Donnerstag, 26. August 2004
Es scheint wie damals im Jahre 1983 zu sein: uns steht ein heisser Herbst ins Haus.
Nicht wegen irgendwelcher Raketen, sondern wegen Hartz IV.
Und je weiter östlich wir uns in diesem unserem Land bewegen, desto heisser scheint der Herbst, entgegen jeglicher Meteorologie, zu werden.
Der Osten macht mobil, wie vor 15 Jahren erinnert man sich daran, dass wir das Volk sind.
Unbestreitbar ist, dass in den neuen Ländern eine enorm hohe Arbeitslosigkeit herrscht.
Wir erinnern uns auch an unseren dicken Bundeskanzler aus Ludwigshafen-Oggersheim, dessen Namen ich immer vergesse. Dieser sagte, dass es keinem schlechter aber vielen besser gehen wird.
Da hatte der dicke Pfälzer auch Recht gehabt. So traurig Arbeitslosigkeit ist, aber es gab und gibt Leute (hüben wie drüben), die damit so gut leben können, dass sie “Angestellte” des Staates bleiben. Bis dann irgendwann die Rente kommt.
Bezahlt wird das von den Leuten, die im Erwerbsleben stehen, also werktätig sind.
Damit soll jetzt ab 2005 Schicht sein. Dann gibt`s für Langzeitarbeitslose nur noch ca. 350 Euronen monatlich, zzgl. Miete und Heizkosten, die von unserer großartigen Arbeitsagentur bezahlt werden.
Damit wird es einigen Leuten (im Osten, wo die Sonne aufgeht bis in den Westen, wo sie untergeht) erheblich schlechter gehen als im Augenblick. Und damir sind die Weissagungen des Dicken aus Ludwigshafen plötzlich nur noch Schall und Rauch.
Dazu ein kleines Beispiel, auf das ich auf den Seiten von SPIEGEL-Online gestossen bin.
Da gibt es einen 53-jährigen Ingenieur aus Stralsund, der seit geraumer Zeit arbeitslos ist.
Der kriegt 1.200 Euronen Stütze monatlich. Seine Gattin ist ebenfalls nicht werktätig und bekommt 650 Euronen Stütze.
Die Herrschaften wohnen in einem Arbeiterschliessfach (Plattenbau) und müssen dafür 300 Euronen im Monat abdrücken. Nach aufwendigen Berechnungen stellt sich dabei heraus, dass den beiden 1.550 Euronen monatlich übrig bleiben.
“Ich kann mir nicht mal mehr den Eintritt ins Schwimmbad leisten”, beteuert der Mann.
Mein Gott, was kostet in der Zone denn der Eintritt in ein Schwimmbad ?
Zum Verständnis: wenn ich mich noch recht daran erinnere, musste ich für die gleiche Kohle (natürlich noch in Deutschmark) zur Zeit der Wende (1990) ZWEI Monate lang ARBEITEN gehen. Und ich konnte mir sogar noch meinen heissgeliebten E-Kadett leisten !
Der Ingenieur sucht verzweifelt einen neuen Job - in Stralsund, mit einer Arbeitslosenquote von fast 25%.
Ob er denn auch woanders hingehen würde, Bayern, Hessen oder sonstwo ?
“Nur, wenn es sich rechnet. Also, wenn ich mir das Pendeln nach Stralsund und eine Zweitwohnung leisten kann!”
Vermutlich ist die teurer als der Plattenbau in Stralsund.
Also, lohnen muss es sich. Das beudeutet ungefähr in Zahlen:
1.200 Euronen Stütze
400 Euronen für die Behausung am fernen Arbeitsplatz
300 Euronen Mehrwert gegenüber der Stütze (es muss sich ja lohnen …)
Macht zusammen:
1.900 Euronen (das waren früher mal 3.800 Märker)
Brutto bei Steuerklasse eins mach das ungefähr 4.000 Euronen (ungefähr 8.000 Märker)
Lohnt es sich nicht, bleibt er in Stralsund und wartet auf Hartz IV.
Und wir wissen, warum wir jeden Tag mindestens 8 Stunden krücken gehen.
Das ist doch was !
Und vielleicht sind die Spezialdemokraten ja doch `ne richtige Arbeiterpartei.
Jeder, der arbeitet, soll dafür belohnt werden, jeder der keine Arbeit hat, soll unterstützt werden.
Nicht jedoch umgekehrt. Damit soll jetzt Schluss sein.
1.550 Euronen im Monat, die Miete schon runtergerechnet - ich kenne Leute, die arbeiten gehen, Kinder haben und gerade mal die Hältfte davon im Monat zum Leben haben. Und noch glücklich dabei sind, … wie unverschämt.
Ich freu` mich auf Hartz IV …
Dienstag, 10. August 2004
“Die einzige Möglichkeit, sexy zu sein, wenn Du nicht reich bist, ist einen Opel zu fahren” - soweit die hochheiligen Worte von Campino (”Tote Hosen”).
Dieser Spruch mag Ende der 70er Jahre, Anfang der 80er Jahre uneingeschränkt gegolten haben.
Damals baute Opel noch so herrliche Autos wie den GT oder den oft verkannten und verschmuddelten Manta.
Auch ich fahre seit über 12 Jahren Opel. Meinen geliebten, weißen E-Kadett mit 1,6 Liter-Maschine werde ich nie vergessen, ein wunderschönes Auto.
Auch mein Opel Tigra hat immer einen Platz in meinem Herzen, auch wenn es ein Montagsauto war und im verflixten 7.Jahr in die ewigen Jagdgründe eingezogen ist.
Gerade bei diesem Auto trat der “López-Effekt” am deutlichsten zu Tage.
Wenngleich es vom Design der letzte schöne Opel war, so wurde hier bereits bei den einzelnen Komponenten an allen Ecken un Enden gespart, das Interieur wirkte teilweise wirklich billig und die Technik wurde unzuverlässig.
Leider wurde dieser Traum auf Rädern von Opel eingestellt. Eigentlich ein Grund, überhaupt keinen Opel mehr zu fahren.
Wo liegen nun die Ursachen ?
Meiner Meinung nach liegen sie offensichtlich beim Management der Muttergesellschaft General Motors, bei Leuten wie Louis Hughes, dem Entwickler Peter Hanenberger und dem damalige Einkaufsmanager José Ignacio López. Das Problem aber liegt weniger in den Personen, sondern in der Art, in der US-Konzerne wie General Motors, aber auch Ford ihr Geschäft betreiben.
US-Konzerne sind getrieben von der Börse, das Management eines Konzerns wird nich am Jahresergebnis gemessen, sondern am Quartalsergebnis. Als Folge dessen stehen and der Spitze solcher Konzerne meistens Finanzexperten, denen Cash-Flow mehr sagt als das Wort Modellpolitik oder Innovation.
In diesem Management herrscht, wie einst bei den Grünen, das Rotationsprinzip. Kein Manager bleibt länger als 3 Jahre in einem Werk.
Die Leute gehen von Asien nach Europa, von dort nach Amerika. Hätte GM ‘ne Dependance auf dem Mond, würden die Manager wahrscheinlich auch dort hin geschickt.
Als Schlussfolgerung dieser “Personalpolitik” ist jeder Manager natürlich bemüht, die Zahlen in dem jeweiligen Werk so gut wie möglich aussehen zu lassen. In einem Zyklus von 3 Jahren ist das jedoch nur über Einsparungen zu realisieren.
Die Innovation bleibt dabei völlig aus. Denn nach 3 Jahren hat sich in keinem Autowerk der Welt eine neue Modellreihe soweit amortisiert, dass sie Gewinn abwirft und der betreffende Manager glänzen kann.
Somit sind mittlerweile viele Standorte von GM veraltet und nicht mehr wettbewerbsfähig.
Auch ist bei US-Autokonzernen die Modellphilosphie eine komplett andere als hier in Europa.
So strich schon der einstige Entwicklungschef Hanenberger Modellvarianten wie Cabrios und Coupés aus dem Programm. Hanebergers Credo: Autos hätten vor allem die Funktion, Menschen von A nach B zu transportieren. Solche Autos werden heutzutage in Korea gebaut.
Entsprechend fielen die Modelle dann auch aus, zumal Einkaufsvorstand López Billigteile orderte, deren Qualität mehr als zweifelhaft war.
US-Kunden geben sich mit Geländewagen und Pick-Ups zufrieden, die billig zu produzieren sind, da deren Technik von Lastwagen abgeleitet wird. Dort legt niemand darauf Wert, dass der Wagen bei 180 km/h noch eine ordentliche Strassenlage hat und über genügend Sicherheitsreserven verfügt, geschweige denn, dass er wenig Kraftstoff verbraucht.
In Europa wird der Wettbewerb jedoch über den technischen Fortschritt ausgetragen. Darin muss natürlich investiert werden und nur daran muss sich ein Autokonzern messen lassen.
Das hat Opel, bzw. GM versäumt.
So hat Opel zur Zeit keinen Geländewagen im Programm, als Kombi gibt es nur den Vectra und die Entwicklung von Dieselmotoren wurde komplett verpennt. Auch ein Luxusmodell, wie den seelige Kapitän oder der Admiral sucht man vergebens.
Einzig der Betriebsrat setzte sich in Detroit für Investitionen in Europa ein, auf dessen Betreiben wurde ein Qualitätsvorstand ernannt und Carl-Peter Forster, ehemals BMW-Manager, wude Opel-Chef. Der sorgte tatsächlich für frischen Wind bei Opel, unter seiner Ägidie konnte die Qualität verbessert werden und die Modellpalette wurde entstaubt. Um Marktanteile zurückzugewinnen, muss Opel aber zur Zeit beträchtliche Rabatte gewähren, was aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtlage die Bilanzen des Unternehmens ebenfalls negativ beeinflusst.
Den Zahlmeister für diese schweren Versäumnisse der Vergangenheit müssen nun die Arbeitnehmer in den Werken von General Motors zahlen. Selbst der Chef des Institutes der deutschen Wirtschaft, Michale Hüther sagt: “Die Ursachen liegen nicht im volkswirtschaftlichen Bereich, sondern ganz klar in Managementfehlern.”
Dabei geht es auch anders: Als Beispiele seien einmal Audi, BMW oder Porsche genannt.
Allesamt produzieren diese in Deutschland, keiner der drei würde jedoch ernsthaft von einem “Standortnachteil” reden, nur weil man hierzulande produziert.
Wendelin Wiedking, oberster Tai-Pan des Porsche-Konzerns rechnet damit, dass in diesem Jahr erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro Gewinn geknackt wird. Porsche-Mitarbeiter werden daher in den Genuss einer Prämie kommen.
Es geht also …
So wünsche ich allen Opel-Mitarbeitern, dass sie den Kampf um ihre Arbeitsplätze durchhalten und auch gewinnen werden.
Denn bei Opel, wie auch bei der schwedischen GM-Tochter Saab hat man ein entscheidendes Kapital: Die Arbeitskraft der Mitarbeiter. Beide haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, aussergewöhnliche Automobile zu bauen. Und wie sagte schon ein berühmter, ehemaliger deutscher Opel-Mitarbeiter: “Einmal Opelaner, immer Opelaner”.
Ein Opel und ein Saab sind aber immer in erster Linie für den europäischen Markt gebaut worden und haben dort viele Anhänger.
Diese Tatsache gilt es, den Managern aus Detroit unmissverständlich klar zu machen.
Im “alten Europa” ist die Automarke eine Lebenseinstellung, die sich nicht in Cash-Flow und in Dividenden ausdrücken lässt.
Lieber Ami, Du sollst nicht nach Hause gehen, Du sollst nur eins erkennen: “There`s a world ouside your window”, wie einst Tanita Tikaram sang.
Dann kannst Du hier auch Geld verdienen und brauchst das Feld nicht den gesichtslosen Toyotas und Mazdas, oder wie sie alle heißen, zu überlassen.
Ich würde mich freuen, wenn ich mir beim Opel-Händler mal wieder bei einem neuen Modell die Nase am Fenster plattdrücken kann. Vielleicht ist es ja wirklich sexy, einen Opel zu fahren.
Denn ich bin nicht reich und ich bin Opel-Fan …
Übrigens, der berühmte, ehemalige Opel-Mitarbeiter heisst Norbert Blüm.