Donnerstag, 25. September 2003

Das Kopftuch als Staatsfeind

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 18:11

Schier unglaubliches trägt sich zu in diesem unserem Lande, wie ein ehemaliger, dicker Bundeskanzler, dessen Namen ich immer vergesse, zu sagen pflegte.
Da wird das Bundesverfassungsgericht angerufen, ob eine Kindergärtnerin islamischen Glaubens während der Arbeit ein Kopftuchtragen kann.

Schlimm genug, dass man wegen so etwas Gerichte bemühen muss.
Schlimmer ist jedoch das Urteil, welches das hohe Gericht gesprochen hat.
Das Tragen von Kopftüchern ist Ländersache und soll von eben diesen gesetzlich geregelt werden.
Im Grunde ist das also kein Urteil, sondern ein Weiterschieben, eine Delegation einer Entscheidung.
In jedem Führungskräfteseminar wird gepredigt, dass so etwas im Prinzip ein Ding der Unmöglichkeit ist und dass Leute, die so etwas machen, im Grunde besser Straßenkehrer werden sollten.
Ich hätte den Richtern am BGH Karlsruhe eigentlich ein gesunderes Urteilsvermögen zugetraut, um diese Sache zu Gunsten der Menschen zu entscheiden.
Statt dessen nur eine sehr fragwürdige Entscheidung. Die Politik soll nun über Fragen des Glaubens und der Religion entscheiden.

Was für ein enormer Rückschritt ist das !
Im letzten Jahrtausend griff der Staat insgesamt 1040 Jahre in die Religionsfreiheit der Menschen ein: 1000 Jahre bei Adolf und seinen Freunden, danach 40 Jahre bei Ulbricht, Honecker und seinen Spießgesellen. Das dürfte doch eigentlich für’s erste reichen.
Nun soll also die Ländergesetzgebung entscheiden, wie die Religionsfreiheit aussehen soll.
Diese ist aber im Grundgesetz verankert und keinesfalls Ländersache.
Die “üblichen Verdächtigen” (Alpen-Rambo Beckstein aus Bayern und Dr.Koch’s Naturtrüb aus Hessen) haben bereits kräftig ins Horn gestoßen und wollen das Tragen der Kopftücher verbieten. In den aktuellen Leserbriefen der Journaille wird bereits kleindeutsch Beifall geklatscht. Kopftücher sind eh nur radikale, islamistische Auswüchse. Schließlich haben wir die Damen in Afghanistan gerade vom Zwang zur Burka befreit. Stimmt’s ?
Kopftuchträgerinnen sind eben ‘ne Gefahr für unsere wohlbehüteten Kinder.

Ebenso kann sich ein Andersgläubiger oder Atheist auf den Pinsel getreten fühlen, wenn der Lehrer nun ein Kreuz um den Hals trägt.
Somit haben die Gerichte in naher Zukunft eine solide Grundlage enormer Beschäftigung mit profunden juristischen Problemen. Übrigens hilft das, Arbeitsplätze zu sichern. Aber das nur am Rande …

Ich finde, wir sollten uns mal alle ganz gehörig entspannen.
Was ist dabei, wenn eine Lehrerin ihren moslemischen Glauben zeigt, in dem sie ein Kopftuch trägt; was ist dabei, wenn ein Lehrer ein Kreuz trägt, um seinen christlichen Glauben zu demonstrieren ?
Oder wenn sich gar ein ganz, ganz mutiger zum Atheismus bekenn ?
Wir sollten lernen, damit umzugehen und den Glauben respektieren, solange er keinen radikalen Anstrich bekommt.
Und was bringt’s, wenn’s keine Kopftücher mehr in deutschen Schulen gibt ? In den Kopf der Leute kann man eh nicht gucken. Man kann selbst nicht hinter gänzlich unbedeckte Köpfe, also Glatzen schauen. Und da tragen sich ja bekannterweise manchmal ziemlich schräge Sachen zu.
Wir sollten lernen, das, was in unseren Köpfen ist, auszutauschen, zu entdecken, zu begreifen und zu hinterfragen. Nur dann sind wir vor`m heiligen Krieg sicher.
Bis jetzt hat noch kein Gesetz Radikalismus verhindert, sondern eher gefördert.
Wir Deutschen scheinen für Alles und Nichts Gesetze zu benötigen. Und wenn ein Land die Kopftücher erlaubt, kommt danach bestimmt eine Verordnung oder ein Erlass, WIE die Tücher zu tragen sind.
Da wette ich mal drauf …

Montag, 8. September 2003

Völler greift in die Vollen

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 22:26

Da hat er am Wochenende ganz schön auf die Kacke gehauen, wie man so schön sagt, unser Rudi, unsere Tante Käthe.
Ordentlich Luft gemacht hat er sich gegen die ganz Journaille, die die deutschen Nationalkicker mal wieder auf einem neuen Tiefpunkt gesehen hat.

Ich hab mir das Spiel nicht angetan, weil auf dem Kuschelsender SAT eine Episode von Star Treck lief. Ich hielt es für inhaltlich profunder, dass Spock und Kirk die Welt retten.
Denn irgendwo hat die Journaille Recht, wenn sie Deutschland im Fussball-Keller sieht.
Doch das ist nun mal bittere Realität, die lässt sich durch igendwelches Geschwafel von Delling, Netzer und Konsorten auch nicht wegreden oder diskutieren.

Da kann ich Rudi Völler gut verstehen, dass er mal austickt. Warum auch nicht. Er macht ja auch wirklich nur die Drecksarbeit. Er muss sich von den Vereinen mit der 2. und 3. Garde abfrühstücken lassen, weil die erste Garde gar keine deutschen Staatsangehörigen mehr sind.
Doch immerhin hat es der Trainer geschafft, diese Garde zum Vize-Weltmeistertitel zu führen. Als ob das nichts ist !

Er hat aus den Spielern eine Turniermannschaft gemacht, die während der WM über sich hinausgewachsen ist und sogar einem Weltmeister Brasilien zumindest für eine Halbzeit die Stirn geboten hat.
Und wenn gewisse Leute jetzt darüber herziehen, dass wir gegen Island nur ein Remis gelandet haben, dann haben die wohl auch den Knall noch nicht gehört.
Fussball ist Business, und das auch auf den entlegensten Inseln dieser Welt. Heute wird nicht mehr mit der Schweinsblase oder mit Haifischdärmen Fussball gespielt, wie es vielleicht noch zu Zeiten eines Netzer oder Beckenbauer der Fall gewesen sein mag. Unter anderem spielen die Leute aus den besagten Mannschaften ja sogar in der Bundesliga, ja selbst ein Weltmeister Lucio spielt in Deutschland.

Bei soviel Ingoranz ist es verständlich, dass Rudi Völler hier der Kragen geplatzt ist. Die Deutschen sind mit dieser Mannschaft nicht mehr die Herren der Fussballwelt und die anderen sind schon lange keine Hobby-Kicker mehr. Es geht um viel Kohle.

Vielmehr sollte man sich mal Gedanken um die Jugendarbeit des DFB machen. Gibt`s die eigentlich noch ?
Wie kann es sein, dass bereits die Kicker von Jugendmannschaften als erstes fragen, wieviel Kohle sie bekommen, wenn sie für einen bestimmten Verein spielen ?
Da läuft was falsch. Wäre ich Trainer, würden solche Rotzlöffel auf meinen Platz keinen Fuß setzen.

Immerhin, wenn Rudi in 10 Jahren noch Bundestrainer ist, muss er solchen Krücken vielleicht erst noch die Schuhe putzen und ein warmes Unterhemd anziehen, bevor sie auf den Platz gehen.
Dann hätte Herr Delling auch seine “Samstag-Abend-Unterhaltung” …