02.05.08
Die Reise, die Claudia und ich mit Ralf und Julia unternahmen, begann, wie jede Flugreise, in einem Dorf, dem Düsseldorf.
Alles lief präzise wie ein schweizer Uhrwerk. Einchecken, Zoll, Bording, alles verliefen ziemlich zügig.
Einzig bei der Zollkontrolle musste ich meinen Gürtel ausziehen, der sich im Anschluss daran in alle Einzelteile zerlegte.
In den Duty-Free Boutiquen gab es zwar neue Gürtel, aber was um alles in der Welt kostet an einem Gürtel 60 Euro? Und dann noch zollfrei.
Gibt es da nicht auch was von Ratiopharm?
Wie auch immer, im Flieger werde ich schon nicht die Hose verlieren.
Pünktlich um 14.15 Uhr ging es dann Richtung Mittelmeer los.
Leider war mir kein Fensterplatz vergönnt, so konnte ich mir diesmal nicht unser schönes Rheinland und den Rest der Welt aus der Vogelperspektive anschauen.
Kurz nach dem Start begannen die Flugbegleitungsmäuse dann mit dem Bordservice.
Ich frage mich immer wieder, wie es Leute schaffen, diesen in Zellophan eingewickelten Müll herunterzubekommen. Wieder und wieder beschäftigt mich die Frage, ob man nicht mit der tiefgefrorenen Butter einen Menschen mehr verletzen kann als mit einem normalen Messer. Wenigstens war der abschließende Kaffee halbwegs erträglich. Besser jedenfalls als das, was noch kommen sollte.
Am Airport von Malta legte der Pilot nach knapp dreistündigem Flug meiner Ansicht nach eine nahezu perfekte Landung hin. Chapeau, Hut ab.
Anschließend kam dann richtiges Casablanca-Feeling auf, als wir ganz altmodisch die Maschine über eine echte Gangway verließen und über das halbe Rollfeld zum Terminal marschierten. Wo gibt es das heute noch?
Der Abtransport zum Hotel war von der Reisegesellschaft perfekt organisiert.
In einem Kleinbus wurden wir in das ca. 25 km entfernte Suncrest Hotel in Qawra transportiert.
Der sonnenbebrillte und haargegeelte Busfahrer legte zum Einstand erst einmal eine standesgemäße Vorstellung hin; da, wo Michael Schumacher bremst, hat er noch einen Gang höher geschaltet. Sehr souverän.
Das 1988 erbaute Suncrest Hotel machte von außen auf den ersten Blick einen guten Eindruck, soll es doch dem Vernehmen nach in 2006/2007 komplett renoviert worden sein. Wie auch immer, vermutlich hat das Geld nicht mehr für einen Fensterputzer gereicht. Obwohl es augenscheinlich nicht unter Denkmalschutz stand, erweckten die Fenster den Anschein, als ob sie seit ihrer Inbetriebnahme weder Lappen, Wasser und/oder Putzmittel gesehen hatten. Vielleicht ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz auf Malta.
Ein kleiner Schönheitsfehler, jedoch sind wir beim besten Willen nicht nach Malta gereist, um aus dem Fenster zu gucken. Der Ausblick auf die Bucht von Qawra bot jedoch einen gewissen Ausgleich.
Als erstes musste ich jedoch einen neuen Gürtel kaufen. Dazu begaben wir uns in der Ort, der nahtlos in das angrenzende Bugibba übergeht, der wiederum nahtlos in San Pawl il Bahar übergeht.
Augenfällig war sofort die dichte Besiedlung und die wilde Bebauung der Ortschaft(en). Jeder deutsche Baudezernent hätte hier diesbezüglich jede Menge Spaß im Glas. Mitglieder dieser Berufsgruppe sollten daher andere Reiseziele ins Auge fassen.
Langsam überfiel uns der „kleine Hunger“ und wir suchten eine passende Lokalität. Auf einem hauptsächlich durch britische Touristen bevölkerten Eiland kein simples Unterfangen. Wie würde Jogi Löw jetzt diesbezüglich sagen: „Hökschte Konzentration“. Schließlich sind wir keine 2000 km gereist, um den Tag mit Fish and Chips zu beenden.
Wir wurden jedoch schnell fündig und es gab ein gelungenes Lamm-Kebap.
So neigte sich der erste Tag auf dem kleinen, sonnigen Mittelmeer-Eiland langsam dem Ende.
03.05.08
Bezüglich des Bettes in unserem Hotelzimmer hatte ich ehrlich gesagt die allergrößten Befürchtungen was den Schlafkomfort anbelangt. Bei der ersten Sitzprobe konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, man fällt in einen Trog mit Wackelpudding. Wahrlich schlechte Aussichten, wenn man „Rücken“ hat.
Doch die erste Nacht (und auch die folgenden) gerieten sehr kommod auf diesem dotterweichen Schlafutensil.
Der Schock folgte jedoch beim ersten Frühstück. Wirklich „very British“. Was haben wir bloß verbrochen? Wir haben den Briten doch freiwillig Ballack überlassen, oder vielleicht lag es gerade daran, wer kennt schon die Wahrheit.
Labberige Brötchen, Toasts, die die Konsistenz von Briketts hatten und Wurst, die nach allem schmeckte, nur nicht nach Wurst. So ist man halt gezwungen, Kompromisse einzugehen.
Dieser Kompromiss bestand aus Bratkartoffeln, wahlweise mit Spiegelei oder Rührei und Bacon.
Bacon muss „well done“ sein, doch dieser war noch seichter als „medium“, um nicht zu sagen, roh. Wenn man in der Schüssel jedoch tief genug popelte, kam auch etwas halbwegs Brauchbares zu Tage, was mir jedoch dann und wann irritierte Blicke der britischen Gäste einbrachte.
Das größte Verbrechen war jedoch der Kaffee. Der kam aus dem Automaten und hatte täuschende Ähnlichkeit mit Muckefuk. Das ist so ziemlich der Super Gau, wenn es morgens keinen anständigen Kaffee gibt. Immerhin spuckte, dieser Automat auch heißes Wasser aus, so dass wir in einem nahe gelegenen Geschäft löslichen Espresso bunkerten. Auch nur ein Kompromiss, aber zweifelsohne ein Besserer …
Nach diesem fürstlichen Mahl begaben wir uns an die Hotelrezeption um zu schauen, ob irgendwelche Ausflüge zu den diversen Sehenswürdigkeiten des putzigen Eilandes feilgeboten wurden.
Das Angebot war schier unüberschaubar, wahrscheinlich gab es sogar geführte Touren an den hauseigenen Swimming Pool. Ich glaube, auf Malta gibt es nichts, was sich nicht besichtigen läßt.
Die servile Dame an der Rezeption empfahl und schließlich zwei Tagesausflüge: eine „Island Cruise“ (mit dem Schiffchen um das ganze Inselchen herum) mit Zwischenstop in der Blauen Lagune von Comino und eine Rundfahrt auf Gozo.
Dürfen es auch 100 Gramm mehr sein? Klar, denn als Dreingabe gab es noch eine kostenlose Rundfahrt durch den Grand Harbour von Valetta. Na, wenn das nix ist …
Zu ersten Erkundungen machten wir uns im folgenden vom nahe gelegenen Busbahnhof nach Valetta auf.
Die Busse auf Malta sind zum Niederknien. Oldtimerliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Busfahren ist hier noch ein sehr ursprüngliches Erlebnis, der Komfort ist bisweilen sehr rudimentär, um es höflich auszudrücken. Die Logik der Fahrpreise und der Abfahrtzeiten habe ich bis dato leider nicht begreifen können, es macht aber eigentlich auch keinen Sinn, hier tiefer in die Materie einzudringen. Busse sind immer irgendwo greifbar und billig sind sie auch.
Der Bus, der die ehrenvolle Aufgabe hatte, uns nach Valetta zu transportieren, war wahrscheinlich der älteste noch im Einsatz befindliche Bus auf der Insel.
Als es Richtung Mosta die Berge hinauf ging, dachte ich, dass gleich die ganze Mannschaft aussteigen muss und das antike Gefährt den Berg hinaufschieben muss.
Unter Aufbieten der letzten Motorkraft blieb uns das jedoch erspart.
Der Busbahnhof von Valetta befindet sich in einem riesigen Kreisverkehr um den Triton-Brunnen. Streng genommen gehört er nicht einmal zu Valetta, sondern zur Stadt Floriana. Dies für die Leute, die es ganz genau wissen wollen.
Feste Haltepunkte sind hier Fehlanzeige, ausgestiegen wird, wo gerade Platz ist.
Durch das nahe gelegene Stadtor betritt man nun das UNESCO-Weltkulturerbe Valetta.
Wirklich imposant und ein wenig an San Francisco erinnernd. Nur die Lombard Street und die Golden Gate Bridge sucht man hier vergebens. Dafür gibt es in den unzähligen „Pastizzerias“ mindestens ebenso göttliche Donuts und anderes süßes Zeugs, genau wie in oben genannter Bay City.
Zum standesgemäßen Beginn einer Reise suchten wir „The Malta Experience“ auf, eine Filmvorführung in einem unterirdischen Kino unmittelbar am Grand Harbour.
In knapp 45 Minuten wird hier ein kurzer Abriss der über 5000 Jahre alte Geschichte der Insel gegeben.
Anschließend war er wieder da, der kleine Hunger. Ein adäquates Restaurant fanden wir in der Nähe der Upper Barakka Gardens mit einem stilvollen Blick über den Grand Harbour, Vittoriosa und die Hafenstadt Marsa.
Im Anschluss daran fuhren wir mit einer kleinen Fähre über den Marsamxett Harbour nach Sliema. Wer einmal Baukräne in all ihrer Pracht sehen will, ist hier richtig. Abgesehen davon herrscht in Sliema ein buntes Treiben und es gibt zur Mittelmeerseite hin eine schöne Uferpromenade mit einer traumhaften mediterranen Aussicht.
Wir wollten uns noch etwas die alten Gassen von Sliema anschauen und anschließend mit dem Bus nach Hause fahren. Doch anstatt am Busbahnhof kamen wir jedoch im Nachbarort St.Julian aus. Stadtmenschen haben halt bisweilen einen wenig ausgeprägten Orientierungssinn. Also mussten wir fast die gleiche Strecke wieder zurücklatschen. Was uns jedoch hier, wie auch anderenorts immer wieder aufheiterte waren die wirklich schönen Oldtimer, die am Straßenrand parkten. Hauptsächlich waren dies alte englische Modelle.
Vom Busbahnhof in Sliema traten wir dann die Rückreise nach Qawra an.
Kurz vor unserem Hotel befand sich ein kleines indisches Restaurant, das sehr gut aussah. Wir bemühten uns gar nicht erst, den Namen dieses Etablissements in Erfahrung zu bringen oder gar zu behalten. Im folgenden wird es deshalb nur „Ranjid“ genannt. Was nicht ganz unbegründet war, da der Besitzer tatsächlich eine gewisse Affinität mit Kaya Yanar in der Rolles des „Ranjid, dem Roseninder“ aufwies.
Der Vorspeisenteller und das anschließende „Chicken Tandoori“ gelangen dem Koch zu meiner vollsten Zufriedenheit.
„Ranjid“ bekam dann auch mit, das wir aus Germany kamen. Ja, da wäre es sehr schön, vor allem die Autobahnen. Es ist immer die gleiche Leier, wenn man im Ausland sagt, dass man Deutscher ist.
Er lebte auch mal dort und konnte mit seinem BMW nur mit 250 km/h über die Autobahn fahren. Um schneller zu fahren, hätte er damals nicht den entsprechenden Führerschein gehabt. Wie meinen?
Ich entgegnete ihm, dass in Deutschland der Führerschein nicht an bestimmte Geschwindigkeiten gebunden ist. Lediglich bestimmte Luxus-Schlitten der selbstbewussten Preisklasse mit entsprechender Motorleistung sind in der Endgeschwindigkeit auf 250 km/h gedrosselt. Ich bemerkte eine gewisse Verwunderung in seinen Augen. Wenn er jedoch schneller fahren möchte, empfahl ich ihm, seinen B(aader) M(einhof) W(agen) zu verscheuern und sich anstatt dessen einen Porsche zu kaufen, da dieser geschwindigkeitsmässig keiner unnötigen Regulierung unterliegt. Diese Äußerung stürzte ihn augenscheinlich in eine tiefe Sinnkrise.
Wir fanden es amüsant. Wolle schneller fahren, müsse Porsche kaufen. Völlig unbescheiden.
04.05.08
Stahlblauer Himmel, Sonne satt. Was will man mehr.
Wer kennt noch Popeye? Das war im vorigen Jahrhundert zu meiner Kindheit eine Zeichentrickserie über den kleinen Seemann ohne Furcht und Tadel, die wir gebannt am Fernseher verfolgten. Im Jahr 1979 ist das ganze auch verfilmt worden. Natürlich auf Malta, in einem eigens dafür gebauten „Popeye-Village“, welches sich in Anchor Bay im Nordosten der Insel befindet. Dazu bestiegen wir in Bugibba den Bus, der bis zum Fähranleger nach Gozo fährt. Lustigerweise endete dort auch unsere Fahrt. Ja, und wo ist jetzt das Popeye-Dorf?
„Da hättet ihr eher aussteigen müssen“, sagte der Busfahrer. Also, niemals bis zum Ende nach Cirkewwa fahren. Aussteigen muß man an der wunderschönen Melieha Bay mit einem der wenigen Strände Maltas. Nun ist man nach dem Ausstieg dort noch lange nicht in Sweethaven bei Popeye, man muß noch ca. anderthalb Kilometer durch die hügelige Landschaft stiefeln. Was soll’s, wozu hat uns der liebe Gott Füße geben. Nach ca. 45 Minuten erreichten wir dann unser Ziel.
Ein lustiges Dorf, dieses Popeye-Village. Von weitem überhaupt nicht zu orten. Steht man jedoch davor, sieht es aus als wenn es aus den steilen Felsen gemeisselt wäre.
Einen Rundgang durch das Dorf haben wir uns aus zwei Gründen erspart. Erstens war dort unten ein Terror wie in einem niederländischen Vergnügungspark und zweitens hatte man von oben eindeutig die bessere Aussicht, sowie den geeigneteren Standort zum Anfertigen der unvermeidlichen Erinnerungsfotos.
Nach deren Fertigstellung gingen wir noch etwas weiter in Richtung der Klippen und wurden mit einem wahrhaft königlichen Blick über das weite Mittelmeer belohnt. Was für eine Weite, was für eine undendliche Weite …
Nach knapp einer Stunde traten wir wieder den Rückweg an. Der Strand von Melieha Bay ließ uns das Wasser im Mund zusammenlaufen und machte und Lust auf einem faulen Nachmittag mit Wasser und Sonne. Die Sache hatte nur einen Haken; wir hatten keine Badesachen im Marschgepäck. Und Nacktbaden gehört nicht zu unseren persönlichen Präferenzen und ist im christkatholischen Malta allerstrengstens untersagt. Diese Tatsachen zwangen uns dann dazu, die Rückreise ins Hotel anzutreten um den Rest des Nachmittages am Pool des Hotels abzuhängen. So etwas gibt natürlich Raum, sich der Literatur zu widmen. Ein Juwel dieser Literatur ist zweifelsohne „White Line Fever“, die Autobiographie des Ian Fraser Kilmister. Der Schwermetalfraktion und vielleicht einigen Leuten, die in den späten siebziger und den frühen achtziger Jahren groß geworden sind, ist der Mann gewiß unter dem Namen Lemmy Kilmister bekannt. Dieser ehrenwerte Herr ist der unumschränkte Boß der wildesten und lautesten Kapelle der Welt, der Rockband Motörhead.
In „White Line Fever“ erfährt der Leser alles über 60 Jahre Rock’n'Roll, sehr unterhaltsam und leicht zu lesen. Genau das richtige für einen sonnigen Nachmittag am Pool. Lemmy philosophiert darüber, dass die Rolling Stones Memmen sind, das Mick Jagger ein Schlappschwanz ist und das der Mensch aufgrund der Struktur seines Gebisses nicht zum Vegetarier geboren ist, da das unter anderem Blähungen verursacht. Adolf Hitler war übrigens auch Vegetarier. So etwas sollte man wissen. Marcel Reich-Ranicki wird das Werk gewiß in einem anderen Licht sehen, aber das sollte uns an Tagen wie diesen nicht allzusehr belasten.
Sonntag ist Pizzatag, also beendeten wir den Tag standesgemäß. Maltesiche Pizza, durchaus gelungen, jedoch nicht zu vergleichen mit der im La Mirage in Livigno, dem winterlichen Pilgerort für unseren Skiurlaub.
05.05.08
Unser erste Ausflug, die Rundfahrt um die Insel stand an. Um 7.45 Uhr sollte uns der Bus abholen und zum Schiff nach Sliema bringen. Die Abfahrt verzögerte sich jedoch um eine halbe Stunde, was mir als Morgenmuffel äußerst gelegen kam.
Um 9.00 Uhr betraten wir dann ein Schiff der „Captain Morgan Cruises“. Um uns herum wieder jede Menge Briten, die frühstücksmäßig offenbar noch schlechter dran waren als wir, da sie um diese Zeit bereits Bier tranken. Vielleicht war es ja auch das zweite Frühstück und ich habe es nur nicht verstanden.
Ein paar Minuten später hat der Kapitän (ob er Morgan hieß, war abschließend nicht zweifelsfrei in Erfahrung zu bringen) dann grünes Licht gegeben und der Kahn legte ab.
Wir konnten noch einen schönen Blick in den Grand Harbour von Valetta sowie auf die Hafenstädte Marsaskala, Marsaxlokk und auf den Containerhafen von Birzebugga werfen, bevor es fast zwei Stunden entlang an einer atemberaubenden Felsenküste zur Insel Comino ging.
Wer sich jetzt wundert, warum hier so viele Orte mit „Marsa“ beginnen (Marsa, Marsamxett, Marsaskala, Marsaxlokk), der muss wissen das Marsa das maltesiche Wort für Hafen ist. Für die Erklärung der restlichen Silben reichen meine Kenntnisse der maltesischen Sprache leider nicht aus. Maltesisch ist neben Englisch die Amtsprache in Malta. Es handelt sich um eine der ältesten Sprachen Europas und zählt zu den semitischen Sprachen. Sie hat sich aus einem arabischen Dialekt herausgebildet und hat italienische, französische, spanische und englische Einflüsse. Maltesisch ist übrigens die einzige semitische Sprache, die lateinische Schriftzeichen verwendet. Ich finde, das sollte für ein erstes, profundes Halbwissen ausreichen.
Gegen 12.00 Uhr erreichten wir dann die Blaue Lagune in Comino. Die hat jedoch nichts mit dem amerikanischen Kino-Schinken aus dem Jahr 1980 mit dem Hungerhaken Brooke Shields in der Hauptrolle zu tun.
Vielmehr definiert sich hier der Begriff „Blau“ neu. Zur Erklärung möchte ich hier einmal die drei rheinischen Steigerungsformen zu Hilfe nehmen.
„Blue Curacao“ ist sicher das blaueste Wasser, das wir kennen. Am allerblauesten ist vermutlich das Wasser der Blauen Grotte auf Capri. Am allerblauesten überhaupt ist jedoch das Wasser der Blauen Lagune auf Comino. Blauer geht’s wirklich nimmer mehr.
Doch bevor wir in kleinere Kähne umgebootet wurden, hat der Veranstalter uns eine schwere Prüfung auferlegt. Der Lunch.
Was soll ich sagen, very British natürlich. Serviert wurde in einer Art Brechschale; alles, was es gab, kam darauf, nur der Nachtisch nicht (den schenkten wir uns aus Gründen der Pietät). Kalte Nudeln mit Knoblauchsosse, kalter Kartoffelsalat, kalter Schinken. Dazu gab es gekühlten Rotwein, wahlweise auch Weißwein und kalten Orangensaft mit leichter Chlornote.
Ich entschied mich für Letzteren, da der Wein garantiert kein Ondarre Gran Reserva war und auch mit Sicherheit nicht die notwendigen 18,5 Grad Celsius für einen uneingeschränkten Genuss hatte. Vergessen wir das Ganze also so schnell wie möglich.
Nach diesem abschreckenden Beispiel für Esskultur ging es dann in die besagten kleinen Boote, die uns durch die Lagune fuhren. Winzige Buchten mit atemberaubend klarem und wirklich allerblauestem Wasser überhaupt.
Gemächlich klapperte unser Skipper jeden Winkel der Lagune ab. Als es zum Schiffsanleger zurück fuhr, fragte er, ob er mal etwas schneller fahren solle. Logo, ich sagte ihm, er soll mal ordentlich Gummi geben. Dann gab er grünes Licht, das Boot bäumte sich auf und mit forcierter Geschwindigkeit ging es dann zurück. Wirklich schnell war das jedoch nicht, doch einigen an Bord anwesenden englischen Ladies wurde bestimmt etwas schwindelig. In manchen Situationen muss man eben tapfer sein. Großer Spaß!
Nach dieser kleinen Kreuzfahrt spazierten wir noch etwas über die knapp 3 Quadratkilometer große Insel und verkrochen uns am Ufer einer kleinen Bucht, die wir bereits vorher vom Boot gesehen hatten. Eine himmlische, blaue Ruhe. Einfach nur blau. Bis ein Schiff mit Touristen angelsächsischer und niederländischer Herkunft just da angelegt hat, wo wir uns die Zeit vertrieben. Rückzug muss kein Zeichen von Feigheit sein, aber diesen Rummel wollten wir uns dann doch nicht geben. Wir spazierten noch ein Stück über die felsige Insel und genossen den Ausblick auf das weite Meer und die benachbarte Insel Gozo.
Um 16.00 Uhr legte unser Schiff wieder Richtung Sliema ab. Kurz vor der Hafeneinfahrt überholten wir einen alten Schoner, der mit Motorbetrieb lief und der auch von Comino kam.
Unser Kapitan manövrierte das Schiff so dicht an den Schoner, dass ich dachte, wir müssen uns jeden Moment zum Entern bereit machen. Die augenscheinlich vorwiegend britischen Gäste auf dem Schoner bedienten sogleich die niederen Instinkte und ließen synchron die Hosen in unsere Richtung herunter. Eine wunderbare Geste der Völkerverständigung. Aus Pietätsgründen habe ich selbstverständlich keine Fotos dieser Seemannsgrüsse angefertigt.
Aufgrund des britischen Mittagsmahles war es an der Zeit, etwas handfestes Essen zu gehen.
Die kongeniale Lokalität dazu fanden wir in Bugibba in einem Restaurant mit mongolischem Buffet. Wer das nicht kennt, braucht nicht zu erschrecken. Es geht recht zivilisiert zu. Man wählt aus dem Buffet zwischen diversen Fleisch- und Fischsorten, gewürzt das ganze, wählt eine Soße und eine Beilage. Das kommt alles in einen Pott (Vergleiche zum Lunch erübrigen sich jetzt bitte). Dieses Gefäß übergibt man dann dem Koch, der alles auf eine riesege Kochplatte kippt. Anschließend wird das fürstliche Mahl dann am Tisch serviert.
Was soll ich sagen, just the way I like it. Das ganze mit Chilisoße so scharf gwürzt, dass anscheinend ein Magendurchbruch unmittelbar bevorsteht. Ganz hervorragend und äußerst empfehlenswert. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte es uns noch einmal dort hinführen.
06.05.08
Langsam wurde es eng. Auf der Speicherkarte meiner Kamera. Da ich als dümmster anzunehmender User im RAW-Format fotografiere, um nachher mehr Nachbearbeitungsmöglichkeiten zu haben und beim Fotografieren einfach draufhalten kann, ist eine 2 Gigabyte-Karte natürlich ein sonderlich geeignet.
Ich hatte zwar noch eine 1 Gigabyte-Karte bevorratet, doch das erschien mir angesichts der vielen interessanten Motive etwas wenig. Natürlich gab es weit und breit nur 1 Gigabyte-Karten zu kaufen. Um jedoch genügend Sicherheit zu haben, bevorzugte ich eine 2 Gigabyte-Karte. Leute mit Bausparverträgen brauchen Sicherheit .
Diese fand ich dann in einem winzigen Laden in Valetta.
Zuvor begaben wir uns jedoch nach Birkirkara, quasi einem Vorort von Valetta, sofern man hier davon reden kann. Im Grunde ist es in Valetta wie im Ruhrgebiet; man kann keine klaren städtischen Strukturen erkennen, alles geht ineinander über. Nur Herbert Knebel oder Adolf Tegtmeier sind uns nicht begnet.
Dort gab es ein Antiquitätengeschäft, das auch in unserem Reiseführer beschrieben wurde.
Muß ich erwähnen, dass es geschlossen war?
Immerhin hing eine Telefonnumer und eine Adresse an der Tür, wo man den Inhaber finden kann.
In der nahegelenen Post fragten wir, wo sich diese Adresse befindet.
Malta scheint ein Dorf zu sein, denn ein Typ, der am Postschalter lehnte, sagte, dass er den Besitzer kennt und ihn mal anruft. Er hat ihn jedoch nicht erreicht. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihm und Ralf sagte ihm, dass er vornehmlich auf der Suche nach alten Schellack-Platten sei.
Der Typ, der übrigens im bürgerlichen Leben Arthur heißt, bot uns an, zu einem anderen Antiquitätengeschäft zu fahren, welches einer Bekannten von ihm gehört. Er selbst restauiert alte Möbel, macht aber auch in Elektrik und Installation. Ein wahres Multitalent also.
Er sagte, wir sollen an der nächsten Straßenecke warten, er müsse noch seinen Wagen holen und dann sollte es losgehen. Bevor wir einsteigen konnten, musste er jedoch erst mal jede Menge Gedöns von der Rücksitzbank in den Kofferraum räumen.
VW Golf übrigens, Diesel, alt und klapprig, rostig. Wenn so etwas trotzdem noch fährt, nennt man es bei Volkswagen in der Werbung „Das Auto“.
Nach ein paar Minuten Fahrt ins benachbarte Attard erreichten wir ein wunderschönes altes Haus, welches von oben bis unten mit den sonderbarsten Antiquitäten vollgestopft war. Bezüglich der Schellack-Platten wollte Arthur ein paar seiner Kumpane anrufen und wir vereinbarten, uns am Donnerstag um 11.00 Uhr wieder in dem Antiquitätenladen zu treffen.
Den restlichen Vormittag über bummelten wir dann noch durch ein paar Geschäfte in Valetta und mittags nahmen wir dann die Fähre nach Sliema. Von dort wollten wir nach Paceville, da sich laut unserem Reiseführer dort ein sagenwobenes Formel1-Geschäft befinden sollte.
In St.Julian kehrten wir dann bei dem zweifelsohne am schönsten (eigentlich am allerschönsten überhaupt) gelegenen McDonalds-Restaurant ein, das mir bekannt ist. Dort kann man sich im ersten Stock auf den Balkon setzen und von dort hat man einen ganz hervorragenden Ausblick über die ganze St.Julian’s Bay. Ausgesprochen stilvoll.
So schwer es uns fiel, aber wir mussten aufbrechen, da unser Ziel der Formel1-Laden in Paceville war. In St.Julian hatten wir streckenmäßig erst Halbzeit.
In Paceville haben wir nach etwas Suchen dann das Einkaufszentrum gefunden, in dem sich der Laden befinden sollte.
Dort gab es alles, sogar ein Hardrock-Cafe und Souvenirläden jeglicher Schattierung, nur kein Formel1-Laden. Der, so sagte man uns, hat letztes Jahr dichtgemacht. Wenigstens hatte ich zum Trost noch einen Donut, den ich mir in Valetta gekauft habe, im Handgepäck.
Ziemlich frustriert traten wir den Heimweg an, auf dem wir uns jedoch mal wieder kläglich verlaufen haben. Aus irgendeinem Grund gingen wir weiter in Richtung Norden zur St.George’s Bay. Von dort fuhr natürlich nur ein Bus, und zwar in Richtung Valetta. Falsche Richtung. Also gingen wir ca. einen Kilometer zurück zu der Landstrasse, die Richtung Bugibba führt. Dort konnten wir den Bus Richtung Hotel nehmen.
Rechtzeitig zur „Blauen Stunde“ (hier ist fast alles Blau) kamen wir in Bugibba an. Da es zur Bucht nur ein Katzensprung ist, beschloss ich noch ein paar romantische Sonnenuntergänge zu fotografieren. Sonnenuntergänge sind immer Hingucker in der digitalen Fotosammlung. Bewaffnet mit Stativ und frischer Speicherkarte stand diesem Unterfangen eigentlich nichts nennenswertes im Wege.
Der Fotoapparatismus war aufgebaut und es konnte losgehen. Auf einmal kam ein englisches Pärchen vorbei und der Herr verwickelte mich in eine Konversation über Fotografie. Er war auch Hobbyfotograf und macht auch gerne HDR-Bilder. Über diese Unterhaltung hat sich dann leider die Sonne fast hinter den Hügeln auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht verkrochen. That’s the way the cookie crumbles, aber immerhin sind mir noch ein paar Aufnahmen gelungen.
Zum Dinner wollten wir dann mal einen Exkurs in die regionale Küche unternehmen. Die passende Lokalität fand sich ein paar Meter von der Bucht im Zentrum von Bugibba. Es war ein wirklich kleines Restaurant und die ältere Dame, die wir liebevoll „Rouladen-Omi“ tauften, die einzige Bedienung, war augenscheinlich die Inhaberin. Eine Spezialität der maltesichen Küche sind Bragioli. Das sind Rindfleischrouladen mit einer pikanten Füllung aus Speck, Ei, Oliven und Kräutern. Wirklich extrem empfehlenswert.
07.05.08
Um 06.30 Uhr war an diesem Tag wieder die Nacht zu Ende, denn heute fand die Exkursion nach Gozo statt. Um 07.45 Uhr holte uns der Bus am Hotel ab. Er klapperte noch ein paar andere Hotels ab, um mehr Gäste an Bord zu nehmen. Erstes Ziel war Cirkewwa, von wo aus die Fähre nach Gozo geht.
Es war ein eigentümliches Ritual. Wir mussten den Bus verlassen und zu Fuß auf die Fähre gehen. Warum der Bus nicht auf die Fähre gefahren ist, weiß der Geier. Von der Höhe dieses Gefährtes hätte es gepasst, da auch LKW’s die Fähre benutzten. Aber irgendwie muß man ja die Zeit tot bekommen und die 45 Euro für diesen Tagesausflug brauchen ihre Berechtigung.
Die Überfahrt dauerte eine knappe halbe Stunde. In Mgarr, dem Fährhafen (übrigens dem allereinzigsten überhaupt) von Gozo stiegen wir in einen frischen Bus ein. Es sollte eine Reisegruppe mit einer Führerin sein, die Deutsch und Englisch spricht. Es gesellten sich jedoch noch Italiener und Franzosen dazu, da sich die Führerin dieser Reisegruppe beim Ausstieg aus der Fähre angeblich eine Haxe verrenkt hatte. Unsere besten Wünsche zu Genesung an dieser Stelle.
Wie dem auch sei, nach ca. 15 Minuten Fahrt erreichten wir die Tempelanlagen von Ggantija in der Nähe der Ortschaft Xaghra. Dort machten die Italiener und Franzosen erst einmal den Lauten, weil die Führung ja nur auf Detusch und Englisch war. Unsere Reiseleiterin schob die Franzosen in eine andere Gruppe ab und wir behielten die Italiener, da sie auch Italienisch sprach.
Ggantija ist eine der ältesten halbwegs erhaltenen Anlagen der Welt, älter als die ägyptischen Pyramiden, die auch auf der UNESCO-Liste der Weltkulturerbe steht.
Diesmal fielen nicht die Engländer aus der Rolle, sondern die italienischen Kollegen. Die italienischen Ausführungen unserer Reiseführerin begegnete die Herrschaften mit einer gehörigen Portion Ignoranz und ein Dame besaß sogar die Frechheit, über Mobiltelefon einige vermutlich nicht aufschiebbare Gespräche zu führen. Unsere Reiseführerin meinte zu uns augenzwinkernd, dass es zu gegebenen Zeitpunkten vorteilhafter ist, wenn man nur Maltesisch sprechen kann.
Absolut verständlich.
Weiter ging unsere Inselrundfahrt in das pittoreske Xlendi (das x im maltesischen wird übrigens wie das deutsche sch ausgesprochen, auch wenn’s lustig klingt).
Ich glaube, so einen winzigen Ort mit noch kleinerer Bucht und einem kaum zu erwähnenden etwas von Strand gibt es nirgendwo auf dieser Welt. Wenigstens hat das den Vorteil, dass man sich nicht verlaufen kann, wie es uns gelegentlich zuvor passiert ist.
Während in heimischen Gefilden auf solchen Exkursionen gelegentlich Heizdecken verschachert werden, liegt der Fall hier auf Grund der allgemeinen Witterungsverhältnisse Gott sei Dank etwas anders. Der Bus machte auf dem Weg zur gozitanischen Hauptstadt Victoria (eine Hommage an die britische Königin gleichen Namens) einen ausgedehnten Halt in einem kleine Kaff, das vornehmlich aus Souvenirläden bestand. Hier gab es allerlei Gedöns und einen riesigen Laden mit Selbstgeklöppeltem.
Zeit, sich etwas von dem Tross abzusondern und in Ruhe eine Zigarette in Brand zu setzen.
Gegen 13.30 erreichten wir dann Victoria, wo wir beinahe im Verkehrschaos versunken sind. Die Strassen sind so eng, dass sie bei uns gerade mal als Radweg durchgehen würden. In Victoria nennt man so etwas Durchgangsstraße. Mitten in so einer schmalen Straße ließ der Busfahrer uns dann in die freie Wildbahn, begleitet von der Kakophonie eines prächtigen Hupkonzertes der Autos, die er mit seiner Parkerei am Weiterfahren hinderte. Großartig. Stoppt den Verkehr für den König und sein Gefolge.
Als nächstes erklommen wir dann die Zitadelle von Victoria, besichtigten dann kurz die Kirche und machten einen kleinen Rundgang. Da auch in dieser Tour ein Lunch inbegriffen war, hatte ich aufgrund der Erfahrungen von vor zwei Tagen meine allergrößten Befürchtungen. Aber es sollte nicht so schlimm kommen. Wir wurden in ein nettes Restaurant mit schönem Innenhof geführt. Für uns war jedoch ein kleiner, stickiger Raum reserviert.
Dem Auftreten der leicht untersetzten Kellnerin zu urteilen, sind hier wohl des öfteren hörgeschädigte Menschen zu Gast. Sie hatte ein Organ, das man vermutlich über die ganze Insel hören konnte. Vielleicht besaß sie ja auch zu Hause kein Telefon. Ansonsten gab es hier jedoch nichts auszusetzen – das muss auch mal sein.
Nach dem Lunch war eine Filmvorführung über Gozo in einem nahegelegenen Kino anberaumt worden. Der unmittelbar neben dem Kino gelegene Marktplatz erschien uns jedoch wesentlich lustiger, zumal die Sonne gerade so schön über uns lachte. Also desertierten wir für die Zeit der Vorstellung von der Gruppe und bummelten etwas über diesen kleinen, mediterranen Markt. Es ist schon erstaunlich, was hier alles verhökert wird. Vor allem weiß ich jetzt, wo Atze Schröder vermutlich seine modischen Sonnenbrillen erwirbt.
Zum Abschluss unserer Rundfahrt über dieses putzige Eiland ging es dann zur Dwejra Bay mit dem weltberühmten Blue Window, einem Felsenvorsprung, der sich wie ein Fenster über das Meer spannt. Dort konnte man auch eine kleine Bootstour machen, die entlang der Küstenfelsen an besagtes Blue Window führte. Sehr empfehlenswert, da es hier wunderschöne Korallen zu sehen gibt und das Wasser, wie immer, unglaublich blau ist. Die Felsen haben hier sogar die Form eines Gesichtes und eines Krokodils. Man muß nur mal genau hinschauen.
Abschließend fuhr uns der Bus zurück nach Mgarr, wo wir wieder die Fähre Richtung Cirkawwa bestiegen.
Die Junggesellen seien noch darauf hingewiesen, dass die Population von Gozo eine sehr hohen Frauenanteil aufweist. Glaubt man unserer Reiseführerin, hat sogar ein Mann einmal die Reisegruppe aus just diesem Grund verlassen. Aber das sind gewiß Geschichten, die mit „es war einmal“ beginnen. Der Ordnung halber sei es aber hier erwähnt.
Zum Dinner durfte sich „Ranjid“ wieder über unsere Besuch freuen. Die indische Küche soll ja dem vernehmen nach sehr scharf sein, wovon hier jedoch nicht so viel zu spüren war. Vielmehr wurde hier „hot“ mit heiß verwechselt, was uns doch etwas verwunderte. Ralf hatte sein Essen „hot“ bestellt. Kurz nach dem Servieren erkundigte sich Ranjid, ob es denn auch wirklich „hot“ sei. „Not really“, sagte Ralf. Dann hat er das Zeugs genommen und hat es wohl nochmal in die Mikrowelle geschoben, denn es dampfte kurze Zeit später unübersehbar.
Aber es war mal wieder ausgesprochen lecker.
08.05.08
Den Tag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht begannen wir damit, dass wir heute vormittag etwas getrennt unternahmen. Ralf und Julia wollten zu dem zuvor beschriebenen Treffen in den Antiquitätenladen nach Attard fahren und Claudia und ich wollten nach Ta’Qali ins Craft Village fahren. Dieses Craft Village ist ein kleines Dorf, das hauptsächlich aus alten Flugzeughangars besteht und viele kleine Kunsthandwerksbetriebe beherbergt, sowie ebensoviele Kitschläden.
Dort fanden wir als allererstes ein wunderschönes Glasgeschäft, in dem man auch die Werkstatt besichtigen konnte. Es gab dort wirklich großartige Sachen, Vasen, Bilder aus Glas und all das ganze Gedöns, was man sonst noch aus diesem Werkstoff machen kann.
Für meine Mutter kauften wir ein wunderschöne, kleine Vase. In Blau natürlich.
Das nächste Geschäft, das wir aufsuchten, war ein Schmuckhersteller. Seine Arbeit verrichtete der gute Mann mitten im Geschäft. Seine Gattin begnügte sich derweil ausgiebig und voller Konzentration mit dem Studium des maltesischen Fernsehprogramms. Die Leute waren jedoch ausgesprochen freundlich und zeigten uns nahezu ihr ganzes Inventar. Fast sämtlicher Schmuck wird aus dünnen Silberdrähten in filigraner Arbeit hergestellt. Mir fehlt leider der Sachverstand, mich darüber näher zu äußern.
Jedenfalls fanden wir ein passendes Muttertagsgeschenk für meine Mutter. Ein sehr schöner Kettenanhänger in der Form einer Blume.
Um einige Euronen erleichtert traten wir den Weg ins nahegelene Mdina an, das fast schon bedrohlich aus knapp anderthalb Kilometer Entfernung auf das Craft Village herabschaut.
Nach knapp 45 Minuten erreichten wir die „Stille Stadt“, wie Mdina auch genannt wird. Zu mehr als einem hastigen Stadtrundgang reichte es jedoch nicht, da wir uns um 14.30 Uhr mit Ralf und Julia in Valette am Busbahnhof treffen wollten.
Also trafen wir kurz vor Zwei an der Bushaltestelle in Mdina ein. Dort sollte auch tatsächlich um 14.00 Uhr ein Bus nach Valetta fahren. Da er schon bereitstand, stiegen wir ein.
Heute sollte es eine besondere Vorstellung unsere britischen Freunde geben.
Kurz nach uns betrat ein kleiner rundlicher Mann, der unübersehbar und unüberhörbar Engländer war, den Bus. Der Buskutscher fragte ihn, wieviel Fahrkarten er den haben will. Darauf hin spähte der kleine Brite den Bus von vorne bis hinten aus und sagte nach kurzem Zögern, dass er gerne zwei Fahrkarten hätte. Sonderbar, reiste er doch offensichtlich alleine. Wahrscheinlich war es eine Hommage an den Film „Mein Freund Harvey“. Mir kam das schon sehr unheimlich vor. Er setzte sich schließlich ein paar Reihen hinter uns.
Kurz vor der Abfahrt schaltete der Busfahrer noch obligatorisch das Radio ein. Übrigens läuft dort permanent ganz wunderbare Musik aus den achtziger Jahren. Man hat den Eindruck, hier ist diesbezüglich die Zeit stehen geblieben.
Natürlich musste das Radio noch auf eine dem Motorengeräusch abgestimmte Lautstärke justiert werden, was der Busfahrer auch unmittelbar nach dem einschalten vornahm.
Unser britscher Fahrgast brüllte daraufhin ziemlich rüde: „It’s too noisy“. So, so ….
Den Busfahrer juckte das wenig, er strebte wohl die 85 db-Marke an.
Wie gesagt, der Bus sollte um 14.00 Uhr abfahren. Um 14.15 fuhr er dann auch pünktlich los und die halbe Strecke bis Valetta verhielt sich der Brite mit den zwei Fahrscheinen auch ruhig und wir konnten die schöne Musik geniessen.
Danach schien es ihm wirklich „too noisy“ und er begann, englische Volksweisen zu intonieren.
Da der Busfahrer aus Sicherheitsgründen keine Hand frei machen konnte, konnte er auch das Radio nicht leiser drehen, was den Engländer dazu veranlasste, noch lauter zu trällern.
An einer Ampel kurz vor Valetta begann dann der „loudness war“. Der Kutscher hatte eine Hand frei und gab an seinem Radio so richtig Gummi.
Auch davon ließ sich der kleine Brite mit den zwei Fahrkarten nicht irritieren; er legte auch noch eine Schippe drauf. Es war herrlich. Der Kerl war bei der Ankunft in Valette garantiert vollkommen heiser.
Leider kenne ich die Texte von „Rule Britannia“ und „It’s a long way to Tipperary“ nicht auswendig, sonst hätte ich vermutlich dagegen gehalten.
Beim Verlassen des Busses gab ich dem Fahrer nocht den dringenden Rat, sich in allernächster Zeit nach einem wesentlich lauteren Radio zu bemühen, was er mit einem breiten Grinsen quittierte.
Ralf und Julia sind leider erst um kurz nach 12.00 Uhr an dem Antiquitätengeschäft eingetroffen, da der Bus Verspätung hatte. Es muß leider erwähnt werden, dass der Laden pünktlich um 12.00 Uhr zur Mittagaspause schließt. Ihr Ausflug nach Attard war also für die Katz’.
Ein Gutes hatte es jedoch, Ralf hatte in Valetta ein winziges Geschäft mit Modellautos entdeckt.
Es war jedoch bis 16.00 Uhr geschlossen. Also vertrieben wir uns sehr zur Freude unserer Damen die Zeit bis dahin mit Window-Shopping.
Pünktlich, wie wir Deutschen nun mal sind, standen wir um 16.00 Uhr vor besagtem Laden. Allein die Schaufensterauslagen ließen meine Augen rollen.
Gott sei Dank war nebenan ein Benetton-Laden, in dem wir unsere Frauen „parken“ konnten.
Wir warteten eine geschlagene halbe Stunde, doch der Laden öffnete nicht.
Aus einem anderen Geschäft kam ein Mann und fragte, auf wen oder was wir hier warten würden. Natürlich darauf, dass der Laden endlich aufmacht.
Er meinte, der Laden gehört einem alten Opi, der nur sporadisch aufmacht. Da es jetzt schon 16.30 Uhr war bestand seiner Meinung nach die berechtigte Hoffnung, dass er heute wohl nicht mehr geneigt sei, den Laden zu öffnen. Aber wir könnten ja warten. Wenn wir einen alten Mann mit einem Moped sehen, dann wäre er der Richtige.
Kaum 10 Minuten später kam ein schweres Motorad um die Ecke gebogen. Ein Opi stieg ab und nahm seinen Helm ab, da wußten wir, wir haben unseren Mann gefunden. „A bisserl was geht allerweil“, wie der Bayer sagt.
Er schloß den Laden auf und wir durften eintreten. Er hatte sehr viele wunderschöne Modelle, die mir die Tränen in die Augen trieben. „So you are from Germany, I have something for you“, sagte er. Er zauberte einen traumschönen blauen (natürlich, was sonst) Lloyd Alexander mit weißem Dach hervor. Daran, sowie einem Peugeot konnte ich nicht vorbeigehen.
Der Vorteil war, das heute das Portemonnaie sehr viel leichter war und ich damit nicht so schwer zu tragen hatte. Kleiner Scherz.
Nach einem standesgemäßen Einkauf war es wieder Zeit für ein standesgemäßes Abendessen. Erneut fiel unsere Wahl auf den Mongolen, was nicht zuletzt seiner weit und breit schärfsten Chilli-Soße zu verdanken war. Es war, wie bei unserem ersten Besuch wieder ein fürstliches Mahl.
09.05.08
Die Nacht über ging ein ziemlicher Wind um unser Hotel. Am Morgen mußten wir zur Kenntniss nehmen, dass einige Wolken die Sonne versuchten zu verstecken.
Claudias Wunsch war es heute, einmal zur Golden Bay zu fahren. Wie der Name Bay vermuten läßt, handelt es sich hier um eine Bucht, und zwar um eine ausgesprochen güldene. Dort gibt es eigentlich nur ein ziemlich elitär wirkendes SAS Radisson Hotel, was uns jedoch nicht abschreckte.
Abgeschreckt hat uns nur ein kurzer Regenschauer bei unserer Ankunft. An der Bucht gab es jedoch ein Restaurant, welches Segafredo Espresso feilbot. Der beste Grund, sich damit über den Regenschauer hinwegzutrösten. Anschließend lachte uns dann die Sonne wieder an (oder aus, wie man es will) und wir konnten noch einen schönen Spaziergang durch den Sand und das seichte (blaue) Wasser machen.
Anschließend sind wir wieder nach San Pawl zurückgefahren um dort in den Bus nach Mdina umszusteigen. Wir wollten uns die „Stille Stadt“ noch etwas genauer anschauen.
Neben den unvermeidlichen Souvenirläden gibt es hier viele enge Gassen, die den Eindruck erwecken, jeden Augenblick komm hier ein buckeliger Glöckner um die Ecke gebogen, der nach Esmeralda sucht.
Am Ende der Stadt ist ein Aussichtspunkt, über den man einen herrlichen Blick Richtung Mittelmeer und Valetta hat. Zeit, um ein paar schöne Panoramafotos zu schießen.
Am Busbahnhof nahmen wir noch einen kleinen Snack und sind dann Richtung Ta’Qali aufgebrochen, da wir Julia und Ralf das Craft Village zeigen wollten, das wir am Vortag besucht hat. Leider gab es diesmal im Bus keine musikaliche Untermalung mit angelsächsischen Volksweisen.
In Ta’Qali angekommen, bemerkten wir, dass leider die Hälfte aller Läden bereits geschlossen hatte.
Mit den Öffnungszeiten scheinen es die Leute hier allzu genau zu nehmen.
In dem Glasladen, in dem wir am Tag zuvor die Vase für meine Mutter gekauft hatten, kehrte man uns förmlich heraus, da wir die letzten Besucher waren.
Nun ja, wenn sie unser Geld nicht wollen, dann müssen wir es halt woanders lassen. Hätte ich den Mund mal nicht so voll genommen …
Auf dem Rückweg zum Hotel machten wir einen Halt in Mosta, welches sich durch eine einigermassen überdiminsionierte Kirche auszeichnet, die sogenannte Rotunda. Die Kuppel dieses Gotteshauses gehört zu den größten in Europa.
Nach einer kurzen Besichtigung gingen wir noch etwas die Hauptstrasse hinunter und es kam, wie es kommen mußte: Die Damen setzten sich in einem Modegeschäft fest. Ralf und ich warteten ziemlich gelangweilt eine ganze Weile vor dem Laden.
Damit die alten Knochen nicht einrosten, gingen wir ein Stück die Strasse hinab. In einer Querstrasse, der Triq Il-Wied (zu deutsch: Talstrasse) gab es dann die Rettung: ein kleines Schild wies auf einen „Toy Shop“ hin. Die einzigen „Toys“, die es da gab waren Modellautos jeglicher Farbe und Größe. Warum haben wir das erst jetzt entdeckt?
Die Auswahl übebot bei weitem das, was der „Motorad-Opi“ tags zuvor in Valetta zu bieten hatte.
Alle guten Dinge sind drei, also wechselten drei Modelle den Besitzer. Ein wunderschöner Käfer-Cabrio mit Lufthansa-Lackierung, ein 59er Cadillac Cabrio und ein absolutes Highlight: Ein schneeweißer Borgward Isabella (Limousine). Zum Niederknien schön.
Hier konnte man so richtig schön stöbern, und auf einmal waren wir gar nicht mehr böse, dass unsere Damen sich im Modetempel festgefahren hatten.
Immerhin hatte Claudia dort zwei sehr schöne Hosen erstehen können, die ihr ausgezeichnet stehen.
Nach Ende unserer Einkaufsorgie beschlossen wir, nach Qawra zurückzukehren.
Zum Dinner wollten wir mal was Neues suchen und sind in einem sehr schönen Restaurant gelandet, da die Mehrheit Hunger auf Pizza hatte. Zur Abwechslung gab es mal kein „Pint of Local Beer“, sondern einen sehr schlönen Valpolicella, der ganz hervorragend war, wenn auch ca. ein halbes Grad zu warm. Dem allgemeinen Hang zur Pizza setzte ich mich mit einer lokalen Spezialität zur Wehr: Rabbit, Hase also. Äußerst schmackhaft, aber solche Viecher haben wirklich erbärmlich viele Knochen. Was soll’s, da muß man halt tapfer sein. Die Zeit, in der wir alles, was wir essen, vorher durch den Mixer geht, kommt früh genug.
10.05.08
Das Wetter schien eindeutig schlechter zu sein als in der Heimat. Getreu dem rheinischen Grundsatz „ett kütt, wie ett kütt“ (es kommt, wie es kommt) ließen wir uns dadurch die Laune nicht vermiesen. Heute stand ein Besuch der Hafenstadt Marsaxlokk auf dem Programm. Dazu mußten wir jedoch zunächst wieder nach Valetta, um dort umzusteigen.
Am Busbahnhof in Valetta schien gerade ein mittelschweres Chaos auszubrechen. Unser Bus fand nur unter massivem Einsatz der Hupe einen Standplatz.
Irgendwie herrschte ein gewisse Unruhe. Eine Einfallstrasse nach Valetta war gesperrt. In dieser Strasse postierte eine kleine Reiterstaffel mit Soldaten, die lustige Tropenhelme aufhatten.
Ca. 200 Meter dahinter stand ein schwarzer Schlitten, vermutlich ein Rolls Royce. Ob die wegen uns diesen ganzen Aufwand betrieben ?
Ralf fragte höflich einen Polizisten, ob die Queen in dem Rolls sitzt. Um Gottes Willen, es war der Präsident der Republik Malta, wurden wir belehrt.
Wie schön.
Auch schön ist es festzustellen, dass die Leute hier keinerlei Berührungsängste zu haben scheinen. Wir konnten uns bis auf wenige Meter der Präsidentenkalesche nähern und unsere Fotos machen, ohne dass wir von schwarz gekleideten Schiffschaukelbremsern höflich daran gehindert worden wären. Das nenne ich mal Volksnähe. Dann setzte sich der Troß in Richtung Innenstadt in Bewegung und alle Polizisten am Wegesrand machten fein Männchen. Sogleich war der Spuk vorbei und es schien wieder eine gewisse Normalität einzukehren.
Auf der anderen Seite des Platzes stand dann auch unser Bus nach Marsaxlokk. Die Fahrt dorthin schien unendlich lange zu dauern, was wohl daran lag, dass wir diese Strecke zum ersten Mal gefahren sind.
In der kleinen Hafenstadt angekommen, hatten wir gar keine andere Möglichkeit, als zuerst über den kleinen Markt am Hafen zu laufen. Es gab wunderschöne selbstgeklöppelte Tischdecken, die hätten sich gut auf meinem Gartentisch gemacht. Jedoch war mir dessen Durchmesser nicht bekannt, ich vermutete 1,40m, worauf die servile Verkäuferin antwortete, dass das Teil, das ich in der Hand hielt, zweifelsohne passen würde. Nun, sie hätte vermutlich auch gesagt, dass die Decke passen würde, wenn ich beabsichtigen würde, damit ein Marmeladenglas abzudecken.
Immerhin hatte sich der Trip nach Marsaxlokk gelohnt, denn dort fanden wir ein Modellauto des typischen Malta-Busses (in gelb, die in Gozo sind grau und früher waren die in Malta grün).
3,50 Euro war der bei weitem uns bekannte, niedrigste Preis für dieses putzige Spielzeug. Zieht man jedoch die Buskarte nach Marsaxlokk ab, haben wir vermutlich kein Geschäft gemacht.
Ausser einem kleinen Hafendrundgang, bei dem man viele putzige Fischerboote besichtigen konnte, gab es jedoch hier nicht viel zu holen.
Die schöne, alte Kirche des Ortes folgte der Sitte vieler deutscher Kirchen, sie war nämlich abgeschlossen. Da war es an der Zeit, den Rückweg nach Valetta anzutreten und es war an der Zeit, etwas für die Kultur zu tun. Zu diesem Zweck besuchten wir ein Museum in Valetta, welches uns über die Frühgeschichte der Insel aufklären sollte. 2,50 Euro Eintritt erschienen uns im Vergleich mit einheimischen Preisen äußerst günstig.
Nach dem gut 30-minütigen Rundgang kannten wir den Grund: Das Museum hatte lediglich die Hälfte der Größe der Damenoberbekleidung im KaDeWe in Berlin.
Da der Nachmittag bereits recht weit fortgeschritten war und es für weitere Museen zu spät war, haben wir noch einen ausgedehnten Schaufensterbummel unternommen. Bedauerlicherweise wurde der Himmel über Malta immer dunkler, was nicht an der Tageszeit lag, sondern am Aufziehen böser Regenwolken. Als wir im Bus Richtung Hotel saßen, begann es ziemlich heftig zu regnen.
Zum Abendessen wollten wir dann die Vorzüge eines großen Hotels nutzen. Auf der anderen Strassenseite befand sich eine Pizzeria, die man durch einen unterirdischen Gang vom Hotel aus trockenen Fußes erreichen konnte.
Die Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis in einer äußerst mittelmäßigen Lasagne. Sie konnte ihre Herkunft aus der Tiefkühltruhe nie ganz verleugnen und lief mir die ganze Nacht hinterher. Außerdem war das Lokal ziemlich laut. Andererseits liefen auf diversen Fernsehschirmen ganz hervorragende Musikvideos aus den späten 70er und frühen 80er Jahren. Aus irgendeinem kühlen Grunde war jedoch der Ton abgedreht, was ich überhaupt nicht komisch fand.
11.05.08
Der letzte Tag, Sonntag, Muttertag. Die Wetterlage hatte sich offensichtlich entspannt, wobei sie bei weitem nicht an die in der Heimat heranreichte.
Wie dem auch sei, wir beschlossen, an diesem Tag unseren Gutschein für eine Hafenrundfahrt einzulösen.
Zuvor besuchten wir jedoch in Valetta einen Trödelmarkt, der sich rund um die Stadtmauer drapierte. Es war ein sehr fortschrittlicher Trödelmarkt, denn bisweilen konnte man DVD’s finden, die bis dato noch nicht mal im Kino liefen. Man mußte zwar Abstriche bei der Qualität der Cover machen und Booklets gab’s wahrscheinlich auch nicht, aber es unterstrich den Fortschritt dieses Landes, zumindest auf diesem zweifelhaften Sektor.
Also peilten wir nach kurzem Aufenthalt auf dem Marktplatz unsere Hafenrundfahrt an. Dazu gingen wir an die Bucht von Marsamxett, da dort die Fähre nach Sliema ging, von wo aus der bereits bekannte Captain Morgan die Hafenrundfahrten machte.
Der Platz vor dem Fähranleger war wie leergefegt und nach kurzen Erkundigungen sahen wir uns mit der Tatsache konfrontiert, dass an diesem Sonntag sämtliche Fahrten nach Sliema storniert waren. Einzig eine alte Tür schwamm im Wasser vor dem Fähranleger. Ralf machte sogleich den Vorschlag, es zu versuchen, mit der Tür nach Sliema zu kommen. Also, wenn nix mehr geht, nehmt die Tür!
Es wäre ja auch zu schön gewesen. Den Gutschein habe ich übrigens immer noch im Portemonnaie, also, wer sich berufen für eine Hafenrundfahrt fühlt, kann sich bei mir melden; das Datum in dem Schein ist offen.
Immerhin hatte das Wetter ein Einsehen mit uns, den es wurde schlagartig sonnig, was uns zu der Idee verleitete, noch einige Stunden am Pool zu verbringen. Die Rechnung ging auf, wir wurden mit ca.2 Stunden Sonne belohnt, danach kamen dann wieder ein paar nicht so nette Wolken.
Der Rest der Siesta wurde dann spontan ins Hotelzimmer verlegt und ich hatte Gelgenheit, einen großen Teil von Lemmy’s „White Line Fever“ zu lesen. Eine adäquate Entschädigung für das Wetter, ich kann es nur immer wieder betonen.
Nach der Pleite mit der Pizzeria am Vortag wollten wir eine andere Pizzeria ausprobieren. Da sich auf die schnelle nix passendes fand, kehrten wir in dem Restaurant eines Nachbarhotels ein. Brav stellte sich der Kellner vor und sagte, „I’m from Hungary“. Gewiß, „we are hungry too“. Kleiner Scherz am Rande.
Die Lasagne war um Längen besser als am Vortag, aber immer noch nicht perfekt.
12.05.08
Abpfiff.
Da unser Flieger erst nach 17.00 Uhr ging und uns der Bus erst um 14.45 am Hotel aufpicken sollte, nutzten wir die Gelegenheit, uns endlich das „Malta Classic Car Museum“ anzuschauen. Wer glaubt, am letzten Urlaubstag kann man nichts mehr erleben, sieht sich hier ganz klar eines Besseren bestätigt.
Im Grunde hatten wir nicht viel erwartet, da es sich bei dem Museum um ein ganz ordinäres Wohnhaus handelte und die Ausstellungsräume sich im Keller befanden.
Man soll sich jedoch niemals von Äußerlichkeiten täuschen lassen, denn auf der halben Treppe merkten wir schon, welche Schatzkammer wir hier betreten würden. Von dort aus konnte man bereits ein lindgrünes Jaguar Cabriolet, E-Type natürlich, erkennen, und das in einem Zustand, der mich kurzzeitig in Erwägung ziehen ließ, den Rest der Treppe im Knien zurückzulegen.
Hier gibt es wahnsinnige Schätze zu bewundern, Jaguar, Lancia, Mercedes, Chevrolet und Ford (britisch und amerikanisch). Alle Fahrzeuge machten den äußerlichen Anschein, als ob sie gerade erst die Fabrik verlassen hätten. Zum Niederknien schön. Absolut unüblich für ein Museum war hier, dass man nach Herzenslust fotografieren konnte. Gott sei Dank hatte ich noch eine 1 Gigabyte Karte für meine Kamera im Gepäck, die sich am Ende des Besuches fast komplett gefüllt sah,
Dieses Museum ist eine absolute Empfehlung für alle Oldie-Fans. Der Eintrittspreis lag hier bei selbstbewußten 6 Euro, aber davon lohnt sich jeder Cent.
Nach einem kurzen Imbiss war dann der Zeitpunkt der Abreise gekommen. Auffällig pünktlich holte uns der Bus vom Hotel ab und brachte uns zum Flughafen, wobei der Busfahrer meiner Ansicht nach nicht unbedingt streckensicher war. Ich wäre vermutlich anders gefahren, aber ich bin auch kein ortskundiger, maltesicher Busfahrer.
Beim Einchecken passierte nichts Nennenswertes, außer dass ich versehentlich meine Sonnencreme im Rucksack gelassen habe. So etwas darf natürlich nicht sein, kann so eine Flüssigkeit doch hochkonzentrierten Sprengstoff enthalten. Wer glaubt, dass ein Beduine auf Dialyse in einer Felshöhle ein paar Studenten anstiftet, mit Teppichmessern ein Flugzeug zu kaperen, der glaubt auch daran. Was soll’s, ich sagte der Sicherheitsbeamtin: „Leave it for sunny days“. Irgendwie war die Dame ziemlich humorlos und hat sich noch nicht mal für das großzügige Geschenk bedankt. Dabei war die Creme wahnsinnig gut, Faktor 50. Bei meiner artkitschen Polarbräune ist das eben notwendig.
Bedingt durch die Tatsache, dass der Flieger nach Düsseldorf ging, waren, wie nicht anders zu erwarten, in erheblichem Ausmaß Deutsche Fluggäste an Bord. „Gott schütze mich vor Regen und vor Wind und vor Deutschen, die im Ausland sind“, heißt ein ziemlich zutreffendes Zitat. In der Reihe hinter mir saß ein Herr neben zwei alten Tanten und vermutlich hat er ihnen auf dem ganzen Flug die Ohren vollgejammert, dass er froh ist wieder zu Hause zu sein. Mir hat der Anfang der Konversation, bzw. des Monologes gereicht. Das Wetter wäre zu Hause ja um Längen besser und Maltesisch ist ja eine gar sonderbare Sprache. Da ich jedoch von Sprachen jeglicher Art begeistert bin, fand ich auch diese höchst interessant. Wenn man Grundkenntnisse in romanischen Sprachen und im Englischen hat ist das schon einmal die halbe Miete.
Ich überließ den Herren seiner Konversation und widmete mich meinem iPod, genauer gesagt „Pulse“ von Pink Floyd, live 1994 im Earl’s Court in London. Wer genau hinhört, der entdeckt sogar eine deutsche Stelle in „Another Brick In The Wall“. Wenn man sich aufs Äußerste, wirklich aufs Äußerste konzentriert, hört man im Refrain die Stelle „Hängt ihn, hängt ihn, hängt ihn, hängt ihn hoch unter’m Dach“*. Sehr mysteriös.
Der Flieger hatte beim Start schon zwanzig Minuten Verspätung, doch der Pilot hat ordentlich Gummi gegeben, so dass er zehn Minuten wieder rausholen konnte.
Beim Anflug auf das Düsseldorf hatte ich jedoch den Eindruck, dass der Pilot, wie bereits der Busfahrer zuvor, etwas ortsunkundig gewesen ist. Die Landung geriet etwas zur Achterbahnfahrt. Die Landung war jedoch ausgereift, wenn auch nicht so perfekt wie auf dem Hinflug.
Da waren wir nun wieder in der Heimat, den Koffer voller schmutziger Wäsche und den Kopf gefüllt mit schönen Erinnerungen.
Macht man ein paar Abstriche beim Komfort und vor allem beim Frühstück, kann man auf Malta einen sehr schönen Urlaub verbringen und sich prächtig erholen, was mit zunehmendem Alter augenscheinlich in der persönlichen Prioritätenliste einen immer größeren Stellenwert einnimt.
Wer einen Badeurlaub mit ordentlich Hully-Gully, viel Bier aus Eimern und ähnlichem Kinderkram bevorzugt, ist hier offensichtlich an der falschen Adrese und sollte andere Destinationen in Betracht ziehen.
Wer jedoch eine wunderbare Natur und alte Orte (und alte Autos und Busse natürlich) mag, der ist hier vorzüglich bedient.
Und wenn mal kein Schiff kommt, nehmt unbedingt die Tür.
*Das ist alles erstunken und erlogen, aber ich habe Euch jetzt beim Singen ertappt …