Mittwoch, 15. September 2004
Am 06. September forderte das deutsche Body-Double von Fidél Castro, der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, auf einer Podiumsdiskussion, dass es einen neuen Nationalfeiertag geben soll.
Nach fast 15 Jahren hartem Einsatz soll der 3.Oktober seiner Meinung nach ausgedient haben.
Angeblich gibt’s geeignetere Tage für einen solchen hochheiligen Feiertag.
Da war ich natürlich gespannt, was kommt.
Schliesslich gibt die deutsche Geschichte ‘ne Menge denkwürdiger Tage für dieses Fest her:
- 8.Mai 1945 - Ende des tausendjährigen Reiches
- 23.Mai 1949 - Grundgesetz
- 17.Juni 1953 - Aufstand in der DDR
- 13.August 1963 - Bau der Mauer
- 3.November 1967 – mein Geburtstag
Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen.
Herr Thierse kam nun auf ‘ne ganz tolle Idee. Anstatt dem 3.Oktober sollte man doch den 9. Oktober nehmen. Zunächst einmal ist das in diesem Jahr genau so schwachsinnig wie der 3.Oktober, weil der neue Feiertag auf einen Samstag fällt. Also wieder kein arbeitsfreier Tag (Friseusen und Verkäuferinnen ausgenommen).
Noch hirnrissiger ist aber die Begründung des bärtigen Bundestags-Häuptlings.
Mit diesem Datum würde auch der Beitrag der Ossis zur Wiedervereinigung gewürdigt.
Was war nun am 9.Oktober und welches Jahr meint er überhaupt ?
Er meint den 9.Oktober 1989.
An diesem Tag protestierten rund 70.000 Menschen in der Zone gegen das damalige SED-Panoptikum, und zwar friedlich. Honecker und seine Kumpanen hatten an diesem Tag noch mal alles dagegen aufgeboten, was sie hatten: Volkseigener Schützenverein, Bullen und Stasi-Halbstarke.
Die von vielen befürchtete Keilerei ist allerdings ausgeblieben. Die Russen saßen damals wie Waldorf & Stattler in ihrer Loge, und haben dem Treiben nur zugeschaut.
Also mussten der Erich und seine Freunde selbst entscheiden, was zu tun ist. Da aber der große rote Bruder ihnen die Entscheidung immer abgenommen hat, wussten sie nicht so recht, was sie machen sollten. Also machten sie erst mal gar nix. Einzig die Leipziger Funktionäre und ein paar örtliche Stasi-Recken haben Erich’s Zinnsoldaten damals zurückgepfiffen. Als das Spektakel dann vorbei war, hat der menschlichste Politiker der DDR, Egon Krenz, befohlen, nicht gegen das Volk vorzugehen. Komischerweise hat ihn selbst dafür später keiner mehr so richtig lieb gehabt und er ist in den Knast eingefahren.
So, nun rekapitulieren wir für die MTV-Kids und BLÖD-Leser noch einmal die Inhalte der Montagsdemo.
Das Volk in der Zone hatte die Faxen dicke. Gorbatschow machte in Russland seine Perestroika und predigte Glasnost. Sogar Ronald „Raketen-Ronnie“ Reagan durfte im Sowjet-Fernsehen eine Ansprache halten (1987), es gab erste Privatisierungen und die ersten Atomraketen wanderten in den Schredder.
Die Ungarn kauften sich ein paar Bolzenschneider und machten damit den Grenzzaun nach Österreich platt. Entgegen allen Erwartungen flüchtete kein einziger Österreicher nach Ungarn.
Vielmehr nutzen unsere Brüder und Schwestern aus der DDR die Möglichkeit, während ihres Ungarn-Urlaubs den Trabi einfach Richtung Westen zu steuern. Der große sowjetische Bruder in Form von Gorbatschow lehnte bereits am 6.Juli 1989 eine Intervention der roten Armee zur Beilegung der Unruhen ab. Damit verlor die Zone ihre Existenzgarantie.
Erich & Co. fanden das natürlich überhaupt nicht komisch und setzten dem Volk die Daumenschrauben an. Reisen nach Ungarn wurden beispielsweise erschwert oder unmöglich gemacht.
Am 7.Oktober 1989 feierte der erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden dann sein 40-jähriges Bestehen mit einem letzten Schützenfest. Natürlich wurde auch Michail Gorbatschow eingeladen. Der Erich hatte bereits mehrfach angedeutet, dass er bei Genosse Michail`s neuen Spielen wie Perestroika und Glasnost nicht mitspielen will. Wahrscheinlich hat er die Spielregeln nicht kapiert. Gorbi sagte: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Aber Erich und sein Panoptikum hatten nicht nur den Zug verpasst, sondern fanden auch den Weg zum Bahnhof nicht mehr (wahrscheinlich hatte Wandlitz keinen Gleisanschluss).
So sah Gorbi sich das Schauspiel ein letztes Mal an und verschwand dann wieder in den unendlichen Weiten des sowjetischen Riesenreiches.
Zwei Tage später fand dann besagte Großdemo in Leipzig statt.
Hier wurde der wunderbare Slogan „Wir sind das Volk“ erfunden.
Die Menschen forderten mehr Mitbestimmung und eine Abschaffung der Stasi-Büttel. Sie wünschten sich einen Mann und eine Politk wie Gorbatschow.
Von einem „Deutschland, einig Vaterland“ war da noch herzlich wenig zu hören.
Auch von ALDI und IKEA wollte das Volk im Grunde nix wissen. Nach dem Krieg wollten wir ja auch kein Disneyland, also haben wir Care-Pakete erhalten.
Niemand hatte damals damit gerechnet, dass einen Monat später die Mauer geöffnet wird und dass Trabis den Ku`Damm bevölkern.
Die Leute wollten schlicht und ergreifend ihren Staat ein wenig mehr selbst gestalten.
Mit deutscher Einheit oder Wiedervereinigung hatte das in diesem Stadium herzlich wenig zu tun.
Viele hatten von der SED und dem alten Erich einfach die Faxen dicke, sie wollten ihren Staat, in dem sie teilweise aufgewachsen sind, einfach nur umgestalten.
Denen jetzt die Wiege für die Wiedervereinigung in die Schuhe zu schieben ist schwachsinnig !
Verzeih` mir bitte die Parallele – aber es ist genau so schwachsinnig, Graf Schenck von Stauffenberg und seine Freunde, die das Attentat auf Adolf Hitler am 20.Juli 1944 planten, als Gründungsväter oder Wegbereiter der Bundesrepublik zu glorifzieren, wie es unser erster Bundespräsident Theodor „Papa“ Heuss einst tat.
Die hatten nämlich mit einem demokratischen, föderativen Bundesstaat vom Format der späteren BRD rein gar nix am Hut. Es waren nicht mal überzeugte Demokraten im Sinne späterer Nachkriegspolitiker wie Adenauer, Heuss oder Schumacher. Der von Stauffenberg vorgesehene Reichskanzler Carl Goerdeler hatte beispielsweise seine Herkunft in der „Deutschnationalen Volkspartei“, die sich in der Tradition der „Deutschnationalen Bewegung“ sah und für kaiserlichen Konservatismus, Nationalismus und rechten Liberalismus stand. Aber lassen wir die Geschichte hier einmal ruhen …
Auf jeden Fall hat der 9.Oktober 1989 auf keinen Fall das Zeug, zu einem nationalen Feiertag zu werden, zumal sich die Ereignisse, die Thierse in seiner Argumentation beschreibt, an diesem Tag „nur“ auf die Stadt Leipzig begrenzten.
Genau so gut könnte man den D-Day, den 6.Juni 1944 als Nationalfeiertag nehmen. Denn mit der Landung der Alliierten in der Normandie wurde faktisch das Ende des Faschismus in Europa eingeläutet.
Niemand würde das ernsthaft in Erwägung ziehen.
Ebenso hirnrissig ist die Begründung von Christian Führer, Pfaffe der Nikolaikirche in Leipzig, der damals bei den Demos federführend war. „Damals saß die ganze DDR in der Nikolaikirche“, tönt er. Erstens ist die gar nicht so groß, und zweitens waren unter den 8.000 Besuchern mindestens 1.000 Stasi-Büttel und drittens ist das ein ziemlich größenwahnsinnige Selbstüberschätzung. Andere Städte in der ehem. DDR haben ihre ganz eigenen Geschichten der „Montagsdemo“, die nicht unbedingt mit dem 9.Oktober 1989 korrospondiert.
Um einiges wertvoller finde ich den Vorschlag des Abgeordneten der Grünen, Werner Schulz, den 9.November als Nationalfeiertag einzuführen.
Das ist der Tag, an dem 1989 die Mauer geöffnet wurde. Das ist aber auch der Tag, an dem im Jahr 1938 das Progrom gegen die Juden inszeniert wurde, vielen als „Reichskristallnacht“ bekannt.
Denn Schulz hat sehr richtig erkannt, dass der 3.Oktober, der Tag des Beitritts der DDR zu Bundesrepublik (so der verfassungsrechtliche Vorgang) schon längst von keinem mehr wahrgenommen wird. Eben weil es im Grunde nur ein verfassungsrechtlicher Vorgang war. `Ne andere Möglichkeit schien es damals gar nicht zu geben.
Das ist, für sich betrachtet, schon ein ziemliches Trauerspiel.
Da ist endlich das in Erfüllung gegangen, was wir uns 40 Jahre lang gewünscht haben.
Und in diesem Jahr regen wir uns auf, dass der Tag auf einen Sonntag fällt und wir einen freien Tag weniger haben. Hauptsache nicht arbeiten. In Frankreich regt sich kein Mensch darüber auf, dass evtl. der 14. Juli auf einen Sonntag fällt, oder in Aremorika der 4.Juli.
Gefeiert wird trotzdem, und das mit Stolz.
Und hier ?
Hauptsache, wir haben einen Tag, an dem wir nicht arbeiten müssen.
In der Retrospektive ist das jedoch ein Tag, für den Kurt Schumacher und Konrad Adenauer sich heftige Wortgefechte im Bundestag lieferten, die bis an die Grenze der Erträglichkeit gingen und es ist ein Tag, für den Willy Brandt den berühmten Kniefall von Warschau machte. Es ist auch ein Tag, für den einige unserer Landsleute in den Knast eingefahren sind und viele Entbehrungen hinnehmen mussten.
Darauf sollten wir verdammt noch mal sehr stolz sein.
Genau so solz sollten wir darauf sein, dass es das Volk (zugegebenermassen in der Hauptsache das Volk der ehem. DDR) geschafft hat, diese unsägliche Mauer mit Mut, Witz und Wort wegzudemonstieren ohne dass dabei .ein einziger Gewehrschuss abgefeuert wurde – und das auf einem Minenefeld, auf dem sich die beiden Supermächte bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstanden.
Ich denke, dass sich so ein Tag nicht in regionalen Protesten (wenn auch gewaltigen Ausmasses) oder in in verfassungsrechtlichen Vorgängen ausdrücken kann.
Es sollte ein Tag sein, der die Herzen der Menschen berührt.
Der 9.November ist so ein Tag. In Berlin haben sich an diesem Herbsttag in Berlin teilweise wildfremde Menschen in den Armen gelegen und einfach nur die Sau durchs Dorf getrieben; über die Freude, dass man einfach mal „rüberfahren“ kann.
An diesem Tag haben wir ebenfalls die Gelegenheit, uns an das Jahr 1938 und die „Kristallnacht“ zu erinnern. Das zeigt, wozu wir fähig sind, im Guten, wie im Schlechten. An diesem Tag könnten wir der Welt zeigen: „Seht her, wir erinnern uns an die unheilvolle Geschichte, aber wir zeigen Euch auch, wie man absolut friedlich Geschichte machen kann und darauf sind wir stolz“. Nicht zu vergessen ist auch die einmalige Solidarität, die in diesen Tagen in ganz Deutschland herrschte (und leider bis heute immer mehr dahinsiecht …).
Aber das ist ein grundsätzliches Problem der Deutschen nach 1945. Alles, was mit Nationalstolz zu tun hat, berührt uns nicht mehr im Herzen und wird als braune Soße abgetan.
Sicher: alles, was mit „Nationalstolz“ zu tun hat, hat bis 1945 inflationäre Ausmasse angenommen.
Doch die Zeiten sind ein für alle Male vorbei. So langsam aber sicher sollten wir uns vor Augen halten, dass es Dinge gibt, auf die wir sehr Stolz sein können, freilich ohne uns, auf braunem Notstrom laufend, über irgendwelche anderen Völker zu erheben. Wir haben 1939 die Welt in Brand gesetzt und 50 Jahre später bewiesen, dass wir einen totalitären Staat allein mit Demonstrationen in die Wüste schicken können. Ich hab’ zwar damals nicht mitgemacht, ich bin aber trotzdem Stolz auf das, was passiert ist.
Der 9.November wäre dazu der ideale Feiertag, wir müssen nur noch lernen, ihn als das zu würdigen, was er ist. Dann kann es auch ein wirklicher Feier-Tag werden.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf …
Dienstag, 10. August 2004
“Die einzige Möglichkeit, sexy zu sein, wenn Du nicht reich bist, ist einen Opel zu fahren” - soweit die hochheiligen Worte von Campino (”Tote Hosen”).
Dieser Spruch mag Ende der 70er Jahre, Anfang der 80er Jahre uneingeschränkt gegolten haben.
Damals baute Opel noch so herrliche Autos wie den GT oder den oft verkannten und verschmuddelten Manta.
Auch ich fahre seit über 12 Jahren Opel. Meinen geliebten, weißen E-Kadett mit 1,6 Liter-Maschine werde ich nie vergessen, ein wunderschönes Auto.
Auch mein Opel Tigra hat immer einen Platz in meinem Herzen, auch wenn es ein Montagsauto war und im verflixten 7.Jahr in die ewigen Jagdgründe eingezogen ist.
Gerade bei diesem Auto trat der “López-Effekt” am deutlichsten zu Tage.
Wenngleich es vom Design der letzte schöne Opel war, so wurde hier bereits bei den einzelnen Komponenten an allen Ecken un Enden gespart, das Interieur wirkte teilweise wirklich billig und die Technik wurde unzuverlässig.
Leider wurde dieser Traum auf Rädern von Opel eingestellt. Eigentlich ein Grund, überhaupt keinen Opel mehr zu fahren.
Wo liegen nun die Ursachen ?
Meiner Meinung nach liegen sie offensichtlich beim Management der Muttergesellschaft General Motors, bei Leuten wie Louis Hughes, dem Entwickler Peter Hanenberger und dem damalige Einkaufsmanager José Ignacio López. Das Problem aber liegt weniger in den Personen, sondern in der Art, in der US-Konzerne wie General Motors, aber auch Ford ihr Geschäft betreiben.
US-Konzerne sind getrieben von der Börse, das Management eines Konzerns wird nich am Jahresergebnis gemessen, sondern am Quartalsergebnis. Als Folge dessen stehen and der Spitze solcher Konzerne meistens Finanzexperten, denen Cash-Flow mehr sagt als das Wort Modellpolitik oder Innovation.
In diesem Management herrscht, wie einst bei den Grünen, das Rotationsprinzip. Kein Manager bleibt länger als 3 Jahre in einem Werk.
Die Leute gehen von Asien nach Europa, von dort nach Amerika. Hätte GM ‘ne Dependance auf dem Mond, würden die Manager wahrscheinlich auch dort hin geschickt.
Als Schlussfolgerung dieser “Personalpolitik” ist jeder Manager natürlich bemüht, die Zahlen in dem jeweiligen Werk so gut wie möglich aussehen zu lassen. In einem Zyklus von 3 Jahren ist das jedoch nur über Einsparungen zu realisieren.
Die Innovation bleibt dabei völlig aus. Denn nach 3 Jahren hat sich in keinem Autowerk der Welt eine neue Modellreihe soweit amortisiert, dass sie Gewinn abwirft und der betreffende Manager glänzen kann.
Somit sind mittlerweile viele Standorte von GM veraltet und nicht mehr wettbewerbsfähig.
Auch ist bei US-Autokonzernen die Modellphilosphie eine komplett andere als hier in Europa.
So strich schon der einstige Entwicklungschef Hanenberger Modellvarianten wie Cabrios und Coupés aus dem Programm. Hanebergers Credo: Autos hätten vor allem die Funktion, Menschen von A nach B zu transportieren. Solche Autos werden heutzutage in Korea gebaut.
Entsprechend fielen die Modelle dann auch aus, zumal Einkaufsvorstand López Billigteile orderte, deren Qualität mehr als zweifelhaft war.
US-Kunden geben sich mit Geländewagen und Pick-Ups zufrieden, die billig zu produzieren sind, da deren Technik von Lastwagen abgeleitet wird. Dort legt niemand darauf Wert, dass der Wagen bei 180 km/h noch eine ordentliche Strassenlage hat und über genügend Sicherheitsreserven verfügt, geschweige denn, dass er wenig Kraftstoff verbraucht.
In Europa wird der Wettbewerb jedoch über den technischen Fortschritt ausgetragen. Darin muss natürlich investiert werden und nur daran muss sich ein Autokonzern messen lassen.
Das hat Opel, bzw. GM versäumt.
So hat Opel zur Zeit keinen Geländewagen im Programm, als Kombi gibt es nur den Vectra und die Entwicklung von Dieselmotoren wurde komplett verpennt. Auch ein Luxusmodell, wie den seelige Kapitän oder der Admiral sucht man vergebens.
Einzig der Betriebsrat setzte sich in Detroit für Investitionen in Europa ein, auf dessen Betreiben wurde ein Qualitätsvorstand ernannt und Carl-Peter Forster, ehemals BMW-Manager, wude Opel-Chef. Der sorgte tatsächlich für frischen Wind bei Opel, unter seiner Ägidie konnte die Qualität verbessert werden und die Modellpalette wurde entstaubt. Um Marktanteile zurückzugewinnen, muss Opel aber zur Zeit beträchtliche Rabatte gewähren, was aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtlage die Bilanzen des Unternehmens ebenfalls negativ beeinflusst.
Den Zahlmeister für diese schweren Versäumnisse der Vergangenheit müssen nun die Arbeitnehmer in den Werken von General Motors zahlen. Selbst der Chef des Institutes der deutschen Wirtschaft, Michale Hüther sagt: “Die Ursachen liegen nicht im volkswirtschaftlichen Bereich, sondern ganz klar in Managementfehlern.”
Dabei geht es auch anders: Als Beispiele seien einmal Audi, BMW oder Porsche genannt.
Allesamt produzieren diese in Deutschland, keiner der drei würde jedoch ernsthaft von einem “Standortnachteil” reden, nur weil man hierzulande produziert.
Wendelin Wiedking, oberster Tai-Pan des Porsche-Konzerns rechnet damit, dass in diesem Jahr erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro Gewinn geknackt wird. Porsche-Mitarbeiter werden daher in den Genuss einer Prämie kommen.
Es geht also …
So wünsche ich allen Opel-Mitarbeitern, dass sie den Kampf um ihre Arbeitsplätze durchhalten und auch gewinnen werden.
Denn bei Opel, wie auch bei der schwedischen GM-Tochter Saab hat man ein entscheidendes Kapital: Die Arbeitskraft der Mitarbeiter. Beide haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, aussergewöhnliche Automobile zu bauen. Und wie sagte schon ein berühmter, ehemaliger deutscher Opel-Mitarbeiter: “Einmal Opelaner, immer Opelaner”.
Ein Opel und ein Saab sind aber immer in erster Linie für den europäischen Markt gebaut worden und haben dort viele Anhänger.
Diese Tatsache gilt es, den Managern aus Detroit unmissverständlich klar zu machen.
Im “alten Europa” ist die Automarke eine Lebenseinstellung, die sich nicht in Cash-Flow und in Dividenden ausdrücken lässt.
Lieber Ami, Du sollst nicht nach Hause gehen, Du sollst nur eins erkennen: “There`s a world ouside your window”, wie einst Tanita Tikaram sang.
Dann kannst Du hier auch Geld verdienen und brauchst das Feld nicht den gesichtslosen Toyotas und Mazdas, oder wie sie alle heißen, zu überlassen.
Ich würde mich freuen, wenn ich mir beim Opel-Händler mal wieder bei einem neuen Modell die Nase am Fenster plattdrücken kann. Vielleicht ist es ja wirklich sexy, einen Opel zu fahren.
Denn ich bin nicht reich und ich bin Opel-Fan …
Übrigens, der berühmte, ehemalige Opel-Mitarbeiter heisst Norbert Blüm.
Donnerstag, 2. Oktober 2003
Allerorten liest man, wie unzufrieden die Musikindustrie, im folgenden nur “MI” genannt, mit ihrem Absatz an Tonträgern ist. Einen Schuldigen haben die Bosse der Plattenfirmen auch schon ausfindig gemacht. Es ist der kleine, verklemmte Computerhacker, der nächtens vor dem Rechner hockt und sich über seine Breitbandverbindung dutzendweise die Files aus dem P2P-Netzwerkt fischt.
Diese, und nur diese menschlichen Kreaturen voller krimineller Energie sind nach offizieller Lesart schuld am Untergang einer ganzen Industrie, haben vielleicht Myriaden Arbeitsplätze auf dem Gewissen und sorgen dafür, dass unsere kreativsten Künstler zukünftig am Bettelstab gehen werden.
Wahrlich, ein ansatzweise amüsantes Theater, das aber nicht einmal das Zeug dazu hat, in ein “Gute Zeiten - Schlechte Zeiten”-Drehbuch eingeflochten zu werden. So viel Dummheit würde das Publikum dieser Serie nicht mal deren Machern zutrauen. Und das gibt zu denken.
Schuld sind natürlich immer die anderen. In der Masse natürlich, nicht einzelne Personen, deren Gesicht oder deren Vita bekannt ist.
Schuld ist die gesichtslose Masse der Computer-Downloader. Nicht männlich, nicht weiblich.
Der Feind sitzt mitten unter uns, vielleicht ist es sogar der Nachbar. Was macht der wohl, wenn nachts um 01.00 Uhr bei dem noch Licht brennt ?
Vielleicht untergräbt er unsere wirtschaftliche Ordnung, indem er illegal urheberrechtlich geschütztes Material aus dem Netz lädt oder vielleicht wie ein Krebsgeschwür in der Welt verbreitet.
Solche klaustrophobischen Gedanken plagen zurzeit nicht einmal die derzeitige US-Administration im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus.
Man muss meinen, dass im Vergleich zu P2P-Nutzern, die ihre Files tauschen, Bin Laden und seine Freunde wahre Pfandfinder sind.
Die Novelle zum Urheberrecht, die jetzt in Kraft getreten ist, stempelt beispielsweise jeden, der eine kopiergeschützte CD vervielfältigt, zum Kriminellen ab.
Das equivalente Gegenstück im Bereich der Terrorismusbekämpfung wäre es, jede Kopftuchträgerin zur heiligen Kriegerin abzustempeln.
Jeder vernünftige Mensch, gleich welcher politischen Schattierung, würde das gewiss nicht bedingungslos unterschreiben.
Im Kontext der aktuellen Diskussion um “Urheberrechtsverletzungen”, wie sie die “MI” zur Zeit führt, kann man faschistoide Züge der schlimmsten Art erkennen.
Da wird der Ernährer der großen Bosse grundsätzlich als kriminelles Element betrachtet, dessen Sinn und Trachten nur darin besteht dem Wirtschaftszweig “MI” vorsätzlich Schaden zuzufügen.
Richtig gelesen, die “MI” ist ein Wirtschaftszweig.
Ihr Streben ist die Gewinnmaximierung. Wie überall erwarten die Investoren in diesen Wirtschaftszweig, dass die Renditen größer sind, als auf der Sparkasse bei einem Sparkonto.
Dem zufolge muss das Management dafür sorgen, dass der Umsatz nicht stagniert, sondern wächst, und das eine ordentliche Kapitalverzinsung erfolgt. Diese wird erreicht, in dem das Unternehmen einen Gewinn macht.
Gewinn machen Unternehmen, die ein Monopol haben, die in einem Oligopol agieren oder Unternehmen, die qualitativ hervorragende Produkte erzeugen. Unternehmen, die vielleicht über Produktstückzahlen einen guten Preis erzielen können.
Vor 30 Jahren hatte vielleicht auch die Musikindustrie eine Art Monopol.
Nur qualitativ gute Produkte oder Produkte mit einer großen Nachfrage hatten eine Chance, in den Plattenregalen zu landen.
Heute hat sich diese Landschaft jedoch total gewandelt. Musik in CD-Qualität kann heute mit einem Mindesteinsatz monetärer Mittel (also mit wenig Kohle) auf jedem handelsüblichen PC und weniger Zusatzsoftware erstellt werden.
Also haben wir es hier mit einer Angebotssteigerung erster Güte zu tun.
Eine Angebotssteigerung hat aber in den seltensten Fällen eine Nachfragesteigerung zur Folge, bei der auch noch die Preise steigen.
In den achtziger Jahren haben LP´s 16,95 D-MARK gekostet, heute kostet ‘ne CD 16.95 EURO, also nahezu das doppelte bei einem schier unglaublichen Angebot.
Würde jeder Dorf-Plattenladen heute das Angebot an LP´s haben, was er an CD´s bevorratet, müsste er dazu wahrscheinlich eine Scheune anmieten.
In den achtziger Jahren konnte die Digitalisierung der Musik nicht schnell genug vorangetrieben werden. Unzerstörbarkeit und unübertroffen Klangtreue ohne Kratzer und Rauschen waren die Werbeargumente der Stunde.
Übersehen, vielleicht auch verschlafen wurde dabei der rasante technische Fortschritt in der Computerindustrie.
Preise für Rechner und CD-Laufwerke/Brenner fielen ins Bodenlose, eine 33.600 Bit/sec-Internetverbindung, vor 6 Jahren noch High-End ist heute ein Fall für’s Museum. ISDN mit Kanalbündelung entlockt vielen heute nur noch ein müdes lächeln.
Dadurch ist die Welt in digitaler Hinsicht wirklich ein kleines Dorf geworden.
Datenmengen in Form einer Audio-CD stellen heute das selbe Hindernis (oder auch nicht) dar, wie vor 10 Jahren eine 1,44 MB-Diskette.
Unbeeindruckt von all dem ist der Vertriebsweg der Musikindustrie noch genau so organisiert wie zu Zeiten von Elvis, dem King oder den Beatles. Allenfalls das Medium hat sich geändert. Brauchte ich früher ‘ne Plastiktüte, um die neueste LP mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren, so stecke ich mir heute die CD in die Jackentasche.
Der Weg ist aber immer noch der gleiche. Ich kaufe mir das Produkt und nehme es mit nach Hause.
Durch die steigende Bedeutung und Ausbreitung des Internets brauche ich aber heute mein Haus gar nicht mehr zu verlassen. Ich kann mir meine Wünsche zusammenklicken und sie mir nach Hause schicken lassen.
Das sind Produkte, die sich nicht digitalisieren lassen.
Bei digitalisierten Produkten ist das ganze Spiel noch einfacher. Ich brauche noch nicht mal auf den Postboten zu warten, der mir den bestellten Plunder liefert.
Ich kann auf meinen vier Buchstaben am Rechner hocken bleiben und warte ganz einfach, bis die Meldung “Download beendet” auftaucht.
Diese Szenarien scheinen jedoch an den Managern der “MI” spurlos vorrübergegangen zu sein, sie scheinen gar nicht existent zu sein.
Der Käufer des Produktes Musik soll gefälligst den Hintern lüften, in den Laden gehen und sich einen Tonträger kaufen.
Genau wie er das vor 30 Jahren auch getan hat.
Gut, er kann es sich auch bei AMAZON bestellen. Für ‘nen Euro weniger als im Laden vielleicht.
Das sind aber dann auch schon die einzigen Berührungspunkte der “MI” mit dem Medium Internet.
Was bietet uns die “MI” denn eigentlich, wenn wir ein CD-Geschäft betreten ?
Welche Produkte stellt sie her ?
Auch hier mal wieder ein Blick zurück in “Goldene Zeiten”.
Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Halbstarker durch die Plattenläden zog.
Es gab noch richtige Schallplatten mit richtigen Covern, die dann und wann seit der GENESIS, YES, man glaubt es kaum, auch schon mal Kunst waren.
Die Veröffentlichung der LP’s unterlag gewissen Zyklen. Je berühmter und je künstlerisch anspruchsvoller die Band war, dauerte es auch schon mal 2 Jahre, bis von Künstler “xy” DIE neue draußen war.
Im Plattenladen waren natürlich alle LP’s säuberlich nach Künstler geordnet. Diejenigen, wenigen Tonträger, die sich nicht einordnen ließen oder schlicht und ergreifend Eintagsfliegen waren, standen unter dem jeweiligen Anfangsbuchstaben.
Wie gesagt, einige wenige.
Heute sieht’s ein bisschen anders aus.
Die Stars von gestern sind immer noch fein säuberlich eingeordnet, alle alten Schmonzetten wurden “digitally remastered” und stehen als CD zur Verfügung.
Die Zahl der Namenlosen und Eintagsfliegen ist jedoch unverhältnismäßig gestiegen.
Im Zeitalter der “Superstars” gibt’s eigentlich keine neuen Superstars mehr.
Meiner Meinung nach ist es hier wie mit der großen Liebe: Du wirst SIE nie finden, sie wird DICH finden.
So werden wir nie einen neuen “Superstar” finden. Keinen, der die Umsätze der “MI” in telefonnummernartige Regionen führen wird.
Einzig vielleicht Modern Talking, … aber bei McDonalds isses ja auch immer voll.
Ein Blick an die Spitze der CD-Charts offenbart da einiges. Grönemeyer oder Westernhagen brauchen eigentlich nur ankündigen, dass sie etwas Neues rausbringen; es wird dann vorsorglich schon mal Platz 1 im Regal leergeräumt.
Grönemeyer könnte vom Alter her zum Abi-Ball seiner Tochter gehen und Westernhagen steuert langsam auf’s Rentenalter zu.
Wirklich NEU sind die wahrlich nicht.
Dies sind nur zwei Beispiele, über den Geschmack kann (und soll) man streiten, nicht jedoch über die musikalische Qualität, die o.g. Herren beispielsweise seit nunmehr fast 20 Jahren in bestechender Konstanz abliefern.
Allen Werken dieser Künstler hört man beispielsweise die Musikalität und das handwerkliche Können an.
Hier ist man geneigt, für eine CD dieser Herren eine gewisse Summe Geld auszugeben, vor allem, weil wir mit deren Produkten nicht todgeworfen werden.
Eine Grönemeyer oder Westernhagen-CD erscheint nun mal nicht bei jedem Mondwechsel. Es braucht seine Zeit.
Böse Zungen behaupten, sie wären satt. Darüber mag man denken, was man will.
Neuerdings setzt sich aber immer mehr der Trend fort, dass wir von jedem “Superstar”, der bei dem proletarischen Volksverblöder RTL mal einen Furz lässt, Unmengen von CD´s im Handel finden. Schnell zusammengeschustert von ein paar Tontechnikern am PC.
Die kosten komischerweise das gleiche wie die Springsteen oder Stones-CD, die auf’m Wühltisch gleich nebenan liegt.
Man stelle sich einmal vor, im Weinregal liegt ein Lambrusco neben einem Barolo und beide Kosten 28,50 Euro.
Wo ist der Fehler ???
Wein ist Wein, das mag irgendwo richtig sein, Hauptsache “ett knallt”, wie man hier im Rheinland sagt.
Wenn’s denn “Knallen” soll, dann kauft man sich keinen Barolo für 28,50 und schon gar keinen Lambrusco für das gleiche Geld.
Man sucht nach Substituten. Nach etwas, was mich genau so befriedigt, aber weniger (am besten aber) gar nix kostet.
Die Weinbauern sind Bauern und Bauern sagt man im allgemeinen nach, sie seien nicht die Schlauesten.
Immerhin sind sie so schlau, dass sie Wein für unterschiedliche Bedürfnisse anbieten.
Der Lambrusco mag am Grillfeuer am Baggersee seinen Dienst tun, beim Fünf-Sterne Italiener auf der Kö im Düsseldorf ist er jedoch reichlich deplaziert. Eingebettet in das dortige Preisgefüge würde er nach der nächsten Eiszeit noch im Regal liegen.
Anders hält es da die “MI”. Dort ist alles ein einheitliches Produkt, das immer den gleichen Preis hat.
Daniel K kostet das selbe wie Karajan.
Der “Superstar”-Sampler ist genau so teuer wie eine Kompilation von “Night Of The Proms”.
Ein Barolo ist in der Herstellung teurer als ein Lambrusco.
Und wie ist das bei den CD’s ?
Kosten die auch alle das gleiche in der Herstellung.
Ich behaupte mal, eine CD von Modern Talking ist um einiges preiswerter in der Produktion des Rohmaterials, nämlich der Musik, als eine CD beispielsweise von Janet Jackson, auf der ein Steve Lukather die Gitarre spielt, vielleicht ein Steve Gadd ein wenig trommelt, Greg Philinganes ein paar Akkorde auf dem Fender Rhodes beisteuert oder der allgegenwärtige Paulinho Da Costa ein wenig mit den Bongos rappelt. Das sind nämlich alles keine Tagelöhner, die sich auf dem Times Square anreißen lassen. Die kosten richtig Kohle.
Bohlen braucht im Grunde nur ein paar Synhies (die er sogar von der Steuer absetzen kann), einen Rechner und ein paar “Shubi-Doo”-Girls im Chor.
Wo ist da das Verhältnis ?
Vor allem, wer streicht sich die Kohle ein, die da eventuell übrig bleibt ?
Das Ergebnis, die fertige CD, ist ebenso konträr.
Vielen “Stars” von heute wird eine eingängige Melodie als Hit auf den Leib geschrieben. Natürlich muss der “Star” auch eine richtige CD machen. Eiligst wird also unter Zeitdruck eine CD zusammengestellt, meistens mit Füllmaterial oder Remixes des Hits. Wirklich interessant ist nur der Hit. Der Rest der CD ist teilweise einfach wirklich nur Müll.
Und die kostet dann das Gleiche wie die Celine Dion nebenan, die über ein Jahr an der CD gearbeitet hat und eine Hundertschaft Komponisten und Produzenten beschäftigt hat, damit’s auch wirklich weichgespült klingt. Unsere Muttis brauchen so was und sie zahlen auch dafür.
Ich denke, da darf man sich nicht wundern, wenn das eiligst zusammengewürfelte Retortenprodukt in Windeseile zum Ladenhüter mutiert. ‘N halbes Jahr später gibt’s den sowieso auf’m Grabbeltisch mit ‘nem knalleroten “Nice Price”-Aufkleber.
Das ist dann die komplette Verarsche.
Gut, die “MI” mag einwenden, dass wenn mir nur der Hit gefällt, ich mir ja die Single kaufen kann. Da sind dann als Goodie auch noch ein paar Remixe oder “unreleased tracks” drauf.
Ja wie schön, das Teil kostet aber immer noch 6,99 Euro. Ach was, 6,99 sind doch wohl nicht viel, oder ?
Wenn man jedoch bedenkt, dass in diesem unserem Land einige Menschen über EINE Stunde arbeiten müssen, um 6,99 Euro zu verdienen, ist das doch eigentlich schon eine Menge.
Und es soll Kids geben, die in einer Woche wirklich nur 20 Euro Taschengeld kriegen. Für die ist das auch viel.
Da gehen die ungezogenen Rotzlöffel doch lieber an Daddy’s High Speed PC und lutschen sich die Songs für lau aus dem Netz. Onlinekosten löhnt selbstverfreilich der Alte.
Ich kann’s nachvollziehen.
Wir haben früher am Radio gesessen und uns die ganzen tollen Songs mit dem Casettenrecorder aufgenommen.
Das macht natürlich heute niemand mehr, KaZaa und eDonkey sind doch ungleich einfacher und wir müssen nicht aufpassen, dass in die Songs Werbung eingeblendet wird.
Vielen mag das heute romantisch anmuten, aber so ist es nun mal, die Zeiten haben sich geändert, die Musik hat sich geändert und die Medien, die uns für Musik zur Verfügung stehen, haben sich geändert.
Nur die “MI” hat sich nicht geändert.
Warum nutzt die “MI” die neuen Medien nicht anstatt alle Schuld bei illegalen Downloads aus dem Netz zu suchen ?
So prickelnd ist das alles nämlich nicht unbedingt.
Sicher, KaZaa, eDonkey und Konsorten bieten eine ganze Menge in ihren Wundertüten. Aber teilweise braucht’s auch in Zeiten von High-Speed Internet doch einen erheblichen Zeitaufwand, um selbst ein 4 MB großes MP3 downzuloaden. Liegt das nämlich auf einem langsamen Server, dann nützt mir mein DSL mit Warp 9 nicht besonders viel.
Bei Modem und ISDN ist immer noch der Peep-Show Effekt dabei. Je länger ich drin bin, je mehr muss ich abdrücken.
Dabei könnte es so einfach sein.
Die “MI” müsste dazu jedoch mal ihren Adlerhorst verlassen und sich beispielsweise mit den Internetprovidern an einen Tisch hocken.
Da gäbe es die verschiedensten Modelle die man anbieten könnte, beispielsweise kann man das Modell der Provider aufgreifen, um ein Musikportal zu realisieren.
Ein Szenario wäre beispielsweise ein Musikportal von AOL oder T-Online, die hier zu Lande sehr weit verbreitet sind.
1. Modem/ISDN/DSL mit Zeittarif
Einwahl beim Provider zu den vereinbarten Konditionen.
Einloggen in das Musikportal. Einmalige Gebühr pro Einlogvorgang: 1 Euro, Peep-Show Uhr des Providers wird angehalten und jeder Download kostet 30 Cent.
2. DSL mit Volumentarif
Einwahl beim Provider zu den vereinbarten Konditionen.
Einloggen in das Musikportal. Einmalige Gebühr pro Einlogvorgang: 1 Euro, 5,5 Cent pro runtergeladenem Megabyte.
Vorraussetzung ist eine schnelle Serveranbindung mit der nötigen Bandbreite, um eine Technik wie DSL wirklich zu Geltung kommen zu lassen. Ein Song eine Minute, alle Kosten ohne irgendwelche Anmeldungen über die Telefonrechnung, bzw. Providerrechnung.
Es muss einfach und kinderleicht sein, es muss vom 12-jährigen und von einer 80-jährigen gleichermaßen schnell und zielgerecht bedient werden können.
Steve Jobs von Apple hat es uns allen vorgemacht. Bei “I-Tunes” kann man für 99 Cent einen Song downloaden und ihn mehrere Mal auf CD brennen. Das ist zwar noch etwas zu teuer, aber ein Weg, der leider im Moment nur von Mac-Usern beschritten werden kann.
Nur, wenn ich ins Internet gehen kann, mir legal für kleines Geld schnellstmöglich und kinderleicht mein Lieblingslied laden kann, kann man den illegalen Downloads einen Riegel vorschieben.
Und ich wäre immer noch bereit, für eine gute CD 16,99 Euro im Laden abzudrücken. Beispielsweise der Soundtrack von “Frida”, mit Mixed-Mode CD (Audio und Video) und hervorragend gestaltetem Booklet. Das gibt’s nicht im P2P-Netzwerk.
Darüber sollte man mal nachdenken.
Dienstag, 6. Juli 1999
Schiffe in einem Hafen sind sicher, aber für einen Platz im Hafen sind Schiffe nicht gebaut. Welcher Hafen ist nun gemeint ? Richtig, der Hafen der Ehe. In solch einen Hafen bin ich auch einmal eingelaufen, es war sicher dort, aber ich habe mich dort nicht heimisch gefühlt, nicht gebaut dafür. Das ist jetzt kein Abgesang auf die Ehe, im Gegenteil.
Im Frühjahr des Jahres 1995 fand ich mich nach einer gescheiterten Ehe in meiner jetztigen “Juggesellen-Wohnung” wieder. Nun gut, das Leben geht weiter, keine Zeit für Erinnerungen oder Sentimentalitäten. “Just like a boxer in a title figth, you got to walk in that ring all alone” - wie ein Boxer im Titelkampf, ich mußte alleine in den Ring gehen. Wird es mir gelingen, brauche ich Hilfe ? Wer kann mir dabei helfen ? “Lucky me” - es gab und gibt Leute, mit denen ich über alles reden konnte und immer noch kann. Dafür bin ich sehr dankbar.
Doch es gibt auch Dinge im Leben, die einem kein Mensch, kein Freund, keine Freundin geben kann. Es sind Dinge, die man ganz alleine erlebt, erfährt und für sich selbst nutzen sollte.
Im Herbst 1995 machten meine Eltern Urlaub an der Nordsee, in Friedrichskoog, in der Nähe von Husum. Dort habe ich sie für eine Woche besucht. Was würde in Friedrichskoog passieren ? Würde ich mich zurückerinnern, an das, was ich zurückgelassen habe ? Nein. Ich habe mich nicht daran zurückerinnert, jedenfalls nicht in sentimentaler Weise. Am Strand von Friedrichskoog gab es einen Damm, der ca. 2 km weit in die Nordsee reichte. Dieser Damm war begehbar. Dieser Damm weckte meine Neugier. Was ist am Ende des Dammes ? Eines Tages beschloß ich, alleine diesen Damm entlangzugehen, bis zum Ende. Zuerst war der Weg noch relativ gut begehbar, im Laufe des Weges wurde er aber immer steiniger und ich wußte nicht, was mich am Ende erwartete. Ein paar Mal drehte ich mich um, und die Konturen des kleinen Dorfes am Land wurden immer kleiner, verschwommener. Rechts und links, vorne und hinten war nur noch Wasser, das Meer. Am Ende des Dammes ging es ein Stückchen hinunter, direkt ans Meer. Dort setzte ich mich auf einen Stein, drehte mich um und sah von dem Dörfchen am Land nichts mehr. Das letzte Stück Land war verschwunden, um mich herum nur Meer.
Kein Blick auf das Land. Kein Blick in die Vergangenheit. Nur ein Blick auf ein Meer, daß sich langsam zurückzog. Wohin auch immer. Denn es war Ebbe an der Nordsee. Doch nach jeder Ebbe kommt eine Flut. Und die Flut wird kommen, so sicher, wie auch ich von diesem einsamen, ruhigen, menschenleeren Stück Erde wieder “an Land” gehen werde. Doch an diesem Stück Erde, mitten im Meer, fernab jeder menschlicher Zivilisation habe ich ein klein wenig gelernt. Ich war ganz alleine dort, doch ich habe mich nicht einsam gefühlt. Da fuhren in der Ferne Schiffe vorbei; meine Gedanken gingen zu den Menschen auf den Schiffen. Da flogen Vögel vorbei, Wesen, die hier ihren Lebensraum hatten. Und ich war mittendrin in diesem Lebensraum. Also im Grunde nicht alleine. Es war halt nur kein Mensch da, mit dem ich reden konnte. Aber ich brauchte ins diesem Moment gar keinen Menschen. Ich fühlte mich wohl hier, obwohl ich ganz auf mich alleine gestellt war.
Irgendwann trat ich den Rückweg über den Damm an. Ja, ich war sehr alleine dort. Aber es war auch eine wunderbare Einsamkeit. Es war ein Ort, an dem ich mich mit mir selbst beschäftigen konnte. Und dort habe ich gemerkt, daß ich im Prinzip überhaupt nicht einsam bin. Dort an Land habe ich meine Eltern, die auf mich gewartet haben. An Land waren meine Freunde, meine Kollegen, die darauf gewartet haben, daß ich wieder zurückkomme. Das war ein Ziel.
Dieses Meer, diese schöne Einsamkeit habe ich nie aus dem Gedächtnis verloren. Dieses Meer muß jedoch nicht zwangsläufig eine weite, offene See sein. Es ist vielmehr ein Ort, an dem Mann zu sich selbst findet, an dem man einmal “face-to-face” mit sich selbst ist.
Diesen Ort habe ich immer wieder gesucht und auch gefunden. Diesen Sommer. In den schweizer Bergen. An einem See, 1800 m über dem Meeresspiegel. Umrandet von kahlen Felsen. Nur ein kleiner Wanderweg beschrieb den Weg um den See. Auch dieser Weg wich wieder einem steinigen Weg, hinauf in eine fast unwirkliche Landschaft. Keine Menschen, kein Lärm, kein Verkehr, nur Stille. Dieser Weg führte an eine entlegene Alp-Hütte, an der man wunderbar relaxen konnte. Wirklich relaxen, nicht nur körperlich, sondern auch geistig.
Da saß ich nun, weitab von “meiner Welt”. Kein Mensch, dem ich davon erzählen konnte, jetzt und hier. Nicht einmal mein mobiles Telefon funktionierte. Also mußte ich mir alles merken, was ich sah, um es denen zu erzählen, die mir am Herzen liegen. Aber man kann es nicht erzählen, man muß es erlebt haben.
Doch hier wie dort habe ich gemerkt, daß es Menschen in meinem Leben gibt, denen ich davon erzählen möchte. Also kann ich nicht einsam sein. Alleine zwar, aber nicht einsam. Doch erzählen kann ich es nicht wirklich, jeder, dem ich es versucht habe, zu erzählen, muß es selber erleben. Jeder, der einmal dort war, an einem Meer, der ist nicht einsam. Der Mensch, der mir erzählt hat, er fährt manchmal nur für 10 Minuten dorthin, der ist nicht einsam. Weil er mir davon erzählt hat und ich es nachvollziehen kann, es erlebt habe, es teilen kann. Dann sind es nämlich schon zwei, die diese Erinnerung teilen können. Und bei zwei Menschen ist der einzelne Mensch nicht mehr einsam. Der Mensch hat etwas, das er mit einem Anderen teilen kann.
Denn nur teilen bewahrt uns vor der Einsamkeit. Deshalb ist ein Schiff in einem Hafen nicht sicher, es muß auslaufen, um zu erleben, um zu teilen …
Für Ocean und einen Bewohner des Paradises