Momentan gehen die Äusserungen des NPD-Oberguru Udo Voigt durch alle Gazetten.
Er verlangt die “Abwicklung” der Bundesrepublik Deutschland, deren System “illegal” sei, und er wünscht sich, dass auf den Steinen des Holocaust-Mahnmals eine neue Reichskanzlei entsteht.
Habe ich nun den Beginn der “närrischen Zeit”, der “Session”, oder “der 5.Jahreszeit”, wie man hier im wunderschönen Rheinland sagt, verpasst. War schon der 11.11., 11.11 Uhr ?
Ist schon Karneval und die Zeit der Narren gekommen ?
Nein, dieser hirntote Rechtsausleger meint das wohl ernst; außerdem hält er Adolf Hitler auch noch für “einen großen deutschen Staatsmann”.
Na Bravo ! Applaus auf offener Szene !
Das Kranke an der ganzen Angelegenheit ist, dass unsere vielgelobte Justiz daneben steht, wie die begossenen Pudel. Alle überlegen, wie man diesem Udo Voigt denn nun das “Handwerk” legen kann.
Ganz so einfach scheint sich das jedoch nicht zu gestalten, … auch sehr karnevalistisch.
“Er ist offen neonazistisch, er lässt seine antisemitische Grundhaltung erkennen”, sagt Hans-Jürgen Doll vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg gegenüber einem ARD-Magazin.
Da wäre jetzt ganz bestimmt niemand so schnell drauf gekommen …
Es ist schon schlimm genug, dass die ARD meine Rundfunkgebühren dafür verballert, um so eine braune Geistesbarracke in die Kamera blicken zu lassen.
Oberstaatsanwalt Jürgen Heinke, Chef der Berliner Staatsschutzabteilung merkt an, dass bekannt ist, dass Herr Voigt, die Bundesrepublik abwickeln will, aber dass er dies nach derzeitigem Ermittlungsstand aber mit demokratischen Mitteln versuchen will.
Na ja, wir sind jung, wir können warten. Vielleicht schafft er es ja eines Tages. Zu Voigts Äußerungen, dass der alte Adolf ein “großer Staatsmann” wäre, meint Heinke, dass das alleine nicht verfassungswidrig ist, solange Voigt seine Meinung nicht als “positiv” darstellt. Im Klartext würde das “Positive” heißen:
Adolf war geil, weil er jedem Deutschen einen Spaten in die Hand gab und die Autobahnen gebaut hat.
Hannibal Lecter ist gewiß auch ein feiner Kerl, wenn er bloß nicht so seltsame Ernährungsgewohneiten hätte …
Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht, wofür ich mich mehr schämen soll: Für die braune Socke Voigt oder diesen opportunistischen Jammerlappen vom Berliner Staatsschutz.
Dabei kann der auch ganz anders: Mit zweifelhaften Methoden ging die Berliner Staatsanwaltschaft, u.a. auch Herr Heinke gegen die Krawallmacher in der Walpurgisnacht 2003 vor. Fahndungsfotos von Verdächtigen wurden ins Internet gestellt und Randalierer wurden in Untersuchungshaft genommen. Heinke brüstete sich mit folgenden Äußerungen: “Wer sich an den Ausschreitungen beteiligt, weiß genau, worauf er sich da eingelassen hat. Ausreden wie übermäßiger Alkoholkonsum und Gruppendynamik können uns nicht beeindrucken” oder “Das Gesetz sieht für schweren Landfriedensbruch Strafen von bis zu zehn Jahren Haft vor. Die Gerichte haben bereits in der Vergangenheit mehrjährige Gefängnisstrafen für Mai-Randalierer verhängt”.
Und bei dieser braunen Reinkarnation des “guten Deutschen” Voigt windet sich Herr Heinke wie ein Aal.
Nicht, dass mich jetzt einer falsch versteht. Gesetzesbrecher, gleich welcher Form, sollen die volle Härte der Justiz zu spüren bekommen. Aber die Gesetztesbrecher sind eben nicht nur die kleinen, namenlosen Steinewerfer, sondern auch solche Kaliber wie Herr Voigt.
Allein schon die Tatsache, dessen Aussage über Hitler vom “großen Staatsmann” im Raume stehen zu lassen, ist schon eine Frechheit. Es ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die heute noch an den Folgen des Krieges zu leiden haben.
Die Familie meiner Mutter hat durch diesen “großen Staatsmann” ihre Heimat verloren und meine beiden Großväter sind für diesen böhmischen Gefreiten elendig verreckt. Das geht zwar jetzt in die emotionale Ecke, doch das sollte von der Justiz in solchen Fällen nicht ausßer acht gelassen werden.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein Herr Heinke darauf warten will, bis Herr Voigt die Bundesrepublik mit legalen Mitteln “abwickelt”.
Vielleicht kennt er ja die Geschichte nicht.
Auch der “große Staatsmann” hat die Weimarer Republik legal “abgewickelt”. Nachdem die NSDAP 1932 stärkste Fraktion im Reichstag wurde, ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg den böhmischen Gefreiten 1933 zum Reichskanzler.
Nicht legal, aber im parlamentarischen Rahmen (um den Anstrich zu wahren und den greisen Hindenburg nicht zu düpieren) wurde auch das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich, allgemein auch Ermächtigungsgesetz, beschlossen.
Dieses ebnete Hitler und seinen Schergen den Weg in die Diktatur und zur Errichtung des Dritten Reiches.
Was dann kam, wird auch Herr Heinke kennen !
Meiner bescheidenen Meinung nach sollte die Justiz auch hier mit aller möglichen Härte gegen ewig gestrige wie Herrn Voigt vorgehen. Auch dann, wenn vielleicht die Möglichkeit besteht, einen Prozess zu verlieren.
Das ist allemal besser, als alles zu beschönigen und diesem Gesindel auch noch “Gesetztestreue” nachzuweisen zu müssen. Wir müssen Mut und Entschlossenheit gegen die braune Soße beweisen.
Diese Einstellung stumpft die Menschen jedoch ab und stärkt die Verdrossenheit.
Denn im Angesicht von Holocaust-Mahnmalen und einem vereinigten Europa ist für Herrn Voigts kranke Politk nun wirklich kein Platz. Diese sollten wir mit allen Mitteln verhindern.