Die Facebook-Fahnder

Die Facebook-Fahnder

Facebook ist ‘ne tolle Sache. Man trifft längst verschollene Leute wieder, teilt ein paar Fotos, verabredet sich mal eben, … gut und schöne und via Mobiltelefon sogar auf’m Klo verfügbar.

Was mir in letzter Zeit in hohem Maße auf den Geist geht, sind die selbsternannten Hobbyfahnder, die mal eben das Konterfei eines vermeintlichen Sexualtäters auf ihre Seite posten: “Hängt ihn am nächsten Baum!”

Verfolgung von mutmaßlichen Straftätern ist einzig und allein Sache der Polizei, Verurteilung der selbigen ausschließlich Sache der Gerichte. Wir können die Arbeit der Polizei unterstützen und wir können jedes Gerichtsurteil anzweifeln, so schwachsinnig es auch sein mag. Aber wir haben die Entscheidungen zu akzeptieren. Das sind nun mal die Regeln in unserem Staat, an die sich jeder bitteschön zu halten hat.
Beim Fussball prügelt der Stürmer auch nicht die komplette Abwehr krankenhausreif und freut sich dann wie Bolle über das Tor, das er gerade geschossen hat.

Wenn, wie der Hamburger Spezialdemokrat und Innensenator Michael Neumann fordert, dass die Behörden via Facebook oder andere soziale Netzwerke fahnden, dann ist das wohl in Ordnung.
Nicht aber, wenn irgendwelche Hobbyaktivisten das tun, vermutlich ohne ermittlungstechnischen Hintergrund.
Gleichwohl müssten die Bundesländer dazu erst einmal die Richtlinien für Strafverfahren und Bußgeldverfahren ändern, die es privaten Anbietern, wie es Facebook nun mal ist, verbietet, sich in eben solche einzumischen.

Jede, der eine Straftat begeht, soll schonungslos für diese bestraft werden. Das deutsche Recht bietet dazu vielfältige Möglichkeiten. Aber dann bitte unbedingt im Rahmen dieser Gesetzte.
Jeder hat Fairness verdient, auch Straftäter. Wer das nicht akzeptiert, akzeptiert unsere Gesetze und unsere Grundordnung nicht.

About Jürgen

Geboren 1967 in Neuss, mehr unter "Eigenschaften".

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Jürgen Langenberg