Freitag, 21. Mai 2004

Danke, Anke

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 23:57

Endlich !
Seit Montag, den 17.05.2004 hat die “Late Night Talk”-lose Zeit in unserem Kuschelsender SAT1 ein Ende.
Sie ist da, die “Queen des Late Night Talk” - so oder so ähnlich steht`s in der Werbung.
Und die lügt ja nicht.

So stand die “Queen” dann da auf der Bühne, mit kurzem Röckchen und einem schulterfreien Top.
Das sah irgendwie gewollt und nicht gekonnt aus, nicht ladylike und nicht trashy.
Herr Schmidt war da stilmässig immer über jeden Zweifel erhaben. Immer Anzug und Krawatte.

Mit Aussagen wie “PKW-Maut” sei wie “Straßenstrich ohne Sex”, die Privatisierungspläne von Wirtschaftsminister Clement dagegen längst überholt: “Die linke Spur gehört ja schon BMW!” konnte keiner so recht was anfangen, am wenigsten vielleicht die Engelke selbst.

Dann verkroch sie sich hinter ihren gestylten Schreibtisch im 70er Jahre Look, der hier so gar nicht reinpassen wollte und schüttete sich ersteinmal ein Glas Wasser ein. Es ging natürlich daneben, nicht nur das Wasser, gleich auch der ganze Gag.
Herr Schmidt hat auch immmer Wasser in seiner Show getrunken, früher mal mit der Betonung auf “deutschem Wasser” und er hat es gebracht bekommen (vom scharfen Sven).

Dann kam Anke`s Rettung, ein eingespielter Film mit einer Casting-Parodie. Ich konnte hier zwar auch nicht drüber lachen, aber immerhin war man gespannt, was jetzt kommt.
Es kam Bastian Pastewka, der ihr mit seinem Jojo-Spiel und einem Preview auf den “Wixxer” die Schau stahl, es kam Sting, den Anke anhimmelte wie ein Backfisch und es kam Raab mit dem Typen, der uns beim Grand Prix einen sensationellen 8.Platz bescherte. DAS fand ich komisch, als Raab began, den deutschen Titel auf türkisch zu intonieren. Sogar Sting schnippte mit den Fingern.

Aber Late Night, nee, das war’s beim besten Willen nicht.
Comedy war’s, kein Late Night Talk. Philosophieren über das aktuelle Tagesgeschehen sowie über Gott und die Welt scheinen unserer Anke völlig fremd zu sein.
Die Show ist wie ein Korsett, das ihr nicht paßt.

Und Herr Schmidt ?
Herr Schmidt trat am Donnerstag, den 20.5.2004 im Museum Ludwig mit seiner “Ein Mann Biennale” auf.
Scharfzüngig und schlau wie eh und je.
Verschont wurden weder Politik, Kultur, noch des Meisters Wahlheimat Köln. Die sind gerade aus dem Rennen um Europas Kulturhauptstadt 2010 gefallen.
“Köln ist so etwas wie das Leipzig der NRW-Kultur.”
Selbst vor der Folter irakischer Gefangener gab es kein Pardon: “Man muss im Grunde genommen wissen, dass das Folter ist. Sonst denkt man Benetton, oder es ist eine Weihnachtsfeier in einer Werbeagentur.”

Das wollen wir jeden Tag so gegen 23.00 Uhr für `ne Stunde hören. Nicht irgendwelche Comedy-Soße, die wir schon x-mal gesehen haben, als Late Night Talk verpackt. Sorry, Anke …

Harry come back, … so schnell wie möglich !