Coffee To Go – flüssiges Statussymbol im Pappbecher

Als ich vor einigen Tagen morgens zur Arbeit fuhr, kam aus einer Seitenstraße fast unbemerkt, quasi aus dem „Off“ eine junge Frau, die so ziemlich jedes gängige Klischee erfüllte: adrett frisiert, ein schwarzes Kostüm, darunter ein weißes Blüschen und in der Hand einen Coffee To Go. Sie war so dermaßen unscheinbar, sie ist mir nur aufgefallen, weil sie kurz stolperte und sich fast die ganze Brühe aus ihrem Pappbecher über das schmucke Kostüm gekleckert hätte. Wir beobachten das des öfteren : ein Schritt zu schnell, ein Deckel zu locker, und plötzlich wird aus uniformer Business-Kleidung ein individuelles Kunstwerk.

Es gibt drei Dinge, die diese „modernen“ Menschen ausmachen: WLAN, Lieferando und Coffee to go. Ohne diese Trias würden derartige Durchschnittsbüromenschen vermutlich zu Grunde gehen, in der Wildnis verhungern, verdursten oder – schlimmer noch – offline sein.

Coffee to go ist längst kein Getränk mehr, sondern ein Accessoire. Er wird nicht gekauft, um ihn zu trinken – nein! – er wird getragen wie eine Valentino-Handtasche oder wie eine Monstranz bei der alljährlichen Fronleichnamsprozession. Man balanciert ihn stolz durch die Fußgängerzone, leicht angewinkelt, damit das Logo des hippen Coffeeshops auch im Vorbeigehen die maximale Aufmerksamkeit entfaltet. Seht her: Ich habe keine Zeit, mir meinen Kaffee selbst aufzubrühen, ich kann und muss ihn für eine Mörderkohle im angesagten Coffeeshop kaufen. Der Inhalt? Irrelevant. Ob Latte Macchiato, Triple Caramel Pumpkin Spice Unicorn Latte, HimalayanDeCaff mit Hafermilch, Eau de Toilette und Sojasahne oder im schlimmsten Fall einfach nur Kaffee – Hauptsache, man trägt den Lifestyle wie eine Monstranz oder einen Wanderpokal vor sich her.

Natürlich ist der Coffee to go zugleich auch ein messerscharfes soziales Statement. Wer ihn trägt, signalisiert: „Ich bin busy. Ich habe keine Zeit, wie normale Menschen zu sitzen und Kaffee zu trinken. Ich laufe, während ich schlürfe, weil jede Sekunde zählt.“ Ironischerweise führt dieses Power-Walking mit Koffeinbecher dann häufig dazu, dass man mehr Zeit damit verbringt, den Schaum von der Jacke zu tupfen, als man beim Sitzen im Café je verloren hätte.

Und wie ist das ganze nun geschmacklich einzuordnen? Für sechs bis acht Euronen bekommt man eine Brühe der Mittelmäßigkeit. Es schmeckt alles nicht so, wie es zunächst klingt. Ein Latte Macchiato klingt wie die Ouvertüre zu einer Verdi-Oper, verkommt aber zur Mundwasserspülung beim örtlichen Zahnarzt. Ein Cappuccino klingt wie ein Sonnenuntergang an der Amalfi-Küste, ist aber in Wirklichkeit ein „Shit, das nächste Teams-Meeting wartet bereits“. Am ehrlichsten ist immer noch ein Espresso, klein, stark, schwarz und ohne Firlefanz, ein kleiner, brutaler rechter Aufwärtshaken mitten zwischen die Zähne, der einfach nur sagt: „Komm klar, Du Lappen“. Alles andere ist nur parfümiertes Theater mit Schaum, Zimt und Zucker.

Coffee To Go ist nichts anderes ist als ein Spiegel unserer Gegenwart: Wir trinken im Grunde nicht mehr, wir halten etwas fest, wir genießen nicht mehr und nehmen uns fünf Minuten Zeit, wir rennen nur noch rastlos durch die Weltgeschichte herum. Am Ende bleibt nur ein Pappbecher übrig, der sich schneller auflöst als die Hoffnung, den Tag halbwegs normal, ohne nervenaufreibenden Stress und bekleckerten Designer-Klamotten zu überstehen.




Kleine Geste, große Wirkung

Im Alltag eines Geschäfts geht es oft um Waren, Preise, Angebote und Beratung. Doch manchmal entstehen genau zwischen all dem die kleinen Momente, die lange im Gedächtnis und im Herzen bleiben.

Heute kamen zwei junge Mädchen in ein Deko-Geschäft, in dem wir gerade eine Tage zuvor bestellte Jardinière (Blumenbehälter) abholten.

Augenscheinlich kamen die jungen Mädchen diesmal nicht, um etwas zu kaufen, sondern einfach, um sich noch einmal herzlich für das Lederarmband, das sie zuvor kauften und die freundliche Beratung zu bedanken.

Diese ehrliche Wertschätzung hat uns wirklich berührt, insbesondere, da es sich um Jugendliche im Alter von vielleicht 13 Jahren handelte. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnell und selbstverständlich geworden ist, zeigen solche Begegnungen, wie viel Freundlichkeit und Aufmerksamkeit bedeuten können – augenscheinlich auf beiden Seiten, da sich die Verkäuferin ebenfalls sehr freute.

Es sind oft nicht die großen Ereignisse, die einen Tag besonders machen, sondern die kleinen Gesten: ein ehrliches Dankeschön, ein Lächeln oder ein kurzer Besuch, der zeigt, dass etwas in Erinnerung geblieben ist.

Solche Momente erinnern uns daran, warum persönlicher Kontakt und echte Begegnungen im Einzelhandel so wertvoll sind. Und sie zeigen, dass auch ein kleines Lederarmband manchmal mehr sein kann als nur ein Accessoire – nämlich eine schöne Erinnerung.




Krefelder Tradition: Das Oldtimer-Treffen auf der Rennbahn

Es gibt Orte, die versprühen schon von Natur aus einen ganz besonderen, historischen Charme. Die Krefelder Rennbahn im Stadtwald ist genau so ein Juwel. Doch wenn der vertraute Sound von blubbernden V8-Motoren, das feine Schnurren alter Boxer-Motoren und der Duft von Benzin und Politur die Luft erfüllen, dann weiß jeder Oldtimer-Fan am Niederrhein: Die Oldtimer-Freunde Egelsberg haben wieder gerufen!

Das traditionelle Treffen an der Rennbahn ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein fester Pflichttermin im Kalender für alle, die ihr Herz an das „alte Blech“ verloren haben.

Wer am Sonntag das Gelände der Rennbahn betritt, begibt sich auf eine Zeitreise. Flankiert von den wunderschönen, historischen Holztribünen reiht sich hier ein Schätzchen an das nächste. Das Besondere an den Treffen der Oldtimer-Freunde Egelsberg? Die bunte Vielfalt!

Hier gibt es keine Berührungsängste zwischen High Society und Alltagshelden vergangener Tage. Da steht der perfekt restaurierte Mercedes-Benz Pagode direkt neben einem liebevoll gepflegten VW Käfer. Ein Stück weiter zieht ein amerikanischer Straßenkreuzer mit riesigen Heckflossen die Blicke auf sich, während daneben ein uriger Traktor oder ein rares Vorkriegsmodell die Technikgeschichte lebendig werden lässt.

Ob Schrauber-Profi oder begeisterter Laie – hier kommt man sofort ins Gespräch. „Welches Baujahr?“, „Wo hast du die Ersatzteile her?“ oder einfach nur ein nostalgisches „So einen hatte mein Opa auch!“ hört man an jeder Ecke. Die Verbindung aus historischer Architektur, sattem Grün und glänzendem Chrom bietet Fotografen und Besuchern Motive am laufenden Band. Kein Stress, keine Pokaljagd – einfach Gleichgesinnte treffen, staunen und die Seele baumeln lassen. Auch wenn das Wetter an diesem Sonntag etwas zu wünschen übrig lies, konnte man dennoch wieder einige Juwelen entdecken, die hier noch nie oder selten zu sehen waren

Ein großes Dankeschön gilt den Oldtimer-Freunden Egelsberg, die dieses Event mit viel Herzblut, ehrenamtlichem Engagement und Liebe zum automobilen Kulturgut organisieren. Sie sorgen dafür, dass die Krefelder Street-Culture um ein echtes Highlight reicher ist.


ngg_shortcode_0_placeholder