Freitag, 13. Juli 2007

Kalifornien

Abgelegt unter: Reisen, Kalifornien — Juergen Langenberg @ 13:29

Warum fliegt man im Winter, und dazu noch über Weihnachten und Silvester nach Kalifornien? Meistens hat so etwas familiäre Hintergründe. So auch bei uns. Claudia’s Eltern haben vor genau 50 Jahren in Ventura, Kalifornien geheiratet.

Grund genug, dort mit der ganzen Familie, die zu einem großen Teil dort ansässig ist, eine anständige Fiesta zu feiern. Diese war für den 28.12.2005 anberaumt.

17.12.2005

Wie immer, wenn es in die Ferne geht, beginnt die Reise in einem Dorf, nämlich dem Düsseldorf. Um kurz nach 6.00 Uhr ging es zuerst einmal mit der Lufthansa nach Frankfurt. Dort sollten wir gegen 14.00 Uhr einen Maschine der Air India entern, die uns nach Los Angeles fliegt. Doch wo findet man am „Fraport“, wie sich der Flughafen in Frankfurt neuerdings schimpft, den Air India-Schalter?

Aus unerklärlichen Gründen konnte uns das hochqualifizierte Flughafenpersonal leider keine ausreichende Auskunft geben. Also orientierten wir uns an den sorgfältig versteckten Hinweisschildern, die uns immerhin verrieten, dass wie eine Pilgerreise zu Terminal A unternehmen mussten.

Doch auch dort fanden wir keinen Air India Schalter. Nach gut 20-minütigem Durchfragen erfuhren wir, dass der Schalter erst gegen 11.00 Uhr öffnet. Also hatten wir genügend Zeit, um auf Claudia’s Eltern zu warten, mit denen wir zusammen fliegen solten und die mit einer Maschine aus München kommen sollten.

Kurz nach 11.00 Uhr checkten wir dann am Air India-Schalter ein. Von Claudia’s Eltern weit und breit keine Spur, aber das beunruhigte uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gegen 12.00 Uhr spannten sich die Nerven dann etwas an. Eine Frage am Info-Schalter ergab, dass die Maschine aus München auf Grund der Witterungsverhältnisse Verspätung hatte. Also sind wir schon einmal ans Gate gegangen, wo schon die 747 der Air India zum Einsteigen bereit war.

Äußerlich machte der Flieger den Eindruck einer Leihgabe des Technikmuseums in Sinsheim, in dem unter anderem eine alte Concorde und eine noch ältere Tupolev ausgestellt sind. Von Claudia’s Eltern weiterhin immer noch keine Spur. Alle 5 Minuten fragten wir nach, ob sie schon am Schalter eingecheckt hatten. Negativ.

Schließlich bestiegen wir voller Sorgen als letzte die Maschine. Augenscheinlich hatten sie ihren Flug ab München verpasst. Aber wer wusste das schon. Leute, die ihre Goldene Hochzeit feiern sind im allgemeinen nicht mehr im jugendlichen Alter, da macht man sich schon gewisse Sorgen.

Der Flug verlief also in einer dementsprechend gedämpften Atmosphäre. Daran konnten auch die niveauvollen Bollywood-Filmkunstwerke an Bord der Air India nichts ändern. Wenigstens gab es etwas scharfes zu Essen.

Um 17.30 Uhr Ortszeit landeten wir dann auf dem Tom Bradley International Airport von Los Angeles. Nirgendwo anders habe ich es erlebt, dass die Einreiseformalitäten zügiger gingen als hier. Trotz eines aufgeblähten Ministeriums für Heimatschutz.

Claudia’s Vater war so freundlich, uns am Flughafen von Los Angeles einen Mietwagen zu reservieren. Leider hatte er die diesbezüglichen Unterlagen bei sich und leider war er nicht mit uns am Flugzeug. Das einzige, was wir wussten war, dass er über holidayauto.de reserviert hatte. Diese haben vor Ort eine bestimmte Autovermietung als Partner. Am Flughafen von Los Angeles gibt es gleich zwei Dutzend davon. Also irrten wir planlos umher. Ein freundlicher Flughafenangestellter half uns jedoch und meinte, wir sollten es bei Alamo versuchen. „Alle Deutschen mieten da ihre Autos …“.

Treffer. Wir hatten Glück; unsere Namen waren dort schon gespeichert und wir kamen ohne Probleme an ein Auto. Ein schneeweißer Chevrolet mit aller Ausstattung, die reinpaßt. Sehr gediegen.

Unser erstes Ziel waren Autn Josie und Uncle Gilbert in Ventura. Ein Anruf dort bestätigte unsere Vermutung: Claudias Eltern hatten schlicht und ergreifend den Flieger verpasst. Weil in Frankfurt niemand sagen konnte, wo die Air India abfliegt.

Nun waren wir doch sehr erleichtert und konnten mit unserem Auto losfahren. Vorbei am hell erleuchteten Sunset Boulevard auf den Ventura Freeway – was für eine Kulisse. Nach knapp 90 Minuten Fahrt hatten wir dann endlich unser Ziel erreicht, den Appian Way in Ventura. Wir konnten gerade noch einen Teller Pasta essen und sind dann hundemüde ins Bett gefallen.

Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende.

18.12.2005

Auf Grund der Zeitumstellung sahen wir uns leider genötigt, bis 11.00 Uhr zu schlafen. Zur Feier des Tages gab es Pancakes zum Frühstück – ein Gedicht. Der amerikanische Kaffee ist nicht gerade dafür bekannt, dass er sehr erlesen ist. Aber bei Aunt Josie gab es Haselnut Cream, der diesen Kaffee in ein Gedicht verwandelt.

An diesem Tag war leider außer Essen keine weitere Aktivität angesagt. Am Nachmittag kamen Sirie, die Enkelin von Aunt Josie und Uncle Gilbert, mit ihrem Sohn Kadon vorbei. Später kamen noch Gina und ihr Freund Nick vorbei – das Unheil nahm seinen Lauf. Nick brachte nämlich eine gewaltige Portion Tamales mit. Bei Tamales darf man keine Gefangenen machen. Aufessen, bis nichts mehr da ist – das ist Pflicht!

Für die folgenden zwei Tage haben wir uns im Vagabond Inn einquartiert, unmittelbar an der Ventura Pier. Gegen 18.00 Uhr geleiteten uns Gina und Nick dorthin un wir bezogen unsere Zimmer. Wenig später fuhren wir dann wieder zu Aunt Josie und Uncle Gilbert, wo wir auch Claudia’s Eltern trafen. Gott sei Dank sind sie heil angekommen. Natürlich gab es erst einmal Abendessen. Lange, reichlich und gut.

19.12.2005

An diesem Tag mußten wir noch ein paar Besorgungen für die Goldene Hochzeit machen. Im Empfang des Hotels gab es ein Frühstücksbuffet mit einem „Continental Breakfast“. Würden wir hier auf dem Kontinent so frühstücken, wir wären ein Volk von Diabetikern.

Gott sei Dank war auf dem Hotelgelände ein Restaurant, wo es ein hervorragendes amerikanisches Frühstück gab. Heißer Kaffee, Würstchen und Bratkartoffel. Vergessen wir einen Moment unseren Cholesterinspiegel.

Anschließend hatte Claudia noch etwas zu erledigen und ich bewaffnete mich mit meinem iPod und machte an der Pier und am Strand einen ausgedehnten Spaziergang. „Take a jumbo, cross the water, like to see America …“ - Supertramp’s „Breakfast In America“ lieferte den perfekten Soundtrack.

Am Nachmittag fuhren wir mit Claudia’s Mutter zu Aunt Annie und Uncle Albert, die am anderen Ende von Ventura wohnt. Wenn man Englisch kann, ist das lange noch kein Garant dafür, daß man hier alles versteht. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich begriffen habe was „Leckföld“ bedeutet, wo Uncle Albert nach dem Krieg in Deutschland stationiert war. Lechfeld bei Augsburg …

Auf dem Rückweg fuhren wir ins „Pollo Loco“, einem Hähnchenschnellrestaurant in Ventura, um ein paar Federviecher fürs Abendessen zu holen. Die Teile waren schlicht der Hammer – alleine dafür lohnt der Weg nach Kalifornien!

20.12.2005

Der „Rest“ der in Europa ansässigen Familie sollte am 22.12., bzw. Am 23.12. anreisen. Auf dringendes Anraten von Gina und Nick nutzten wir die freien Tage bis dahin, um nach San Francisco zu fahren. Traumhaftes Wetter und Temperaturen um die 20 Grad erleichterten uns diese Entscheidung in erheblichem Maße. Wir verließen unser Zimmer im Vagabond Inn und brachten einen Großteil unseres Gepäcks zu Aunt Josie und Uncle Gilbert.

Dann ging’s los, ab auf den Freeway, vorbei an solch berühmten Orten wie Santa Barbara, Salinas, Cupertino (hallo iPod) und Silicon Valley. Die Fahrt nach San Francisco beansprucht gut und gerne 6 Stunden von Ventura aus. Kurz vor San Francisco machten wir noch Rast in einem verschlafenen Kaff und haben Burritos gegessen. Hätten wir es mal gelassen: Die Burritos haben mir am nächsten Morgen noch gesagt, dass ich besser die Finger davon gelassen hätte.

Nach dem „Abendessen“ reservierte Claudia für uns ein Hotel auf der ehrwürdigen Lombard Street. Ehe wir uns versehen hatten, waren wir auch schon an der Lombard Street in San Francisco. Allerdings am falschen Ende, weil wir bis an die Bay hinunter gefahren sind und das Hotel quasi „über den Berg“ lag. Nun ist es müßig in Betracht zu ziehen, man könne die Lombard Street einfach hinauf fahren. Einbahnstraße. Und rings herum ebenfalls ein enges Geflecht sorgfältig ausgewählter ebensolcher Einbahnstraßen. Vorbei an Vorzeigespielhöllen- und Bordellen der Stadt sind wir dann doch relativ schnell an unser Hotel gekommen.

21.12.2005

Ein Blick aus dem Fenster ließ mich Schlimmes erahnen. Habe ich das alles nur geträumt und wache ich jetzt im winterlichen Neuss auf? Alles grau in grau und Nieselregen. Egal. Auch wolkenverhangen hat San Francisco seine Reize.

„Continental Breakfast“ hatte man uns am Abend zuvor angedroht. Unser schlimmsten Befürchtungen wurden war, aber immerhin gab’s Donuts! Für das „richtige“ Frühstück gingen wir ein paar Blocks die Lombard Street hinauf in ein kleines unscheinbares Restaurant. Sofort umgarnte uns der Besitzer. „Ihr riecht wie Deutsche“, sagte er. Aha. Und wie riechen Deutsche? „Always good, very special. I love Germany“, schwärmte er weiter. Der Herr war Ägypter und lebte eine Zeit lang in München. Von dort wollte er in die USA ausreisen, hat jedoch unglücklicherweise seine ganzen Dokumente und sein Geld verloren. In New York wendete er sich dann an die Deutsche Bank. Und siehe da, Josef Ackermanns Truppe hat es geschafft, ihm Geld und Dokumente wiederzubeschaffen. Das ist der Stoff, aus dem Filme gemacht werden und aus dem Helden entstehen.

Anschließend gingen wir die Lombard Street hinunter bis zur Fisherman’s Wharf. Vom höchsten Punkt der Lombard Street hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und auf die Gefängnisinsel Alcatraz. Das Treiben im Hafen schien noch nicht recht in Gang gekommen zu sein, worauf wir beschlossen, eine Schiffsrundfahrt durch die Bucht zu machen. Vorbei an der Insel Alcatraz ging es bis unter die Golden Gate Bridge. Leider war es so wolkenverhangen, dass man nicht bis zur Spitze der Brücke schauen konnte. Der Klang der Nebelhörner an der Brücke erzeugte jedoch bei diesem ausgesprochenen Sauwetter genau die richtige Atmosphäre. Pflichtgemäß tuckerte der Kapitän uns dann noch bis zur Bay Bridge und setze uns anschließend wieder an der Fisherman’s Wharf ab.

Nach einem kurzen Lunch im lokalen Hardrock Café mit einem gewaltigen Berg Nachos ging es weiter zur nächstliegenden Cable Car Station. Von dort fuhr uns dieses antiquierte Stück Straßenbahn nach Chinatown. Hier gibt es alle möglichen und unmöglichen Souvenirs Asiens zu kaufen, doch eine 2 Meter hohe Buddha-Statue macht sich schlecht im Reisegepäck auf interkontinentalen Flügen. Also waren etwas praktischere Dinge gefragt.

Da sich die Batterie meiner Videokamera bald dem Ende neigte, lag also nichts näher, als eine Zusatzbatterie zu erwerben. In einem Laden mit haufenweise elektronischem Zeugs wurde ich dann fündig, natürlich zu einem absolut individuellen Spezialpreis. Ein für China-Town typischer Verkäufer lateinamerikanischer Herkunft empfahl mir dann noch wärmstens ein zusätzliches Objektiv für meine Kamera mit einem Weitwinkel von nahezu 360 Grad und einem weltraumteleskopartigen Zoom, mit der Batterie zusammen selbstredend zu einem noch individuelleren Spezialpreis. Für 200$ wechselte der Kram zügigst seinen Besitzer und was soll ich sagen, alles funktioniert bis heute absolut prima. Dem Verkäufer schulde ich übrigens bis heute noch eine Postkarte aus „Dschörmanie“, für das Versrpechen konnte ich nochmals 20$ aus dem Kreuz leiern.

Später am Abend besuchten wir noch das Kaufhaus Macy’s mit seinem unfassbaren Warenangebot. Verlockender war jedoch der Hinweis, dass es in der Cafeteria Käsekuchen gab. Also nix wie hinauf mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage zu der verheißungsvollen Kuchenstätte. Der Schock folgte auf dem Fuße: Ein Andrang wie in den DDR-seligen Intershops und eine Luft wie im Pumakäfig. Das ist nix für Vater’s Sohn mit seinen klaustrophobischen Neigungen. Also ging’s mit dem gleichen Fahrstuhl wieder abwärts.

Da der Regen immer schlimmer wurde, traten wir mit der Cable Car unseren Heimweg an, nicht ohne ein paar schöne Aufnahmen vom nächtlichen San Francisco zu machen. Im Hotel angekommen, vielen wir todmüde ins Bett.

22.12.2005

Der folgende Tag brachte wettermäßig nichts neues. Der Himmel der Stadt an der Bucht gab sich äußerst zugeknöpft.. Was noch fehlte war das Foto vom Alamo-Square mit seinen viktorianischen Häusern, welches in San Francisco so ziemlich jede Kitschpostkarte ziert und eine Fahrt über die Golden Gate Bridge. Anschließend machten wir noch eine Fahrt um die ganze regenschwangere Bucht bis Oakland und von dort über die Bay Bridge wieder zurück und dann nach Süden Richtung Los Angeles.

Irgendwann, so dachten wir, muss dieser Regen doch einmal aufhören. In der Nähe der Geburtsstätte meines geliebten iPods, in Cupertino, wurde es allmählich etwas freundlicher. Nach einer kurzen Rast in einem ziemlich schlechten „Subway“ beschlossen wir, in Richtung Monterrey zu fahren, um dort dem sagenumwobenen Highway 1 nach Süden zu folgen. Diesen Entschluss quittierte das Wetter jedoch mit prompter Eintrübung und unvermittelt einsetzendem Regen.

Die Fahrt auf dem Highway 1 glich dann auch eher einem Blindflug denn einem Erlebnis. Streckenweise konnte man vor lauter Nebel nicht die Hand vor Augen sehen. Immerhin konnte man bei (gezwungenermaßen) langsamer Fahrt und geöffneten Seitenscheiben das aurale Erlebnis des rauschenden Pazifik geniessen.

Versöhnlich stimmte uns dann wieder eine in typisch dezentem amerikanischen Weihnachtsschmuck gehaltene Raststätte am Highway 1, die unweigerlich Erinnerungen an Ike Godsey’s Gemischtwarenladen mit Poststation und Tankstelle in Walton’s Mountain hervorrief. Schön, dass es solche Kleinode noch gibt. Um Mitternacht trafen wir schließlich in unserem Hotel in Ventura ein.

23.12.2005

An diesem Tag sollte der „Rest“ von Claudias Familie in Los Angeles eintreffen. Zuvor bezogen wir noch unsere Zimmer im gediegenen „Clocktower Inn“ auf der East Santa Clara Street in Ventura. In diese Herberge luden Claudias Eltern für das Weihnachtsfest und die anstehende Goldhochzeit die gesamte Familie ein. Wie dieses Hotel habe ich mir immer das von den Eagles besungene „Hotel California“ vorgestellt. Claudias Vater und ich übernahmen den Transfer der Familie vom Flughafen nach Ventura. Verteilt auf zwei Maschinen der kommoden „Air India“ waren dann alle gegen 16.00 Uhr zusammen. Am Abend schließlich trafen wir uns alle im Haus von Aunt Josie und Uncle Gilbert.

24.12.2005

Heiligabend. Anders als sonst. Warm, sonnig, Shopping.

Einer ausgedehnten Einkaufstour in der Plaza von Ventura folgte ein schöner Spaziergang auf dem Ventura Pier mit leichtem Hochnebel über dem Küstenstreifen und milden 25 Grad. Gekrönt wurde der Nachmittag mit ziemlich genialen Burritos bei einem lokalen Mexikaner, der leider gegen 16.00 Uhr unvermittelt seine Lokalität schließen wollten. Na ja, es ist halt Weihnachten, „than have a god one“ - der lokale Weihnachtsgruß bar jeder religiösen Anspielungen.

Gegen Abend versammelten wir uns dann alle im italienischen Restaurant des „Clocktower Inn“ in Ventura. Sofort schallte uns ein alteuropäisches „Benvenuti“ entgegen, echte Italiener waren hier also am Werk. Das Dinner war hervorragend, jedoch wurde die Freude im Anschluß etwas getrübt. Wie gewöhnlich orderte ich nach dem Essen einen Espresso. „Sorry, we don’t have Espresso, do you like a Capuccino“, flötete die an Jahren junge Kaltmammsel. Autsch. Capuccino ist ein Frühstücksgetränk, solche Fragen sollten bei einem „richtigen“ Italiener unbedingt ausbleiben. Aber man kann nicht alles haben und das Leben ist kein Ponyhof.

25.12.2005

Unverändert mildes kalifornisches Winterwetter, will heißen , um die 25 Grad Außentemperatur und ein sonniger Himmel. Ideal für einen ausgedehnten Strandspaziergang mit der ganzen Familie. Zur Weihnachtszeit verliert auch der hektische amerikanische Alltag etwas an Dynamik, was richtige Urlaubsstimmung aufkommen ließ.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Claudia’s Cousin Bobby und dessen Sohn Amadeo in einem typischen amerikanischen Restaurant der Kette Denny’s. Bis dato ungeschlagen bleibt der „Hot Fudge Brownie“ mit kanonkugelgroßem Vanilleeis und mindestens einem Hekotliter klebrigster Schokladensauce.

Anschließend besuchten wir den Friedhof auf dem Claudias Großeltern mütterlicherseits begraben sind. Selbstredend fuhren wir mit dem Wagen bis an die Grabstelle.

Zur Dämmerung gegen 17.00 Uhr machten wir noch einen kleinen Ausflug in den Yachthafen von Ventura, der mit seinen weihnachtlich geschmückten Booten und Yachten ein stimmungsvolles Bild bot.

Gegen Abend traf sich dann unsere ganze Familie bei Aunt Josie und Uncle Gilbert, wo deren Kinder, Enkel und Urenkel ebenfalls anwesend waren.

26.12.2005

An diesem Tag feierten wir den Geburtstag von Claudia’s Uncle Tony. Am Morgen gegen 9.00 Uhr brachen wir zu ihm nach Arroyo Grande, südlich von San Luis Obispo, auf. Nach einem gemeinsamen Brunch feierten wir in einem Clubhaus in der Siedlung, in der Uncle Tony und Aunt Betty leben bis in den Abend hinein und sahen über den Hügeln von Arroyo Grande einen wunderschönen „Californian Sunset“.

27.12.2005

„Yeah, … let’s go to the beach“. Was ist hipper als Venice Beach in Los Angeles. Nicht viel.

Als nichts wie hin. Die anfängliche Bewölkung wich einem strahlenden Sonnentag. Wir genossen den Strand und fuhren eine Stunde lang mit einem Beachcruiser (für Daheimgeblieben: Strandfahrrad) den berühmten Ocean Front Walk entlang. Hier gibt es die kuriosesten Leute und Läden. Besonders angetan waren wir von einem Geschäft mit knallbunten, gewaltigen Sonnenbrillen. Fast glaubte man, Liberace biegt gleich um die Ecke und probiert ein paar dieser Exemplare an.

Nach einem sukkulenten Burger-Mahl war es dann soweit: Gone Hollywood. Ab in die Stadt der Träume.

Routenplanungstechnisch perfekt mit einem Taschenreiseführer vom ADAC ausgestattet, traten wir die Suche nach dem berühmten Walk of Fame auf dem Hollywood Boulevard an. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Noch hoffnungsloser ist es jedoch, in den USA irgendjemanden nach dem Weg zu fragen. Reine Zeitverschwendung. „Hollywood Boulevard? Never heard“, bekamen wir in einem Fastfood-Restaurant zu hören, was von auffällig vielen Menschen mit offensichtlich jüdischer Religionszugehörigkeit frequentiert wurde. War wohl koscher. Eine ziemlich heruntergekommene Frau auf dem Parkplatz dieses Gourmet-Tempels erklärte uns schließlich den Weg, nicht jedoch ohne den Hinweis, dass die nächste Auskunft nur gegen einen Becher Kaffee erfolgen sollte.

Nach ein paar Minuten und einem Häuserblock weiter waren wir dann am Ziel, dem Hollywood Boulevard. Wir parkten ganze in der Nähe des legendären Gebäudes von Capitol Records, welches jahreszeitgemäß mit einem dezenten Weihnachtsbaum geschmückt war.

Vorbei an Läden, die abwechselnd die Bezeichnung kultig und sonderbar trugen, vorbei an der Scientology Zentrale und vorbei an Kinos, die längst bessere Zeiten sahen erreichten wir den Walk of Fame mit dem weltberühmten Mann’s Chinese Theatre und das benachbarte Kodak Centre, in dem alljährlich diese kleinen goldenen Tropäen namens Oscar verteilt werden.

Alles lebt hier vom Glanz längst vergangener Zeiten; Elvis, James Dean, die Monroe und Spider Man animieren hier für ein paar Dollar die Touristen und sind vor allem Fotodekoration für Menschen aus dem Land der aufgehenden Sonne mit scheckkartengroßen Digitalkameras. Sogar Rambo mit einer überlebensgroßen Maschinenkanone patrouilliert hier.

Immerhin kam Heimatgfühl am Boulevard der Träume auf. Ein Schwarzer gab eine Breakdance-Einlage zu dem Kraftwerk-Titel „Nummern“ aus dem Jahr 1982. Technokratische deutsche Musik aus dem alten Europa als stilprägendes Element in der neuen Welt. Vergessen wir für ein paar Minuten die geistige Diarrhoe des Herrn Rumsfeld und genießen diese musikalische und tänzerische Symbiose der Kulturen. Wieder hat es mich ein wenig mit stolz erfüllt, dass diese stilprägenden Musiker ihre Werke nur ein paar Kilometer von meiner Heimatstadt ersonnen haben.

Nun gehört zu jedem Hollywood-Besuch mindestens ein Foto des berühmten Schriftzuges in den Hollywood Hills. Besonders toll soll es sein, wenn dieser des Nachts von den grellen Lichtern angestrahlt wird. Doch wie gelangt man in Reichweite dieses begehrten Fotoobjektes. Einen besonderen Blick soll man vom Griffith Observatory dorthin haben. Dort wurden auch einige berühmte Szenen aus „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ mit James Dean gedreht. „Holy ground“ also.

Doch wieder einmal schien kein einziger Einwohner Hollywoods auch nur einen Hauch der Ahnung zu haben, wo sich dieses berühmte Observatorium befindet, geschweige denn, wie man dort hinkommt. Ein probates Mittel, das auch in der neuen Welt hilft ist, an einer Tankstelle nachzufragen. Ebenfalls Fehlanzeige. Immerhin wies uns der Tankwart den Weg in die Hollywood Hills. Den Zahn mit dem Foto des beleuchteten Hollywood-Schriftzuges zog er uns jedoch sofort. Die Lichter sind zur Zeit abgeschaltet. Eigentlich war es vermessen, etwas anderes zu erwarten. Trotzdem sind wir in die Nähe des Schriftzuges gekommen und sind durch verwinkelte Straßen und traumhaften Villen vorbeigefahren. Ein Bild für das Fotoalbum für die Lieben daheim gab es nicht, weil es bereits stockdunkel war.

Wie auch immer, wir haben wenigstens ein paar Umrisse gesehen. Müde vom Tag und vom Erlebten traten wir die Heimreise über den Ventura Freeway, vorbei am Sunset Boulevard und am Mulholland Drive nach Ventura an.

28.12.2005

Der große Tag. Die Goldhochzeit von Claudia’s Eltern. „It never rains in Southern California“ war an diesem Tag wieder mal eine unbewiesene Behauptung. Leichter Sprühregen begleitete uns in die Missonskirche von Ventura.

Irgendein Beten wurde vermutlich vom kalifornischen Wettergott erhört und zum abschließenden Gruppenfoto vor der Kirche gesellte sich auch die Sonne zu uns. Anschließend ging es zum Empfang mit folgendem Lunch zurück ins wenige Meter entfernte „Clocktower Inn“.

Am Nachmittag folgte eine Erholungspause und gegen 18.00 Uhr begann das Dinner. Mit viel Musik und ein paar sorgfältig vorbereiteten Showeinlagen zu Ehren des Jubelpaares bis in die Nacht hinen klang dieser schöne Tag aus.

29.12.2005

An diesem Tag mussten wir das gastliche „Clocktower Inn“ leider verlassen, der „offizielle Teil“ der Reise war zu Ende. Claudia’s Bruder musste leider wieder abreisen und wir begleiteten ihn nach Los Angeles. Wir nahmen den Freeway über Santa Clarita und Glendale nach L.A., der wesentlich reizvoller als der Ventura Freeway ist. Das Auge ißt schließlich mit.

Unser nächstes Ziel war El Monte R.V. Rental in Santa Fe Springs/Los Angeles. Dort standen für unsere Familie drei Wohnmobile bereit, mit denen wir in der folgenden Woche Südkalifornien erkunden wollten. Die Gefährte waren sehr komfortabel und begrüßten uns beim Starten mit dem herzlichen Grollen aus acht Zylindern. Benzinmotor selbsverständlich. Die hatten Hubraum, die hatten PS, die hatten alles. Somit war beim Blick in das Cockpit natürlich äußerste Vorsicht geboten um den Sekundenzeiger der Zeituhr nicht mit der Tankanzeige zu verwechseln. Nach dem Einräumen des Gepäcks und der Ausrüstung und nach ausführlicher Unterweisung durch einen hollywoodgleichen Lehrfilm über das Fahrzeug ging es los: „Go West, to the open skies“.

Erstes Ziel war Anaheim südlich von Los Angeles, die Heimat des sagenumwobenen Disneyland. Ein Lebensziel der mitgereisten Kinder. Nur mit viel Glück haben wir einen Platz für 3 Wohnmobile bekommen. Die Weihnachtszeit ist auch bei unseren amerikanischen Freunden Reisezeit.

30.12.2005

Die ganze Familie mit Ausnahme einiger Unbelehrbarer war bereit für Disneyland. Die Unbelehrbaren waren Claudia, ihre Schwester, ihre Nichte und meine Wenigkeit. Wir zogen es vor, uns Los Angeles anzuschauen. Wir beabsichtigten, mit dem Zug in die Stadt der Engel zu reisen. Kein leichtes Unterfangen für verkehrsverbundverwöhnte Mitteleuropäer.

Im nahe gelegenen Fullerton befand sich ein Bahnhof. Ich war der irrigen Ansicht, man könne dort mit einem Nahverkehrsexpress nach L.A. fahren. Weit gefehlt, dieser Express bedient nur morgens und abends die Rush-Hour. Also mussten wir den „Surfliner“ der Bahngesellschaft Amtrak nehmen. Dieser fährt jedoch annähernd nur alle sieben Pfingsten, so dass wir in Fullerton bereits anderthalb Stunden außerplanmäßigen Aufenthalt hatten.

Aus „security reasons“ gab es das Bahnticket nur gegen Vorlage des Reisepasses, für uns Europäer sehr seltsam.

Dann grollte das dieselbetriebene Schienengefährt in den Banhof. Vom Interieur her erinnerte der „Surfliner“ in etwa dem vor mehr als 30 Jahren ausgemusterten Trans-Europ-Express der Deutschen Bundesbahn; die Geschwindigkeit entsprach in etwa einer mittelmäßig erhaltenen, Ostberliner Straßenbahn. Oft hatte man den Eindruck, dem Dieselaggregat würde jeden Moment die Puste ausgehen.

Nach ca. 1 Stunde fahrt erreichten wir dann die Union Station in Los Angeles. Ein wirklich sehr sehenswerter Bahnhof. Erster Anlaufpunkt war die Olvera Street mit dem Avila Adobe, dem ältesten Haus von Los Angeles, um das herum sich ein wunderschöner mexikanischer Markt drapierte. Stilechte Tortillas mit jeder Menge scharfen Ingredenzien machten uns den Aufenthalt sehr angenehm und stillten den Hunger auf das Angenehmste.

Vorbei an der Missionskirche gingen wir zu der von Frank Gehry erbauten Walt Disney Concert Hall, einem architektonischen Meisterwerk. Zwischen den Häuserschluchten von Downtown L.A. gab es wieder diesen famosen „Californian Sunset“.

Vielmehr sehenswertes gibt es in Downtown L.A. leider nicht und wir traten mit dem „Surfliner“ wieder die Heimreise nach Fullerton an. Von dort erlaubten wir uns den Luxus eines Taxis zurück zum Campingplatz nach Anaheim, freilich nicht ohne dem Taxifahrer den Weg dorthin zu erklären. Hätten wir ihn so fahren lassen, wie er es wollte, so wären wären wir vermutlich in Las Vegas oder in Chicago gelandet, aber mit Sicherheit nicht auf „unserem“ Campingplatz.

31.12.2005

Der letzte Tag des Jahres, unrasiert und fern der Heimat. Unser nächstes Ziel war ein Campingplatz an der Mission Bay in San Diego, etwa 4 Autostunden von Anaheim entfernt. Wieder einmal versank Südkalifornien im Regen. Gegen Abend erreichten wir dann unser Ziel an der Mission Bay.

Am späteren Abend trafen wir uns dann mit Claudia’s Eltern um den letzten Tag des Jahres gemeinsam zu vergringen. Das Sylvesterdinner fand in einem örtlichen Denny’s Restaurant statt, freilich nicht ohne den unerreichten Hot Fudge Brownie zum Nachtisch. Anschließend ging es zurück zum „Campground on the bay“, welches für den Sylvesterabend ein atemberaubendes Höhenfeuerwerk verprach.

Gegen Mitternacht versammelte sich der gesamte Campingplatz an der Bucht, um das angekündigte Spektakel zu bewundern. Auf einem Boot ca. 100 Meter vom Ufer entfernt brach das Feuerwerk pünktlich los. Nach ca. 10 Raketen war der Reigen plötzlich zu Ende. Nach ca. 15 Minuten folgte der zweite Teil der gigantischen Pyromanie. Wieder ca. 10 Raketen. Danach Ende, Happy new year, felíz año nuevo, gute Nacht.

Selten haben wir uns so amüsiert – es war mit Abstand das kürzeste Feuerwerk meines Lebens und das hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Maßlose Enttäuschung machte sich breit. Im Stillen hatten wir mit Tivoli-Lichterspielen gerechnet, die Nero zu einem Waisenknaben machen würden. Aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken. Willkommen im Land der unbegrenzten Widersprüche.

Egal, ob es nun ein bengalisches Feuerwerk war oder ein paar Ladykracher waren, Claudia und ich durften eines unserer ungewöhnlichsten Sylvesterabende zusammen verbringen und nur das zählt.

01.01.2006

Happy new year, felíz año nuevo, frohes neues Jahr, welcome ‘06. Ein Shuttle-Bus des Campingplatzes brachte uns nach San Diego, Old Town. Old ist hier ja nichts wirklich, zumindest nicht in unseren Augen. Was sind schon 120 Jahre. Ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte des geliebten Rheinlandes.

Von Old Town aus machten wir in den originellen Trolly-Bussen eine Stadtrundfahrt durch San Diego. Vorbei am Flugzeugträger USS Midway erreichten wir das berühmte Gaslamp Quarter, das Amüsierviertel von San Diego. Lunchtime in Jim Croce’s Restaurant. Sehr empfehlenswert.

Danach setzten wir unsere Stadtrundfahrt fort, hinaus nach Coronado Island. Dort befindet sich das bekannte Hotel del Coronado, in dem Größen wie Frank Sinatra logierten und Billy Wilder „Manche mögen’s heiß“ drehte. Leider blieb uns keine Zeit zum Aussteigen. Endpunkt der Rundfahrt war wieder Old Town, wo wir noch einen mexikanischen Markt besuchten.

02.01.2006

Strengste Geschlechtertrennung. Die Damen frönten dem Einkaufen - „shop ’til you drop. Die Herren samt Kindern beschlossen, die USS Midway zu besichtigen, freilich nicht ohne vorherige Sicherheitskontrolle.

Dieser Flugzeugträger war im Koreakrieg eingesetzt und dient nun als Museumsschiff. Highlight war zweifelsohne ein Flugsimulator, der der Wirklichkeit erstaunlich nahe kam. Achterbahnartig durchflog man irakische Schluchten, jagte irakische Schurken und bombardierte irakische Stellungen. Wir hatten damals beim Bund auch kein Feindbild, aber der Angriff kam immer aus Richtung Osten.

Im Anschluss an unsere Besichtigung und der Teilnahme an der Koalition der Willigen trafen wir unsere Frauen in der Horton Plaza, einem knall bunten Konsumtempel. Der Regen meinte es zu diesem Zeitpunkt wieder besonders gut mit uns. Es stellte sich die Frage nach dem weiteren Tagesablauf, was angesichts des Niederschlages wenig Alternativen offen ließ.

Ich erinnerte Claudia’s Schwager daran, dass er unbedingt in Coronado Island einen Sonnenuntergang sehen wollte und stellte zu Disposition, nach dort aufzubrechen. Dieser Vorschlag diente angesichts des Wetters der allgemeinen Erheiterung und brachte mir das ein oder andere mitleidige Schmunzeln entegegen. „Wenn wir da sind, dann gibt’s für uns auch einen Sonnenuntergang“, sagte ich, was den Grad der Erheiterung steigerte. Trotzdem sind wir geschlossen nach Coronado aufgebrochen.

Als wir dort ankamen, gab es, wie versprochen, unseren Sonnenuntergang. Hab ich doch gleich gesagt, aber mir wollte ja keiner glauben.

03.01.2006

Wieder Aufbruchstimmung. Nicht jedoch ohne ein angemessenes Frühstück mit Claudia’s göttlichen Pancakes. Der Geruch dieser Pancakes ließ jedenfalls die Sonne zum Vorschein kommen. Da sieht man wieder einmal, zu was Frauen alles anrichten können.

Unser heutiges Ziel war der Anza Borrego Desert State Park, ca. 5 Autostunden von San Diego ins Landesinnere entfernt. Es war eine malerische Fahrt dorthin. Ein kleine Rast, um die nötigen Einkäufe für die am Abend geplanten Hot Dogs fanden im weltberühmten Städtchen Julian statt. Dort hatte man den Eindruck, als ob die Zeit stehen geblieben ist und dass jeden Moment Matt Dillon aus dem Saloon gestolpert kommt. Wilder Westen inklusive.

Nach einer weiteren Stunde fahrt auf einer menschenleeren Wüstenstraße erreichten wir Agua Caliente Hot Springs, ein Campingplatz mitten in der Wüste im Schatten einer kleinen Bergkette. Selbstverständlich mit geheiztem Schwimmbad, es war ja schließlich Winter. Unsere Frauen schafften es, scheinbar aus dem Nichts die wunderbarsten Hot Dogs zu zaubern, die es auf diesem Planeten gibt. Der Abend klang gemütlich aus und Ritas Kassette mit den Country-Schinken musste ein erhebliches Maß an Überstunden leisten. „Like a Rhinestone Cowboy“, Wildwestromantik pur.

04.01.2006

Um Punkt sieben Uhr morgens erfolgte der Weckruf. Claudia’s Schwager und ich wollten den nahe gelegenen Berg besteigen. Als wir starteten, war es saukalt – 15 Minuten später brannte die Sonne bereits erbarmungslos auf unser greises Haupt. So ist’s eben in der Wüste.

Der beschwerliche Aufstieg belohnte uns jedoch mit einem unvergesslichen Ausblick über die weite Wüstenlandschaft des Anza Borrego Desert State Parks. Unsere Campingbusse nahmen unterdessen die Gestalt von Miniaturmodellen an. Bei unserem Abstieg wurden wir dann Zeuge südkalifornischer Reinlichkeit. Pünktlich um 9.00 Uhr reinigte eine Kehrmaschine die Sandpisten des Campingplatzes. Ein surreales Bild.

Nach unserem Abstieg setzten wir unsere Reise fort und programmierten die Zielkoordinaten auf den Joshua Tree National Park. Nach stundenlanger Fahrt durch eine grandiose Landschaft erreichten wir am Nachmittag den Eingang zum Joshua Tree National Park. Da der Tag langsam begann, sich dem Ende zu neigen, hatten wir nur Zeit für ein Gruppenfoto am White Tank Monument und ein kurzen Spaziergang am Barker’s Dam, einem kleinen See mitten in der Wüste.

Nun war es Zeit, unser Nachtquartier in Yucca Valley aufzusuchen. Auf Grund der Reisezeit reservierten wir natürlich wieder den Campingplatz. „Enough space for you“, hieß bei der Reservierung lediglich. Was auch nicht weiter verwunderlich war, verfügte der Campingplatz lediglich über zwei Plätze mit Stromanschluss. Diese befanden sich jedoch noch in einer Art „Erprobungsphase“ und waren nicht zugänglich. Am schlimmsten wog hier, dass ich meinen iPod und meine Videokamera nicht aufladen konnte. Alles andere war und ist entbehrlich. Aus der Not machten wir jedoch eine Tugend und entzündeten ein Lagerfeuer, was an Leuchtkraft das Feuerwerk an der Mission Bay bei weitem übertraf und den Kindern die Möglichkeit eröffnete, Marsh-Mellows zu machen.

05.01.2006

Dieser Tag führte uns nach Palm Desert in der Nähe von Palm Springs. Dort wohnt eine Bekannte von Claudia’s Eltern, die sich freundlicherweise anbot uns durch „The Living Desert“, einen Wüstenzoo, zu führen. Auffallend ist, das Palm Desert voll und ganz auf die Bedürfnisse von Rentnern zugeschnitten ist. Anstatt Radwegen gab es Wege für Golfkarren. Vermutlich haben wir mit unserer Reisegruppe beim Befahren der Stadt den Altersdurchschnitt mit unserem statistischen Alter von 40 Jahren um Lichtjahre nach oben katapultiert. „The Living Desert“ bot reichlich Interessantes aus der Wüstenwelt und ein Tierkrankenhaus, das so manchem Humanmediziner den Neid in die Augen treiben würde.

Am frühen Nachmittag brachen wir zu unserem letzten Ziel auf, einem Campingplatz in Pomona, einem Vorort von Los Angeles. Einkaufsmäßig sind unsere Frauen in den letzten Tagen eindeutig zu kurz gekommen. Nächster planmäßiger Halt war ein Outlet-Center zwischen Palm Springs und San Bernadino, der sich jedoch mit einem Aufenthalt von knapp zwei Stunden für uns Männer relativ human gestaltete.

Im Angesicht des Endes der Reise machte sich eine etwas gedrückte Stimmung breit. Die vergangenen Tage waren ein wirkliches Erlebnis gewesen und mussten erst einmal adäquat verarbeitet werden.

06.01.2006

Final Lap. Letzte Runde.

Am Morgen machten wir unsere Campingbusse startklar und brachen Richtung Los Angeles auf, da wir bis zum Mittag unsere rollenden Blechkisten bei El Monte abgeben mussten. Die hochfrequentierten Freeways machten diese Fahrt zu einer nervenaufreibenden Punktlandung. Ein Bus von El Monte sollte uns zum Flughafen am anderen Ende der Stadt nach Inglewood bringen. Gott sei Dank waren wir die einzigen Fahrgäste, so dass der Bus auf uns wartete.

Am Tom Bradley International Airport hatten wir dann eine Menge Zeit, da unser Flug erst für 19.00 „geschedult“ war, wie es neudeutsch heißt. Es war genug Zeit für ein größeres Quantum Donuts und den Einkauf zollfreier Tabakwaren.

An der Sicherheitskontrolle nötigte man mich, mein Feuerzeug abzugeben. Neben meinem iPod und den Zigaretten ein Utensil, welches ich eigentlich grundsätzlich nicht aus der Hand gebe. Aber was tut man nicht alles für die Flugsicherheit in Zeiten wie diesen. Etwas unschön war noch der Verlust der Uhr von Claudia’s Neffen bei der Zollkontrolle. Die Sicherheitsbediensteten meinten nur, das dieser Verlust wohl sehr schicksalhaft sei. Das Ding war zwar nichts wert, aber hier geht es ums Prinzip. Ebenfalls willkürlich wurde die Nichte von Claudia kontrolliert, oder besser gesagt, schikaniert. Ein terroristischer Hintergrund wurde vermutet, als man in einer ihrer Cremes auf der Ingredenzienliste etwas von Nitroglyzerin fand. War hier der europäische Arm der Al-Quaida unterwegs ? Nach minutenlangen Beratungen untereinander kamen die Sicherheitsbediensteten jedoch zu der Ansicht, dass das junge Mädel wohl keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellte und man ließ die gnädigerweise in Richtung Flugsteig passieren. Dort fand dann zur absoluten Sicherheit noch einmal eine Handgepäckkontrolle statt, die sich jedoch darauf beschränkte, dass die Sicherheitsfachkraft mit einem absolut sterilen Hygienehandschuh noch nicht einmal bis zum Ellenbogen in die Tasche griff.

Das perfekte Chaos entstand, als unsere Maschine eine Stunde Verspätung hatte und zur gleichen Zeit am gleichen Gate eine Maschine nach Melbourne eingecheckt wurde. Das Personal war hoffnungslos überfordert und wusste nicht, welche Passagiere es wohin dirigieren sollte. Melbourne oder Frankfurt, ist doch eigentlich kein großer Unterschied, beides ist ziemlich weit weg.

Gegen 20.30 Uhr hob die 747 der Air India dann ab und wir sagten nicht „lebwohl, Kalifornien“, sondern „auf Wiedersehen, Kalifornien, bis bald“ Ich muss noch einmal „Hotel California“ von den Eagles bemühen: „You can check out anytime you like but you can never leave“.

Wir konnten uns an Bord des indischen Jumbo endlich wieder den reizenden Bollywood Filmen widmen, die auf einer Großleinwand unmittelbar vor unserer Nase liefen und uns schon auf dem Hinflug maßlos auf die Nerven gingen. Wenigstens gab es den Ton nur über Kopfhörer. Ich rechnete jedoch jeden Augenblick damit, dass neben mir ein Inder auftaucht, der mir eine Rose verkaufen will.

In Frankfurt mussten wir dann ein letztes Mal Gas geben, um unsere Anschlussmaschine ins Düsseldorf zu erreichen. Ein Hinweisschild sagte, dass es ca. 40 Minuten zu unserem Gate wären. Ja, für Gehbehinderte vielleicht, dachte ich. Also setzten wir uns zügigen, jedoch nicht zu schnellen Schrittes in Bewegung. Die angepeilten 40 Minuten waren meiner Auffassung nach dann doch nicht für Gehbehinderte, sondern wohl eher für austrainierte Marathonläufer gerechnet.

Nachdem wir im Flughafen eine gewisse Prominenz erreichten, da man uns bereits aufrief, kamen wir ziemlich außer Atem an unserem Flugsteig an, um dann im Flugzeug zu erfahren, dass sich der Abflug auf Grund eines klitzekleinen Triebwerkproblems um noch klitzekleinere 15 Minuten verschieben würde. Aber wir hatten Vertrauen in die Technik der Lufthansa-Maschine, die auch nicht enttäuscht wurde.

Willkommen zu Hause, am Flughafen Düsseldorf. Als erstes blickten wir in das Gesicht eines Zöllners, der, wenn er Hannibal Lecter hieße, eine Gesichtsmaske hätte tragen müssen. Der Gesichtsausdruck legte die Vermutung nahe, dass sich dieser Mensch ausschließlich von rohem Fleisch ernährt. Wir waren wohl nicht seine Geschmacksrichtung und er winkte uns unkontrolliert durch. Nicht einmal unsere Pässe wollte er sehen. Nach den Sicherheitskontrollen in Los Angeles wähnten wir uns erstmals nicht im Dunstkreis irgendwelcher dubiosen Terrororganisationen.

Dies ist nun das Ende einer außerordentlich interessanten und erlebnisreichen Reise, auf der wir vielen interessanten Menschen begegnet sind, außergewöhnliche Orte besucht haben vieles gemeinsam erlebt haben. „Life is a series of hellos and goobyes, I’m afraid it’s time for gooodbye again“.


Dienstag, 10. Juli 2007

Kalifornien 2005/2006

Abgelegt unter: Kalifornien — Juergen Langenberg @ 21:43

Bilder aus Kalifornien