Montag, 19. November 2007

Roger Hodgson in Frankfurt

Abgelegt unter: Tagebuch, Musik — Juergen Langenberg @ 23:29

Roger HodgsonNur wenige, wichtige kulturelle Dinge können einen Rheinländer dazu bewegen, seine Heimat zu verlassen.
Roger Hodgson ist wichtiger ein Grund.
Wer zum Teufel ist Roger Hodgson, wird sich jetzt der ein oder andere fragen.
Roger Hodgson war bis anno 1983 Mitglied von Supertramp. Vielleicht klingelt es jetzt bei dem einen oder anderen.
Leute mit mittlerweile volljährigen Kindern, grauen Schläfen und lichtem Haar werden sich womöglich noch wehmütig an Hits wie “School”, “Dreamer”, “Give A Little Bit”, “The Logical Song” und “It’s Raining Again” erinnern.
Allesamt Songs von Supertramp aus der Feder und mit der unverkennbaren Stimme von Roger Hodgson.

25 Jahre nach dieser Trennung, die für mich damals einem Weltuntergang gleichbedeutend war, hat der Mann also nichts besseres zu tun, als durch die Lande zu tingeln und sich als “The Voice and Songs of Supertramp” feiern zu lassen?
Einen ersten Vorgeschmack auf das Konzert bot bereits die im September erschienene Live-DVD “Take The Long Way Home”, aufgenommen in Montreal, Kanada.
Alte Lieder und Nostalgie pur also.
Doch weit gefehlt. Wer hier erwartet, dass Roger Hodgson, um das Weihnachtsgeld etwas aufzubessern, seine alten Hits herunterleiert, der sieht und hört sich ganz furchtbar schnell eines sehr viel Besseren belehrt.

Waren Supertramp-Konzerte zu seiner Zeit immer eine Orgie der musikalischen und klangtechnischen Perfektion, so tritt Roger heute als Solokünstler auf, lediglich von einem hervorragenden Saxofonisten begleitet.
Sieht und hört man die DVD, dann begreift man schnell, warum seine ehemaligen Mitstreiter sich vermutlich aufs Altenteil zurückgezogen haben.
Rogers Songs klingen hier so, wie er sie wahrscheinlich komponiert hat und man vermisst rein gar nichts, keine Band, kein Multimedia, keine teure Lightshow, rein gar nix.

Das, was man hier auf der DVD geboten bekommt, lässt einen über irgendwelche Ticketpreise für ein Konzert mit Roger Hodgson im Grunde gar nicht weiter nachdenken.
Einziger Wermutstropfen: Das einzige Konzert in Deutschland findet in der ehrwürdigen Alten Oper in Frankfurt statt.
Zeit also, um die Hühner zu satteln und ins ferne Hessen aufzubrechen.

Das Konzert war für Samstag, den 17.11.2007, 19.30 Uhr anberaumt. Um nicht gleich danach wieder den beschwerlichen Heimweg antreten zu müssen, buchten wir ein Hotel in “Downtown” Frankfurt. Mit 40 Jahren neigt man dazu, etwas kommoder zu reisen.
Diese Downtown unterscheidet sich kaum von Downtown Los Angeles, außer dass die Olvera Street historischer als der Römer aussieht und dass es hier keine guten mexikanischen Restaurants gibt. Ausserdem isses in Frankfurt viel kälter.
Trotz Navi waren die letzten Meter eine Tortur, was an der total beknackten Straßenführung liegt, die noch undurchdachter als in Köln oder im Ruhrgebiet ist.
Das Hotel befand sich in der Peripherie des Bahnhofs und machte von außen nichts Besonderes her. Immerhin waren die Zimmer sauber, sehr modern gestylt und es gab einen herrlichen, in die Wand eingelassenen Plasma-Fernseher, der im Grunde so überflüssig war wie nur sonst was.

Da wir genügend Zeit hatten, machten wir uns in die Innenstadt auf, natürlich am Main entlang. Als erstes stach uns dort ein Gebäude der Köln-Düsseldorfer ins Auge.
Die betreiben zwischen, richtig …, Köln und Düsseldorf Personenschifffahrt. Ausflugsdampfer also.
Aber so etwas hier in Frankfurt? Das wäre das gleichbedeutend, wenn in Düsseldorf Nilkreuzfahren angeboten würden. Äußerst fragwürdig.
Am Römer stieg gerade eine Demo gegen soziale Ungerechtigkeit. Wech mit Harz IV und dem ganzen Gedöns. Macht kaputt, was euch kaputt macht. Auf einer eigens dafür aufgebauten Bühne weinten eifrige Redner dem unterkühlten Publikum ihre Tränen entgegen. Das war immerhin so interessant, dass einige japanische Touristen es sich nehmen ließen, das ganze Spektakel zu fotografieren. Daheim im fernen Nippon lachen sie sich vermutlich halb tot darüber.
Belustigt zogen wir weiter in die Fußgängerzone. Irgendwo gab es dort ein riesiges Einkaufszentrum mit einem Dachterassenrestaurant.
Warum da nicht mal hochgehen. Es war für die Katz. Das Restaurant hatte den Charme eines Luftschutzkellers und sehen konnte man auch nichts. Auf der Außenplattform konnte man ebenfalls nichts sehen, was daran lag, dass ein paar Banken-Kathedralen den Weg versperrten. Macht nichts, es wurde eh allmählich dunkel draußen.

Am Ort des Geschehens, der Alten Oper trafen wir eindeutig zu früh ein. Das dortige, viel zu kleine Café war eindeutig viel zu voll, um dort noch einen Platz ergattern. Also wollten wir hinein in die Alte Oper, um uns schon einmal der Garderobe zu entledigen.
Ich hatte beim Anblick des Publikums allerdings den Eindruck, wir hätten uns verlaufen.
Der Aufzug der dort anzutreffenden Klientel machte eher den Eindruck, als ob hier eine Festivität mit dem holländischen Stehgeiger André Rieu stattfinden würde.
Doch beim Vorzeigen unserer Eintrittskarten winkte man uns jedoch bedenkenlos durch.
Veranstaltet wurde das Konzert von einer Consulting Agentur namens Pass. Mir dräunte Böses. Nachdem wir 6 (in Worten: sechs) Stockwerke zu unserem Platz hochkrabbelten, teilten uns zwei äußerst adrett gekleidete Studentinnen in knallroter Hostessenuniform mit, dass erst in einer halben Stunde Einlass wäre. Bingo. Wir könnten ja noch einen Kaffee trinken, sagten sie uns.
Nun, das kann ja heiter werden.

Kurz nach 19.00 Uhr ließ man uns dann ins Allerheiligste. Die unteren Reihen waren augenscheinlich vom Veranstalter für die Rieu-mäßig Gekleideten reserviert, was eine leichte Neujahrskonzertatmosphäre aufkommen ließ.
Die hinteren Bereiche waren augenscheinlich mit Leuten gefüllt, denen der Name Stanley August Miesegaes noch etwas sagte. Wem dieser Name vorübergehend nicht geläufig ist, der muss halt tapfer sein und so lange googeln, bis er diesen gordischen Knoten gelöst hat.

In meinem ganzen Leben hat noch nie etwas so pünktlich begonnen wie dieses Konzert. Um Punkt, wirklich Punkt 19.30 erlosch nach mehreren dezenten Tagesschau-Gongs das Licht und die Vorgruppe, die Funky Style Coalition begann aufzuspielen. Funk and Soul. Recht ordentlich, aber meiner Ansicht nach nicht die geeignete Anreiße für Roger Hodgson. Der hat mit Funk nämlich so viel zu tun wie die Kuh mit Ziegenmilch.
Teilweise wurde der Funk und Soul auch noch mit der Begleitung eines kleinen Streich-Orchesters, dem Omnia String Orchestra dargereicht, was ein wenig überflüssig war, weil die Geiger von der restlichen Band ziemlich niedergedengelt wurden. Die Sängerin namens Bonita (Nomen ist Omen) machte jedoch ein überzeugende Vorstellung. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin, deren Name mir leider gerade nicht geläufig ist, konnte man jedoch auch verstehen, was sie singt. Sie arbeitete schon mit Leuten wie Kool and the Gang und Michael Bublé. Sagt man eigentlich Bubbbleh oder Büblee? Wie auch immer …
Das Publikum wurde zunehmend unruhig, was auch an den langatmigen und salbungsvollen Ankündigungen des Bandleaders lag. Man sollte nicht über Musik reden, sondern man sollte sie spielen. Mit dieser Meinung artikulierte sich auch ein Zuschauer etwas lautstark. Bonita, die Sängerin, konterte höchst professionell, dass sie als Kind auch nicht immer das bekam, was sie wollte, inzwischen aber erwachsen geworden wäre. Klarer Punkt für die Dame. Thumbs up, beide Daumen nach oben.
Nach ‘ner Stunde hatten die Herrschaften dann ein einsehen und verließen die Bühne.
Jetzt erst einmal Licht an und Pause.

Da im Land Hessen seit dem 1.10.2007 in öffentlichen Gebäuden absolutes Rauchverbot herrscht, mussten sich alle Raucher in einen eigens dafür abgetrennten Bereich zurückziehen. Dieser war zweckmäßigerweise in “unserem” Stockwerk. Um das Publikum vor grippalen Erkrankungen und sonstigen Frostschäden zu bewahren, war dieser Raum selbstverständlich gänzlich unbelüftet. Vielleicht hat die Alte Oper Angst vor eventuellen Regressansprüchen seitens ihrer Besucher im Krankheitsfall.
Wenn hier “Der Ring der Nibelungen” gespielt wird, ist dieser Raum garantiert komplett kontaminiert. Denn der Ring “zieht sich”, wie Konrad Beikircher es ausdrücken würde.

Kurz nach 20.30 Uhr begann dann der Teil des Abends, auf den wir alle gewartet haben.
Das Licht ging aus.
Doch nicht Roger kam auf die Bühne, sondern eine ebenfalls adrett gekleidete junge Dame in einem austauschbaren Allerweltsköstum, offensichtlich in Lohn und Brot des Veranstalters.
Ihre ehrenvolle Aufgabe bestand darin, Roger anzukündigen und eine Laudatio auf ihn zu halten.
Das ging jedoch aus 3 Gründen vollends in die Hose.
Erstens, weil die Dame zu Zeiten von “Breakfast In America” augenscheinlich nur in den Wünschen ihrer Eltern existierte und zweitens, weil sie ihren kompletten Text vom Blatt ablesen musste. Drittens wusste die Dame wohl überhaupt nicht, wovon sie redete und auf wen das Publikum hier ungeduldig wartete.
Ich hoffe nur, dass sie das anschließende Konzert etwas geläutert hat. Wir mussten früher in der Schule wenigstens noch etwas auswendig lernen.
So eine Ansage hatte Roger nicht verdient. Aber das Fräulein hatte ein Einsehen und machte es kurz.
Sie verduftete blitzschnell und Roger kam auf die Bühne.
War der Applaus bis dato höflich bis verhalten, so brach bei Rogers erstem Schritt auf die Bühne ein Inferno los, womit wohl zwei Leute überhaupt nicht gerechnet haben: Roger Hodgson und ich (endlich ein Satz, in dem wir beide vorkommen).
Die Leute waren offensichtlich doch nicht wegen André Rieu gekommen. Gott sei Dank, alle Zweifel waren beseitigt, wir waren in der richtigen Veranstaltung.

Ganz entspannt nahm Roger, nachdem er das Publikum begrüßte, an seinem KORG Triton-Keyboard Platz und haute einmal in eine tiefe Taste, die nicht den leisesten Zweifel aufkommen ließ, was jetzt folgt.
“Take The Long Way Home”, dem Song der in wirklich jeder Lebenslage (bestimmt nicht nur) mein treuester Begleiter ist.
Roger nur solo am Keyboard, aber mit einer solchen Präsenz, als wenn er diesen Song für jeden einzelnen persönlich in diesem Auditorium singt. Grandios.
Gott sei Dank hat er sich mit Aaron McDonald “from London, Ontario” für das karnevaleske Saxofon-Solo im Mittelteil des Eröffnungssongs einen kongenialen Begleiter an Land gezogen, oder entführt, wie er selbst gestand. Er illuminierte diverse Stücke dieses Abend in der gleichen genialen Weise wie einst John Helliwell bei Supertramp, freilich ohne dessen einzigartige Moderationen und dessen Soloeinlagen.

Was folgte, war ein von tosendem Applaus und streckenweise stehenden Ovationen begleiteter Par Force-Ritt durch fast 40 Jahre wundervoller Musik von Roger Hodgson. Dass in diese Zeit auch Supertramp fiel, belastete hier nicht weiter. Vielmehr zeigte sich, wie sehr Roger Hodgson diese Band verkörperte.
Ohne seine ehemaligen Kollegen kleinzureden (im Gegentum), hier hatte der Veranstalter nicht gelogen. Es gab wirklich “The Voice and the Songs of Supertramp”, und zwar pur (nicht zu vergleichen mit den schwäbischen Bügelbrett-Barden).
Roger ließ kaum einen seiner Hits aus und hatte dabei augenscheinlich soviel Spaß an diesen Songs wie ein kleiner Junge, der nach langer Zeit mal wieder mit den anderen Kindern in den Sandkasten durfte.
Eine Band braucht Roger Hodgson für seine wunderbare Musik nicht, denn er hatte das Publikum.
Das pfiff bei Bedarf die Kinderliedmelodie von “Easy Does It”, klatschte den abgehakten Rythmus von “Dont’ Leave Me Now” und machte die erforderlichen Geräusche bei “School”. Lediglich das Duet bei “Sister Moonschine” bedurfte noch einiger Übung. Aber Unzulänglichkeiten machen bekannterweise auch manchmal den Reiz einer Sache aus.

Roger hatte diese “Band” jede Minute seines Auftrittes fest im Griff und in seinem Bann.
Hat er sich zu Supertramp-Zeiten gerne hinter diversen Keyboards und Gitarren versteckt und mit geschlossenen Augen gesungen, so geht er heute so offen und natürlich auf sein begeistertes Publikum zu wie kaum ein andere Musiker. Nie überheblich, immer freundlich, sehr ausgelassen und ausgesprochen humorvoll. Man merkte ihm jede Minute an, dass er sich inmitten seines Publikums sauwohl fühlte.

Sogar einen neuen Song hatte er im Gepäck. “Oh Brother”, ebenfalls zu bewundern auf der Live-DVD. Dieser Song hat alles, was seine und die Musik von Supertramp ausgemacht hat. Eine eingängige Melodie, gehämmerte Piano-Akkorde und herrliche Spannungsbögen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und selbst Roger wunderte sich mit einer gehörigen Portion Selbstironie darüber, dass er immer Stücke schreibt, die nach einer hohen Stimme verlangen.
Sogar vor den ganz alten Schinken gab es keinen Halt: “Rosie Had Everything Planned” aus der 1971 erschienen LP “Indelibly Stamped” (Männer, das ist die LP mit den tätowierten Brüsten drauf!) erklang. Diesen Song gab es natürlich nur für eine “very special audience”, wie Roger es formulierte, womit er auch Recht hatte.
Dann folgten zwei Songs, von denen ich immer erhoffte, aber es nie für möglich gehalten habe, sie live zu hören: “Child Of Vision”, der gigantische Rausschmeisser aus “Breakfast In America” und aus dem selben Album ein weiteres Allheilmittel für Sorgen sämtlicher Art: “Lord Is It Mine”.
Das finale Piano-Solo aus “Child Of Vision” erreichte zwar nicht ganz die Intensität der Originalversion, doch dafür machte Roger hier seinem Spitznamen, den John Helliwell ihm zu Supertramp-Zeiten gab, alle Ehre: “Hammerhands”.
Aberwitzige Stakkati auf dem E-Piano, ein Markenzeichen von Supertramp.
“Lord Is It Mine” kam mit etwas forciertem Tempo daher, aber diesen Song könnte Roger auch auf einem Kamm blasen, er würde nie die Wirkung verfehlen und mir auch dann noch die Tränen in die Augen treiben. “Rosie” und diese beiden Songs sind leider auf oben erwähnter Live-DVD nicht zu hören, ebenso wie “Even In The Quietest Moments”. Es war wirklich “quiet”, als Roger auf seiner 12-seitigen Gitarre die ersten Akkorde anstimmte, man konnte eine Stecknadel fallen hören, so denn irgend jemand im Publikum solche Utensilien mitgebracht hätte.

Gegen Ende des Abends gesellte sich dann ein Teil der Funky Style Coalition samt des Omni String Orchestra dazu, um Roger ein wenig unter die Arme zu greifen, was meiner Meinung nach völlig überflüssig war. Der eingangs erwähnte, eloquente Bandleader hatte jedenfalls erst einmal gehörige Probleme seine Gitarre zu stimmen, was Roger mit einem breiten Grinsen quittierte.
“Breakfast In America” und “The Logical Song” gab es dann mit voller Band-Breitseite, wobei die Streicher hier soundtechnisch ein wenig im Keller waren und auch für die Stücke selbst keine Bereicherung waren.
“It’s Raining Again” und ein finales “Give A Little Bit” beendeten dann unter frenetischem Beifall ein denkwürdiges Konzert mit einem faszinierenden Menschen und Musiker.

“Wer hat an der Uhr gedreht”, fragt man sich nach gut zweieinhalb Stunden. So schnell ist die Zeit vergangen. Fast so schnell wie die Zeit, in der wir Rogers Songs im Radio rauf und runter gehört haben, eine Zeit, in der “School” noch Realität war und wir von einem “Breakfast In America” wirklich nur träumen konnten.
Nostalgie-Konzerte wie dieses sind in aller Regel immer ein zweischneidiges Schwert. Viele machen eine Reunion der Reunion, wieder andere stopfen verstorbene Löcher mit anderen Musikern, andere dudlen lustlos die ollen Kamellen runter.
Supertramp waren zu Ihrer Zeit Künstler, die mühelos jedes Stadion der Welt füllen konnten und wurden von der Kritik Anfang der 80er Jahre schon als die neuen Pink Floyd gehandelt. Daraus ist bekannterweise und, wie ich meine, Gott sei Dank nichts geworden.
Supertramp um Rick Davies haben zuletzt 2002 bewiesen, dass sie noch nicht tot sind und dass sie es immer noch verstehen, teilweise 30 Jahre alten Stücken eine gehörige Portion Leben einzuhauchen, auch wenn sie im direkten Vergleich mit Rogers Energie nicht mithalten können.
Roger Hodgson geht hier einen anderen Weg, er reduziert sich auf das Minimum, auf seine Songs, sein instrumentales Können, seine Stimme und kann dabei auf ganzer Linie überzeugen, beziehungsweise das Publikum in seinen Bann ziehen und mitreißen.
Kein Schnick und kein Schnack, geniale Musik in ihrer reinsten Form, ohne Netz und doppelten Boden.
Ob solo, mit Band, mit großem Orchesteraufgebot oder mit einem Blockflötenspielkreis: So lange Roger seine Lieder singt, wird es immer ein Erlebnis bleiben, ihm zuzuhören. Und es war Roger Hodsgon jede Minute dieses Auftritts anzumerken: Er liebt es, diese alten Schinken zu spielen, was dieser einzigartigen Musik noch einmal einen gehörigen Schub verpasst.

Abschliessend möchte ich mich noch bei den Leuten entschuldigen, die ich irrtümlicherweise für André Rieu-Fans gehalten habe. Roger kann sich glücklich schätzen, ein Publikum wie an diesem Abend gehabt zu haben.
Nur eins habe ich ganz schmerzlich vermisst: “Fool’s Overture”, aber vielleicht gibt es die beim nächsten Mal, …”we should never surrender”.
Wenn man Roger Hodgson hier und heute gesehen hat, dann zieht man nicht in Zweifel, dass der “Long Way Home” noch lange nicht zu Ende ist.

Freitag, 16. November 2007

OP-X / OP-X Pro

Abgelegt unter: Virtuelle Instrumente — Juergen Langenberg @ 0:17

Emulationen analoger und digitaler Klassiker für die VST-Schnittstelle gibt es wie Sand am Meer.
Bei der Suche nach qualitativ guten Sachen wird die Auswahl schon enger.
Genannt seien hier Native Instruments’s Pro-53, eine Emulation des legendären Prophet 5 von Sequential Circuits, der Minimoog und der Moog Modular von Arturia, der impOSCar von GMEDIA und der FM7, eine virtuelle Reinkarnation des berühmten Yamaha DX7, ebenfalls von Native Instruments.

Nur einer fehlt in dem bunten Reigen, da Virtuelle Wiedergeburten mit dem Oberheim-Schriftzug bis dato immer an lizenzrechtlichen Irrfahrten scheiterten .
Die Rede ist vom Oberheim OB-X.
Das ist das Teil, mit dem Van Halen 1984 samtliche Hitparaden rauf und runter “jumpten”.
Ebenfalls stolze Beistzer dieses Gerätes waren Queen, Chick Corea, Supertramp, Herr Jarre und Tangerine Dream.
Sehr schön in Aktion kann man ihn ebenfalls auf Barclay James Harvet’s “Turn Of The Tide” aus dem Jahr 1982 hören.

Irgendwie hat es mir der Sound dieses Synthesizers angetan.
Allein der Platz und vor allem die nötige Kohle haben es mir versagt, dieses Gerät zu besitzen.
Doch das Warten hat ein Ende; der OB-X ist als virtueller OP-X von der Schweizer Firma Sonicprojects wieder ins Leben zurückgeholt werden.

Sicher, jetzt kommen wieder all die Leute an die Sonne, die sagen, sie hören auch in einem 192-Spur-Mix noch den Unterschied zum Original. Das mag irgendwo auch seine Berechtigung haben, aber was diese Leute gerne unterschlagen ist, dass auch kein Moog beispielsweise klanglich wie ein Ei dem anderen glich.

Also fangen wie wieder bei Null an und laden uns auf oben genannter Seite erst einmal das Demo herunter. Nach der unproblematischen Installation (zur Zeit werden nur Windosen unterstützt) geht es sofort ans Werk. Beim durchsteppen der Werkspresets gerät man unweigerlich in wehmütiges Schwärmen nach alten Zeiten, in denen bei Roadies noch eine Schiffschaukelbremserausbildung obligatorisch war und in denen man hinter den Keyboardburgen noch richtig Verstecken spielen konnte.
Presetnamen wie Axel F, Days are numb und Life is for living bedürfen wohl bei heute 40-jährigen keiner weiteren Erklärung, die Jugend von heute sei an dieser Stelle auf Sampler der frühen 80er Jahre verwiesen.

Zusammen mit einer gelungenen, photografischen Bedienoberfläche ist man hier fast am Ziel seiner oberheimlichen Wünsche angelangt.
Denn eine wirkliche 1:1-Umsetzung zum Original liegt hier natürlich nicht vor, Soundunterschiede zum Original sind vorhanden, aber das trübt keineswegs den positiven Gesamteindruck dieses exzellenten Programms.
Bezüglich der Klangerzeugung möchte ich hier nicht weiter ins Detail gehen; einen genauen Abriss darüber und die Historie des OB-X findet sich bei AMAZONA.Den OP-X gibt es auch als OP-X Pro. Dieser hat beispielsweise ein 24db-Filter, was das Original nie besessen hat.
Das schafft Raum für neue Klangkreationen-
Der ein oder andere mag noch bemängeln, dass man auf der Oberfläche des OP-X keine Werte bei der Editierung der einzelnen Klanparameter ablesen oder eingeben kann.
Nun, das gab es beim Original auch nicht und ich sehe das auch nicht als Nachteil.
Im Gegenteil, man hängt sich hier nicht an irgendwelchen Millisekunden im Decay oder einerm Hertz mehr oder weniger im Filter auf, sondern man muss sich einzig und allein auf sein Gehör verlassen.

Kommen wir zum unangenehmen Teil, zu den Kosten.
Doch die sind nicht wirklich unangenehm. Der OP-X kostet 99 Dollar und der OP-X Pro schlägt mit 149 Dollar zu buche. Ein Update vom OP-X zum OP-X Pro ist für 49 Dollar zu haben.
Das ganze gibt es sogar als Reaktor-Ensemble für 49 Dollar, wobei ich hier den Klang nicht beurteilen kann. Bei allem Respekt für den Reaktor, einen Oberheim darauf zu bauen halte ich für problematisch.
Beim derzeitigen Dollarkurs halte ich dieses Angebote für sehr fair, ich habe bei einem Kurs von 1,32 Dollar gekauft und noch keinerlei Reue gezeigt.
Ebenfalls positiv zu vermerken ist, dass kein Dingle, Dangle oder Dongle als “Kopierschutz” verwendet wird, sondern dass hier ganz altmodisch eine Seriennummer eingegeben werden muss.
Apple ist ja mit Logic mittlerweile auch von dem Hardwaregedöns abgekommen.
Sehr vernünftig, da benutzerfreundlich.

Also, beide Daumen nach oben für ein wirklich gelungenes, bedienerfreundliches, gutgklingendes und durchsetzungsfähiges Instrument.

Mittwoch, 14. November 2007

Rücktritt

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 23:28

Am 13.11.07 ist Franz Müntefering von alle Regierungs- und Parteiämtern zurückgetreten.
Nach seiner Aussage sind ausschliesslich private Gründe für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen.
Kaum waren diese Worte gesprochen, überschlug sich die gesamte Journaille, um die “wahren” Gründe für seinen Rücktritt zu erforschen.

Abgewatscht vom fetten Parteivorsitzenden und im Stich gelassen von Chefin Angie. Logisch, dass der Mann jetzt die Koffer packen muss.
Wenn es eng wird, dann ducken sich die Politiker weg und übernehmen “die persönliche Verantwortung”.
Kreuzverhörmässig wird jeder Politker in Funk und Fernsehen befragt, um die wahren Gründe für den Abgang vom Franz zu postulieren.
Doch nicht einmal die Links-Schalmei Andrea Nahles lässt sich zu irgendwelchen diesbezüglich zweideutigen Äusserungen hinreissen.
Dabei halte ich es für äusserst zweifelhaft, dass diese Frau sich durch eine etwaige Parteidisziplin anleinen lässt.

Ich glaube der Aussage vom Franz und ich kann sie voll und ganz nachvollziehen, wobei ihm sein verweichlichter (Partei)-Chef die Entscheidung sicher sehr leicht gemacht haben könnte.
Man muss Münteferings Entscheidung einfach nur Respekt abzollen, weiter sollte man eigentlich nichts tun.
Ohne ins Detail gehen zu wollen, es gibt da bestimmt andere Charaktere in der Politik, die einfach weitergemacht hätten und die Krankheit des Partners eventuell von der Regierungsbank aus geregelt hätten.

Nicht Leute wie Müntefering stehen in diesem Fall für eine Politikverdrossenheit, sondern die Leute, allen voran unsere Journaille, die händeringend nach anderen Gründen für seine Entscheidung suchen.
Duch solch ein Verhalten werden andere Vollblutpolitiker (von denen es hier und da noch welche gibt) in Mißkredit gebracht und der letzte Rest von Glauben an das Gute wird niedergeschrieben, niedergetalkt und niedergebrennpunktet.

Ich wünsche dem Franz und seiner Frau alles erdenklich Gute und hoffe, dass er irgendwann seinen roten Schal mal wieder auf einer Regieungsbank fallen lässt.
Und sollte es eventuell doch einen ganz kleinen “dienstlichen” Grund für seinen Rücktritt gegeben haben, so hoffe ich nicht, dass er seinen roten Schal in der Nähe des Salon-Bolschewiken Lafontaine fallen lässt. Aber ich denke, der Schal weiß, wo er hingehört.

Good luck and good night …

Dienstag, 13. November 2007

David Schombert

Abgelegt unter: Musik — Juergen Langenberg @ 23:30

Ein interessantes Musikportal im Netz findet sich unter Jamendo.com.
Dort bin ich auf den französischen Musiker David Schombert getroffen.
Luftige und melodiöse Ambient-Musik fernab von Kitsch und sonstigem Klebstoff.

Ein paar Hörproben findest Du hier:

 

Donnerstag, 8. November 2007

Weihnachtslieder

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 1:23

Es wird früher dunkel draussen, ein kalter Wind fegt um die Häuser, die Kerzen brennen, wir kaufen die ersten Lebkuchenherzen und Christstollen im Supermarkt unseres Vetrauens.
Da darf natürlich der passende Soundtrack nicht fehlen.
Und natürlich nicht ohne das allgegenwärtige “White Christmas”.

Till Brönner, Deutschlands Mann an der Trompete, kann sich so einer Verantwortung natürlich nicht entziehen. Auch er kann es sich nicht verkneifen, sich an diesem wunderschönen Weihnachtslied zu versündigen.

Beworben wird das Machwerk mit großem Tam-Tam von Jazz Echo.
Dort kann man auch das Video, das stilistisch versucht, an Fellini zu erinnern, ansehen.
Dreht man die Musik ab, könnte es auch als Werbefilmchen für Bettwäsche, weiße Herrenhemden oder für irgendein Duftwässerchen herhalten.
Dreht man die Musik auf, ist man geneigt, sofort nach der Mute-Taste zu suchen.
Was man da hört, hat mit Jazz und/oder mit White Christmas so wenig zu tun wie die Kuh mit Ziegenmilch.
Ich frage mich wirklich, was der Unsinn soll und wer das braucht.

Quasi die Krone setzt der Kommentar des Jazz Echo-Redakteurs dem ganzen Spektakel auf: Irving Berlin (das ist der, wo das schöne Liedchen weiland 1940 geschrieben hat) hätte gewiss großen Gefallen an der visuellen wie musikalischen Umsetzung dieses Stückes.

Der hätte sich wohl eher gefragt, was dieses schwuchtelige Filmchen und der ausdruckslose Gesang des Herrn Brönner mit einer weißen Weihnacht zu tun hat und würde sich anschliessen mal kräftig im Grabe herumdrehen.
Weiss ist hier allenfalls das Leibchen, das Herr Brönner trägt und weihnachtlich sind wohl lediglich die Einnahmen, die sich der schöne Till mit diesem ganzen Zirkus erhofft.

Hier verkommen Weihnachtslieder zu einem dahinplätschernden Soundtrack für Leute, die am heiligen Abend nix besseres zu tun haben, als sich gestylt in irgendeine Luxusherberge zu begeben und Weihnachten zu einer gediegenen Party verkommen lassen.
Aber vielleicht ist es gerade das Traurige, dass es immer mehr solcher Leute gibt (was kein Vorwurf an die Leute selbst sein soll).

Oder vielleicht liegt es daran, dass heute keiner mehr Weihnachtslieder schreibt, so wie George Michael mit “Last Christmas” (was nun auch schon fast ein viertel Jahrhundert alt ist) oder Chris Rea mit “Driving Home For Christmas”.
Eine der wenigen, äusserst gelungenen Cover-Versionen eines Weihnachtsliedes ist für mich immer noch “Have Yourself A Merry Little Christmas” von den Pretenders. Darauf freue ich mich, wenn ich es demnächst mal wieder im Radio höre, oder einfach nur im Supermarkt im Hintergrund, wenn ich Domino-Steine oder Christstollen kaufe.
Denn eine weisse Weihnacht gibt es in unseren Gefilden eh nicht und wenn, dann lasse ich sie mir nur von Bing Crosby wünschen.
Der darf das.

Freitag, 2. November 2007

Die Adler sind wieder da

Abgelegt unter: Musik — Juergen Langenberg @ 0:29

The Long Road Out Of EdenNach sagenhaften 28 Jahren ist es soweit: Es gibt ein neues Studioalbum der Eagles. Eigentlich sind es zwei Alben, denn es handelt sich bei “Long Road Out Of Eden” um eine Doppel-CD mit über 100 Minuten Musik.

Nach so langer Zeit ein Album auf die Beine zu stellen, ist sicher nicht ganz einfach, und dann gleich ein Doppelalbum, wer hätte das gedacht. Don Henley hat es bereits im Februar 2007 mit den Worten “es wird in den nächsten 60 bis 90 Tagen herauskommen, wenn wir uns bis dahin nicht umgebracht haben” angekündigt.
Nun, es hat etwas länger gedauert und offensichtlich haben es alle überlebt und mit 60 Lebensjahren traut man Don Henley keine Schlägerei mehr zu wie einst in “The Long Night At Wrong Beach” (Long Beach/Kalifornien) am 31.07.1980, an dem Tag, an dem die damals vorerst letzte Tournee der Eagles in einer Schlägerei der Mitglieder hinter der Bühne endete.

Auf dem langen Weg aus dem Paradies nehmen die Herrschaften noch einmal alles mit, was sie in den letzten, fast 40 Jahren ihrer steilen Karriere so alles am Wegesrand fanden: Country, Rock, Pop, Folk, Blues und Funk. Sogar ein bisserl Tex-Mex gibt’s im abschließenden “It’s Your World Now”, aber das stört keinen wirklich, da es eine Ausnahme ist.

Den amerikanischen Hörern wird erklärt, das man etwas für die Umwelt tun muss. In Europa ist das dem Publikum schon bekannt, also rücken wir hier etwas stärker die Musik in den Fokus.

Wer hier ein neues “Hotel California” buchen will, der geht besser ins Reisebüro und bucht ‘ne Woche Dom Rep, pauschal, versteht sich.
So einen Knaller schreibt man nur einmal im Leben, McCartney wird sich nie wieder an “Yesteday” erinnern und Roger Waters ist nicht mehr “Another Brick In The Wall”, und, und, und.

Hier gibt es handgemachte und handgschriebene Musik vom Allerfeinsten, die nicht einmal für eine Casting-Show kreiert wurde. Auch das, liebe Kids, gibt es im Jahr 2007 noch.
Die Eagles haben das Rocken nicht verlernt und können uns noch immer wärmen, als würden wir unmittelbar in der Nähe eines wunderschönen Lagerfeuers sitzen.

Doch seit “The Long Run” aus dem Jahr 1979 (fragt Eure Eltern, das ist die LP mit dem endzeitlich schwarze Cover) hat sich bei den Bandmitgliedern eine Menge getan. Jeder hat sich in eine etwas andere Richtung entwickelt.
Don Henley hat mir immer am besten gefallen, weil er versucht hat, den Sound der Eagles moderner zu machen; Glenn Frey besann sich auf seine souligen Wurzeln und hat Musik für Film und Fernsehen geschrieben, z.B. für die Mega-Serie der 80er Jahre, “Miami Vice”, in der er sogar höchstselbst auftrat.

All diesen Entwicklungen zollt “Long Road Out Of Eden” natürlich Respekt und ist daher trotz aller Stil-Unterschiede ein sehr homogenes Werk, das weitgehend auf solistische Ausflüge verzichtet. Gitarrenduelle im Stil eines “Hotel California” gibt es hier nicht wirklich. Das ist die schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist, dass die Herren sich das überhaupt nicht mehr beweisen müssen und somit nicht der Gefahr unterliegen, eine bestimmte Masche immer wieder totzuspielen, wie es andere ihrer ehemaligen Spielkameraden tun.

Die Sonne geht immer noch im Westen unter und es ist ungemein tröstlich, dass die Eagles dafür immer noch den perfekten Soundtrack liefern.

Sollten die Herren, die zusammen sechs mal so alt sind, wie ich in einigen Tagen werde, nochmal unsere Bunte Republik bereisen, so bin ich geneigt, mein selbstauferlegtes Ticketlimit von 100 Euro nach oben hin offen zu lassen.
Denn live sind die Adler immer noch eine Klasse für sich, wie sie auf ihrer letzten Live-DVD eindrucksvoll beweisen.