Mittwoch, 16. Juli 2003

Ruhe in Frieden, Netscape

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 18:27

Ohne großes Aufsehen entfernten heute Monteure die Firmenlogos von den Netscape-Büros und die verbleibenden 50 Mitarbeiter erhielten mit Wirkung zum 15.07.2003 ihre Kündigung.
Gäbe es einen Grabstein für den Wegbereiter des Internets, so würde dieses Datum darauf stehen.
Der Niedergang von Netscape erfolgte bereits im Jahr 1998, als die Firma von AOL übernommen wurde. Damals schlotterten Microsoft wegen dieser Allianz noch die Knie. Immerhin hatte AOL zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 30 Mio. Nutzer, die nun allen Ängsten und Gerüchten zufolge mit einer AOL-Software, die Netscape und nicht Microsoft integriert, durchs Web surfen sollen.

Doch das Gegenteil passierte. Unter der Obhut von AOL führte Netscape ein Schattendasein, der Browser erfuhr weder Innovation noch Invetstitionen. Blamabelster Höhepunkt war die Vorstellung des Netscape Communicator 6, der gegen den aufkommenden Internet Explorer keine Chance hatte.

Vor einigen Wochen meldete AOL, dass man sich dort auf Microsoft Produkte stützen will, was faktisch ein Todesstoß für Netscape war.
Sehr unverständlich, ist es Netscape doch gelungen, mit der 7er Version des Browsers endlich ein konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt zu bringen, dass es mit dem übermächtigen Internet Explorer aufnehmen kann.
Die gute Nachricht ist, das der Browser von der Mozilla Foundation weiterbetrieben und entwickelt wird, und zwar als Open Source-Projekt. Als Abschiedgeschenk spendierte AOL der Mozilla Foundation sogar noch 2 Mio. Dollar. Erste Signale einer Beteiligung kommen bereits von Sun Microsystems und vom Linux-Distributor Red Hat.

Wie auch immer die Geschichte ausgeht, das Web verliert mit Netscape eines seiner Ur-Mythen. Ohne den Netscape-Browser, der als erster Frames darstellen konnte und Java-Script verstand, hätte es die ganze Internet-Hype und den Dotcom-Boom wahrscheinlich nie gegeben.

Ruhe in Frieden, Netscape …

Mittwoch, 9. Juli 2003

Bella Italia !

Abgelegt unter: Tagebuch — Juergen Langenberg @ 23:49

Gross ist momentan das Geschrei und Gezänk um dieses Panoptikum, dass momentan Italien regiert.
Da sind wir doch wieder alle die KZ-Kapos und die saufenden und rülpsenden Touris aus Germania.
Keine Frage, was Berlusconi und seine Schergen sich da erlauben, katapultiert uns zurück in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit derartigen Sticheleien seitens einer Regierung haben in Deutschland mal 1000 Jahre Geschichte angefangen (aus denen letztendlich nur 12 geworden sind).
Es stellt sich die Frage, was uns als nächstes aus dem Land südlich der Alpen beschert wird.

Viel gewichtiger ist jedoch die Frage, wie es soweit kommen konnte. Als Haider in Österreich die Hofburg enterte, hat man (korrekterweise) das Land politisch abgekanzelt und sanktioniert.
Heute geht ein Herr Berlusconi als Präsident des Europäischen Rates wie ein Gockel über die politische Bühne und wir wundern uns, das er und seine Spießgesellen den Rand bis hinten hin aufreissen.
Wussten wir nicht eher, mit welchem Kaliber wir es da zu tun haben. Wussten wir erst seit heute, das die rechtspopulistische “Liga Nord” in der Regierung mitmischt ?
Mitnichten.

Wir haben es alle ignoriert. Also brauchen wir uns jetzt nicht wundern, dass auf einmal starker Tobak über die Halbinsel nach Germania weht. Genausogut kann der Wind morgen über ein anderes europäisches Land wehen.
Und alle schauen wie die begossenen Pudel dem bunten Treiben zu, es geht mal wieder ein Riss durch alle Fraktionen.
Ich sage nur: Wehret den Anfängen !

Solche Leute und schon gar nicht solche Sprüche gehören nicht in ein freies, grenzenloses Europa.
Ebenso zweifelhaft ist jedoch auch die Berichterstattung so mancher Medien. Einhergehend mit zum teil reisserischer Berichterstattung wird auch dem vermeindlichen Bild der Deutschen alle Ehre gemacht: “Die Italiener sollen ruhig sein, wir finanzieren mit unserer Kohle deren Wohlstand”. Sicher. Unter anderem. Der Fairness halber sollte dann nicht unerwähnt bleiben, dass in den 60er Jahren viele italienische Gastarbeiter auch zu unserem Wohlstand beigetragen haben und das heute immer noch tun. Ich finde es gefährlich, solche Konflikte auf dieses Niveau zu ziehen. Im Grunde machen wir uns damit zu Bütteln der Berlusconis und Stefanis. Und das wollen wir doch wohl alle nicht.

Viele Deutsche, so wie ich, mögen Italien und den italienischen Lebensstil. Daran sollten wir und jedoch nicht von politischen Notstromaggregaten wie Stefani oder Berlusconi beeinflussen lassen. Schon gar nicht sollten wir Italien mit diesem Panoptikum gleichsetzten.

Ich habe fertig.