Freitag, 16. November 2007

OP-X / OP-X Pro

Abgelegt unter: Virtuelle Instrumente — Juergen Langenberg @ 0:17

Emulationen analoger und digitaler Klassiker für die VST-Schnittstelle gibt es wie Sand am Meer.
Bei der Suche nach qualitativ guten Sachen wird die Auswahl schon enger.
Genannt seien hier Native Instruments’s Pro-53, eine Emulation des legendären Prophet 5 von Sequential Circuits, der Minimoog und der Moog Modular von Arturia, der impOSCar von GMEDIA und der FM7, eine virtuelle Reinkarnation des berühmten Yamaha DX7, ebenfalls von Native Instruments.

Nur einer fehlt in dem bunten Reigen, da Virtuelle Wiedergeburten mit dem Oberheim-Schriftzug bis dato immer an lizenzrechtlichen Irrfahrten scheiterten .
Die Rede ist vom Oberheim OB-X.
Das ist das Teil, mit dem Van Halen 1984 samtliche Hitparaden rauf und runter “jumpten”.
Ebenfalls stolze Beistzer dieses Gerätes waren Queen, Chick Corea, Supertramp, Herr Jarre und Tangerine Dream.
Sehr schön in Aktion kann man ihn ebenfalls auf Barclay James Harvet’s “Turn Of The Tide” aus dem Jahr 1982 hören.

Irgendwie hat es mir der Sound dieses Synthesizers angetan.
Allein der Platz und vor allem die nötige Kohle haben es mir versagt, dieses Gerät zu besitzen.
Doch das Warten hat ein Ende; der OB-X ist als virtueller OP-X von der Schweizer Firma Sonicprojects wieder ins Leben zurückgeholt werden.

Sicher, jetzt kommen wieder all die Leute an die Sonne, die sagen, sie hören auch in einem 192-Spur-Mix noch den Unterschied zum Original. Das mag irgendwo auch seine Berechtigung haben, aber was diese Leute gerne unterschlagen ist, dass auch kein Moog beispielsweise klanglich wie ein Ei dem anderen glich.

Also fangen wie wieder bei Null an und laden uns auf oben genannter Seite erst einmal das Demo herunter. Nach der unproblematischen Installation (zur Zeit werden nur Windosen unterstützt) geht es sofort ans Werk. Beim durchsteppen der Werkspresets gerät man unweigerlich in wehmütiges Schwärmen nach alten Zeiten, in denen bei Roadies noch eine Schiffschaukelbremserausbildung obligatorisch war und in denen man hinter den Keyboardburgen noch richtig Verstecken spielen konnte.
Presetnamen wie Axel F, Days are numb und Life is for living bedürfen wohl bei heute 40-jährigen keiner weiteren Erklärung, die Jugend von heute sei an dieser Stelle auf Sampler der frühen 80er Jahre verwiesen.

Zusammen mit einer gelungenen, photografischen Bedienoberfläche ist man hier fast am Ziel seiner oberheimlichen Wünsche angelangt.
Denn eine wirkliche 1:1-Umsetzung zum Original liegt hier natürlich nicht vor, Soundunterschiede zum Original sind vorhanden, aber das trübt keineswegs den positiven Gesamteindruck dieses exzellenten Programms.
Bezüglich der Klangerzeugung möchte ich hier nicht weiter ins Detail gehen; einen genauen Abriss darüber und die Historie des OB-X findet sich bei AMAZONA.Den OP-X gibt es auch als OP-X Pro. Dieser hat beispielsweise ein 24db-Filter, was das Original nie besessen hat.
Das schafft Raum für neue Klangkreationen-
Der ein oder andere mag noch bemängeln, dass man auf der Oberfläche des OP-X keine Werte bei der Editierung der einzelnen Klanparameter ablesen oder eingeben kann.
Nun, das gab es beim Original auch nicht und ich sehe das auch nicht als Nachteil.
Im Gegenteil, man hängt sich hier nicht an irgendwelchen Millisekunden im Decay oder einerm Hertz mehr oder weniger im Filter auf, sondern man muss sich einzig und allein auf sein Gehör verlassen.

Kommen wir zum unangenehmen Teil, zu den Kosten.
Doch die sind nicht wirklich unangenehm. Der OP-X kostet 99 Dollar und der OP-X Pro schlägt mit 149 Dollar zu buche. Ein Update vom OP-X zum OP-X Pro ist für 49 Dollar zu haben.
Das ganze gibt es sogar als Reaktor-Ensemble für 49 Dollar, wobei ich hier den Klang nicht beurteilen kann. Bei allem Respekt für den Reaktor, einen Oberheim darauf zu bauen halte ich für problematisch.
Beim derzeitigen Dollarkurs halte ich dieses Angebote für sehr fair, ich habe bei einem Kurs von 1,32 Dollar gekauft und noch keinerlei Reue gezeigt.
Ebenfalls positiv zu vermerken ist, dass kein Dingle, Dangle oder Dongle als “Kopierschutz” verwendet wird, sondern dass hier ganz altmodisch eine Seriennummer eingegeben werden muss.
Apple ist ja mit Logic mittlerweile auch von dem Hardwaregedöns abgekommen.
Sehr vernünftig, da benutzerfreundlich.

Also, beide Daumen nach oben für ein wirklich gelungenes, bedienerfreundliches, gutgklingendes und durchsetzungsfähiges Instrument.