bleiben. [1]

Korn Stärke: 10 bis 18
Größe: 20 bis 25
Unregelmäßigkeit: 40 bis 55

Bei der Schärfung gilt: lieber etwas weniger.

Betrag: 35 bis 45
Radius: 0,8 bis 1,0
Details: 15 bis 25
Maskieren: 40 bis 60

So bleibt das Bild klar, aber nicht überschärft.

Die hier beschriebenen Werte sind keinesfalls in Stein gemeißelt und passen nicht auf 1:1 auf jedes Bild, wie es uns so manche Werbung für kommerzielle Presets glaubhaft machen will. Insbesondere die Regler für Belichtung, Lichter, Tiefen, Schwarz- und Weißpumkt wollen angefasst werden!

8. Preset speichern

Wenn Du mit dem Ergebnis zufrieden bist, speichere den Look als eigenes Preset:

  1. Öffne das Preset-Panel in Lightroom.
  2. Klicke auf das Plus-Symbol.
  3. Wähle „Preset erstellen“.
  4. Benenne es zum Beispiel:
    Cinestill 50D Inspired
  5. Aktiviere vor allem diese Bereiche:

    • Grundeinstellungen
    • Gradationskurve
    • Farbmischer
    • Color Grading
    • Kalibrierung
    • Details
    • Effekte

Belichtung und Weißabgleich würde ich nicht fest ins Preset einbauen, weil sie von Bild zu Bild stark variieren.

9. Wann funktioniert der Look am besten?

Dieses Preset eignet sich besonders für:

  • Tageslichtporträts
  • Strand und Sommermotive
  • helle Straßenszenen
  • Reisen
  • Cafés und Lifestyle-Aufnahmen
  • analoge Editorial-Looks
  • ruhige Architekturaufnahmen

Weniger gut funktioniert es bei sehr dunklen Nachtaufnahmen, Neonlicht oder stark gemischtem Kunstlicht. Dafür wäre ein stärkerer CineStill-800T-inspirierter Look passender.

10. Mein Fazit

Ein gutes Cinestill-50D-inspiriertes Lightroom-Preset lebt nicht von übertriebenen Effekten, sondern von Zurückhaltung. Weiche Kontraste, warme Highlights, kontrollierte Farben und feines Korn bringen dich näher an den Look als extreme Farbverschiebungen.

Der beste Tipp: Erstelle das Preset nicht an nur einem Foto. Teste es an mindestens fünf bis zehn Bildern mit unterschiedlichem Licht. Erst dann siehst Du, ob Hauttöne, Schatten und Highlights wirklich stabil funktionieren.
Im folgenden findest Du einige Vorher/Nachher-Beispiele: